Mal wieder Willi aus Berlin…

Eben rief mich Willi aus Berlin an.

So genau wusste er eigentlich selber nicht, warum.

Rededrang hatte er aber trotzdem.

Und schließlich wusste er es doch.

Oder ich zuwenigst.

Es lief, was auch sonst, am Ende darauf hinaus, dass meine Gebietsbetreuung zu wünschen übrig ließe.

Der Mittlere Neckarraum stehe schon unter verschärfter Beobachtung.

Es gingen in der Hauptstadt schon diverse Verschwörungstheorien bezüglich einer nicht nur von mir angezettelten, sondern gar geleiteten schwäbischen Denkerverschwörung.

Leider gebe es nunmal dahingehende Indizien, die nicht leicht von der Hand zu weisen seien.

Er habe sich nach Kräften für mich verwendet, doch habe das leider wenig geholfen.

Mindestens eine, wenn auch unglaubwürdige Selbstdemütigung meinerseits sei also, die Gemüter zu beruhigen, unabdingbar.

Sonst sei ich als Tripel7-Agent nicht länger haltbar. (Wir Tripel7-Agenten dürfen, da besonders dafür qualifiziert, manchmal der Wahrheit nahekommende Dinge sagen. Das macht unsere besondere Tarnung aus.)

Nun sei ich darin zu weit gegangen. Man verdächtige mich schon, ein Tripel8-Agent zu sein. Also von jenen, die unser bewährtes Programm seit Jahren zu unterwandern und für sich zu instrumentalisieren trachteten.

Da war ich erstmal platt. Ich hatte nicht daran gedacht, dass man, Willi gar, mir so schnell auf die Schliche kommen könne.

Also sagte ich erstmal: “Willi, Ihr habt Euren neuen Flughafen bekanntlich immer noch nicht über Wasser. Was kann ich dafür, dass ich kein neuer Joschka Fischer bin, also Eure Bullen nicht verprügle?”

Das brachte ihn auf Touren.

“Magnus, du bist nicht nur ein Riesenarschloch, sondern ein noch größeres Rindvieh. Du meinst wohl, dass du dir in deinem kleinen Schwabentempel alles erlauben kannst?”

Die Sache ging gut. Ich merkte, dass er nur fuchtelte, mich lediglich aushorchen sollte.

“Aber nein, Willi, ich mache mir ja nur Sorgen um euch in der Hauptstadt.”

“Wieso? Was meinst du damit?”

“Naja, man hört so manches hier, zwischen Daimler und Bosch.”

“Raus mit der Sprache!”

“Ja nun, wie soll ich das sagen…”

“WAS???”

“Nun, man munkelt von Tripel9-Agenten, die sich bei euch eingenistet hätten. Einmal fiel, soweit ich mich erinnere, sogar dein Name.”

“WAS???”

“Naja, ich weiß ja nicht, wie viele Namensvettern du im Dienst hast.”

“WER erzählt sowas?”

“Naja, was will ich machen, selbst die Aufgeweckteren von den Zeitarbeitern erzählen sich schon davon. Das echte Berlin ist mehr als eine halbe Sinnlosigkeit weg hier von den Leuten. Manche ansonsten ganz normale und geachtete Leute halten euch da oben praktisch schon für UFOs.”

Pause. Ungeregeltes Atmen.

“Magnus, wir sprechen uns noch. Mach’ bloß keinen Scheiß!”

“Willi, du kennst mich doch, täte ich doch nie tun.”

Schnaubend legte Willi auf.

Jetzt sollte ich für zwei Wochen meine Ruhe haben.

So lange brauchen sie normalerweise mindestens.

Eigentlich läuft es immer gleich ab.

 

 

 

 

— Anzeigen —


Tags: ,

7 Antworten zu “Mal wieder Willi aus Berlin…”

  1. Holzschnitt sagt:

    Wassss, der Göller solle ein agent provocateur sein? Ein billiger Lockspitzel? Das als Stuttgarter Denker per se! Wer kommt denn auf so ein schmales Brettchen? Also da geht doch die Sonne eher im Westen auf als das Magnus Wolf Göller für irgendwelche Überwacher arbeiten soll! Hanebüchen!

  2. Pied Piper sagt:

    Interessante These die Sie hier andeuten. Eine Denkerverschwörung,mmmmh? Interessant wie gesagt. Könnten Sie die Denker nennen? Oder meinen Sie etwa sich selbst und die anderen Spinner die hier so rumsäuseln? Eine Art politischer Narrenfreiheit scheinen Sie aber schon zu genießen….

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Pied Piper

    “He who pays the piper calls the tune.”

    Merkt so leider jeder von den Spinnern hier, dass Sie auf meiner Autobahnraststätten-Schwarzgeldliste stehen.

    Wozu also noch drumrumschwafeln.

    Welcome to the club!

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Pied Piper

    Ich vergaß, noch auf Ihre Frage nach den Namen zu antworten.

    Außer mir konspirieren alle unter Decknamen, so wie Sie ja auch.

    Die Antikonspiranten schlafen zwar manchmal, aber leider nicht immer.

  5. Pied Piper sagt:

    Dann verstehe ich richtig dass die “Verschwörung” von Ihnen geleitet wird und Teilen Ihrer Leserschaft?

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Pied Piper

    Das verstehen Sie vermutlich ganz richtig. Jedenfalls, was den ersten Teil anlangt. Nämlich, dass ich die Verschwörung offen leite.
    Ob ich dabei außer mir selbst wirklich noch einen oder zwei leite, weiß ich allerdings nicht zu sagen, doch verschreibe ich mich einer dahingehenden Vermutung doch recht gerne.
    Mir ist es ganz ganz recht, wenn ich meine Mitverschwörer nicht alle kenne; nicht nur, dass das das Spiel interessanter macht, es macht es auch entspannter, denn man muss sich nicht jeden Unterverschwörerblödel auch noch einzeln anhören.
    So kann man befreit aufspielen.
    So kommen die Leute, ganz unschuldig, ins Boot.
    Und sie buchen gerne eine ganze Hafenrundfahrt.
    Vor allem: Ich nehme ja auch und gerade selbst ausdrückliche Nichtmitverschwörer mit, ermutige sie noch in ihren Widerworten, ermahne sie, widersprüchlich nie nachzulassen!
    Ich warte nur noch auf den fälligen Reichspreis.

  7. Pied Piper sagt:

    Herr Göller, parole d’honneur! Diese Widersprüche kann ich nicht vereinigen, und wenn ich bei Cartesius selbst die Logik samt dem Cogito, ergo sum studiert hätte!

Eine Antwort hinterlassen