Archiv für die Kategorie ‘Kunst’

Vom durchdachten, gekonnten Untertreffen

Sonntag, 20. Januar 2013

Gut schlecht singen, das ist wahrlich auch keine leichte Kunst.

Viele meinen, Bob Dylan sei darin Meister; ja nu; ich nicht; wenigstens mal beharre ich darauf, dass unser Herbie Grönemeyer es weitaus besser kann.

Gestern Abend hörte ich die letzten beiden Stücke einer auch sonst etwas verschrobenen Jazz-Combo, deren Leitgitarrist zu anscheinend nicht aller Beiseienden Leidwesen auch noch sang.

Ich bin kein Fachmann; aber ich schätze mal, dass sein Tonumfang bestenfalls eine knappe halbe Oktave betrug: was ja noch zu verschmerzen gewesen wäre – neben dem Text, der aus vier oder fünf wiederholten Wörtern bestund – , wofern der Kerl irgendeine halbwegs absichtlich klingende Modulation, irgendein besonderes Krächzen, Grunzen, Scheinabverfunzen oder sonsten eine hörbare Abwechslung in sein fast schon kretinistisch zu nennendes orales Geböbbel gebracht hätte.

Da habe ich, der ich nur schlecht gut singen kann, mir wiederum überlegt, denn an Lungenvolumen und Emotio fehlt es mir noch immer nicht, ob ich denn doch tatsächlich auch mal mit dem gut schlecht singen anfangen solle, allein schon des Spaßes halber, aber auch, da das wahrscheinlich leichter geht als gut gut singen. (weiterlesen…)

Von Anglizismen und sprachlichen Registern

Samstag, 19. Januar 2013

Eben machte ich, was ich wohlweislich selten tue.

Ich empfahl meinem großen Filio, mal meinen letzten Artikel zur Finger- und Irisscannerei zu lesen: der könne ihn interessieren.

In Nullkommanix – wohl auch des Bohneneintopfs halber – war er durch.

“Und?”

“Naja, geht schon.”

“Wieso geht schon?”

“Du hast da selber ‘Win-Win-Situation’ und ‘easy going’ und so Zeugs verwendet, wo du das doch sonst so heftig ablehnst.”

“Ja, und zwar absichtlich. Es kommt immer darauf an, wann was wirklich in den Zusammenhang passt.”

“Jaja, ist schon gut.”

Indem er damit in Richtung seines Elektrokastens abrauschte, um sein Sozialentwicklungsspiel weiterzugamen, rief ich ihm noch nach: “Quod licet Jovi, non licet Bovi! Des Jupiters ist nicht des Ochsen!” – Er die Tür zu. (weiterlesen…)

Berthold Kohler kann’s

Freitag, 04. Januar 2013

Berthold Kohler von der FAZ kann’s.

Zwar kommen auch Kollegen mal in der “Sprachglosse” (die es meines Wissens noch gar nicht so lange gibt) zu Wort, doch ist er derjenige, der mir dort immer wieder Vergnügen bereitet. Und das als Herausgeber der Zeitung, hiemit einer, der normalerweise immer den Höchstrespektablen geben müsste.

Ich empfehle Ihnen also, ich setze das jetzt notweis in den Nominativ, “Verkopfter Quatsch” zu lesen.

Erfreulich, dass ein so Bekopfter sich dergestalt behaupten kann. (weiterlesen…)

Von der Königinmutter

Dienstag, 01. Januar 2013

Gerade hatte ich wieder so einen Fall. Ich änderte bei einer Nachkorrektur “anfangen” in “beginnen”.

Es zählt jedes Wort, und es gibt nunmal keine Synonyme. (weiterlesen…)

“Ab die Vorhaut von dem Glied”

Montag, 31. Dezember 2012

Irgendwie hatte ich die letzten Tage das Gefühl, dieses Jahr noch einmal etwas zum Knabenverstümmlungserlaubnisgesetz sagen zu müssen.

Jetzt ist ein grüner Landtagskandidat am Ende, weil er ein Gedicht dazu schrieb, das zwar stilistisch nicht unbedingt Oberklasse, inhaltlich aber unabweisbar den Punkt trifft.

Es beginnt also:

“Wetzt das Messer, singt ein Lied,
Ab die Vorhaut von dem Glied.
Kinder können sich nicht wehren,
darum müssen sie uns ehren.”

Und endet (das ganze Gedicht finden sie hier):

“Bist Du für ein intaktes Glied,
so bist Du gleich Antisemit.”

So viel freie Meinungsäußerung, in ihrer Aussage gar kaum zu bestreiten, darf eine Gutmenschenpartei, die lieber Käfer schützt als Kinder, natürlich nicht durchgehen lassen.

Man kann sich eigentlich nur noch fragen, wie ein Mann mit eigener Meinung und Mitgefühl für Kinder sich je in diesen verlogenen Schleimschleckerladen verirren konnte.

Immerhin ist Herr Dunkel jetzt über Nacht als Lyriker im ganzen Lande bekannt.

Von der poetischen Seite her muss er aber wohl noch einiges dazulernen, damit es mit der neuen Karriere etwas wird. (weiterlesen…)

Unter Künstlern

Sonntag, 30. Dezember 2012

Musiker und Maler werden in meinem oft zu wortgebundenen Geistesleben immer wichtiger.

Ich beherrsche kein Instrument richtig (kann nur leidlich auf eine Trommel hauen), singe mäßig bis saumäßig, und malen konnte ich allenfalls bis zur gymnasialen Gnadendrei, was sich durch Nichtübung kaum gebessert haben dürfte.

Diese Menschen sagen mir bedeutende Dinge. Sie teilen mir ihre Sicht, ihr Hören, ihre Auffassung von bedeutsam Schönem, und wie dies entstehe, wie man sich dem nähere, mit.

Ich versuche natürlich – was sollte ich auch sonst tun – , deren Ton- oder Bildkunstwerke gemäß meinem Empfinden so genau und verständlich wie möglich zu beschreiben, freue mich dann, immer häufiger, überrascht, wie gut meine dahingehenden Versuche, die keineswegs nur schmeichelhaft ausfallen, aufgenommen werden.

Manchmal dachte ich mir dazu schon: Die quatscht doch jeder voll, dauerndzu, sie sind von Häufen von Experten umgeben. Wieso rührt sie so an, was ich ganz “unschuldig” sage? – Ich verstehe doch so offensichtlich so wenig davon, wie kann sie mein Urteil denn derart anrühren? Quake ich nur als Frosch aus dem Teiche, so dass man das halt auch mal gerne hört?

So wird es wohl doch nicht liegen. Jedenfalls nicht ganz. (weiterlesen…)

Hierzu vorläufig das letzte Stück

Freitag, 14. Dezember 2012

Wes wir bedürfen, das ist eine Wiederbelebung des Ästhetischen.

Das betrifft alle Kunstformen.

Wir haben es heute mit Architekten zu tun, die von dauerhaftem, nützlichem, dabei harmonischem Bauen ebensowenig verstehen wie von Werkstoffen, die, wenn sie “Goldener Schnitt” hören, nachgucken, ob ihr Ringfinger noch dran ist.

Mit Bildhauern, die noch nicht einmal eine Fläche sauber hinbekommen.

Mit Musikern, die nicht ein Instrument einigermaßen beherrschen.

Mit Malern, deren Technik fast so erbärmlich wie meine.

Mit Schriftstellern ohne ausgebildetes Sprachgefühl, syntaktischen wie semantischen Hinrotzern.

Was aber vor allem fehlt, ist ein konsquentes Sichaufbäumen gegen solche Verhältnisse. (weiterlesen…)

Lisas Kunstbegriff: Eine Abwägung

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Zwar im Kommentarstrang zu “Zur Entspannung: Ein kleiner Crowley-Lug“, aber doch eher in Antwort auf “Beuys’ Kunstbegriff: Eine Abrechnung” schrieb Leserin Lisa folgendes:

“Angeblich kann man nicht definieren, was Kunst sei. Ich, für mich, habe es definiert und – natürlich gilt das nur für mich – ist Kunst in jeder Form eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt oder darstellt und in irgendeiner Form ausdrückt. So gesehen waren für mich die technischen Erfindungen die bedeutendste Kunst im 20. Jahrhundert. Aber Technik und Wissenschaft als Kunst sind natürlich auch umstritten.”

Den zweiten Teil ab “So gesehen…” will ich hier zunächst nicht gesondert erörtern, führe ihn aber der Vollständigkeit und seines Gewichtes halber trotzdem mit an.

Ziehen wir uns also den Kern der Definition heraus: “Kunst ist in jeder Form eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt und in irgendeiner Form ausdrückt.”

Mein zunächst einziger Verbesserungsvorschlag geht dahin, die Doppelung herauszunehmen, also entweder: “Kunst ist in jeder Form eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt und ausdrückt.”

Oder: “Kunst ist eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt und in irgendeiner Form ausdrückt.”

Ich will mich da erstmal nicht entscheiden, zumal Lisa überlassen, welche Variante sie vorzieht, sei es auch die ursprüngliche, redundante.

Vielmehr frage ich mich, ob noch irgendetwas Wichtige fehlen könnte. (weiterlesen…)

Beuys’ Kunstbegriff: Dritte und letzte Abrechnung

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Glörk. Grumpf. Spotz. Hack. Rümp. Puss. Krapf. Apf. Kwass. Dupf. Hapf. Krutz. Brass.

Seftel, Hepfel, Rübsam, Abtritt, Spülicht, Rankspitz, Klüppel, Böbbel, Külchei, Abschwitz.

Humperschwatz, Abheftmatz, Fäzstumpfhampf, Notfettschwitz, Drüselkrampf, Hulzvernicht, Endabricht.

Beuys’ Kunstbegriff: Zweite Abrechnung

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Nachdem ich im ersten Teile meiner Wut hoffentlich einigermaßen hinreichend Luft gemacht habe, will ich jetzt ein paar Betrachtungen dazu anstellen, woher der absurde Beuyssche Kunsbegriff seine Attraktivität zieht, die selbst manch ansonsten geistig Verkehrsfähigen in Bann schlug und schlägt.

In einer Zeit, da der Vorstandsvorsitzende der schakalsten Schakalenbank aller Schakalenbanken, Lloyd Blankfein von Goldman Sachs, im Ernste zu erklären weiß, er verrichte das Werk Gottes, sollte man sich zwar über nichts mehr wundern.

Man erzählt inzwischen ja auch, dass es eigentlich keinen echten Geschlechterunterschied (mehr) gebe. Den hätten sich die Leute immer nur eingebildet bzw. engstirnige Ewiggestrige hätten ihn nur zu Machtzwecken behauptet.

Dazu passt doch wunderbar, dass jeder Halbdackel und Seppelfrick zum Künstler erklärt. Die Idee scheint vielen zu gefallen: Sie ist egalitär, tolerant, internationalsozialistisch, kostet, scheinbar, nichts, sie leugnet nichts, was zu leugnen verboten wäre, nichtmal die Erderwärmung, sie wirkt edel, hilfreich und gut.

Dass sie Leuten gefällt, die wenig bis nichts können, versteht sich von selbst.

Wie aber mag sie Leuten gefallen, die selbst tatsächlich wenigstens mittelmäßige Künstler, ansonsten wenigstens halbwegs kunstsinnig?

Reicht zur Erklärung schon, was ich oben sagte?

Ich habe mich oft mit Verfechtern des Beuysschen Dogmas gestritten, und deren einziges Argument lautet, soweit mir entgegengetreten, es könne ja keiner definieren, was Kunst sei, und daher sei es sozusagen fies, asozial, womöglich faschistoid, den einen als Künstler anzuerkennen, den anderen aber nicht.

Hier fällt es schwer, nicht einfach von Kretinismus zu sprechen. (weiterlesen…)

Beuys’ Kunstbegriff: Eine Abrechnung

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Leserin Lisa schrieb vorhin im Kommentarstrange zu “Von der Glaubsucht” unter anderem folgendes, was mich zur nachstehenden Riposte veranlasste:

“Man kann über Beuys’ Kunst streiten, aber ich stimme seiner Aussage, dass jeder ein Künstler sei, zu.”

“@ Lisa

Ich vergaß noch Beuys und den Kunstbegriff.

Ich meine, dass der Mann einen grausen Bockmist verzapft hat.

Nicht nur, dass er unzählige Stümper und Schwachmaten in ihrem eingebildeten, aufgeblasenen Tun noch befeuerte, uns den letzten Rest des Tages zu stehlen, nein, er entwertete so die Kunst, das, was sie bedeutet, gesellschaftlich nachhaltig als solche.

Bei mir allerdings nicht um ein tausendstel Gran.

Es gibt kaum etwas Boshafteres, Zersetzerischeres, als jeden Krackler, Krattler und Kritzler zum Künstler zu erheben.

Damit wird jede kleine Gier, jede grindige Geltungssucht, die Mohrrübe im Arschloch in der Wiener U-Bahn zum Bewundernswerten erhoben.

Dekadenter geht es fast nicht. Jedenfalls fällt mir dazu nicht leicht eine Steigerung ein.

Mag der Kunstbegriff in vergangenen Jahrhunderten auch oft zu eng gezogen worden sein: DAS ist ein verhängnisvoller Unfug. (weiterlesen…)

Gleich an den Kälberstrick?

Montag, 03. Dezember 2012

Gerade las ich (ja, ich weiß, der Anfang häuft sich, aber dafür ist er ehrlich) auf der Heimseite eines interessanten jungen Zeitungsprojektes davon, wie der journalistische Mitarbeiter schreiben solle.

Besonders lustig waren die Erläuterungen zur leserbindenden Einleitung.

Mittendrein, in eine möglichst bildhafte Szene, gesprungen, soll das Thema aufgerissen werden, TV-artig, beispielfallhaft, der Leser in den Text mitgenommen.

Ja nu. Das ist ein altes Ding, das man schon bei Erlebnisaufsätzen der vierten und fünften Klasse besser anwandte als nicht; Lehrer und Medienkonsumenten wollen unterhalten sein und lesen vor allem den Anfang und das Ende.

Fraglich indes, in vielen Zusammenhängen, zumal, wenn der Höhepunkt im Mittelteile liegen soll, diesem einiges an Dramatik noch zuwachsen, ob im ersten Satze schon einer unversehens in den Eisverkäufer reinrempeln muss, damit sofort etwas geboten ist. Jaja, und am besten gleich wörtliche Rede dabei.

Die Bandbreite guter Einleitungen ist so groß wie jene der möglichen, aber nicht so häufig wie die insgesamt verwirklichten.

Will heißen: Man kann einen entsprechenden Text mit einem “ES”, dann nächste Zeile “HAT MICH”, dann nächste Zeile beginnende Lyrik oder Fließtext einleiten, so dass dies Sinn ergibt. Oder auch mit einem “Eigentlich hatte Oma ja doch meist recht, indem sie…” oder “In Chihuatl der Mezcatl traf auf den Kratl…” oder “Oben nicht so krumm wie eine typische Banane, wendet die Tastatur ihre Stirnramme gen Bildschirm, die Buchstabenfunken stieben…” usw. (weiterlesen…)

Frauenversteherversuch mit Geld

Montag, 19. November 2012

Ein kluger Mann sollte nicht allzuviel Geld haben und nicht allzugut aussehen. (Vielleicht sage ich das nur, weil ich beide Kriterien souverän erfülle.)

Das mit dem Gutaussehen ist gerade noch erträglich; das mit dem vielen Geld viel gefährlicher.

Wo einer bloß gut aussieht, da hat er eine gute Damenauswahl; daran kann man sich gewöhnen; wo einer viel Geld hat, kommen sie fast alle.

Und damit, dass sie fast alle kommen, steigt die Gefahr in jeder Richtung. (weiterlesen…)

Kunstfreiheit: Darf Rap, was sonst keiner darf?

Donnerstag, 15. November 2012

Ich denke, was die “Naidoo-Affäre” (siehe: ‘Naidoo ein “Rechtsradikaler”?) anlangt, schon einmal etwas weiter.

Viele sagen (ich habe mich durch ein paar Kommentarstränge geackert), das sei halt Kunstfreiheit und vor allem außerdem auch noch Rap.

Heißt das ganz einfach, dass, wer, nun als “Sohn Mannheims” oder “Chaotido” oder sonstwer, mit Rap auftritt, all das darf, was man sonst erfahrungsgemäß nicht darf?

Will heißen, jeder kann, wenn er nur rappt, gegen jede beliebige gesellschaftliche Gruppe seine Demütigungs-, Folter-, Verstümmelungs- und Mordphantasien ausleben?

Wirklich jeder gegen jede?

Weil Rap die Art Kunst ist, in der man das darf? (weiterlesen…)

Volker Zastrow (FAZ) seziert die SPD-Bilderberger-Steinbrückerei

Sonntag, 30. September 2012

Volker Zastrow, für mich fraglos einer der brilliantesten Journalisten des Landes, seziert anlässlich der Steinbrück-Kanzlerkandidatenkür (allerdings ohne die Bilderberger-Vorkür, wohl eigentliche Kür, zu erwähnen), die SPD, dass es nur noch eine Lust ist: hiemit für mich aus gegebenem Anlasse ein Muss, das hier zu loben. (weiterlesen…)

Unter Brüdern

Donnerstag, 12. Juli 2012

Aphoristiker trifft alten Kollegen.

“Na, heute schon zur Feder gegriffen?”

“Wo sind die acht Cent Pfand?”

“Was, wie?”

“Von meiner allerletzten Bierflasche, in der Du post Trunkem auch noch meine ulteriorste Füllerpatrone weggeschmuggelt hast. Ich wette, Du hast die ebenfalls oral vernichtet, anstatt dir wenigstens Küchenkohlen dafür zu kaufen!”

“Das ist eine infame Unterstellung!”

“Ja was denn dann?” (weiterlesen…)

Dem Nachwuchse (XIV)

Donnerstag, 12. Juli 2012

Da Ihr – es wäre die Ausnahme – , nicht schreiben wollt, was Ihr sollt, müsst Ihr, wie der Kaufmann das formulierte, in Eure eigentliche Leistung zu den tausenden unentlohnter Stunden Arbeit auch Eure finanziellen Investitionen “einpreisen”.

Dies wurde so oder etwas anders schon tausende Male von anderen gesagt: Ich beginne diesen Teil aber trotzdem damit, denn man verdrängt diese Tatsache immer wieder allzuleicht, lässt die Vernunft fahren, sich Hoffnungen hingebend, die nur Energie abziehen.

Schaut Euch nur die letzten drei deutschen Literaturnobelpreisträger an: Soweit ich weiß, hat von denen nur einmal einer ein ziemlich gutes Buch geschrieben.

Sie bekamen den Preis eben nicht, weil sie besonders gut schrieben, sondern weil sie schrieben, was sie sollten. (weiterlesen…)

Über die Sublügen zur Kernlüge (II)

Samstag, 07. Juli 2012

Wir gehen wiederum davon aus, dass es irgendeine Kernlüge gäbe, um die herum sich große Sublügen gruppierten.

Ich will die Sache jetzt aber, nach dem ersten, etwas theoretischen Teile, etwas menschlich-anschaulicher erläutern.

Selbstverständlich muss eine solche Kernlüge alle anderen Lügen um Dimensionen überragen.

Das heißt, dass sie in fast alle Menschen als vermeintlich absolute, unumstößliche Wahrheit eingesenkt ist.

Wird man also nun einen, der an so manchen größeren Lügen doch ein wenig das Zweifeln begonnen, die eine oder andere gar nicht mehr glaubt, gleich auf diese hin ansprechen, so wird sich der wahrscheinlich nur empören, womöglich gar, im Selbstangstbisse, wieder auf ein Denken vor seinen ersten Zweifeln zurückziehen.

Dann hat man die Sache komplett vergeigt. (weiterlesen…)

Die Kunst ist die Kür

Mittwoch, 27. Juni 2012

Töten Wissenschaft und Technik die Kunst?

Gestern kam ich ins Gespräch mit einem literarisch überaus gebildeten Manne, wohl um die sechzig, der meinte, selber Autor für Funk, Film und Fernsehen (gewesen) zu sein, und wie die Rede wogte, kamen wir wiederum darauf, dass es seit Kafka und Strauss – er nannte in der Musik als Ausnahme noch Schönberg – , also seit circa drei Generationen, keine mit den Großen vergleichbare Kunst mehr gebe.

H. ging sogar soweit, dass es gar keine Autoren und gar keine Leser mehr gäbe. (Ich ersparte es unserem Dialoge nicht, dass immerhin ich noch oder wieder da sei.)

Worauf er das zurückführe? – Er hatte flugs ein Hegel-Zitat parat, das ich mir, zwischen allem anderen, leider nicht genau gemerkt habe, aber darauf hinauslief, dass es irgendwann künftighin nur noch die Wissenschaften geben werde, die Kunst ob dieser verenden.

“Schau’s dir doch mal an: überall nur noch Technik, Technik, Technik! Es ist kein Platz mehr da für die Kunst! Wer liest denn heute noch ernsthaft einen Text, der länger ist, als vier Seiten?”

Vielleicht will ich es nur nicht wahrhaben, dass er recht hat – er meinte, er sei Taoist und gab von daher den Gelassenen, während ich mich dawider zur germanischen Dynamis bekannte – : Ich wandte ein, dass es eben wacker und unverdrossen entsprechender Anstrengungen bedürfe, dies zu ändern, nahm gar das Wort von einer Zweiten Renaissance in den Mund.

Klar ist, dass die vorgeblichen Antagonisten Wissenschaft und Kunst zunächst derselben Rune, Kenaz, zuzuordnen sind, so dass es schon wunder nimmt, weshalb sie Gegner sein sollten. (Spontan vermute ich, dass hier im Zusammenspiel mit Geba, Raidho und Othala etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Das aber, da sich ja praktisch niemand für Runen interessiert, nur am Rande.)

Na gut, ein bisschen muss ich diese Konjektur doch erklären, auf dass sie nicht daherschwappe wie der berühmte Schluck Wasser in der Kurve: Es mangelt der Gabe, speziell auch der Hingabe, des Rhythmus’, also höherer Ordnung, und des Heiligen Hains.

Des Heiligen Hains auch physisch, aber vor allem geistig, in den Selbsten.

Will heißen, dass wir des wirklich eigenen inneren Raumes verlustig, des Hags, ohne welchen das Besondere nicht zu schaffen. (Das soll jetzt keine Ausrede für meinen immer noch nicht aufgeräumten Schreibtisch sein, da ich ja genug Zeit für meinen Inneren Hag bräuchte. Ein bisschen aber doch.)

Jetzt wird es nötigerweis – notdurftweis – ein wenig vulgär, aber das Beispiel passt genau hierher. (weiterlesen…)

Nachhilfe dem Nachhelfer

Samstag, 16. Juni 2012

Vor ein paar Tagen gestand ich einem jungen Musiker (30, Bassist, Schlagzeuger usw.), den ich grade in tiefer Nacht spontan kennengelernt hatte, ein, dass ich eigentlich so gerne singen könnte, ansonsten lediglich mal auf ein paar Bongos oder Kongas eingedroschen hätte.

Keine Angst, geneigte Leser: Ich werde hier sicherlich nicht so schnell ein endabgestürztes Video mit meinem Geplärre einstellen. (Oder, grade zum Possen, etwa doch?)

Er meinte ganz freundlich (wir umarmten uns zum Abschiede schließlich also herzlich wie unschwul), mich schlicht und direkt stellend, dann solle ich es doch einfach mal versuchen.

Peinlich für den altgedienten Nachhilfelehrer, der sein Vater sein könnte, wofern er sich mit den Frauen etwas mehr beeilt hätte, dass er mir genau das sagte, was ich wahrscheinlich jedem anderen gesagt hätte, in einem solchen Falle, außer eben mir selbst. (Ich sagte es mir schon auch einmal oder zweimal, hörte mich aber anscheinend nicht richtig.)

So werde ich es wohl unterfangen, wenigstens um herauszubekommen, dass ich’s nicht kann, die Seel’ jedoch immerhin dadurch endlich ihre Ruh hat, indem ich mein Gekrächze zu solcherlei Erlösung bis zum letzten Finitum ertragen. (Am besten vor jeder Probe so viele Zigaretten rauchen, dass eine gute Ausrede parat.)

Was damit ganz primitiv gesagt sein will: Man sollte keine Phantome derlei Art mit sich herumtragen und diese gar noch innerlich kultivieren. (weiterlesen…)

Künstlerfreud mit zunächst zerrissenem Kittel

Samstag, 16. Juni 2012

Die gegenseitige Befruchtung von Künstlern verschiedenster Art ist bedeutungsmäßig wirklich kaum zu überschätzen.

Ich meine das jetzt nicht allgemein, sondern dahingehend, wenn sie sich persönlich kennenlernen und in gemeinsamer Freigeisterei gemütlich bis auch mal heftig zusammen einen heben.

Im Laufe der letzten eineinhalb Jahre hatte ich das besondere Glück, Maler kennenzulernen. (Interessante Musiker auch, aber leider noch nicht ganz in dem näheren Maße.)

Da sind echt abgefahrene Typen dabei. (Das ist normalerweise nicht meine Sprache, aber hierzu passt es.)

Ich versuche, wie es meine altmodische Art ist, auf allen Ebenen von ihnen zu lernen. (weiterlesen…)

Es rappelt in der Stuttgarter “Kiste”!

Donnerstag, 14. Juni 2012

Ich mache heute mal, was ich normalerweise nicht mache, denn nicht machen sollte. (Ein zweiter derartiger Sündenfall ist schon in meiner Hirnwarteschleife, desfalls einen ausgezeicheten Musiksender lobweis betreffend.)

Es geht um eine Stuttgarter Kneipe, mit der hiervon nichts vereinbart ist, die mir, von ihrem Glücke nichts wissend, noch nicht einmal ein Bier hierfür ausgegeben hat, so dass von Bestechlichkeit bzw. Vorteilsnahme keine Rede sein kann. (weiterlesen…)

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