Archiv für die Kategorie ‘Schönes’

Wie wird man ein Meister?

Mittwoch, 20. November 2013

Mein Gott! Welchen Hoffnungen gibt sich ein junger Künstler hin!

Soll man sie ihm, je begabter, um desto eindringlicher, austreiben?

Darf man das?

Ich kam – zum Glück? – noch nicht in die Verlegenheit, einen jungen Künstler zu betreuen, dem ich etwas zu sagen gewusst, der mich ernstgenommen, bei mir Rats gesucht hätte, allzumal im Sinne dessen, dass er meines Metiers.

Ich stelle mir den Fall aber jetzt mal vor.

Der Kerl ist 24, sehr begabt, es mangelt ihm nicht an Ideen, sein Deutsch zeigt schon beachtliche Züge, er werkelt und macht und tut, das eine oder andere Stück lässt schon Klasse aufblitzen.

Er ist überzeugt davon, dass er es schaffen wird.

Nun ergibt sich das Grundproblem. Das doppelte.

Was willst du schaffen?

Willst du gut schreiben, willst du Erfolg, oder willst du gar beides?

“Klar will ich beides!”

Darf man ihm jetzt sagen, soll man ihm jetzt sagen, dass er im unteren Mittelmaße viel mehr Aussicht auf Erfolg habe, denn wenn er den Weg zum Parnass ernsthaft angehen wolle?

Soll man ihm sagen, dass er schleunigst ein braves Mitglied einer Freimaurerloge werden müsse, um in den nächsten zehn Jahren mit einiger Wahrscheinlichkeit “etwas zu gelten”?

Er ist, wenigstens biologisch, schon ein Mann.

Nein: Um desto mehr er taugt, umso weniger darf man ihn schonen.

Es ist ihm klarzumachen, dass es mit der Kunst vielleicht nie etwas wird. Und zwar nicht nur im Sinne des Könnens, sondern allzumal in jenem des Erfolges, selbst und gerade noch dann, wenn es mit dem Können etwas geworden.

Handelt man anders, so lügt man. Es sei denn, man wüsste es nicht besser. Dann aber wird man besser gar nicht gefragt.

“Ab wann ist man ein Meister?”

“Ein Meister bist du dann, wenn du dein gelungenes Werk allein einzuschätzen vermagst. Wenn es für dich keine Rolle mehr spielt, wie sehr es von anderen geachtet. Wenn du der anderen Urteile zwar noch mit Interesse betrachtest, sie dich aber nicht mehr beirren können.”

“Und wie wird man ein Meister?”

“Du übst dich in deiner Kunst selbst, unermüdlich, und du übst dich in jener zweiten Kunst, jener des Urteils über deine Kunst. Des eigenen, gnadenlosen, unerbittlichen, unabhängigen Urteils.”

Du wirst es erleben, dass deine besten Versuche und Frühwerke am meisten gescholten werden, Zweit- und Drittklassiges hingegen gelobt wird.

Das geschieht in seltenen Fällen, um dir die Sinne zu verwirren: meist liegt es am mangelnden Urteilsvermögen der anderen.

Es gibt aber auch kluge Kritik. Deine Wahl guter Kritiker ist fast schon eine dritte Kunst. Manche entschlugen sich dieser weitestgehend, und fuhren nicht schlecht damit.

Und: Achte alle anderen Künste. Bist du Dichter, so rede mit Malern, mit Musikern, mit Schauspielern, mit Bildhauern, mit Sängern allzumal. Da schotte dich nicht ab. Schotte dich lieber noch von anderen lebenden Dichtern ab, denn von jenen.

Es gilt jeder Buchstabe, jeder Laut. Nichts nur ist zu gering, dass es nicht beachtet gehörte.

Schaue dir deine Werke immer wieder an. Drehe dich nicht einfach weg. Erspare dir keine Peinlichkeit des Erkennens deiner Fehlerhaftigkeit.

Ergebe dich dem Trunke ebensowenig wie den Weibern.

Gut ist es auch, wenn du ein Handwerk lernst.

Das schärft die Sinne. Das Praktische wird zum Leben gebracht.

Wandle Hoffen in Wollen und Schaffen.

Hoffen hilft dir nicht.

Und, klar: Studiere die Werke der großen Meister deiner Zunft. Immer wieder.

Aber: Schaue auch da genau hin. Gar manches glänzt nur in der anderen Augen und Ohren, oft bloß, weil man das der Masse so beigebracht.

Und: Wage etwas. Nicht immer, aber immer wieder. Versuche dich auch einmal an einer Sache, die du dir noch gar nicht zu können zutraust. Wenn es schiefgeht, halb schiefgeht, was nicht unwahrscheinlich, so betrachte es als Gehversuch. Meister fallen nicht vom Himmel.

Irgendwann siehst du ein Sandkorn oder einen Tabakkrümel, und es erwächst dir daraus eine neue Idee, womöglich eine große, weit tragende.

Lerne, Ideen lange in dir zu bergen.

Wende dich nicht einfach vom Hässlichen, vom Bösen ab. Um Großes schaffen zu können, musst du auch das erfassen, genau kennen.

Man wird dir erzählen, das sollest du nicht. Du sollest nur das Schöne sehen. Die dir das erzählen, sind Toren oder Verführer.

Und: Setze auch dein Bauchhirn in Gang. Fühle.

Mehr weiß ich dir einstweilen nicht zu sagen.

Morgen fällt mir vielleicht noch etwas ein, das ich in der Eile vergaß.

 

 

Konstantin in Leiptsch schon engagiert

Dienstag, 19. November 2013

Nachdem Konstantin so gut geschlafen hatte wie seit Wochen nicht mehr, einem kleinen kräftigenden Spaziergange durch Leipzig, begab er sich zu einem Isswasundsovielduwillstfrühstück.

Das tat, trotz des ausgezeichneten Gänsebratens am Abend zuvor, noch einmal not.

“Wirklich merkwürdig”, dachte er bei sich, “dass ich nach so einem Abendessen anderntags nochmal einen Hunger habe alswie ein Wolf. Die Hamburger und der Speichel haben mir wirklich hart zugesetzt.”

Also folgete Schinken- auf Käsbrötchen, nicht Ei noch Butter noch Senf noch sonst ein Vorhandenes ward geschont, bis dass der Ranzen endlich wieder wirklich feist spannete.

Nun besahe Konstantin Leipzig sich bei Tage. Auch eine Stadt, der schwere Wunden geschlagen worden waren, die aber ganz fidel schien, zumal die Sächsinnen.

Gegen Viere, nach einem ersten Biere, einfach auf dem Bänkchen in die Luft genossen, beschloss Konstantin, die Zeit nicht länger verstreichen zu lassen, endlich seinen letztabendlichen Zechgenoss, den Berthold, anzurufen.

Dessen wohl um achtzehnjährige Tochter war am Apparat. Leicht schnippisch frug sie nach Konstantins Berechtigung, ihren Herrn Papa fernmündlich anzugehen.

Konstantin, nicht faul, entgegnete, dass der Berthold gestern Abend sehr wohl noch einen rechnungsfähigen Eindruck gemacht habe, indem er diesen Anruf geladen, die junge Dame möchte ihre Torwächterfunktion deshalb als richtig angesetzt aber gleichwohl zügig beendet begreifen, ihren Alten, wo möglich, in Bälde beiziehen.

Daraufhin spurte Elli Rüb. Der Papa kam.

“Rüb, guten Tag.”

“Hallo Berthold, hier ist der Konstantin. Wie geht’s? Ich plauderte, einladungsgemäß, gerne mal mit dir über dein Theater, was sonst so in Leipzig.”

“Ach, der Konstantin. Lass’ mich mal überlegen. Ich habe heute noch einiges an der Backe. Aber heute Abend um acht, da könnten wir uns im Kreuzkeller treffen, da gibt’s prima rustikales Essen, und der Wein stimmt auch. Findest du das?”

“Na klar. Es wird ja wohl selbst in Leipzig keine drei Kreuzkeller geben.”

“So ist es. Also bis dann.”

“Bis dann.”

Konstantin war etwas überpünktlich, kam also schon viertel vor acht, der Keller war ein echter Keller, bürgerliches Publikum. Er bat darum, erst bestellen zu dürfen, wenn sein Genoss käme.

Berthold traf auch zum Zeitpunkte ein, man gab sich die Hand, lachte erstmal, bestellte auf des ersteren Empfehlung hin zunächst den weißen Hauswein.

“Was esse ich hier denn am besten?”, frug Konstantin, indem der Wein gekommen.

Na, wenn du’s fleischig willst, mal kalt, dann die Wurst- und Schinkenplatte. Ansonsten die Käseplatte. Auch nicht zu verachten. Warm empföhle ich den Rinderbraten in Starkbier-Pfeffersauce. Da hat noch keiner gemeckert, der einen Arsch in der Hose hatte.”

“Was nimmst du?”

“Ich nehme die Käseplatte. Fleisch gab’s schon zu Mittag.”

“Ja, dem schließe ich mich an.”

Nach ein wenig Geplauder und einigen vertilgten Happen und indem der zweite Schoppen gerufen worden war, sagte Rüb ohne Umschweife: “Wenn du Lust hast, machst du bei mir am Theater was.”

“Was könnte ich denn da können?”, frug Konstantin, etwas zweiflig. “Ich habe keinerlei Ausbildung in der Richtung.”

Rüb lachte schallend und stieß erstmal mit Konstantin an.

“Trinken wir erstmal einen Schluck auf den guten Käse, das schöne Lokal, den beginnenden Abend, die schönen Frauen, und, nicht zuletzt, auf uns!”

Konstantin freute sich, denn der Berthold war wirklich ein jovialer Kerl, witzig und gebildet allzumal, der in keiner Weise einen schrägen Eindruck machte.

“Ja, und?”

“Hast du schonmal was von ‘Open Stage’ und ‘Slam Poetry’ gehört?”

“Ja, klar, das bin ich schon länger, als es die engsächsischen Begriffe dafür gibt.”

“Na also, dann blickst du da doch durch.”

“Und?”

“Mann, du Flachtüte, ich brauche einen, der diese Veranstaltungen ansagt und moderiert, der die Leute nicht zum Schlafen bringt, selber einen Plan hat, im Zweifel spontan eingrätscht, der es sichtbar selber kann, die Sache richtig abzieht. Du kannst das.”

Noch ein Schluck Weins.

“Ok, ich probier’s.”

Die weiteren Vorverhandlungen zwischen Konstantin und Berthold verliefen ziemlich unkompliziert, denn man war sich schnell einig, dass man die Sache einfach ausprobieren müsse und nähere finanzielle Konditionen unter Ehrenmännern jetzt nicht auszukaspern seien, man besser noch ordentlich einen trinken gehe und dabei lieber der zu bedenkenden Umstände und Sachen halber rede und entwickele.

Mittelschwer beladen und fröhlich alswie ein freier Dachs kam Konstantin gegen halb zwei ins Quartier, und er fühlte sich wahrlich gut zu Leipzig.

 

 

 

Konstantin schlägt in Leipzig auf

Dienstag, 19. November 2013

Nachdem Konstantin sich beim Bierchen, bei seinem Zigarettchen und seinem Liedchen erholt hatte, das Gefühl ihn durchströmete, wieder ganz der Alte zu sein, stromerte er, es war erst kurz vor Mittag, noch ein wenig durch Hamburg, aß eine Kleinigkeit, packte sein Gezeugs in der Pension, machte sich, indem er seinen Scheck eingelöst, zum Hauptbahnhof, besahe die Tafel, löste einen Fahrschein gen Leipzig, denn allda, insgesamt bei den Sachsen, hatte er noch wenig zu tun gehabt.

Im Zuge schrieb er Maike noch einen Brief.

Wer weiß, vielleicht verziehe sie ihm irgendwann.

Er war da ja auch nur reingerutscht, hatte es nie böse gemeint.

Immerhin, gutes Zehrgeld war aus dem Zerzeugshaus des Speichels am Ende herausgesprungen.

Und etwas sinnfällige Zersetzung war auch gelungen. Mal sehen, was der nächste Titel brächte. Zum ersten Male, es war ein Freitag, war Konstantin gespannt aufs kommende Heft.

Nach einem kleinen Schläfchen gar glücklich in Leipzig angekommen, ersuchte er sich ein einfaches Quartier, nicht zu weit von der Innenstadt, denn er gedachte heute Nacht vielleicht mal wieder richtig einen draufzumachen. Gut trinken und gut frei durchatmen.

Und, zumal, erst einmal gescheit essen. Hamburg hatte ihn ausgezehrt.

Und, siehe da, eine Gastwirtschaft fand sich, die traditionellen deutschen Gänsebraten mit hausgemachten Klößen und Blaukraut erbot. Das las er gerne. Vornab die Gemüsesuppe, zum Abgang Vanilleeis mit Brombeerrumtopf, sowie einen Courvoisier und unterwegs zunächst einen Weißen von der Unstrut, hernach einen Roten vom Kaiserstuhle. Kurzum: Er fühlte sich wieder wie ein ganzer Mann.

Die vergleichsweise unprätentiöse Art der Leipzigerinnen war ihm schon aufgefallen. Auch das eine Erholung gegenüber Hamburg. Auch wenn nicht weit von Hamburg und nicht gar so unhamburgerisch noch die Gitte durch seine Sinne spukte…

“Nein, bis dass du in Leiptsch Zoten anzettelst, wirst du dich zunächst zwei oder drei Tage erholen. Hamburg war hart. Das will erst verdaut sein.”

So schlurfte er nach seinem Mahle noch einige Stunden durch die Stadt, bis dass ihn der Nachdurst noch in ein Gasthaus führte, allwo des Weines zwar nicht billig, aber bestens.

Dorten, es war nunmehr schon nach Mitternacht, ging es gesittetermaßen hoch her. Nicht wenig lose Weiber warfen Konstantin ermunternde Blicke zu.

So ergab es sich schließlich auch an seinem Tische, dass er des Woher und des Wohins gefragt.

Konstantin, doch sehr gelöst ob des Verlaufs des Tages, gab ein paar Sprüche zum besten, zeigte sich von seiner erquicklichsten Seite.

Berthold, der Interessanteste und offensichtlich Trinkfesteste an der Tafel, gab ihm schließlich, indem er seine Gattin entführte, noch seine Karte, Konstantin möchte sich bei ihm melden, wofern er Interesse an einer pässlichen Tätigkeit oder auch nur einem also vergnüglichen Samstagabende habe.

Konstantin bedankte sich artig, man verabschiedete sich, und Konstantin war nun doch nach Bette und Schlummer.

Auf dem Heimwege besahe er sich aber noch die Karte: “Berthold Rüb – Centraltheater Leipzig – Intendant”.

“Mein lieber Schwan”, dachte sich Konstantin, “die Einladung werde ich sicher nicht verstreichen lassen.”

Und also ging er fröhlich zu Bette.

 

 

Konstantin entspeichelt sich

Montag, 18. November 2013

Konstantin fuhr zwar scheinbar noch zum Speichel, in Wirklichkeit aber kroch er.

Eine gute Miene zu dem dort dargebotenen Spiele zu machen, jetzt schon seit Wochen, das machte ihn kirre.

Er sahe und hörte, wie das ganze Buchstabengeschmeiß von Reuters und den anderen Schwindelagenturen hereinkam, wie in einer Billigstwurstfabrik nur gröbst weiterverarbeitet der Kundschaft unter großem Getöse in die Schlünder gestopft ward.

Er schämte sich, auch noch ein Rädchen in diesem Lugsgetriebe zu sein, dass ihm noch nicht ein rechter, gescheiter Possen eingefallen, geschweige denn gelungen.

Er fühlte sich auf die übelstdenkbare Weise erhamburgert. Das Geschnatter der Tippsen und noch schlimmer der Redakteurinnen, die hießen jedenfalls so, an gefühlter Selbstwichtigkeit und Anmaßung nicht einmal von Pavianen zu übertreffen, raubte ihm den letzten Nerv.

Noch schlimmer die Redakteure. Allesamt entweder schwul oder hinterschleimerte, arglistige Bündler und fiese Eckensteher. Dante hätte, so dachte er bei sich, hier zum Thema Höllen noch etwas lernen können.

Redlichkeit und Anstand waren hier zwei völlig unbekannte Fremdwörter. Eine einzige korrupte Propagandamaschine. Eine Poporogandamaschine.

Dazu die stechenden Blicke Maikes. Er fühlte sich hundeelend.

Das mit dem Channeling schmank er sich ab. Es musste irgendeine vernünftige Eskalation her, wenigstens ein Rausschmiss hochkant.

So beschloss er kurzerhand, zum Chefredakteur zu gehen, sich dort unfugshalber einfach auf seine guten alten Instinkte zu verlassen, egal, wie dann der Ausgang.

Schließlich wurde er vorgelassen. Dr. Worpswede wirkte recht gelassen, ein leichtes zynisches Lächeln spielte um seine Lefzen.

“Nun, Herr Eulenspiegel, was verschafft mir die Ehre?”, frug der Schabrack.

“Sie sollten mich zum Ressortchef machen”, versetzte Konstantin ohne Umschweife.

Worpswede guckte erst etwas überrascht, begann dann unvermittelt zu gackern alswie ein altes, räudiges Perlhuhn.

“Was, häha, was sollte ich? Sind Sie nicht ganz bei Trost?”

“Naja, ich sage es mal ganz direkt. Nur so haben Sie noch ein Chance, Ihren Arsch zu retten, mit Verlaub, Chef”, setzte Konstantin ungerührt nach.

“Sie haben wohl nicht nur ein Rad ab, Eulenspiegel, verlassen Sie sofort mein Büro, holen Sie sich Ihre Papiere”, konterte der andere scheinbar gelassen, “und zwar schnell, sonst rufe ich den Sicherheitsdienst.”

“Gut”, meinte Konstantin wirklich gelassen, “jeder hat Chancen im Leben, mancher verpasst sie. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Doktor. Gute Wünsche werden Sie noch brauchen. Gehaben Sie sich wohl.” Und wand sich zur Tür.

Justament, indem sich Konstantins Hand um die Klinke schließen wollte, erscholl es von hinten: “Halt! Bleiben Sie noch einen Moment!”

Konstantin drehte sich wie als ob sehr verwundert um und meinte, gerunzelter Stirn: “Was sollte ich Ihnen noch, ich denke, ich bin entlassen? Wozu sollte ich mich Ihnen noch mitteilen?”

Worpswede kochte. Aber er nahm sich zusammen. “Setzen Sie sich. Setzen Sie sich.”

Konstantin zögerte einen Moment, setzte sich dann aber, schlug das rechte Bein über das linke, ansonsten ganz entspannt.

“Reden Sie!”

Konstantin lächelte. “Wozu? Ich bin doch entlassen.”

“REDEN Sie!!!”, donnerte der Doktor.

“Also gut. Dann aber Abfindung. Papier her, Unterschrift, oder ich gehe”, sagte Konstantin also kühle wie leise.

“Und dass auch das klar ist: Ich werde keine Namen nennen.”

“Wer steckt dahinter?”, külchte Worpswede.

“Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich Ihnen lediglich informativ helfen werde, aber keine Namen nennen. Dabei bleibt es. Wo ist die Abfindungsvereinbarung?”

Jetzt wurde der Doktor wieder Profi. Es war ernst.

“Wie viel wollen Sie?”

Konstantin hätte gern richtig hingelangt, besann sich aber eines Besseren.

“Zwanzigtausend. Das ist zwar fast geschenkt, aber ich will raus aus diesem Puff. Ohne weiteren Schaden zu nehmen. Ich komme in einer Viertelstunde wieder. Wenn der Wisch auf dem Tisch liegt, packe ich aus. Ansonsten wünsche ich Ihnen noch viel Glück.”

Stand auf und verließ Worpswedes Büro.

Eine Viertelstunde später lag der Wisch auf dem Tisch, der Doktor hatte seine Krawatte etwas gelockert und offensichtlich einen guten doppelten Kognak eingegeust.

“Also, jetzt, Klartext!”, bellte er, indem Konstantin den Abfindungsvertrag einsteckte.

“Es läuft eine Verschwörung gegen Sie”, meinte er trocken.

“Man kolportiert, Sie seien verrückt, ja besessen.”

“Was?”

“Die Leute erzählen sich, und viele glauben das, Sie ließen sich sowohl Hefttitel- als auch Themenauswahl channeln. Sie glaubten an eine diskarnierte Wesenheit namens Karb, von der Sie sich bedingungslos diktieren ließen. Daher die rückläufigen Verkäufe, bei Abos wie am Kiosk. Der Chef sei nicht mehr ganz hiesig, keine publizistische Vernunft mehr dringe an sein Ohr.”

“Wie viele sind es?”

“Ich weiß nicht genau, man spricht ja nicht so offen darüber. Ich habe auch keine Ahnung, woher das Gerücht rührt. Aber es geht herum, das ist sicher.”

Worpswede sann eine Weile.

“Und wenn Sie bleiben, mir gegen das Gesindel helfen, wie wäre das, Herr Eulenspiegel?”

“Tut mir leid, Herr Doktor”, sagte Konstantin nach einer kurzen Pause ungerührt, “da müssen Sie schon selber durch. Wer sich Irre züchtet, der hat dann halt irgendwann auch welche.”

Kopfschüttelnd stand er auf, machte sich zur Türe, ehe der andere noch etwas anzusetzen wusste, rüber an seinen Platz, packte schnelle sein Bündel, auf zur Pforte, raus an die frische Luft.

Er holte sich am Imbiss ein Jeverchen, setzte sich auf die Bank an der Außenalster, da alles begonnen hatte, nahm einen tiefen Zug, drehte sich eine, pfiff erstmal ein Liedchen.

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/08/07/konstantin-eulenspiegels-bisherige-fahrnisse/

 

Von Magnus Carlsen und dessen und meinem Spiele

Sonntag, 17. November 2013

Der andere, der im Schach wahrhaft große Magnus, spielt ähnlich wie ich auf meinem Gebiete.

Ich es auch in meinem Mindschach je versuchte zu pflegen.

Positionell unerbittlich.

 

Heute nicht von Deppenstan: Wiederum von Aphorismen

Sonntag, 17. November 2013

Nein, heute bin ich zu gut gelaunt, um den Freimaurern und anderen Geheimbünden gebührlich eine einzuschenken. Die dürfen warten. Selbst die Psychiater und deren Drogen und Einrichtungen.

Ja: Es geht wieder um das Thema Aphorismen.

Dass es diese merkwürdigen Textzipfel, Textpfitzel überhaupt gibt, ist schon den wenigsten bekannt oder gar relevant.

Weshalb will man von diesen kleinen Textteufelchen so wenig wissen?

Nähern wir uns mal der Sache.

Dass keiner genau weiß, was ein Aphorismus ist, daran liegt es sicher nicht. Das ist selbsterklärend.

Dass es keine guten Aphorismen gäbe, daran kann es auch nicht liegen.

Es kann auch nicht daran liegen, dass Leute, die ständig Romane von Olsen oder Mankell lesen, oder wenigstens Grisham, keine Zeit dafür hätten, Aphorismen zu lesen.

Und auch Leute, die lieber Schiller und Dostoijewski lesen: Selbst die hätten genug Zeit dafür.

Manchem mag es zu öd erscheinen; aber eben nur manchem.

Der Punkt ist, dass Aphorismen, gute Aphorismen, echte Aphorismen, stets etwas Subversives an sich haben.

Da ist mehr Frage, denn da Lösung wäre.

Aphorismen kann man nicht einfach lesen, alswie einen Taugenichts oder Narziss und Goldmund.

Mit eifrigem Behagen und Magenstreicheln.

Es gehört schon mehr dazu, sich daran zu erbauen.

Man muss sich sich selbst stellen.

Das war noch nie allzusehr in Mode.

Man kann Moliere (ja, der arme accent grave fehlt, mir grade zu stressig, den auch noch einzubringen) weglachen, selbst Shakespeare: Einen guten Aphorismus lacht man nicht einfach weg.

Entweder man lässt das Hirnkastl ran, oder man lässt es lieber.

Genau deshalb liebe ich die Aphorismen Lichtenbergs: und Nietzsches allzumal.

In einem ganz tiefen Sinne sind gute Aphorismen den chinesischen und meinen Strategemen verwandt.

Muss ich das auch noch erklären? Rhetorische Frage. Nein.

Es gibt Wettbewerbe in Schlagzahldichtung (“Slam Poetry”), in Lustspiel (“Comedy”), in jedem schon von der Namensgebung her – nur hier nicht – angelsächsisch besatztem Quatsch.

Wie ich’s hier wohl schon einmal beschrub: Mir ward schon teutschlichst gemacht, dass man leichter Jauche verkaufe – die ja immerhin als Dünger was wert – denn Aphorismen.

Das war an einem meiner jüngst vergangenen Geburtstage, und der Hauptprotagonist solcher Prosa war ein echter Marketender heutiger Sorte, also einer, der wirklich was vom Verkaufen in wie dieser Gesellschaft versteht.

Na, dann lachen wir einfach.

Das ist am besten getan.

Strich.

Alsowenig, wie wir noch der echten neuen Novellen gewahren (auch diese zeigen eine tiefe Verwandtschaft, man merke meiner Worte: und habe ich selbst noch keine eine vorgelegt), gewahren wir noch öfter der entsprechenden Aphorismen.

Es liegt also nicht nur an den mangelnden Empfängern. Auch die Sender sind zuwenig unter Strom.

Ja, dumm, dass Aphorismen sich nicht planen lassen.

Sie lassen sich nicht einmal suchen.

Genau eben in ihrer Unaufgelöstheit reicht noch nicht einmal unbedingt ein Geistesblitz.

Der, wenn kömmt, will dann auch noch in den angesagten Zweifel oder Dreifel oder Wasweißichwasfel gebracht werden.

Dann wird’s, manchmal, ein großer Aphorismus.

Meist aber ist es ein lange gehegter Gedanke, der sich also verdichtet.

Und doch unabgeschlossen.

Das ist zuviel für die Masse.

 

 

Aphorismen, Lehrertum, Schönes

Donnerstag, 14. November 2013

Heute habe ich versucht, einem jungen Manne, der das Wort Aphorismus noch nicht einmal kannte, in den letzten zehn Unterrichtsminuten, indem ich zufällig darauf kam, zu erklären, was Aphorismen ausmache, was das für schräge Dinger seien.

Das ist, da man es ja selber nicht so genau weiß, ein schwierig’ Ding.

Nach einigen Fuchteleien und Hinweisen half mir, was wunder, tatsächlich Georg Christoph Lichtenberg, naja, nicht gerade aus der Patsche, aber doch zum noch Erreichbaren.

Die Abgrenzung zum Sprichworte, zur kurzen Satire, zum knappen Traktat oder Essay, zu einer beurteilenden Betrachtung war, so gut als in dieser Zeit und überhaupt möglich, wohl vollbracht und verstanden.

In solchen Augenblicken erfahre ich wiederum, indem es einfach so aus mir herausbricht, weshalb ich nicht nur gerne schreibe, sondern auch den Lehrerberuf wohl nicht umsonst ergriffen habe.

Deibel aber auch.

Vielleicht muss ich doch noch Bildungsminister werden.

Schach-WM: Ganz großes Kino für mich heute! Grandios!

Mittwoch, 13. November 2013

Die heutige Partie zwischen Anand und Carlsen war für mich so faszinierend, dass ich kaum noch vom Rechner wegkam.

Ob sie wirklich so gut war, wie ich das empfand, Berufenere als ich doch gravierende Fehler sahen oder noch finden werden? Bisher hörte ich wenigstens nichts in der Richtung.

Um das klarzustellen: Ich habe lediglich Bezirksliganiveau.

Nun aber, ich will einfach auch meinen Senf dazu geben, knapp das Faszinosum: wie Carlsen sich um eines Bauerns willen derart einschnüren lässt, dass sein Damenturm in hundert Jahren nicht ans Licht kommen wird, während ein Anand auf der offenen d-Linie seine Türme verdoppeln kann, ersterer sich dann rauskämpft, wie als ob er die Stoa erfunden hätte, Anand hernach unter solchen Druck setzt, dass ich dessen Stündlein schon zu schlagen wähnte, der schließlich so virtuos verteidigt und immer wieder Gegendrohungen setzt, dass doch wieder ein Remis herauskommt: für mich ganz großes Kino.

Da kann man schachsüchtig werden.

Grandios!

Schach-WM: Carlsen schwächelt, Anand wird trotzdem kritisiert

Dienstag, 12. November 2013

Gegen den großen Magnus bin ich natürlich nur ein ganz kleiner Magnus.

Jedenfalls im Schach.

Der große ist Norweger und erst 22 und heißt Carlsen und will gerade Weltmeister werden.

Alle sind sich bislang einig, dass er, obschon zunächst von den meisten gegen den Titelverteidiger Anand als Favorit eingeschätzt (Carlsen ist Weltranglistenerster, Anand sechster), bei zweimal Weiß und einmal Schwarz bislang in der ersten Partie ohne rechten Biss gespielt hat, so dass sich früh ein Remis durch Zugwiederholung ergab, in der zweiten mit Schwarz (wiederum ein – nicht ganz so frühes – Remis durch Zugwiederholung) sehr beachtlich, heute, wiederum mit Weiß, aber (wie er selbst zugab) schon knapp an einer Niederlage vorbeischrammte.

Klariter schließe ich mich jenen Kritikern an, die die Beschränkung des Kampfes auf nur zwölf Partien bedauern. Die 24 fordern, oder aber ein bestimmte Anzahl an Gewinnpartien. Oder auch das schon gespielte Regularium, dass Weltmeister ist, wer zuerst 12 Punkte hat.

Recht offensichtlich führt die geringe Anzahl an Partien zu großer Vorsicht auf beiden Seiten, weil schon der erste Verlust einer Begegnung einen großen psychischen Druck erzeugen kann. Das schadet der Attraktivität des Wettkampfes und damit auch der Popularität des Spieles insgesamt. Viel leichter kann so schon ein Patzer entscheidend über die Vergabe der Krone des königlichen Spieles entscheiden. Schade.

Nun gut. Irgendwann wird etwas passieren – müssen.

Ich gönnte es meinem Namensvetter, einem so jungen Kerl, natürlich gerne, wenn er obsiegte.

Mit Absicht aber hat er heute bestimmt nicht so gespielt, wie er es tatsächlich (obschon die Fachwelt auch Anand, als dieser besser stand, einen Läuferzug als zu zaghaft ankreidet) wollte und sollte.

Egal. Es macht mir trotzdem wieder wirklich Spaß, die Partien nachzuspielen.

WM: Das kribbelt.

Die dritte und bislang spannendste Partie von heute fand ich übrigens hier sehr schön kommentiert:

http://www.sportal.de/schach-live-ticker/viswanathan-anand-magnus-carlsen-2013-11-12.html?affiliate=spox

 

 

 

 

Vom Aphorismus als Therapeutikum

Dienstag, 12. November 2013

So mancher Aphorismus hat schon etwas mit der Heilung geistiger Spukphämonene zu tun. (Siehe den letzten: “Von Linguisten und Quantofanten”)

Manches Seltsame mag schon über Jahre in einem rätteln, um einen herumrätteln, bis dass es endlich an jenem Schopfe gepackt, den der Aphorismus bekanntlich meist selber nicht hat.

Nicht selten fühlt man sich nach diesem merkwürdigen Akt trotzdem irgendwie besser.

Und sei es in eine noch so amorphe Form gegossen: Das Numinose schwindet.

Es mag zwar nicht besiegt sein, aber das Rätteln lässt immerhin nach.

Zudem findet sich von da aus, wo man immer noch nicht weiß, wes man ist, auch immer wieder ein Ausgangspunkt für ein schönes Gleichnis oder eine Satire.

Das tut der Seele, von der ja auch nicht bekannt ist, was sie sei, ob überhaupt einer eine habe, dann doppelt gut.

Die wirkliche Dreieinfaltigkeit erreicht man, wenn man daraus schließlich einen großen Roman abzuleiten weiß.

Das “Un” vom Unfug ist ja auch nur wegen des Fugs da. Ohne Fug bedürfte es schließlich keines Uns. Oder haben Sie schonmal ein “Un” gesehen?

Allerdings habe ich, um auf die Quantofanten und Quarkomaten zurückzukommen, ohne weiteres schon Unquanten und (Gottlob auch den!) Unquark gesehen und gehört und geschmeckt.

Ein Unquant (manche sagen auch, aber das ist sehr süddeutsch-umgangssprachlich, “Unsquant” dazu) ist zum Beispiel ein anständiger Eineinhalbkilo-Fäustel oder eine große Kettensäge von der Firma Stihl. Da kommen keine Fragen mehr auf. Hier im Schwäbischen heißen ja auch Füße Quanten, zumal wenn sie groß sind und entsprechend stinken.

Unquark ist noch einfacher definiert: Das ist alles, was kein Quark ist, also genießbar.

Auf die Frage, was genau ein Ungott sei, will ich hier nun aber nicht mehr eingehen. Man verletzt ja der Leute religiöse Gefühle nicht ohne Not.

 

 

Vom offenen Geheimbunde

Sonntag, 10. November 2013

Was auch immer Ihr schreibt: Es sei am Grunde ein Gesang.

Kafka zum Beispiele fiel das sehr schwer. So schwer, dass er seine Werke nicht einmal veröffentlicht sehen wollte.

Auch Heinrich von Kleist fiel, viel zu früh.

Schiller wurde schändlich verscharrt, wahrscheinlich, nachdem man ihn umgebracht hatte.

Ihr habt Buchstaben. Am Grunde Runen.

Jeder zähle.

Horcht Eurer eigenen Worte.

Jeder Satz klinge in Euch.

Jeder, der dies versteht, ist mein “Bruder”.

Im offenen Geheimbunde.

In jenem, der keiner Verschwörung bedarf.

Er ist nämlich nur gegenüber jenen geheim, die nicht hören, nicht wissen wollen.

 

Krankenhaus? Schwul werden!

Dienstag, 05. November 2013

Ein Kumpel von mir ist gerade im Krankenhaus, ich besuche ihn so oft ich kann.

Seine Lage wirft mich geistig manchmal zurück in jene Zeiten, die ich dunnewann selbst in Kliniken zu verbringen hatte. Wie kriegt man den verdammten Tag rum?

Nur als eine Frage.

Eins aber habe ich jetzt schon gelernt.

Seit zwei oder drei Tagen hat er kein Einzelzimmer mehr, muss mit einem, naja, durch seine Computergewohnheiten nicht so ganz verträglichen Zeitgenossen auskommen.

Hinten aber gebe es einen Schwulen, der habe weiterhin, naheliegenderweise, ein Einmanndomizil.

Wenn ich also jemals wieder in eine solche Traueranstalt muss, werde ich mich zum Schwulen erklären. Zum granatenmäßigen Schwulen.

Ich will nämlich, wenn eh schon alles scheiße ist, auch meine Ruhe.

Und Moslem werde ich vielleicht auch noch, oder lieber Jude, nein, ersteres ist bei Apostasie tödlich, zweiteres kann ich nicht nachweisen, also doch lieber Hindu, damit ich die zerkochten Reste aus dem Schweineeimer nicht ausfressen muss, so wie damals.

Zwei Vorbilder

Sonntag, 03. November 2013

Zur Zeit habe ich zwei lebende Vorbilder.

Einen Chinesen und einen Deutschen.

Der Chinese nimmt mich über seine Haltung mit, der Deutsche durch seine Diktion.

Der Chinese ist etwa so alt wie ich, der Deutsche ist wohl 15 Jahre jünger.

Der Chinese konnte aber schon vor 15 Jahren, was er immer noch kann.

So stehen sie gut nebeneinander.

James’ Reisegründe

Samstag, 02. November 2013

“Indien ischs beschde Reiseland. An jedem Eck driffsch an Wahnsinniga.”

(Von meinem verstorbenen Freund James, der Indien ab Ende der Sechziger über zig Jahre bereiste, regelmäßig halbe Jahre dort verbrachte.)

Kickt der Göller 2022 in Katar?

Freitag, 01. November 2013

Man hat mir angetragen, ich solle doch 2022 in Katar mitkicken.

Man entsorge dort, da das Unheil leider nicht mehr abzuwenden, statt noch brauchbarer teurer Bundesligaspieler, lieber alte Seckel wie mich, die keiner mehr braucht.

Ich frug darauf, was denn dann wohl für mich dabei herausspringen könne. Ganz nüchtern.

99 Jungfrauen werde ich nicht annehmen, nichtmal im Jenseits, denn das wären mir schon als jungem Kerl zu viele derer gewesen.

Außerdem kickte ich nicht mehr, ohne vorher mindestens ein Bier zu trinken. Der Flüssigkeit, der Energie und der Mineralstoffe halber. Wenigstens 10 Minuten solle ich ja wohl durchhalten.

Wie sie mir denn mein Bier ins Stadion schmuggeln wollten. Da bräuchte ich nun schon Garantien. Vom Franz unterschrieben, mindestens, nicht von einem verlogenen, dekadenten Scheich, der in seinem Leben wohl noch nicht mal einen halben Bossenstein umgedreht habe.

Da wurden die Leute von der Fifa doch etwas nervös. Ich sagte ihnen nämlich, dass ich nicht nur das Bier wolle, überdies vom Mossad garantiertes freies Geleit, sondern auch noch die Prämie, selbst wofern ich hienieden doch noch weiterzukrabbeln wüsste.

Golds also genung, ob tot oder lebendig.

Da meinten sie, sie müssten sich erstmal nochmal mit dem Sepp und dem Michel beraten.

Schließlich seien die Filmrechte an meinem Verröcheln schon verkauft, und damit ergäben sich so doch rechtliche Komplikationen.

Sie meinten, ich höre wieder von ihnen.

Ich glaube kaum, dass sie Wort halten.

 

 

 

Meinem Traume

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Da, sieh, wie sie

Die Blume

Einfach bricht aus der Krume

Jermain Foutre le Camp

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Ich fand diesen Artikel von Jermain Foutre le Camp eben beim Dude (dudeweblog.wordpress.com) und verlinke ihn aufgrund seiner außergewöhnlichen Qualität auch hier.

http://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2013/05/06/ihr-beitragsentwurf-wurde-gespeichert/

Das ist ein Text für alle, ganz besonders aber für den schreibenden Nachwuchs.

Obzwar er eine gewisse Melancholie beinhaltet, hebt er mir die schon lange hereingebrochene Nacht.

Jetzt will ich von Blumen und duftenden Wiesen träumen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I pee on Tor

Montag, 28. Oktober 2013

Ja, das Motto ist ein bisschen vulgär. Der Sache damit aber angemessen.

Schnellentschlossene können mich heute Abend im Stuttgarter Theater Rosenau in meinem anteiligen Kurzchaos (“Open Stage”) von etwa zehn Minuten versinken sehen.

Ich hoffe, dass mindestens noch einer außer mir so blöde ist, dass er auch mal lacht.

Der Auftritt wird in sauberem Zentralschwäbisch, leidlichem Schriftdeutsch und natürlich auch etwas ausgezeichnetem Englisch abhegen.

Wer kommt, ist selbst schuld, wenn er hinterher nicht mehr glaubwürdig bestreiten kann, mich ein wenig zu kennen.

Dafür wird er dann wissen, weshalb die Merkelin keine Zwiebel ist, sondern eine Artischocke.

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Nachtrag

Wenn ich richtig durchdrehe, kömmt vielleicht sogar noch ein wenig Unterfränkisch hinzu.

 

Altersmilde? Wat?

Sonntag, 27. Oktober 2013

Ach du meine Scheiße.

Es fiel mir schon einige zeitlang auf, und es ist einigermaßen erschröcklich.

Altersmilde musst’ ich feststellen.

Einsetzende Altersmilde.

Jeder weiß, dass das normalerweise die Vorboten der einsetzenden Demenz sind.

(Man sieht es klariter: Plural und Singular sind schon nicht mehr sauber zu halten.)

Ich finde das gar nicht lustig.

Allein schon, dass das allein nicht für eine echte oder vorgetäuschte psychische Vollkrise reicht, macht mich schon mittelprächtig fertig.

Meinem rechten Arm geht es immer besser, und dafür zahlt wohl das Hirn.

Scheißendreck aber auch.

Man kann doch, mag man auch älter und schwächer werden, körperlich wie im Geiste, nicht alle Banditen, Bilderberger und Bundesnichtverfassungsschützer einfach so laufen lassen alswie ein Gretchen mit vielleicht etwas zu kleinem Busen.

Wo kämen wir da hin?

Ja, böse Frage.

Nur dämmernde, halbschimmelige, übelst abhängende, vielleicht gerade noch ihr Restschmerzphon Bedienfähige lümmeln um den letzten ausgebrannten Ofen, der in solch einer Republik noch nach Endwärme riecht.

Will ich da wirklich hin?

Nein.

Ich werde mich mit meiner Milde mal ernsthaft unterhalten müssen. Selbst Milden müssen sich einigermaßen tragbar menschlich benehmen. Schließlich sind wir es, die sie überhaupt erst erfunden haben.

Genug.

Selbstmitleiden ist auch nicht besser als demenzgesteuerte Altersmilde.

 

O Mr President Holy Saint Dear!

Donnerstag, 24. Oktober 2013

O Mr President Holy Saint Dear

So much lovin’ Yer smear

It is just great

To steal

As fair a deal

And kill

At will

O Master of Hate

Peoples’ Fate

Yea: I love thee

Yer stunning glee

Yer cunning

As the Craven Thou art

Not worth one good fart

Hail!

Fail!

“Truther”: Gemeinsam daneben ist auch vorbei

Dienstag, 22. Oktober 2013

Mir ist eben aufgefallen, indem Leser Dude zu http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2011/07/06/truther-mit-dem-begriff-lauft-es-nicht/comment-page-1/#comment-239586 einen Link einstellte, einen “Trutherlink” - https://www.youtube.com/watch?v=xVZRgKZefCk - auf eine stimmlich angenehme Jasinna, die ihr Konterfei aber auch eher diabolisch anlegt, dass ich jetzt schon lange keine dieser blöden Guy-Fawkes-Masken mehr auf der Gasse gesehen habe. (Wie soll man da zu seinen Kindern sagen: “Guck mal, die sehen zwar wie die übelsten Mafiosi aus, aber in Wirklichkeit sind es die Guten!” – ?)

Entweder haben ein paar Leute was dazugelernt, oder die sind halt einfach mal wieder genauso durch wie andere Moden. (Letzteres hat wohl mehr Gewicht.)

Von “Anonymous” habe ich auch nicht mehr viel mitbekommen, was natürlich daran liegen kann, dass ich so viel arbeite und schlafe.

Piraten? Gab es nach Captain Morgan noch Piraten?

Idioten gibt es aber mit Sicherheit noch. Um das zu wissen, muss ich nichtmal auf die Gass’.

Immerhin sehe ich selber auch ohne Augenklappe und rotes Kalottentuch, ohne Lippenpiercing und Banditenmaske wenigstens ein bisschen so aus, wie als ob ich ein paar weniger glorreiche Tage überlebt hätte. Am Kindererschrecken liegt mir trotzdem nichts. Nicht einmal dann, wenn das gerade mal wieder “in” ist.

Man geht jetzt wohl wieder in den angesagtesten Club und tut dort so lange so, oder redet es sich wenigstens ein, dass man sich gerade nicht langweilt, bis dass die nächste Sau durchs Dorf getrieben.

Was, andererseits, an Fasching, meinetwegen auch an Allerheiligen, bei Kindern ein lässlicher Spaß, kann ich im Sinne ernsthafter gesellschaftspolitischer Arbeit bei Erwachsenen immer noch nicht nachvollziehen.

Meinen die etwa, dass ein Kissinger und ein Brzezinski sich vor ein paar derartigen, im Grunde infantilen Kapriolanten ob deren Äußerem ein Bonbon ins Hemd drücken?

Die Energie verpufft mit dem Spaße an der Provokation.

Der Verdacht liegt nahe, dass man derlei Gestalten und Aufzüge zeitweise gar noch fördert. So ist der Protest Party, eine Party, bis die eben auch, mit mehr oder weniger Kater abgefeiert.

Ich will damit weder die Bemühungen jener Jasinna, noch wohl auch mancher Anonymous-Leute, noch gar einiger Piraten der ersten Stunde insgesamt abtun; trotzdem verbindet die drei Beispiele ein irrseliges Konzept.

Ich neige, wie jeder weiß, der mich kennt, keineswegs nur zu intellektualistischer Miesepeterei, bin für einen derben Spaß und für dionysische Abende alleweil ohne weiteres zu haben.

Ich störe mich auch nicht an Grufties und ähnlichen Gestalten. Alles aber an seinem Orte.

Ich sah auch schon aus, wie ein Schornsteinfeger. Nichtmal so selten. Mancher Ofen und manches Ofenrohr war schon zu reinigen.

Deshalb fiele es mir aber nicht ein, ernstlich eine Partei der Rußverschmierten oder der Satanas-Zombies aufzumachen. So etwas macht man auf der Theaterbühne, in der Satire, mal zum befreienden Lachen. 

So etwas bindet man allenfalls in ein Konzept, in Konzepte gut dosiert ein, wenn man etwas erreichen will, warum nicht: Man macht es aber nicht zum tragenden Konzept.

 

Strategische Grüße gen Peking

Sonntag, 20. Oktober 2013

Grüße gen Peking. Indem ich inzwischen auch über die chinesischen – und meine – Strategeme schreibe, habe ich dort wohl wenigstens einen interessierten Leser gewonnen.

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