Archiv für die Kategorie ‘Bildung’

Dem Großen Georg Christoph Lichtenberg

Freitag, 03. Januar 2014

Lichtenberg meinte, dass ihm nie langweilig werde, denn er schaue im Zweifel einfach in die Gesichter der Leute.

Damals gab es noch kein Netz, nur die Leute auf der Straße.

Deren Gesichter mögen ausdrucksstärker gewesen sein als jene der Leute heute. Ich weiß es nicht.

Vielleicht habe ich es zu einfach.

Ich muss nur SPON aufmachen, und es ist fast garantiert, dass ich grandiosen Blödsinns gewahre, oft so stark, dass er wirklich die Langeweile vertreibt, gar noch länger als ein Viertelstündchen.

Es ist auch ähnlich dem Aphorismus, oder der Beobachtungen, die Lichtenberg im Winter vom Fenster seines Hauses machte, wie die Leute in gar merkwürdigem Verhalten den morgendlich frisch verschneiten Platz erst nach Voreingewöhnung schräg queren, dann folgsam.

Er siehet schon, immer wieder verwundert darob, wie wenig vernünftig der Mensch doch. Zumal in der Herde.

Und mit welcher Menschenliebe und doch allem Wohlwollen er das sieht!

Er ist der Dummheit der Leute nicht böse. Sie verwundert ihn nur, und dessen tut er Ausdruck.

Einer unserer Großen, aus der Zeit, als die noch aus jedem deutschen Winkel sprossen.

 

“Organspende macht Schule”

Mittwoch, 01. Januar 2014

“Organspende macht Schule”: Wahrlich genial.

Pädagogik pur, neutral, ergebnisoffen, bis zum sicheren Ende.

Ja, so macht Schule selbst noch vor dem Selbersterben Spaß.

Man lernt erst so so recht sein Menschentum.

Supi.

Wer sonst schon nichts gelernt, ist wenigstens Ersatzteillager.

Supi.

Selbst die Lehrer sind im Zweifel immerhin Ersatzteillager.

Supi.

Ja, Organspende macht Schule.

Kann Schule noch sozialer sein?

2014 wie in den kommenden Yottajahren

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Jetzt mal ein positiver Minimalausblick aufs Jahr 2014.

Für die Rosstäuscher im Netz könnte ein hartes Jahr anbrechen.

Ich meine erstmal nicht Facebook, Apple, Google, die NSA & Cie.

Es sind die bezahlten U-Boot-Schreiberlinge in den Foren, es sind zumal diejenigen “alternativen” Netzseiten, die sich einem zunehmend erwachsenen Publikum gegenübersehen, das noch und grade erst recht dem geschenkten Gaul ins Maul schaut.

Zwar wird für die Cyberarmeen, die mit Texten und Videos arbeiten, mit Kommentaren und mit Anschwärzung, immer mehr Geld ausgegeben, man schläft nicht, verfeinert die Zersetzungs- und Desinformationsmethoden, die Desavouierung von Seiten und Autoren, aber sieht es doch nicht danach aus, wie als ob diese in diesem Bereich allzugroße Fortschritte machten. Im Gegenteil.

Wo man selbst Seiten betreibt, eine interaktive Kommunikation bieten will, meist sinnigerweise muss, also Kommentare zulassen, da entlarvt man sich in der Regel, jedenfalls indem ein gewisser Erfolg eintritt, durch vorgenommene Zensur, sobald wirklich kritische Fragen kommen.

Und wenn man nun schon groß ist unter den Kleinen, dann spricht sich das jetzt schon sehr schnell herum. Mal sehen, wer sich 2014 den Titel verdienen wird, die “alternative ZEIT” zu sein, als jene Publikation, die am dummdreistesten zensiert.

Zensur in “alternativen” Medien kommt natürlich auch aus genuin weltanschaulichen Gründen massenhaft vor. Das sind dann aber spezialreligiöse und esoterische und gewissermaßen Sektenseiten, eher keine größeren Plattformen.

Eine ganze Menge Entlarvung könnte da stattfinden, ohne GPS-Schmerzphonortung, ohne Kontonummer nebst Fingerabdruck, einfach auf dem Wege der eingeforderten Redlichkeit. Der jüngsten aller Tugenden, wie sie Nietzsches Zarathustra ausweist.

Ein bestellter Text ist eben, wenn er nicht in dem Sinne bestellt, dass ein Dostoijewski seine Spielsucht nur durch Ablieferung von Fortsetzungen seiner Erzählung bei der Zeitung überlebensfähig halten kann, sehr schnell als nur ein solcher zu erkennen. Zumindest dann eine Textfolge.

Wie viele professionelle Trolle wird man wohl weltweit beschäftigen?

Keine Ahnung.

Aber von den wirklich guten hat man, je nach Qualitätsmaßstab, allerhöchstens ein paar tausend.

Der Rest kann meist nicht viel mehr, als jene, die einfach über die normalen Programme, also praktisch von selbst, funktionieren.

Das Problem für einen Spitzentroll bzw. dessen Auftraggeber ist, dass er ja auch irgendwann Ergebnisse liefern muss, Aufträge vielleicht erst nach Vorprüfung annimmt, lieber ablehnt, wenn er weiß, dass er hier, selbst bei viel harter Arbeit, gar plötzlich hart auf die Nase fallen oder auch nur an den Rand der Geschehnisse abgedrängt werden könnte, seine Reputation allzu fahrlässig aufs Spiel setzen.

Es ist nämlich durchaus so, dass geübte Mitforisten, auch unter dem Schirme eines geübten Administratoren, aus einem Troll der Extraklasse am Ende noch einen relativen Hanswurst machen, dabei aber, ohne dass der dies vordem merkt, seine Volten und Einsprüche zur besten Würze der Debatte mit Plaisir beiziehend.

Wen braucht man, was braucht man, als Troll der Extraklasse?

Im Grunde braucht man einen, den es fast nicht gibt. Er sollte ja bestenfalls eine scheinbare Sie sein und ein hervorragender Philologe, der sich bei Bedarf immer so als ein bisschen doof hinzustellen weiß, auf sprachlicher wie auf inhaltlicher Ebene, dass das noch der Gewitzteste nicht merkt. Cervantes konnte sowas. Er hatte allerdings nicht nur studiert, sondern auch gegen die Türken fechtend einen Arm verloren und danach schon als junger Mann in Kriegsgefangenschaft in Algier unter täglicher Lebensgefahr gelernt. Egal. Meines Wissens ist er so oder so nicht im Angebot.

Es werden jedenfalls auch 2014 nicht Bits und Bytes entscheiden.

Das gilt sowieso, mindestens, auch für die kommenden Yottajahre.

 

 

2013: Das Jahr der inneren Befreiung (II)

Montag, 23. Dezember 2013

Ich behaupte, es ist einfach spürbar.

Vom Ding als Nomen an sich

Dienstag, 17. Dezember 2013

Vor ein paar Tagen sahe ich einen Text durch, eine Hausaufgabe eines Oberstufenschülers, in der doch ein paar merkwürdig eindeutige Hauptwörter kleingeschrieben waren; richtig an den Kopf schlug mir aber, dass das dritte oder vierte Mal ausgerechnet auch noch das Wort “Ding” von der Herabsetzung in den Kleinstand betroffen war, woraufhin mir spontan einfiel, lachend, dass ja wohl “Ding” das größtzuschreibende Wort aller großzuschreibenden Wörter sein müsse.

Auch mein Schützling begriff und lachte mit.

“Ding” ist sozusagen das Nomen an sich.

Vielleicht verdient auch “Sache” ebenso großgeschrieben zu werden wie Ding.

Aber bestimmt nicht größer.

Gerhard Mersmanns Jahresdraufblick 2013

Montag, 16. Dezember 2013

Den besonderen Jahresrückblick, besser wohl Jahresdraufblick, fand ich vorhin auf Dudes Seite, wo er den unten verlinkten ausgezeichneten Artikel “Die Macht und der Schein” – der Titel könnte kaum besser gewählt sein – von Gerhard Mersmann zweitpubliziert hat.

Ich kommentierte bei Mersmann also:

“Ich habe über Dudes Seite hergefunden und will nun erstmal hier meine Anerkennung aussprechen. Der Artikel, erfrischend knapp und am Punkt gehalten, gleichwohl sprachlich sehr gelenk, erscheint, sicherlich bewusst so, unter Verzicht auf Beispiele und Détails.
Besonders gut gefällt mir der zusammenfassende Schluss, in dem die Lebenswirklichkeit gegen die betriebene Mystifikation gestellt wird.
Eben zum erstenmal auf dieser Seite, werde ich mich hier nun genauer umsehen. Den obigen Beitrag werde ich auf meinem Blog sicherlich weiterempfehlen und verlinken, allerdings wohl mit eigener, würdigender Anmoderation und zwei oder drei eigenen Betrachtungen dazu. Das kann daher noch ein bisschen dauern (wenigstens bis zum späteren Abend).
LG”

Und beim Dude:

“Ich habe Gerhard Mersmann eben auf seinem Blog meine Anerkennung ausgesprochen.
Ein knackiger Text, fürwahr, man merkt den Meister. Schonungslos auf den Punkt. Und das mit einem klaren, eleganten Duktus, der den ganzen Beitrag neben dessen Inhalt wie ein weiterer roter Faden durchzieht.
Hut ab.”

http://form7.wordpress.com/2013/12/12/die-macht-und-der-schein/comment-page-1/#comment-805

Ein längeres Zitat aus dem Text selbst, der vorletzte Abschnitt:

“Wir sähen (sähen wir uns das letzte Jahr aus unseren eigenen Augen an – Anm. von mir) die Unterschiede des monetären und des spirituellen Reichtums. Und wir sähen die Entwicklung zur Expansion der monetären Prosperität und den tendenziellen Fall des spirituellen Wohlbefindens. Die zunehmende, fast flächendeckende digitalisierte Taktung unserer Arbeitsprozesse würden nämlich freigelegt von dem ganzen ideologischen Unsinn von Autonomie und als das identifiziert, was es tatsächlich ist: Die Ausweitung und durchperfektionierte Kontrolle, die Liquidierung jeglicher Selbstbestimmung und die inquisitorische Verfolgung des freien Willens. Es würde deutlich, wie uniform das digitalisierte Zeitalter geworden ist, wo aus jeder Fernbedienung und jedem Sensor ein Programm lauert, das standardisiert und vereinheitlicht. Und es würde wie die Schuppen von den Augen fallen, dass bei allem Individualisierungsbrimborium nur noch serienmäßige Stereotype geduldet werden.”

Was ich da sehe, spricht so sehr, so bemerkenswert konzis für sich selbst, dass ich es jetzt erstmal nicht weiter kommentieren möchte, sondern als einen Lockschnipsel gewertet sehen will, der möglichst viele Leser auf die Seite des Autors bringen möge, die Gesamtlektüre daselbst zu genießen.

So kurz und sauber mit so viel Illusion, die uns als Normalität verkauft wird, abgerechnet!

Ein echter Leckerbissen.

Ein Essay, den ich noch manchem Pappenheimer vorlegen werde, sowohl des Inhalts halber als auch zu linguistischen Lehrzwecken.

Wacht jeden Tag ein Linker auf… (II)

Montag, 16. Dezember 2013

Wacht wirklich jeden Tag auch nur ein Linker auf?

Na, der eine oder andere vielleicht schon. Aber meist fürchtet man sich so sehr vor den geistigen Folgen des Aufwachens, dass man doch lieber noch etwas im Halbdämmer verbleibt.

Die Rechten haben ihre anderen Arten Ängste.

Sie könnten einen falschen Satz tun. Vor der Öffentlichkeit, ihrem Umfeld, dem Staatsanwalt.

Ja, mein lieber Linker, wenn Du aufwachst, kann das sehr schnell den Verlust eines erheblichen Teiles Deines Bekanntenkreises nach sich ziehen. Durchaus auch Schlimmeres. Bedenke, dass Du es bisher, ganz anders als die Rechten, nicht gewohnt warst, ein bisschen oder mehr als ein bisschen sonderbehandelt, um nicht zu sagen, verfolgt, zu sein.

Ich weiß sehr wohl, weshalb Du lieber schlafen willst oder im Halbdämmer verbleiben; Du arbeitest genau dem Monster zu, das Du zu bekämpfen Dir einbildest; und zwar schon lange; und sich das einzugestehen, das ist wahrlich kein Leichtes.

Die Rechten haben Dir nun schon auch einiges voraus.

Viele von denen sind aber auch schon wieder verkauft oder auf dem Leime.

Dann trau Dich doch mal was, Linker!

Einfach mal Vollkante die Solidarität reingedrückt, Alter!

Voll die Befreiung, diesmal auch für Männer, Alter!

Nicht den Affen von den Pfaffen, Alter!

Du gehörst doch eigentlich zur menschlichen Elite. Du hast verstanden, dass die übelsten aller Arschgeigen nicht die anständigen Leute nach Belieben abzocken dürfen. Oder meinst Du, die Rechten hätten das besser verstanden, als Du? Nein? Was liegst Du dann da noch herum, alswie ein Opiumist?

Aktion! Das Wort schonmal gehört? Agitprop! Los, hurtig, aufstehen, diesmal geht es nicht nur um die Proletarier aller Länder!

Na gut. So willst Du nicht. Zu anstrengend. Nein, zu wenig gewöhnt. Und die andern? Du hast die Hosen voll. Einen rechten Linksschiss davor, einfach mal alleine hinzustehen.

Ja, Deine Sozialisation, ich weiß.

Fange vielleicht einfach erstmal damit an, Dir vorzustellen, Du wärest kein Sklave mehr.

Begriffe, Runen, Logik und “Die göttliche Quelle” (II)

Dienstag, 10. Dezember 2013

Begriffe werden dem Menschen nicht geschenkt. Ursprünglich jedenfalls nicht.

Ja: Dem Kinde werden Wörter, ungefähre Begriffe geschenkt. Manchmal auch eingeprügelt.

Nun, ein Hase ist ein Hase, egal ob der Spanier ihn eben liebre nennt.

Begriffe aber wie “Liebe”, “Freiheit”, “Tugend”…: Alle abstrakten Begriffe werden erst durch ein ganzes Geflecht an anderen mit ihnen verbundenen Begriffen zu Begriffen.

Den reifen Denker erkennt man geradezu daran, dass er immer vorsichtig, skeptisch vor diesen steht, denn jeder gewichtet sie anders, in verschiedenen Kulturen stehen sie in ganz anderen Begriffsgeflechten.

So sind abstrakte Begriffe immer wieder neu zu hinterfragen, zu entdecken.

Friedrich Nietzsche hat dies wie kein anderer nicht nur erkannt, sondern auch sinnfällig gezeigt.

Ob einem dabei eine “Die göttliche Quelle” zu helfen vermag? Vielleicht. Wenn der Glaube nicht wieder einmal Berge dort hinsetzt, wo keine sind.

Ein gutes Hilfsmittel auf dieser Kreuzfahrt durch das menschliche Denken und Empfinden sind aber allemal die Runen. Die haben nämlich mit Glauben so wenig zu tun wie ein lahmes jakutisches Ren auf der Flucht mit einem Friedrich Schiller, wenn der gerade zu seinen erhabensten Versen findet.

Als Deutsche haben wir den großen Vorteil, dass unsere Sprache eine lexikalisch sehr durchsichtige ist. Die Wortfamilien sind also umfässlich wie in aller Regel logisch stabil. Das hilft auch bei der Erfassung von Wortfeldern.

Und bei der Schöpfung von sinnvollen neuen Begriffen. Bei der Bewertung von Begriffen. Man lese nur Nietzsches Zarathustra.

Englisch ist in dieser Hinsicht, mit dem Deutschen verglichen, eine mittlere Katastrophe. Alles schwirrt irgendwie durcheinander, oft sehr zusammenhangslos, unverbunden, undurchsichtig. Vielleicht kann deshalb jeder Englisch. Oder soll wenigstens Englisch können. Leidlich wenigstens.

Hierher gehört auch die auf dieser Seite schon verschiedentlich dargelegte Beobachtung, dass Gebildete, die wirklich gut Englisch können (inalsoweit das möglich), in ihr gesprochenes und geschriebenes Deutsch viel weniger englische Modebegriffe und Hirnriss wie “downgeloadet” etc. aufnehmen, als der Plebs in Politik, Medien und Werbeindustrie sowie Jugendliche, die noch keinen längeren Satz von Gehalt sauber zu formulieren wissen.

Es geht nicht um “Reinhaltung” der deutschen Sprache. Sprache entwickelt sich. Es geht darum, sie nicht graus zu entstellen, Unfug und Sülz und Halblug zur Richtschnur der eigenen Rede zu machen.

Ein Baguette ist ein Baguette, eine Pizza ist eine Pizza, und mag noch aus dem Mannequin ein Model geworden sein. Was liegt daran. Ich trinke auch gern mal einen Cappuccino. Lieber als einen Kaputtschino jedenfalls. Chuzpe, Schmock und meschugge gehören auch zu meinem angewandten Wortschatz.

Ich grade mich aber nicht vorsätzlich bis zur Lächerlichkeit down. So wie andere Leute. Toollose Underperformer. Das mache ich höchstens in der Satire und im Kabarett. Da gehört sowas hin.

 

 

 

Begriffe, Runen, Logik und “Die göttliche Quelle”

Montag, 09. Dezember 2013

Ja, ich liebe Begriffe.

Was ich nicht mag, ist, wenn Begriffe zu Nebelkerzen gemacht werden.

Nein, ich will heute nicht von “Toleranz” reden, von “Europa”, von “Meinungsfreiheit” und dergleichen.

Mit der sogenannten “Spiritualität” bin ich schon durch.

Nehmen wir uns nun einmal “Die göttliche Quelle” vor.

Da sprudelt es immer heraus, ganz rein, göttlich gar.

Das Ding erklärt sich also von selbst. Wer dann auch nur das Geschwafel drumherum als Geschwafel bezeichnet, beweist damit hundertprozentig dass er entweder ein verstockter, unheiliger Tor ist, oder eben ein Böser.

Erstens Mal aber weiß ich nicht, woher das “Die” kommt.

Wieso soll es nur eine göttliche Quelle geben? Muss das so sein? Warum?

Und warum “Quelle”? Könnte es nicht ein göttlicher Vulkan sein, der nicht immerzu Wasser spendet (das ist die naheliegende Assoziation bei “Quelle”), sondern ab und an mal feurige Urenergie speit?

Oder eine göttliche Luftpumpe? Die gezogen werden will?

Oder eine göttliche Erdschleuder? Die gespannt werden will?

Ein göttliches Ätherodrom?

Und warum “göttlich”? Wieso nicht Urquelle? Wieso nicht der Urquell? – Klänge mir zumindest griffiger, weniger verschwurbelt.

Ja, weniger verschwurbelt, damit weniger spiri, weniger eso, weniger wirksam beim Seelenfischen.

Das Ur wäre mir dann noch lieber. Man könnte Gebildeteren ja erklären, dass hier nicht das Rindviech gemeint ist.

Und nochmals lieber wäre mir das “Ha!”. Das ist nämlich zweifellos der menschliche Urlaut, Erstlaut.

Na gut. Eben nicht der göttliche. Der ist anscheinend ein Gurgeln, Schwappen, Zischen. Ein Fontainieren.

Ich weiß natürlich, dass Leute, die sich gerne in erhabenen Begriffen suhlen, keine Zeit dafür haben, sich mit logischen oder gar runischen Kleinigkeiten aufzuhalten. Der geschwollene Busen ist wichtiger, der will betreut werden.

Namen sind Quall und Stauch, jaja. Dass das Wort “Heil” eine Emanation der H(a)-Rune ist, die für die ganze kosmische Ordnung steht, wer muss das wissen, wen interessiert sowas.

Man muss sich ja, soll sich ja erst gleich gar nicht mit den verschiedenen Sphären und ihnen zugeordneten Begriffen befassen: man hat ja “Die göttliche Quelle”.

Außerdem hat man seit einigen Jahrzehnten Quanten. Dazu kamen dann die Computer. Und weil das eine nicht verständlich ist, das andere sagenhaft schnell rechnen kann, hat man jetzt den “Quantencomputer”, der so etwa das Ganze sein soll, immerzu von der göttlichen Quelle gespeist, also doch nicht so ganz das Ganze: Aber wer hält sich schon an derlei kleinen Unstimmigkeiten auf?

Ich.

Ohja, da ist es schon wieder, das böse Ego. Wie als ob Runen und Logik und Semantik nicht schon verwerflich genug wären. Deibel aber auch.

Es ist wohl an der Zeit, dass ich die dreifachen Samthandschuhe mal wieder ausziehe.

Nicht dass ich noch mit der göttlichen Quelle verwechselt werde.

 

Blogs: Von Bedenklichem und Erfreulichem

Dienstag, 03. Dezember 2013

Was ich fast noch weniger verstehe, na gut, ich verstehe es aus gewissen Beweggründen her schon, als dass man als Blogautor in Leserkommentare mittendreinkommentiert, ist, dass man einen Kommentarstrang plötzlich einfach schließt.

Bei einer MSM-Zeitung (einem Schafsmedium) mag ich das ja noch viel leichter nachvollziehen; man will die Sache von der Backe haben; möglicherweise kamen schon ein paar Kommentare, die man lieber nicht gesehen hätte, sich aber auch nicht verwagte zu zensieren. Da ist das die einfache Lösung.

Ich habe in bald fünf Jahren keinen einzigen Kommentarstrang zugemacht. Bin ich blöd?

Mag sein. Ich habe aber immer wieder erlebt – es gibt bekanntlich Suchmaschinen und auch andere Wege, die einen erst später auf einen Artikel bzw. die Kommentare dazu führen können – , dass erst alleweil Monate später Gewichtiges hereinkam. Mich hat das dann immer gefreut, auch manchmal dahingehend inspiriert, mich eines fast schon vergessenen Themas erneut anzunehmen.

Ich bin nicht “cool”. Wollte ich nie sein. Allenfalls manchmal gelassen, da jetzt doch schon nicht mehr ein glatter Jüngling.

Wieso die Türe schließen?

Waltet da Faulheit? Ein “Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?” Arroganz? Ist einer vielleicht ganz einfach nicht mehr dem gewachsen, was er mal schrieb? Feigheit?

Gut. Jeder macht es, wie er das will. Es gibt zum Glück keine Vorschriften dazu. Wäre ja noch schlimmer.

Ich sehe es aber so: Entweder lässt man Kommentare zu, oder man lässt es.

Es mag ja mal einen Artikel geben, zu dem man gar keine Kommentare veröffentlichen will. Ist mir zwar noch nicht vorgekommen: das jedoch kann ich fallweise nachvollziehen.

Ich denke, wo wir nicht von den Schafsmedien sprechen, dass eine Art Erhabenheit verbreitet werden soll, meist jedenfalls, wenn einer sagt: “So Kinderchen, hierzu gibt es jetzt nichts mehr zu sagen.”

Eines offenen Geistes, der sich der Welt stellt, Ausnahmen mag es geben, meines Erachtens eigentlich unwürdig.

Keiner zwingt den Autor, nochmal zu antworten. Viele Autoren sind eh nicht sonderlich interaktiv. Daran ist nichts zu bemängeln. Ich halte es zwar anders, verstehe aber durchaus, wenn jemand sein Sach’ einfach so stehen lässt, andere reden, selbst nichts mehr dazu sagt.

Ich “habe” nicht viele regelmäßige Kommentatoren, bekomme oft wenig, nicht selten gar keinen Kommentar herein.

Dafür aber sind die, die reinkommen, oft Weckrufe. Wenigstens Hinweise von Gewicht.

Und manchmal sind verdammt gute Texte dabei. Da hat wirklich jemand was gedacht. Das sind mit die schönsten Momente.

Genug gemeckert. Es bewegt sich einiges.

Als ich anfing, war es noch kaum üblich, dass Blogautoren sich mit ihren Kommentatoren regelrecht unterhielten. Wirklich austauschten. Nicht im Sinne eins “Chats”. Ernsthaft. Genau. Überlegt.

Das hat sich geändert. Eine überaus positive Entwicklung.

Man schreibt wieder.

Und man versucht, richtig zu schreiben.

Eine durchaus bedeutende kulturelle Entwicklung.

 

Zum Deppentrick greifen? (zu Deppenstrategemen?)

Dienstag, 03. Dezember 2013

Die Deppenstrategeme verrate ich jetzt schon grade erst recht nicht. Ebensowenig wie zwei oder drei diskutable neue Hauptstrategeme. Ich schätze grade meine Reserven. Habe das Gefühl, dass ich sie brauchen kann.

Außerdem interessiert sich ja anscheinend schon kaum einer für die neuen Hauptstrategeme.

Weshalb dann die womöglich nützlichsten, die Deppenstretegeme, einfach so verraten?

Nee, det spaarnwer uns ma.

Zum Deppentrick greifen (Zu Deppenstrategemen)

Dienstag, 03. Dezember 2013

Immer, wenn man keinen guten mehr hat, sollte man sich überlegen, ob nicht zum dümmsten Deppentrick zu greifen sei. Zu einem Deppenstrategem.

Bei mir zum Beispiel täten viele Leute das schon gleich gar nicht vermuten.

Die halten mich für viel zu ausgebufft dafür.

Und sich sich selber auch noch, was ja dann das Beste ist.

Zwar kein Erfolgsgarant, aber allemal ein potentiell überaus förderlicher Umstand.

Natürlich rate ich hier nicht zur regelmäßigen Anwendung von Deppentricks, Deppenstrategemen, der Eingewöhnung in eine Lebensweise, die diese nur noch erstrebenswert macht, schon gar nicht, wie immer, ab vom Denken, dahinzu aber doch, gerade in Lagen, wo man gerade wenig Materielles zu setzen hat, nur Geistiges, gerade deshalb auch einmal völlig ungerührt auf die aus dem Hochmute herrührende, die darauf gestützte Anmaßung, hiemit Selbstüberschätzung, hiemit Dummheit des Anderen zu setzen.

In der Meisterklasse macht man es so, dass jener gar nichts merkt.

Jedenfalls, wenn er irgendwas irgendwie dann doch merkt, keinerlei vernünftige Zuordnung zur Genese der Sache ausmachen kann, wenn er partout nicht begreifen will.

Das ist dann Pech, gehört aber manchmal so.

Eine unter Umständen wichtige Form der Notwehr.

Fuck’em! (II)

Dienstag, 03. Dezember 2013

Ich habe den recht fragwürdigen Kollegen, der zwar sehr engagiert, zumindest aber auf die Dauer dem zuwenigst angestrebten Niveau dieser Seite ob seiner begrenzten Sprachwahl wohl eher nicht förderlich, Autor des ersten Teiles, jetzt kurzerhand weggeschickt, unter dem Vorwande, der zwar nicht besonders originell, aber dafür zog, ich müsse zunächst sein Poem genauer studieren, bevor ich entscheiden könne, wann er wiederum zum bestmöglichen Einsatze zu bringen sei.

Der Herr tat so, wie als ob er verstanden, dass ich noch some fuckin’ work da mir ernstlich vorgenommen, verließ mich in sein Reich, wo er seines Hauptlexems noch besser und rhythmischer vorzutragen sich bestimmt noch ausgiebig befleißigen wird.

Nein, nicht dass der Kollege faul wäre.

Auf seine wichtigste Aufgabe konzentriert er sich mit hoher Konsequenz, Ausdauer und bemerkenswerter Kraft.

Darüber wusste ich ihm ja auch ehrlich Mut zuzusprechen, indem ich ihn eigentlich in Wirklichkeit so schnell als möglich verwies.

Fast schon ein Strategem.

Nein, klar, so reicht es noch nicht dafür.

Auf jeden Fall, das muss man dem Kollegen lassen, war er gut drauf, als er seine Tirade absonderte.

Immerhin.

Fuck’em!

Dienstag, 03. Dezember 2013

‘E fuckin’ fuck ‘ey fucked up ‘ere in ‘eir fuckin’ show fucked!

Fuck’em! Fuck’em! Ga’dammit fuck’em!

‘Ey ain’t fuckin’ able’a fuckin’ see ‘eir own fuckin’ shit!

Fuck’em.

Fuck’em!

Von den Stärken der deutschen Sprache

Dienstag, 03. Dezember 2013

Die unserer Sprache gegebene Möglichkeit, zusammengesetzte Hauptwörter fast beliebiger Länge sinnvoll zu bilden, ist ein zwar nicht zu freigiebig auszugebender Reichtum derselben, aber von unschätzbarem Wert.

Jeder kann, jederzeit, je nach Bedarf, angemessene Wörter bilden. Glasklar.

In gehobener Rede, aber auch unter Handwerkern oder in der Volkssprache geschieht das ständig, oft unbewusst und meist doch in der jeweiligen Lage verständlich und zielsicher.

Und wieder, wie auch oft in unserem Satzbau, wo die Klammern von Tunwörtern und ihren Vorsilben wirken, steht erst hinten ganz Wesentliches, welches das Vorherige auf die richtige Ebene ins Licht setzt.

Der letzte Wortteil ist der Oberbegriff. Die Teile davor wirken ein wenig wie beigeordnete Eigenschaftswörter oder im Wesfall verbundene oder aufzählende weitere Hauptwörter, sind aber doch, viel weniger umständlich, Teil eines Worts, eines Begriffs.

Eine Italienerin sagte mir im Deutschunterricht, nachdem ich einen in der Tat recht finsteren Gedichtsabschnitt von Schiller vorgetragen hatte, in dem das Wort finster selbst auch vorkam und ich es demzufolge auch zu erklären und dem schlichteren dunkel abzugrenzen hatte, die deutsche Sprache eigene sich durch ihre mögliche Mitlauthäufung wohl besonders zur Darstellung düsterer Zustände.

Sicherlich keine falsche, schon gar keine dumme Beobachtung, oder, genauer, Erhörung.

Andererseits: Opern werden auch heute noch außer auf Italienisch gerne auf Deutsch gesungen. Keiner meint, dass das nur nach dem nahen Gottseibeiuns klingen müsse.

Mit den Selbstlauten müssen wir uns zweifellos auch immer wieder etwas mehr Mühe geben, die der Italiener so sich nicht geben muss, denn die Selbstlaute schwirren, außer in Mundarten, sowieso massenweise durch die Gegend, fast egal, was er sagt.

Andererseits: Gleich kam ein Dante-Spruch, ich muss nochmal nachfragen, leider versäumte ich, ihn aufzuschreiben oder mir wenigstens zu merken, natürlich in alter italienischer Ursprache, die doch etwas anders und knapper als übliches heute, in welchem neben der Selbstlautanklänge auch halbe Stabreime geborgen.

Ja, gerade im Deutschen finden wir das, was ich Halbstäbe nenne, nämlich Stäbe, die nicht unbedingt im Anlaut mehrerer Wörter liegen, noch nicht einmal in einer starktonigen Silbe.

Durch den einbegreifenden Satzaufbau haben wir die Möglichkeiten und die Berufung, länger ausgreifende Schwingungsmuster anzusetzen, um von den Stärken unserer Sprache her einzubringen, wo sie vorhanden.

Satzbau ist Gedankenbau. Wortschöpfung heißt Worte schöpfen.

 

 

Es geht mich nichts mehr an

Sonntag, 01. Dezember 2013

Es gab eine lange Zeit, da ich mir wünschte, von möglichst vielen gelesen zu werden.

Das war kindisch.

Diese Zeit ist vorbei.

Es geht mich nichts mehr an, was keiner lesen will.

Gar keine Leser

Sonntag, 01. Dezember 2013

Gar keine Leser zu haben, außer mir, das habe ich in der Tat noch nicht geschafft. Aber ich arbeite daran.

Geld und Wirtschaften ohne die Verrückten

Freitag, 29. November 2013

Die Verrückten werden irgendwann, vielleicht bald, feststellen müssen, dass Geld auch ohne sie funktioniert, sinnvoller denn je, und all die Fabriken und all die Menschen, von denen sie wähnten, sie großzügig, gar das Werk Gottes auf Erden verrichtend, finanziert zu haben, ohne deren Schuldscheine einfach noch da sind, es allen außer ihnen Schritt um Schritt immer besser geht.

Ich werde denen keine Psychiater und Niederknechts- und Stillhaltedrogen bezahlen. Auch wenn sie die, aus ihrer eigenen Logik heraus, verdient hätten. Keine prolongierten Klinikaufenthalte. Es wird von mir keine Benzodiazepine geben, kein Haldol, nicht einmal eine Flasche Weins.

Ehrliche Arbeit mag ihnen zur Vernunft helfen, oder auch nicht.

Ein Traum von bunten neuen Novellen

Donnerstag, 28. November 2013

Vorgestern Nacht, es fiel mir die Sequenz erst wieder ein, als ich gestern einem Abiaspiranten etwas von Novellen zu erzählen anhob, träumte ich davon, dass jemand mir, feixend, ob meiner Lästereien dahingehend, es könne heutzutage wohl keiner mehr ein hochklassiges Werk dieser Textsorte vorlegen, jedenfalls wisse ich nichts davon, dass derlei in den letzten Jahrzehnten vorgekommen, mit trockenem Grinsen ein dickes Buch in die Hand gab, gar bunt geheftet, jede der vielen Farben vorgeblich für ein jüngeres derartiges Schrifttum stehend.

Wie es in Träumen nunmal oft so ist, vermag ich das Davor und das Danach nicht mehr zusammenzubringen, weiß ich nur noch, dass ich den Wälzer, also überrascht wie zwar skeptisch, gleichwohl ob der Ernsthaftigkeit des Aushändigenden auf berechtigte Beschämtheit rechnend, entgegennahm.

Es mussten wohl fünfzehn bis an die zwanzig Novellen von verschiedenen Autoren sein.

Leider fand ich dann im weiteren Verlaufe des Traumes keine Muße, auch nur eines dieser Werke wenigstens anzulesen.

Ich kann also nicht sagen, ob der mich eben doch lediglich narrte.

Das muss ich nun leider stark vermuten.

Meine hilflosen Wünsche dürften diese Szene in Gang gesetzt haben.

Immerhin gefiel mir das mit den Farben nicht schlecht.

Jedem Nachfolger von Boccaccio, Cervantes, Kleist, Storm eine eigene Lichtbrechung.

Zwar nicht superoriginell oder irgend neu, aber das tröstet mich doch etwas über die Ungenauigkeit meiner schlaftätigen Arbeit hinweg.

Es war eine reine psychische Projektion.

Ziemlich sicher.

Gut.

Wer mir so ein Buch bringt, dem gebe ich großzügig einen aus.

Es muss dann nichtmal bunt sein.

Nur lesbar.

Der Michel ist kein Deutscher (III)

Sonntag, 24. November 2013

Der Michel, so wie wir ihn als Sinnbild des Deutschen kennen, baut nicht einmal ein Baugerüst bis zum zweiten Stock.

Das einzige Gebiet und Gebot, das er halbwegs zu überschauen vermag, ist sein Bett. Vielleicht findet er auch noch seine Bierflasche, ohne dass er dafür angelsächsischer Nachhilfe bedarf.

Der Michel ist immer von der “German angst” geplagt. Er könnte ja seine Schlafmütze verlegt haben, seine Pantoffeln nicht finden.

Kurzum: Er ist eine übele Witzfigur.

Es gibt genug böse Karikaturen, nicht nur aus Kriegszeiten, wider uns dazu.

Eigentlich lümmelt er nur herum und lallt in seiner unverständlichen Sprache etwas vor sich hin, wird dann aber manchmal auch sinnlos aufsässig, woraufhin er einfach mal wieder mächtig eine aufs Maul zu kriegen hat.

Mehr ist er nicht, hat er nicht.

Er ist höchstens mal dummfrech. Dann brät man ihm wieder eins über, und gut ist wieder für eine Weile.

So rätselt er denn in seinem Schrumpfhirn vor sich hin, weshalb er sich immer über die aus seiner Sicht falsch gelagerten Dinge wundert.

Er versteht das einfach nicht, weshalb aus Geld immer Geld wächst, er immer verliert, wenn er was Wirkliches tut.

In seiner verquasten Welt, ja, in der täte sich Arbeit lohnen.

Nicht nur des Geldes halber, das ihm gar nicht so wichtig, sondern freute ihn sowohl, dass gut Geschaffenem Achtung entgegengebracht würde, allein schon des Ansporns halber für andere, auch der Gerechtigkeit halber, und, ob der vielleicht darob erweiterten Möglichkeiten und Mittel, noch Besseres zu schaffen.

Dabei immerhin nicht zu darben.

Nein, der Michel, für den ich gerade schreibe, heißt nicht Michel.

Er mag Rainer heißen oder Rudolf oder Randolf.

Oder Friedrich oder Hermann oder Heinrich.

Selbst noch Wilhelm mag er heißen.

Michel aber heißt er nicht.

Der Michel ist kein Deutscher (II)

Sonntag, 24. November 2013

Ich will hier nicht länger über die verschiedenen Funktionen des Erzengels Michael, wie sie ihm vom Judentum, vom Christentum und vom Islam zugeteilt wurden, räsonnieren.

Wenigstens die meisten davon haben mit dem deutschen Nationalcharakter, wofern es einen gibt, von außen gesehen wenigstens ist es statthaft, einen zu sehen, von innen immerhin einen negativen, wenig bis nichts zu tun.

Man schaue sich lieber mal Redewendungen an, die Volkssprache.

“Ich mache doch nicht den Michel!”

“Willst du mich zu deinem Michel machen?”

“Suche dir einen anderen, der dir den Michel macht!”

Der Michel ist also ein gutmütiger Depp, einer der sich maßlos ausnützen lässt, ein lustvoll getriezter Knecht oder Sklave.

Schlafmützig, immer etwas verwirrt, hilflos, dumm.

Hörig, selbst denkunfähig.

Na gut: Sei dies Bild bis heute eingesenkt.

Es ist auch nicht insgesamt unzutreffend. Teilaspekte sind statthaft.

Aber da zeigen sich nur die negativen Aspekte.

Nicht nur der Erfindergeist fehlt, auch das Freiheitsstreben, die Schaffenslust, die Philosophie, der Mut und die Tapferkeit. Das Aufbrechende, das Wägende wie das Wagende. Und noch mehr.

Deshalb werde ich auch dieses Bild zerbrechen.

Ich weiß noch nicht genau wie, entlang welches Namens.

Vielleicht werden es drei Namen, oder aber es wird gar keiner, anstatt Michel.

Wer weiterhin micheln will, der soll das tun.

Bei mir hat es sich ausgemichelt.

Sowieso schon lange, jetzt aber auch nochmal ganz anders.

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Ich weiß natürlich, dass so ein Bild nicht über Nacht bricht.

Jedenfalls üblicherweise: wenn nicht ganz Außergewöhnliches geschieht.

Irgendwo da draußen aber ist einer, sind vielleicht gar welche, die verstehen, was ich ansetze, weshalb ich es ansetze.

Und wenn erstmal nicht, so mache ich einfach allein weiter.

Moment: Jochen scheint mich schon im Erstartikel wenigstens in erheblichem Maße verstanden zu haben.

 

Wie wird man ein Meister? (II)

Mittwoch, 20. November 2013

Ich brauche noch etwas Schlaf, wenigstens Ruhen, rede also jetzt nur kurz zu dir.

Wenn du es schaffst, wirst du einen Kristall aus deinen Händen wachsen lassen können, wie einst der Kalle Wirsch der Augsburger Puppenkiste.

Kaum einer noch wird das verstehen.

Du wirst das, sehr wahrscheinlich, nicht beliebig wiederholen können.

Du wirst lernen, dass du manchmal aus der tiefsten Niedergeschlagenheit heraus das Beste schaffst, manchmal aus der freiesten Fröhlichkeit, manchmal aus dem fast schon gelangweilten Gleichmute.

Du erkennst dich immer wieder anders.

Es gibt keine idealen Schaffensbedingungen.

Auch das flüstern dir nur Toren und Verführer ein.

Du schaffst. Wie es eben kommt.

Und: Überwerfe dich nicht mit echten Freunden, weil sie dich gerade nicht verstehen.

Das wird sehr wahrscheinlich vorkommen.

Die Gierigen aber, die weise von dir. Gehe ihnen aus dem Wege. Binde mit ihnen nur an, wenn dies unabdingbar notwendig.

Nimm deine Kunst mit in deine Träume.

Sei dir nicht gram, wenn dir eine gehegte scheinbar großartige Idee plötzlich schal erscheint.

Sie mag nur nicht ausgegoren sein. Dann kehrt sie später wieder. Oder sie war von der Anlage her verkehrt. Was du brauchst, ist Zeit. Deine Zeit. Traue dir selbst.

Sei besonders wachsam, wenn plötzlich doch das Geld kommt.

Das bist du nicht gewohnt. Kippe darob nicht.

Mit dem Geld kommen die Weiber. Kippe dererhalber erst recht nicht.

Sei immer nahbar, aber nicht leichtfertig.

Schließt du dich ab? Bist du jedermanns Freund?

Du bist du.

Martere dich nicht, wenn gerade kein Kristall aus deinen Händen wachsen will. Du bist nicht der eine Gott. Wenn du an einen glaubst, lasse es dem, das immer zu können.

Sei gnädig, aber nicht zu gnädig, wider jene, die dich nicht verstehen, wider die Verleumder.

Sei ein Meister.

 

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