Wie man nochmal wird, was man ist

Die Wiederheranführung von verloren gewähnten Kräften, diese neu justierend, ist eine der vornehmsten Aufgaben, die uns das Leben stellt.

Ich rede hier wieder einmal den wenigsten.

Das genau aber gehört dazu.

Wenigstens bei mir.

Unverklärte Erinnerung an verlorene Tapferkeit mag neuerstandene zeugen.

Ein Ausgangspunkt.

Ein weiterer: Man verlor sie zwischendurch wenigstens schon ein zweites Mal.

Ist an das also schon gewöhnt.

Alswomit auch selbst die Angst vor einem weiteren Male schwinden kann.

Zagheit: Bist du ich?

Wie oft saßen wir schon beisammen, und endlich warst DU doch nicht ich.

Ja, zugegeben, du belagertest mich lange, mit bittersüßer, doch ausdauernder Zunge, oft waren deine Betörungsversuche auch erfolgreich.

Viel Spiel brachtest du darein. Insonderheit dahingehend, ich solle mich doch mal schonen, und zumal die Meinen.

Alswie ein süßer Hirnknieschoner tratest du auf. Papptest dich, klebrig, wie es unabänderlich deiner Art, so gut als du es vermochtest an jedes mein Geheft.

Jetzt kämpfen wir schon gut acht Jahre widereinander, und du scheinst endlos ausdauernd: da dir ja kein Mut sinken kann. Mir aber kann er immer noch wachsen. Jeden Tag.

Inzwischen weiß ich fast bis in die letzten Winkel, wie du die Säge ansetzt. Kafka muss mir das nicht mehr beibringen.

Du hast, in der Tat, auch viele willige, dich eilfertig nicht nur bestätigende Mitstreiter. Viele von denen arbeiten nämlich so gut für dich, meist unbewusst, dass sie, eher verdeckt denn offen, auch noch in deinem Sinne drohen. Aber das sagte ich in gewissem Sinne oben schon. Ich werde geschwätzig.

Also genauer zu deiner Verwandtschaft: Dein Bruder ist der Geist der Schwere, euer Vater ist der Lug, und eure Mutter die Liederlichkeit.

Du wirst inzwischen gemerkt haben, dass ich dich nicht mit der Feigheit verwechselt habe.

Deine Stiefschwester kenne ich zwar auch, aber sie ist bei weitem harmloser als du, jedenfalls für mich.

Es tut mir fast schon leid um dich, dass du ein weibliches grammatisches Geschlecht hast. Ich dir eben trotzdem die Meinung so geigen muss, wie es nunmal anliegt.

Du hast dich schwer angestrengt, fürwahr.

Versucht, meine treueste Fürsorgerin zu werden.

Trotzdem schmeckten deine Küsse nie.

Sie sind eben von schlechtem, hintan auch übelriechendem Schleime.

Und der trocknet dann auch noch, alswie sei’s des Spottes nicht genung, zu grindigen Schuppen an.

Nein, meine nicht bestellte Gespielin, lieber werde ich, rein grammatisch gesehen, schwul, mit meinem Mute, denn dass ich dich als Notbuhle, geschickt geschickt, trotz der guten Lehrdienste, die du mir, wider willen, ja, unabsichtlich, geleistet, einfach weiter unwidersprochen ertrüge.

Jetzt lies das einfach.

Pass aber lieber auf, bei deiner Nichtantwort: Es möchten auch andere lesen.

 

 

 

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2 Antworten zu “Wie man nochmal wird, was man ist”

  1. Holzschnitt sagt:

    Hervorragend rätselhaft! Mein nachhaltiges Interesse ist geweckt…….

  2. [...] (Eine etwas zynisch-düster geratene Heranführung ans Thema findet man, jetzt will ich zur Fröhlichkeit, hier.) [...]

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