Osho: Ebenso dekadent wie U. G. Krishnamurti

Ich lese jetzt ein wenig Osho. Auf Spanisch. Damit ich wenigstens davon etwas wieder zurücklerne.

Schon auf den ersten Seiten ward mir klar, woher die Faszination dessen Philosophie rührt.

Vorgebliche absolute Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Eine Philosophie aber, die keine Kinder kennt, so sehr sie diese auch als – noch – frei vornanstellt.

Letztlich eine Individualklosterphilosophie.

Sokrates, als leuchtendes Beispiel, trank gelassen den Schierlingsbecher, hätte auch entweder schweigen können, in Athen bleibend, oder ins Exil gehen.

Das tat er, den Tod nicht scheuend, nicht, dieser Leuchtturm menschlicher Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Ja, ohne die Verantwortung für Kinder. Also letztlich die Weitergabe des Lebens.

So, wie auch Osho.

Schöne Worte findet man da, viel Richtiges zur Heuchelei und zum Selbstbetrug.

Ich vermute aber – ich mag falsch liegen – dass ebenso wie bei U.G. Krishnamurti nichts Wesentliches zur Kunst kommen wird.

Die dürfte von einem Sterne sein, den Osho nie gewahrte.

Oder er redete lieber nicht darüber.

Kein Wunder.

Eine letztlich sterile Philosophie stößt genau hier an ihre Grenzen. (Jaja, Lieschen, so ist das.)

Kunst hat nämlich (dafür muss man von der Kenaz-Rune nichts wissen) stets damit zu tun, dass man nicht nur sich ist, sondern über alle Nöte und auch zeitweilige Freuden darüber hinaus setzt.

Eben auch noch andere, mehr noch als man selbst sein: Das ist die Grundlage der Kunst.

Damit Leuten wie Osho und U.G. nicht zugänglich.

Oder eher: Davon wollen sie beide, so scheinbar unterschiedlich ihre Konzepte, nichts wissen.

Krass gesagt: Am liebsten entleibten sie sie.

Somit wird die vorgebliche Lebensbejahung Oshos – oder kommt da doch noch was, worauf ich Asche auf mein Haupt zu streuen hätte? – zum Schwindel eines Scharlatans, der sich eben auch nur selbst gefallen wollte.

Als einzige “Kunst”: Ich habe keine Angst vor dem Sterben.

Immerhin etwas.

Mir aber nicht genug.

Maßloser Individualismus.

Mir nicht genug.

Letztlich, Osho ebenso wie U.G., zwei Inder, die sich, zurecht abgestoßen von ihrer Tradition, in gar nicht so verschiedener Weise lediglich selbst inszenierten, das Format eines Konfuzius nicht ansatzweise hatten, gewissermaßen um wieviel weniger noch jenes eines sich zwar zu Lebzeiten erfolglos verzehrt habenden Heinrich von Kleist.

Keine aktive Imagination; nur Theoreme; letztlich alles blutleer; auch kein echter Adel wie bei Meister Kung.

Das ist weniger noch als Goethe.

Lockrufe der Dekadenz.

Kein Wunder drumb, dass Osho vornehmlich sexuell und geistig Zukurzgekommene anzog und anzieht, seine Adepten (masse angetörnte Weiber dabei) seinen Rolls-Royce-Paraden Spalier standen.

Verzückte Seelen noch weiter in die Selbstdemütigung verbracht.

Ein paar Seiten werde ich wohl trotzdem noch lesen.

Denn es mag doch noch etwas herauszufinden sein.

Dann aber werde ich die einigermaßene Wiederheraufkunft meiner Spanischkenntnisse an einem anderen, lohnenswerteren Buche ins Werk zu setzen trachten.

 

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4 Antworten zu “Osho: Ebenso dekadent wie U. G. Krishnamurti”

  1. suspect1 sagt:

    Bei Osho einsteigen ist schwer. Der Gedanke, dass Menschen sich durch Geburt hier unten ansiedeln, die sie sich selbst aussuchen und auch voll dafür verantwortlich sind für den Lebensweg und zu keiner Sekunde die wild vögelnden Eltern, ist schwierig, wenn man Kinder liebt oder überhaupt lieben kann. Solange man Liebe überhaupt begreift und weiß, dass die Liebe, die man selbst hat und geben kann, das ideale Gegenüber, sollte man es finden, nur zurückgeben kann.
    Auf der langen Suche nach dem Gegensatz zum Männlichen in der Suche nach Liebe geben die Lehrenden auf, da sie auf ihrer Ebene keine antreffen können.
    Man muss es leben und verstehn, was deren Beweggründe sind, so zu werden, so zu reagieren und so zu lehren. Ein Buch von Osho ist eine Aufzeichnung seiner Worte, geschrieben in anderen Sprachen und mit immer der Weitergabe eines Individuums. Wie alle Beschreibungen. Lehrt oder zeigt uns solch eine Beschreibung Fehler im Sein des Gebenden auf, ist es bei den anderen auch nicht anders.
    Lehrende zu begreifen bedarf das hinab- oder hinaufsteigens auf deren Ebenen.

  2. sunrose sagt:

    Sehr klare Kritik! Obwohl ich weder Osho noch Krishnamurti gelesen habe, glaube ich zu verstehen, was du hier sagen willst. Vermutlich habe ich mich von ihnen deshalb auch noch nie angezogen gefühlt. Ich denke, die Philosophie der Inder ist so wie so einfach anders als die unsere, und aus unserer Sicht wohl weniger mit dem echten Leben vereinbar.
    Was mir nicht gefällt: Dein Satz “Das ist weniger noch als Goethe.” hinterlässt einen durchaus falschen Eindruck. Goethe ist nicht wenig gewesen. Goethe ist einer der großartigsten unserer Kultur und nicht vergleichbar. Er ist nur nicht leicht zu verstehen. Eben weil er so groß ist.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ sunrose

    Gut, der mit dem Goethe hätte so vielleicht nicht sein müssen. Er hat zweifellos auch Bedeutendes geleistet.
    Seine beiden Hauptwerke aber, der Faust und der Wilhelm Meister, die sind zwar sprachlich teilweise mächtig, inhaltlich aber schlimm bis dumm.
    Ich habe schon einiges dazu gesagt.
    Das findest Du, wenn Du “Goethe” oben rechts in die Suchfunktion eingibst.

  4. Flüchtling sagt:

    Schopenhauer schrieb einst, “Nur die eigenen Gedanken zählen. Fremde Gedanken sind geschissene Scheiße.”

    Diesen Eindruck hatte ich auch als ich diesen Artikel hier gelesen habe.

    @suspect1
    Osho einstieg ist nicht schwer, besser nicht lesen, sondern ansehen. “Youtube”

    @sunrose
    Also von klarer Kritik zu sprechen, ohne die beiden Individuen gelesen zu haben, finde ich echt nicht nachvollziehbar. Als ein Richter würde man von Befangenheit sprechen.

    @Magnus Wolf Göller
    Goethes Werke inhaltlich schlimm und dumm zu bezeichnen, kann eben auch nur von einem schlimmen und dummen kommen.

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