Archiv für die Kategorie ‘Philosophie’

Dem Nachwuchse XII

Freitag, 06. Juli 2012

Wer die Teile I bis XI verstanden hat, dem vermag ich – bis zu neuen eigenen Erkenntnissen – nur noch wenig zu raten. (Was natürlich nicht heißt, dass es ab da schadete, hier zu lesen.)

Wichtig ist, dass man immer wieder mal eine Gewohnheit ändert.

Das heißt nicht, dass man sich alle vier Wochen eine neue Freundin suchen soll oder jedes Jahr umziehen oder seine besten eingetragenen Bergstiefel wegschmeißen.

Sondern, beispielsweise, dass man, wie ich es erst vor wenigen Tagen gemacht habe, nach jahrzehntelangem Nichttragen, einfach eine Armbanduhr kauft und sich damit einen neuen Werdegang erwirbt.

Dass man, wenn man den Rinderbraten sonst immer mit Salbei oder Rosmarin gemacht hat, ihn auch mal mit Thymian macht.

Dass man, wenn man durch die Stadt geht, einfach mal andersrum geht, als sonst.

Dass man mal mit der Linken macht, was sonst die Rechte besorgt.

Ich werde in absehbarer Zeit sogar nochmal Kürbissuppe versuchen (nach einigen kläglich gescheiterten Versuchen an diesem Matsch, den andere gar höchst köstlich zubereitet fanden; ich kochte sogar schon selber welche, mit aller redlichen Mühe, Sahne usw., doch es half nichts), obschon dies so ziemlich das einzige Essbare ist, was bei mir nahezu einen Kotzreiz erzeugt.

Ich habe ja auch meine Kartoffelbreiphobie überwunden, die mir als wehrloses Kind im Stuttgarter Marienhospital von bösartigen Nonnen auf übelste Weise angezüchtet wurde.

Den Sinn solcher Maßnahmen muss ich hier nicht weiter erklären.

Was überdies Sinn ergibt, ist, sich über wiederkehrende Strukturen in den eigenen Träumen Gedanken zu machen. Was steckt dahinter? Wieso hat man was, von dem man sehr wohl weiß, was für eine Rolle es im eigenen Leben gespielt hat, nicht positiv aufgelöst, so dass man es immer wieder verarbeiten muss? Wieso drücken andere Sachen, vielleicht ärgste, nicht mehr?

Des weiteren die Entwicklung der Wehrlosigkeit als eine der stärksten Wehren und des eigenen Humors und damit der Lebenskraft. (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (XI)

Donnerstag, 05. Juli 2012

Wer bis zum Teile X gekommen ist, der steht ab da in einer höheren Verantwortung.

Denn das, was die Menschen gemeinhin Zufall zu nennen pflegen, bleibt zwar nicht aus – der Zufall gibt nicht auf – , wird aber zu etwas ganz anderem als vordem.

Die Dinge sprechen anders, unmittelbarer, zu einem.

Man trennt anders, und fügt anders zusammen.

Man erkennt zumal auch Menschen anders.

Man hat den Scheideweg eines Herakles schon weit hinter sich.

Es kommt aber ein neuer, der unzählige Abzweige hat.

WOHIN JETZT ZUERST? (weiterlesen…)

Gott als der Physiker Tanzbär

Donnerstag, 05. Juli 2012

Gott war irgendwie schon da.

Und so saß er da, vor dem sonstigen Nichts, betrachtete es lange, bis ihm darüber langweilig ward.

“Was soll ich bloß die ganze Zeit mit diesem immergleichen Nichts anfangen?”, frug er sich.

“Sag doch wenigstens mal was!”, sagte er schließlich, schon etwas verärgert, zum Nichts.

Das Nichts aber sagte nichts.

Irgendwann reichte es Gott, mit dem störrischen Nichtse, und er dachte gründlich nach.

“Haha! Dir komme ich!” – rief er schließlich.

Da schuf er ein zweites Nichts.

Das Urnichts sollte sich noch wundern. (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (X)

Montag, 02. Juli 2012

Nietzsche sprach von dem “ungeheuren Verbrauch an Nervenkraft”.

Wenn man, durch dauerhafte, immense geistige Anstrengung nach und nach zu neuen Formen der begrifflichen Assoziation gelangt, zu einer regelrechten Veränderung zerebraler Funktionen, auf Deutsch gesagt, sein Hirn umbaut, darf man sich nicht darüber wundern, wenn zwischendurch eine ansonsten unerklärliche körperliche Mattigkeit auftritt. (Man hat also nicht drei Nächte, nichtmal eine Nacht, durchgesoffen, hat brav und gut gegessen, und schafft es, obschon nicht schlecht und lange geschlafen, kaum aus dem Bette.)

Schon einen Topf anzuheben mag wirken, wie als ob ein Elefant drinsäße. (weiterlesen…)

Fiesheit contra Nietzsche

Donnerstag, 28. Juni 2012

Ich höre, wenn ich Nietzsche ins Spiel bringe, seit vielen Jahren immer wieder die gleiche Leier.

“Jaja, und am Schluss ist er wahnsinnig geworden!”

Na und?

Was ändert das an seinen Aussagen, getroffen bevor er, wir wissen nicht, weshalb, sehr krank wurde? (weiterlesen…)

Religion und kleine statt der großen Sachen

Sonntag, 24. Juni 2012

Sohn hat sich fünf Euro verdient.

Um ihn zum quasi freiwilligen Denken anzuregen und da ich gut gelaunt war, hatte ich diese Prämie ausgesetzt, wofern er es binnen einer halben Stunde schaffen werde, drei gute grundsätzliche Fragen wohlformuliert zu stellen.

Milde, wie ich als Vater nunmal praktisch immer bin, verkürzte ich die Anforderung im Laufe der Sache (er hatte beliebig viele Versuche) auf zwei Fragen und half schließlich diskret nach, da ich merkte, dass er die Frage (die zweite) durchaus gefunden, nur noch etwas unbeholfen ausdrückte, und erkannte ihm schließlich Sieg und Preis zu.

Kurzum, er landete bei zwei Fragen, dererhalber mir natürlich klar war, dass er sie dem Papa im Laufe der Zeit irgendwie sozusagen abgelauscht haben könnte bzw. von denen er mit Recht vermuten durfte, dass ich sie gelten lassen werde. Das aber gehört zur Intelligenzleistung mit dazu. Wer weiß und darlegt, was der Lehrer höchstwahrscheinlich hören will (egal, ob es Unfug ist, oder nicht), bekommt seine Eins verdientermaßen (allerdings nur bis zu einer gewissen Alters- wie Niveaustufe).

“Warum meinen die Menschen eigentlich, dass sie eine Religion bräuchten?”

“Wieso regen sich so viele über Kleinigkeiten auf wie verrückt, plärren mordsmäßig ‘rum, während sie gegen die großen Sachen, die sie übelst betreffen, nichts unternehmen und nichtmal was sagen?” (weiterlesen…)

Sie ist nicht am Ende

Donnerstag, 21. Juni 2012

Die europäische Philosophie ist, überall, wo ich davon höre, dass es noch eine gäbe, praktisch am Ende.

(Außer hier: Aber das wird nachher erklärt.)

Die Weisheit ist den sogenannten heutigen Philosophen als Gegenstand zu beschwerlich, gar als ein ungebärdig Tier zu gefährlich geworden.

Man schleicht allenfalls, wenn das gut bezahlt wird und Ehren bringt, um sie herum, lieber, als dass man sie auch nur wenigstens mal streicheln dürfen möchte.

Man ergeust sich in Relativismen, gibt auch gerne mal den Patrioten (wenn der Krieg dann verloren geht, macht man es wie jener Benn und verspottet die letzten Landser), ist sich seine eigene geistesverwilderte Kindertagesstätte.

Man will derweil einfach seine eigene Bedeutungslosigkeit als austauschbare, willfährige, billige Hure nicht wahrnehmen.

Denn das ergäbe immerhin ein Stück Selbsterkenntnis.

Und die wäre, wenn nicht direkt, so indirekt, da man ab da mit voller Absicht wider alle anderen lügen müsste, anstatt nur wider sich selbst, was viel schwieriger ist, im professionellen Sinne verhängnisvoll. (weiterlesen…)

Nachhilfe dem Nachhelfer

Samstag, 16. Juni 2012

Vor ein paar Tagen gestand ich einem jungen Musiker (30, Bassist, Schlagzeuger usw.), den ich grade in tiefer Nacht spontan kennengelernt hatte, ein, dass ich eigentlich so gerne singen könnte, ansonsten lediglich mal auf ein paar Bongos oder Kongas eingedroschen hätte.

Keine Angst, geneigte Leser: Ich werde hier sicherlich nicht so schnell ein endabgestürztes Video mit meinem Geplärre einstellen. (Oder, grade zum Possen, etwa doch?)

Er meinte ganz freundlich (wir umarmten uns zum Abschiede schließlich also herzlich wie unschwul), mich schlicht und direkt stellend, dann solle ich es doch einfach mal versuchen.

Peinlich für den altgedienten Nachhilfelehrer, der sein Vater sein könnte, wofern er sich mit den Frauen etwas mehr beeilt hätte, dass er mir genau das sagte, was ich wahrscheinlich jedem anderen gesagt hätte, in einem solchen Falle, außer eben mir selbst. (Ich sagte es mir schon auch einmal oder zweimal, hörte mich aber anscheinend nicht richtig.)

So werde ich es wohl unterfangen, wenigstens um herauszubekommen, dass ich’s nicht kann, die Seel’ jedoch immerhin dadurch endlich ihre Ruh hat, indem ich mein Gekrächze zu solcherlei Erlösung bis zum letzten Finitum ertragen. (Am besten vor jeder Probe so viele Zigaretten rauchen, dass eine gute Ausrede parat.)

Was damit ganz primitiv gesagt sein will: Man sollte keine Phantome derlei Art mit sich herumtragen und diese gar noch innerlich kultivieren. (weiterlesen…)

Religion und Philosophie

Mittwoch, 13. Juni 2012

Was ist der Unterschied zwischen Religion und Philosophie? (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (IX)

Dienstag, 12. Juni 2012

Begabung mag notwendig sein, ist aber nur ein Samenkorn, das Euch geschenkt.

Ihr müsst so hart arbeiten, dass Ihr nicht nur manchmal noch im Traume schreibt.

Noch dem Nachtmahre ein Widerlied. (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (VIII – doch schon jetzt)

Montag, 11. Juni 2012

Es kommt bei echter Erweiterung der Wahrnehmungsfähigkeit leicht zu manchem, was man heute so sinister “Kollateralschäden” nennt.

Erweiterte Wahrnehmungsfähigkeit, die noch nicht gewohnt, bedeutet auch größere Verletzlichkeit. Nicht zwingenderweise, das will ich nicht behaupten, aber höchstwahrscheinlich.

Passt also in der Transformationsphase mächtig auf.

Es kann Euch darin gar passieren, dass Ihr in Gedanken unter einem Bus landet, den niemand auf Euch losgeschickt hat, außer Eurer Versonnenheit.

Zudem kommen, denn man wird spüren, dass es jetzt gilt, die professionellen wie privaten Vorverhinderer und auch schon manche Geier, die auf Euer geschlagenes Aas aus, da sie darauf aus Erfahrung heraus schon warten.

Bleibt wachsam, und lieber mal im Bett.

Man schmeißt normalerweise keine Atombomben auf erwachte Philosophen.

Das ist – zumindest in der Regel – zu teuer. (weiterlesen…)

Vom Siege (II)

Sonntag, 10. Juni 2012

Illusionen liegen lassen. Oder abschaffen.

Auch der schönsten, begehrenswertesten Frau, die doch nichts bis wenig begriffen, große, wunderbare blaue Augen.

Keine Chance dem eigenen Schwachsinn.

Weinen ja, Heulen nein.

Wir heulen nicht. Auch wenn wir manchmal weinen, gar schreien.

Ersteres gebeut uns manchmal unser Gefühl, Letzeres die höhere Vernunft. (weiterlesen…)

Kübelkrieg

Samstag, 02. Juni 2012

Gestern meldete mir mein Virernschutzprogramm artig, dass mein Rechner vor dem Schadprogramm “Flame” bestens geschützt sei. Das hat mich umso mehr beruhigt, alsda an meinem Kübel keine Atomkraftwerkskühlung dranhängt und ich sowieso nicht so bescheuert wäre, irgendwas, was irgendeiner mit Sicherheit nicht wissen soll, auf meinem angeleinten Datenhuber abzuspeichern.

Außerdem ist man als Philosoph ohnehin perfekt “geschützt”: Man kann nämlich gar nichts wissen, was da draußen auch nur eine Cyberkriegssau interessiert. Weisheit ist denen so gut wie Scheißheit.

Über moderne Artillerie z.B. weiß ich nur, was jeder Schulbub weiß oder der Ficki hergibt. Meine Eins in Chemie in der Elften ist lange verjährt, so dass ich auch keine Ahnung von Spezialsprengstoffen habe, meine letzte Eins in Physik, wo es mal um den Hangabtrieb oder schiefe Würfe ging, datiert noch weiter zurück, so dass ich auch über U-Boote fast nur sagen kann, dass die Dinger unter Wasser fahren können und wohl meist ein Periskop und einen Schnorchel haben.

Und bezüglich Computern bin ich glücklicherweise noch ahnungsloser.

Lediglich, dass diese Elektrokästen manchmal unerklärlicherweise nicht so funktionieren, wie sie das sollten, ist mir bekannt. Ansonsten habe ich mir im Laufe der Jahre von Experten allerlei abenteuerliche Geschichten angehört, was wann warum wo wie sei, ohne diese auf ihren möglichen Wahrheitsgehalt hin ernstlich prüfen zu können. Zumal der eine Cyber-Supermann das erzählt, worüber sich der nächste nur scheppelich lacht.

Gut, der Ex-Verteidigungsminister kannte wohl zumindest einen, der, ebenso wie ich inzwischen, die Befehle Strg A, Strg C und Strg V anzuwenden in der Lage war, doch habe ich dem seine Doktorarbeit nicht abgekupfert, doch denke ich trotzdem nicht, dass ich darüber zum bedenklich gefährlichen Geheimnisträger mutiert bin.

Mein Wortschatz, den man mir vielleicht abzuschakalen trachten könnte, ist zwar wohl etwas größer (zumal im Deutschen), als jener selbst der meisten deutlich überdurchschnittlichen pentagonesischen Beuteltierbitbastler, aber da die immer noch weit davon entfernt sind, etwas damit anzufangen, was über ein unzuverlässiges Rechtschreibprogramm oder eine Schwachsinnsübersetzungsschleife, für die jeder Mittelschüler der Siebten die Jacke sich voller Sechsen hängen dürfte, hinauskommt, mögen die und andere, zumal bei den Suchmaschinen, zwar schon mächtig am Analysieren sein, was ich indes trotzdem nicht für bedenklich halte, da sie ja nichts mehr abzuschakalen und zu analysieren haben, wenn sie mich nicht mehr schreiben lassen bzw. mein Kübel streikt. (weiterlesen…)

Nietzsche und Cervantes: Siehe, Menschen!

Samstag, 26. Mai 2012

Nietzsche schrieb über seinen Zarathustra:

“Ich habe mit ihm der Menschheit das grösste Geschenk gemacht, das ihr bisher gemacht worden ist.”

Ich habe, deshalb greife ich diesen Satz hier auf, noch nie davon gehört, dass einer ihn für diesen Satz auszulachen sich verwagt habe.

Neben dem Zarathustra nämlich steht der Koran ekel und zudem noch lächerlich; die Bibel als in sich völlig widersprüchliches Konkokt ist nur in wenigen Teilen ernstzunehmen – selbst wenn man die grause Torah weglässt.

Nietzsche lachte denn auch, als sein Zarathustra nach einem Jahr gerade mal zweihundert Verkäufe erreicht hatte, da er schon europaweit bekannt war, nur über die diesbezüglichen Sorgen seines armen Verlegers. (Ich habe auch das schonmal erwähnt, aber es darf ruhig zweimal und noch öfter gesagt werden.)

Darin zeigt sich die Ruhe des wahrhaft selbstsicheren, gereiften Großen. Er bedarf der Welt nicht mehr im Sinne deren Urteils als Maßstab. (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (VII und vorläufig Ende)

Donnerstag, 24. Mai 2012

Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob auch nur einer von Euch auch nur einen der Euch von mir gewidmeten Texte gelesen hat, einerseits meiner geringen Netzverbreitung wegen, andererseits, weil es derzeit vielleicht gar keinen von “Euch” gibt.

Das ist aber einerlei.

Dass ich nicht ganz dicht bin (der Schwabe sagt auch gerne: “ed ganz bacha”), habt Ihr wohl schon gemerkt. Sonst spräche ich einen derartigen Abhub der Gesellschaft wie Euch ja nicht immer wieder an. (weiterlesen…)

Kleine Philosophenfibel

Mittwoch, 23. Mai 2012

Der Philosoph hat zweifellos – mindestens – drei Hauptaufgaben: zu sagen, was anderen gar nicht einfällt, zu sagen, was andere sich nicht trauen, und Dinge so zu sagen, wie andere das nicht können.

Damit wird er natürlich nicht nur in einer Gesellschaft, die Feldwebelinnen als das wünschenswerte Nonplusultra der Weiblichkeit hinstellt, den Hanf als des Teufels und den Islam als vernünftig, nicht überall gern gehört und gesehen sein.

Vielmehr wird er mit dem Anwurfe zu rechnen haben, dass er keine der obigen kulturellen Errungenschaften achte, jederzeit bereit, alles und jeden zu beleidigen, der sich jewo bezüglich der Höherentwicklung der Menschheit verdient gemacht habe.

Und genau deshalb, weil nichts dem Philosophen ferner liegt, als einzelne Menschen zur eigenen Seinsbefriedigung zu beleidigen, wird man ihm gerade das vorhalten, vor allem dann, wenn er allzu offenkundig mal wieder generisch recht hat. (weiterlesen…)

“Ausgewogenheit” – ?

Montag, 21. Mai 2012

Vorhin sagte mir jemand, dessen Urteil ansonsten für mich zählt, es gehe ja bei allem Schreiben (selbst meinem und gerade bei jenem) um “Ausgewogenheit”.

Er meinte es zweifelos gut mit mir.

Sein Ding war, knapp gesagt, dass man doch besser auf jeden Artikel hin, der hart sei, auch mal wieder einen bringen solle, der die Gemüter besänftigt, zeigt, dass man kein totales Monster sei.

Der Gedanke ist nachvollziehbar, augenscheinlich nicht verkehrt: aber eben doch grundverkehrt.

Denn letztlich läuft er darauf hinaus, dass man – nein, den “man” kenne ich nicht, und es war ja auch ich gemeint – sich immer wieder beim Es anbiedern müsse.

Also zwischendrein gezuckerte Wattebäuschchen verteilen, auf dass man dann mal wieder sein klein Knittelchen auspacken könne, ohne dass man als manischer Dauerstinksiefel auffiele.

So funktioniert Philosophie nicht. (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (II)

Montag, 14. Mai 2012

Einen Mozart oder einen Capablanca der Literatur hat es meines Wissens nie gegeben. Also einen, der in diesem Fach als Sechsjähriger schon weit oben spielte.

Dies hat einen einfachen Grund (man könnte auch sagen tausende), der, da oft nicht bedacht, so selbstverständlich er auch sein sollte, hier einleitend Erwähnung finden muss (auch weil man Euch diesbezüglich viel Mist erzählen wird, sobald Ihr unmissverständlich zeigt, dass Ihr Bedeutendes zu erzählen wisst).

Denn überragende Begabung, ein geradezu selbstverständliches Gefühl, das sich nur noch Bahn brechen muss, gibt es, im harten Gegensatze zur Tonsetzer- und Schachkunst, in der Schreibkunst nicht dahingehend, dass sie schon für Höheres genügte.

Sondern bedürft Ihr des – wie meine verehrte Professorin Reiss es zu nennen pflegte, die hier jetzt mal angemessen gewürdigt sei – “Weltwissens”.

Das heißt, dass Euch gar nichts egal sein kann. Egal gibt es nämlich für den Schriftsteller nicht. Physik, Geographie, bildliche und musikalische Ästhetik, alles Kulturelle, einfach alles, was der Mensch je ersann oder erkannte, muss Euch interessant und Grundlage sein. Sonst wird es nie was. (weiterlesen…)

Mit Kafka gegen die Antisemitismuskeule? (II)

Samstag, 12. Mai 2012

In der Nachbereitung meiner jüngsten Erfahrung mit dem Antisemitismusvorwurf (ich setze die Kenntnis des Erstartikels hierzu voraus) meinte ein kluger Mann am Telefon zu mir, ob es denn unbedingt habe sein müssen, dass ich mal wieder genau das thematisierte, bei dem Ärger doch vorprogrammiert gewesen sei.

Ich entgegnete, dass nunmal, nach langer Diskussion, genau das gefehlt habe, ich es auch nicht hätte vorbringen wollen noch müssen, wenn ein anderer das getan hätte, was aber halt leider nicht der Fall gewesen sei.

Es sei ja – Trotz verpflichtet – genau meine Aufgabe, das zu sagen, was anderen gar nicht in den Sinn komme oder sie sich nicht trauten, ins Spiel bzw. wider dasselbe zu bringen. Was denn wohl sonst?

Von daher zu Kafka: Bei Kafka dreht sich fast alles um das Individuum, das hilflos und immer tiefer verstrickt, Zug um Zug enticht, in einer scheinbar unüberwindlichen Matrix gefangen ist, stets nach einem Auswege sucht, aber nie die Kraft, die Entschlossenheit, den Mumm besitzt, eine imaginär-reale rote Linie zu überschreiten.

So liegt der zum Käfer verwandelte Mensch denn irgendwann hilflos auf dem Rücken, weiß nichts mehr zu tun, denn sich an seiner eigenen Hilflosigkeit zu entsetzen. (weiterlesen…)

Von der Jesusmanie

Donnerstag, 10. Mai 2012

Die Jesusmanie ist allenthalben virulent und oft unerträglich.

Bald jedes Thema, wenn es sich nicht gerade um Wäscheklammern dreht, wird ihrer im Handumdrehen Opfer. (weiterlesen…)

Nichtmal sechs Zentiliter

Dienstag, 01. Mai 2012

Zur Walpurgisnacht habe ich ganz neu über Freiheit nachgedacht. Was sie ausmacht.

Und dabei habe ich erfreut gewahrt, dass ich freier bin, als vordem gedacht. Da dies am unvermeidlich folgenden Tag der Arbeit immer noch anhält, berichte ich davon.

Fast schon stier, tumb zu nennen denn, hatte ich mangelnder Freiheit geklagt, allzuwenig darauf achtgegeben, wie es denn um jene meiner Mitmenschen stehe.

Auf einmal sah ich da ein Asenreich, in dem ich frei. Was ich nicht sagen darf, erlaube ich mir allemal noch frei, zu denken.

Da mag die eigene sonstige Wirklichkeit mal ächzen, streiken, quälen; der Unfälle aller Art fehlte es ohnehin nie; böse und verächtliche Blicke, Schandwort und Häme: Was liegt daran! – In meinem Reiche opfere ich ihnen noch nicht einmal sechs Zentiliter mäßigen schwäbischen Rieslings. (weiterlesen…)

Matrix zericht

Donnerstag, 26. April 2012

Die Suggestion einer allumfassenden, unerkannten geistigen Matrix soll eine solche erschaffen.

Es ist gelungen, viele Leute dahinzubringen, dass sie sich nicht einmal mehr sicher sind, ob ihr Schuh ein Schuh ist und sie den gerade tatsächlich anhaben. Es möchte ja auch ein Projektionsschuh sein.

So wirkt die Sache denn, wie gewünscht: Wer der eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut, wird umso leichter an etwas gar nicht Überprüftes glauben, ist damit gekeult.

So misst sich denn die Welt weniger am eigenen Handeln und Erleben, sondern an Vermutungen, der Fisch ist im Netz. (Ja, das ist jetzt redundant, aber ich sage es lieber zwiegenäht.)

Alles möchte auf “Höhere Mächte” deuten, große kosmische Ströme, weiß ich was, Hauptsache, man begreift sich nicht als mehr denn als Ameise, aber dessenthalben gern auch als Heros, karmischen Gesandten, solange man darin nur mitameist.

Es gibt sie also, jene Matrix. Sie bildet die Wirklichkeit der Kraftgewichte aber nur im Rahmen des religiösen Rayons der an sie Glaubenden ab. Gar zu viele Phänomene bleiben dort in einer Weise beiseitegeschoben, die alles darüber aussagt. (weiterlesen…)

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