Jane Austen: Liebe und Verstand

Es wirkt, wie als ob ich eine Erfleischlichung verpasst hätte.

Jane Austen starb für heutige Verhältnisse jung, unverheiratet, kinderlos.

Was für eine Frau!

Wäre sie nicht ganz anders gewesen, denn es mehr als zu vermuten steht, nämlich nicht nur mit höchsten Geistesgaben, diese stets verfeinert habend, ausgestattet, sondern auch noch mit einem grundguten Wesen, reinsinnigem Humor, von nicht zu üblem Äußerem, was indes kaum zu erwarten oder gar gleich befürchten, nicht in strenger Gänze meiner abhold, so hätte ich da, meiner Treu, doch einmal einen seltenen Nebenweg womöglich aufgesucht, nämlich jenen des wahrhaft arglos treuen ersten, versuchhaften Werbens.

Wohl gewiss der Gefahr, dass hier allzuviel Sinn und Sinnlichkeit aufeinandertreffen möchte: Wahrscheinlich hätte ich mit den Hufen immerhin getrippelt, eher sie auch mal wenigstens aus dem Augenblicke heraus geschwungen.

Hier kann man lernen, was ein gescheites Weib zu denken und anzusetzen in der Lage!

Mannomann!

Sie zieht jede Volte, jede Verlogenheit noch aus dem scheinbar schönsten Dinner!

Mit DER hätte ich auch gern mal über Literatur diskutiert!

Ja, da geht mir ein bisschen der Gaul durch. Bis hin zur nicht vorhandenen Briefmarkensammlung.

Hoffentlich war sie hässlich und frigid.

Das wäre ein Trost.

Nichts aber spricht dafür, verdammte Hacke!

Janu, liebe Jane, Neandertalarzan muss grade ohne Dich.

Solltest Du Dich aber doch günstig reinkarnationiert haben, warten der Arme meiner Deiner sehnsüchtig.

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31 Antworten zu “Jane Austen: Liebe und Verstand”

  1. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    Auch wenn ich nur ein “dummer”, kulturloser Naturwissenschaftler bin, ich glaube da bist Du etwas zu speziel mit Jane Austen. Ich erwarte ja auch nicht, dass irgendwer neben Curzio Malapartes Skandalbüchern aus den 50er Jahren (Die Haut, Das Blut, Kaputt etc.) seinen Versuch als Macchiavelli: “coup d’etat” von 1924 gelesen hat, wegen dem er beim Duce in Ungnade fiel. Immerhin steht auf dem Schutzumschalg : “Einer der es nicht schafft: Hitler” ! Das ist nun zu speziell.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Ich weiß wohl, dass derlei Eskapaden wie die obige nicht jedermanns ungeteiltes Interesse zu erwecken vermögen.

    Gleichwohl: Was tut man nicht alles für eine gute Freundin.

    Eine solche ist mir Jane Austen geworden, wie bislang keine andere, allein, weil sie vor zweihundert Jahren Romane schrieb, die nicht nur von einer bestechenden stilistischen Eleganz und Sicherheit, sondern, manches mal unter sehr feinen Schichten versteckt, eines durchaus bissigen Humors, überdies Charaktere zu zeichnen und eine Geschichte zu entwickeln weiß, indem grundsätzliche Aussagen zur menschlichen Natur so gekonnt und zurückhaltend eingestreut, dass dies noch umso mehr Vergnügen bereitet.

    In “Sense and Sensibility”, welches ich heute zuende gelesen, zeichnet sie die Hauptprotagonistin Elinor, von der allein die ganze Innensicht dargeboten, für eine junge Frau in ihren Verhältnissen, mit neunzehn beginnend, fast als wie eine Überfrau an Selbstbeherrschung und Verstand, gleichzeitig Mitgefühl, höchstem Feinsinn und rein glühender Liebe, dass man dies als übertrieben, als Phantasterei abtun mag.

    Sie wird aber als Figur so glaubwürdig aufgebaut, dass man, ja, das sage ich jetzt mit Absicht, wo man nicht für möglich halten will, dass es junge Frauen von derlei Reife gäbe, es vielleicht doch gerne glauben möchte.

    Allein schon, vielleicht hörst Du mich auf dem Ohre, fällt mir gerade ein, werden alle heutigen Feministinnen – man beweise mir das Gegenteil – gemessen an Elinor so blass, dass das Riechsalz besser vorzuhalten sei.

    Klar atmet hier auch der Geist der Romantik mit, klar wirkt dieses blasierte alte England etwas verstaubt: Klopft man diesen Staub aber nur etwas ab, so kömmt eine so gute Frauenliteratur heraus, dass sie von Männern wohl oft mit mehr Gewinst gelesen worden sein mag, denn vom schöneren Geschlechte selbst.

    Ich habe noch ein paar Passagen aus dem eben gelesenen Werke im Kopfe, die ich schon in mir ansann, zusätzlich hier einzubringen.

    Perlen der Literatur.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Nicht nur, weil Du immer wieder so geduldig mit mir bist, wenn ich Dir zu schwärmerisch werde oder auf Geleise mich begebe, die nicht zunächst die Deinigen, vielmehr ganz besonders, weil Deine gelegentlichen leichten Rüffel stets mit Freundlichkeit vorgetragen, will ich noch etwas weiter ausgreifen. Der Rest kann ja weglesen, das geht heute leichter denn je.

    Gut, bei Austen bekommen die gleichzeitig besonnensten und keckesten Mädels irgendwie am Schlusse doch die verlässlichsten, geistreichsten Jungs. Und die liederlichen bekommen zwar oft reiche Schnösel, aber mehr gibt es da für beide Seiten nicht.

    Ist das nicht ähnlich wie heute?

    Oder wenigstens, wenn es auch nicht immer so gerecht zugeht in dieser Welt, eine schöne Perspektive?

    Die Anständige, die reinen Herzens, die kriegt den Anständigen eben doch.

    Und der Lordschabrack bekömmpt seine Schlampe.

    Ja, das ist ein wenig überzeichnet, idealistisch, ja märchenhaft; ich denke aber, ich bin mir so gut sicher, als ich das sein kann, dass Austen das genau wusste, nicht etwa aus Naivität so schrieb. Nein, das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

    Sie musste ihre Werke in ihre Zeit tragen; also musste sie sie in diese stellen; ihr nun vorzuwerfen, dass sie das tat, wäre also kurzsichtig wie schäbig.

    Lobe ich mal ein Weib, so ist’s auch schon wieder nicht gut.

    Den brauchte ich jetzt mal zum Durchatmen.

    Ach, da fällt mir schon eins ein: Wie sie über die zerstörerische Kraft der Eitelkeit schreibt – die Stelle ziehe ich jetzt nicht mehr heraus – in einem Satze, gerade so, wie als ob nebenbei hingeworfen (ich weiß, ich wiederhole mich ein wenig), zeigt, nur als Beispiel, ihre enorme Begriffssicherheit und intellektuelle Trennschärfe.

    Doch, ja, sie treibt es in “Sense and Sensibility” gewissermaßen noch doller.

    Denn die zunächst übergefühlsbetonte, aber keineswegs dumme, dem Pianoforte und Büchern dabei holde jüngere Schwester Marianne, von einer aufgeblasenen Arschnase, ich sag’s mal so kurz, bitterlichst enttäuscht, findet zu dem Verstande, schließlich einem zwar deutlich älteren, aber durch und durch ehrenwerten, seine Ehrenhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Großzügigkeit, noch womöglich wider sich selbst, lange und ausdauernd immerzu bewiesen Habenden ihr Jawort zu geben.

    Derweil wird sich “Sense”, Elinor, mit dem Manne, der bislang ein zwar immer korrekter, doch ziemlicher Versager war, scheu, indisponiert nicht selten, aber von so grundsätzlicher Liebenswürdigkeit, dass ihr Herz nicht höher schlagen konnte, indem er doch noch ihr wurde, mit einem zwar deutlich bescheideneren Haushalte als ihre zunächst leichtsinnige Marianne, die sie durch alle Fährnisse gesteuert, aber zuwenigst einem auskömmlichen, sehr gerne begnügen.

    Normalerweise hätte Elinor, trotz ihrer verhältnismäßig bescheidenen finanziellen Verhältnisse, einfach aufgrund ihrer feinen Bildung, ihrer Geistesgaben, ihres Äußeren wohl noch gut obendrein, leicht irgendeinen losen Lord abgesahnt. Die hätte das schon hingekriegt. Mitgift egal.

    Aber nein, sie begnügt und fortan hoffentlich endlich auch vergnügt sich mit einem Dorfpfarrer, in einer Nachbarschaft, wo an hinreichend zugesteuertem Wildbret, sollte dessen anlässlich einer Party mal fehlen, sicher gerne beigesteuert wird.

    So braucht man die große Welt gar nicht.

    Sie mag einen mal einladen oder auch mal zu Besuch kommen.

    Naja, stelle Dir mal vor, Du kannst Dir zwar nur vier feste Hausangestellte leisten, kaum eigene Pferde, aber die Kutsche vom Bruder (dem Schwager) ist immer bereit, für ein oder zwei Gärtner zwecks Landschaftspflege und Frischware reicht’s auch, Geflügel und Weidetiere werden überdies für Dich gehütet.

    Was man halt nicht kann, das ist hie und da mal in die Stadt fahren (London) und dort auf eigene Rechnung auf den Putz hauen.

    So wird Elinor mit dem weitaus kürzeren finanziellen Los leicht sehr glücklich werden können mit ihrem Edward, der schon als Junggeselle nie zu Extravaganzen neigte.

    Jaja, der scheue treue Liebe, der bekommt die schönste und klügste Prinzessin.

    Und so bedurften sie nur eines kleinen Reiches, um zusammen glücklich zu sein.

  4. Anonymus sagt:

    Anstelle was zu Deiner “Schwämerei” zu Jane Austen zu schreiben, hier etwas zu meinem aktuellen Frontlinienverlauf in den “Geisteswissenschaften”, ein Videoclip:

    http://www.youtube.com/watch?v=0XLqIYBo5x8

    Der weisshaarige Moderator ist Darrell Corti aus Sacramento, Cal. USA, der dort ein Feinkostgeschäft (oder eine Kette) betreibt. Danach werden ein Haufen “Enden von roten Fäden” angezeigt.

    Ich kann bei Bedarf mehr dazu verlauten lassen (Für Dich ist mein E-Mail-account ja wohl sichtbar), die Entdeckung war bei mir “reverse” von den Flaschen auf den Clip….

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Na dann wohl bekomm’s. So einen Wermutwein ließe ich mir auch mal gerne schmecken.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Wäre bei der Belehrung, was in Punkto Sinnlichkeit des Besonderen, nicht unangebracht, übersandte der soignierte Herr mir sechs Flaschen von jener Kreszenz zur wohlwollenden Prüfung.

    Ist der Wein doch mäßig, auch nur gut oder sehr gut, so schweige ich wie ein Grab.

    Ist er bemerkenswert, so wird er hier angemessen gelobt sein.

  7. Anonymus sagt:

    Italia ist eine unerschöpfliche Wundertüte für mich. Dieser spezielle Frontabschnitt mit den torinesischen Aperitifs (Torino ist die unbestrittene Welthauptstadt des Aperitifs) ist der Konvergenzpunkt von 2 roten Fäden wie folgt:

    Der erste ist, weine Eltern schafften in den 60er bis zu Beginn der 70er Jahre ein rotes Gesöff von Riccadonna mit Namen AMERICANO herbei. Dann gab es das plötzlich nicht mehr, Ende. In Venedig fand ich das vor einigen Jahren auf der Getränkekarte des Florian, AMERICANO, wenn auch nicht von Riccadonna! Bestellt, sah aus wie AMERICANO, schmeckte und roch wie AMERICANO, es war der verschwundene AMERICANO! Inzwischen gab es das Internet für Recherchen. Schnell gefunden, AMERICANO ist eine 50% Mischung aus Campari und Vermouth. Nur roter Vermouth ist in Tat und Wahrheit braun, mit Zuckercolour gefärbt, was ich in Erinnerung habe war aber Campari-Rot, mit zerquetschten Cochenille-Läusen gefärbt. Anyway, Versuche ergaben mit CIZANO-Vermouth einen süsseren AMERICANO als ich im Gedächnis habe und mit MARTINI-Vermouth so etwa, was ich von Riccadonna erinnere. Riccadonna ist an Campari verkauft worden und das Fabrikgebäude in Canelli ist heute verwaist und leer, gemeinsame Herstellung mit Campari und Aperol ist in Canale d’Asti. Riccadonna stellt keinen AMERICANO mehr her und es existiert am Firmensitz in Canale d’Asti auch kein Fabrikoutlet.

    Weiter im Astignano, da gibt es den oben erwähnten Ort Canelli, wo die ganzen in Deutschland in Verruf geratenen Asti-Spumante herkommen, auch Sitz des „Erfinders“ des Asti Spumante, Gancia. Herr Gancia verbrachte seine Lehrzeit in Frankreich in der Champagne. Wieder Zuhause fing er an zu experimentieren mit dem heimischen Moscato einen Champagner herzustellen. Der erste Unterschied ist mal, der Moscato hat mehr Zucker von Natur aus und so brauchte er im ersten Schritt mal nicht zu panschen und künstlich Zucker zuzusetzen. In Italien selber und auch in der Schweiz, in Deutschland nicht, gibt es heute einen moussierenden (frizzante) Moscato d’Asti, der steril gefiltert ist, süss und 5 bis 7 % Alkohol hat. Gancia verarbeitete den weiter auf Champagner, damit war der Asti-Spumate geboren. Die „besseren“ Sorten werden als „Alta Langha“ verkauft. Der rote Spumante wird aus der Brachetto-Traube hergestellt und auch unter dem Namen Brachetto verkauft (macht sich sehr gut zu Erdbeeren). Gancia verkauft in Deutschland gar nichts, weil sich für das Billig-Gesöff Asti-Spumante in Deutschland keine auskömmlichen Preise erzielen lassen und um sich nicht den Namen kaputt zu machen, stellt Gancia keine billig-Ausführung für Deutschland her, aber Oh Wunder ! einen AMERICANO, nur der schmeckt eher wie das Gemisch aus Campari und CINZANO Vermouth. Anyway rot und nicht so alkoholisch wie das selbst Gemischte. Ein weiterer Hersteller, der Americano verkauft ist die Firma in dem Videoclip Cocci, sogar eine weisse und eine rote Ausführung, nur die schmecken eher wie der französische Lillet. Ein dritter Hersteller, der einen AMERICANO anbietet, existiert noch, aber das ist aktuell der vorderste Forschungs-Frontlinienverlauf bei mir.

    Zunächst stellte sich mir die Sache so dar, dass Italien nach dem zweiten Weltkrieg von den US-amerikanischen Life-Insurances-Ladys gestürmt wurde (Frauen, die die Lebensversicherung für Ihren verstorbenen Göttergatten kassiert hatten, siehe auch den Gualtieri-Film Mondo Cane) mit riesigen Sonnenbrillen à la Peggy Guggenheim, absolut unmöglichen Hosen und Goldriemensandalen. Geschmack bewiesen die Damen eigentlich nur bei der Auswahl ihrer knackigen, jungen Giggolos. Irgend ein Barkeeper mixte einen Americano und der einschlug wie eine Bombe. Darauf nahm die Industrie sich des Gesöffs an und da die nicht den Namen Milano-Torino (aus Milano kommt der Campari, aus Torino der Vermouth) mit dem das auf den Getränkekarten stand, verwenden konnten, wurde das Getränk nach den Hauptabnehmern AMERICANO genannt. Mit dem Verschwinden der besagten Amerikanerinnen Ende der 60er Jahre verschwand auch das Getränk. Die Geschichte ist nett und logisch, aber leider falsch, es gab AMERICANO schon vor dem ersten Weltkrieg.

    Der zweite Faden heisst Vermouth (vini da lusso Luxusweine) , erfunden 1786 von einem gewissen Herrn Carpano in Torino, der „schwerere“ Weine für absolut ungeeignet für Frauen hielt. So kreierte er ein Gesöff, wo er vom schon erwähnten Moscato d’Asti ausging und den Wein mit Spezereien und Gewürzen versetzte. Der Herr konnte Deutsch, war ein Fan von Goethe und benannte seinen Trank nach dem deutschen Wort für das Hauptingredienz „artemisia absinthia“: >Wermut<, in der italienisierten Form Vermut. Die Schankstube lag in Sichweite des Palazzo Madama in Torino, heute erinnert nur noch eine Gedenktafel dort an den Erfinder ( http://cs.williams.edu/~heeringa/classes/mixology/images/carpano-brochure.pdf ). Dazu bietet die Broschüre Reproduktionen von Carpano-Werbeplakaten mit Promis des Risorgimento. Inzwischen, nach einem Besitzerwechsel der Firma, gibt es den Vermouth angeblich wieder nach dem Originalrezept „antica formula“. Offensichtlich war es zur Zeit der Erfindung üblich, allen möglichen Getränken auf Bestellung Chinin beizumischen (der Barolo chinato ist noch ein Ausfluss davon) und so bestellte ein Börsenjobber nach Schliessung der Börse auf einem Umtrunk bei Carpano einen Carpano Punt e Mes (anderthalb Dosen Chinin) grosses Gelächter, das war ein Begriff aus der Börse. Dabei ist es geblieben, bis heute gibt es Flaschen Punt e Mes! Das Carpano-Fabrikgebäude in Torino Lingotto existiert zwar noch, aber die Aufschrift Carpano ist überpinselt und auf dem Hinterhof gegenüber FIAT hat sich neu Eataly eingenistet.

    Die Spezereien stammen meist aus dem piemontesischen Ort Pancalieri, der vor allem ein Zentrum des Pfefferminzanbaues ist und jedes denkbare und nicht denkbare Produkt aus und mit Pfefferminze (Menta) in einem kleinen Spezial-Laden ausserhalb des Ortszentrums in der Pampa anbietet.

    Anyway, andere Vermouth-Hersteller oder Nachahmer waren wirtschaftlich erfolgreich wie CINZANO und MARTINI & ROSSI (http://www.youtube.com/watch?v=70_73fVLVFo ) aber das sind andere Geschichten oder eben wie die oben erwähnte Firma Cocci, die Vermouth im Torino-Style seit 120 Jahren herstellt, aus eben Moscato!

    Offenbar war der AMERICANO ursprünglich eine Vermouth-Ausführung für den US-amerikanischen Markt, womit sich der Kreis schliesst.

    Irgend jemand sagte mal zu mir, Italien sei irrsinnig kompliziert, weil alles irgendwie mit allem verknüpfbuchselt sei und man müsse wahnsinnig viel wissen, um das alles mit zu bekommen……

  8. Holzschnitt sagt:

    @Anonymous
    Vielen Dank, hochinteressant. Genau die Art unnützes Wissen auf das ich abfahre. Meine Ex trank gerne Martini oder Cinzano. Mich schüttelt es noch heute wenn ich nur an den Geschmack denke. Bei Campari ist das etwas anderes. Kommt der Farbstoff noch von den Läusen?Im Übrigen denke ich dass nicht nur in Italien Alles mit Allem “verknüpft” ist.

  9. Anonymus sagt:

    @Magnus
    Genau das meinte ich mit Jane Austen auch(!), viel zu speziell, als dass Du damit auf Resonanz stösst.

    Sicher ist Vermouth etwas gewöhnungsbedürftig, ähnlich wie Rauchen. Dann darfst Du nicht vergessen, Italien liegt südlich der Alpen! Das ist ein Riesenunterschied! Meine Familie hat hier nie so das richtige Vergnügen an Wassermelonen gehabt, in Italien schon. Man führte das darauf zurück, dass die hier vermutlich nicht richtig reif sind. Ganz verkehrt, in einem Jahr wanderte eine halbe Melone im Auto mit über die Alpen, die erste Hälfte hat in Italien gut geschmeckt, die zweite Hälfte wollte hier niemand mehr essen! Das Dolce-Vita und seine Ingredienzien sind nichts für die „Regen verhangenen Wälder Germaniens“ (laut Tacitus). Es kommt ja auch keine Frau in Stuttgart auf die Idee im Sommer zu mitternächtlicher Stunde in Bagno di Cannstadt in einen der Brunnen zu hüpfen und der Stuttgarter Kessel ist schon ganz gut dran. New York liegt auf der Breite von ROM, das ist eher ein Absatzmarkt, siehe Herrn Darrell aus California. Ein Noilly Prat macht sich dafür mit Sahne ganz gut an einer Sosse für Fischiges. A pro pos, im Schweizer Jura hat auch jedes Restaurant ein Fischgericht mit Absinth auf der Karte. (http://www.youtube.com/watch?v=it9cdtCSAxs )

    Ob der Farbstoff noch von den Läusen kommt? Ich weiss es nicht, nur auf Lanzarote werden die Läuse immer noch gezüchtet, die Farbe kommt ja auch in Lippenstift. Natürliches Purpur ist kein Thema mehr, nur noch für liturgische Zwecke der Juden, ansonsten wird die Pupurschnecke heute nur noch gegessen, soll aber zäh sein. Mir ist es aber nicht gelungen in Tarent, einer Hochburg antiker Pupurproduktion, auch nur eine Schnecke zu Gesicht zu bekommen, genau so wenig wie eine Tarantula Apuliae oder Frauen mit „Tarantismo“ (von Folco Quilici: (http://www.youtube.com/watch?v=aRP6AxAqLPM )). Tarent ist nur noch traurig, trotz mehrerer Fressführer war ein Abendessen nur in der Gosse vor einer improvisierten Strassenpizzeria zu machen.

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Wer weiß denn, ob ich mit allem und jedem gleich auf Resonanz stoßen will.

    Bis hin zum Wermut hat es immerhin schon gereicht.

  11. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    Du meinst wenn man beim Vermouth angekommen ist, ist das definitive Endstadium allen Alkoholismusses erreicht? Nicht ganz ausgeschlossen glaube ich….

  12. Holzschnitt sagt:

    @Anonymous
    Das definitive Endstadium des Alkoholismus ist das Delirium Tremens und dann der Tod. Da wird dann vorher Vermouth nur getrunken wenn nix anderes, zB Strohrum, vorhanden ist. Ansonsten: Geschüttelt oder gerührt…..?

  13. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    An Austriatischem Inländerrum habe ich mich noch nicht versucht, der wird ja wohl auch mehr verkauft um in Gärung geratene Rumtöpfe zu retten und wieder auf Prozente zu bringen…

    Aber Hefebrände (Drusenschnäpse, “La Lie” & Co haben auch 50 und mehr Prozente, weil die sonst trübe werden), Anisettes (Pernot & Co), haben mehr als 50%, schon ein grüner Chartreuse bringt es auf 55 % und das ist ein Likör. Dann haben ich einen Maraskabrand von 70 % für hohenfeiertagshalber, alles schon pur gepichelt (ich gebe es ja zu, Leute mit weniger ausgepichten Kehlen fangen da an zu Husten)

    Vor Jahren hat mal die grösste Brennerei der Schweiz, DIWISA in Willisau einen Test zusammen mit einer Fresszeitung gemacht und gegen Unkostenbeteiligung Kartons mit 5 numerierten Fläschchen Kirschwasser und Antwortkarte verschickt. Dann kam die Auflösung, in 2 der Flaschen war der selbe Brand, nur einmal auf 40% und einmal auf 50% verdünnt. Die Deutschen votierten für den 40%, die Schweizer für den 50%!

    Der Witz beim Vermouth für die Wermuthbrüder ist, dass der erstens steuerfrei ist, zweitens genügend Zucker als Nährstoff enthält und drittens durch die Wermutauszüge aus dem Zucker eine ausreichende Ernährung macht, wenn man viertens ständig dun ist (wahrscheinlich muss man noch nicht einmal ständig dun sein)! Das ist das Gefährliche daran!

    Als ich mal vor Jahren angefangen habe mich durch die Vermouths zu trinken mit einem täglichen, kleinen (!) Aperitif vor dem Essen, haute bei mir der Zeiger auf der Waage unbremsbar nach oben ab! Hat einen Augenblick gebraucht, bis ich den Zusammenhang begriffen habe. Seit dem weiss ich, dass ich da sehr vorsichtig sein muss. Nach dem zweiten Glas wermuthaltigem Aperitif lässt man das Essen besser ganz ausfallen, wenn man die geringste Chance haben will, sein Gewicht zu halten. (keine Angst, ich habe BMI < 22, wer bietet weniger?)

  14. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Ich weiß zwar nicht, was ein BMI ist, da ich – freiwillig – grundsätzlich keine physiologischen Werte von mir erheben lasse, nicht von Cholesterin noch Alkoholdehydrogenase oder Drüsen oder Sekreten oder Knochendichtigkeit, von Radiumbelastung schon gar nicht, denn mit einer entsprechenden Substanz aus dem Bleipotte salbte man mich vor vierzig Jahren zum werdenden Könige der Alphastrahler, so dass da erst recht kein Befund erforderlich, aber hast Du doch wieder sehr schön deutlich gemacht, dass man nicht unbedingt nur um des Trinkens willen trinken muss.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Du ein schönes ganzes Menuerlebnis hier mal als Gastbeitrag zum Besten gibst.

  15. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    Der BMI ist der Body-Mass-Index, das Lebendgewicht in kg geteilt durch die Grösse im Meter zum Quadrat. Unter 20 ist man untergewichtig, über 25 übergewichtig und über 30 richtig fett! Also alles im grünen Bereich bei mir.

    Menü Erlebnis? Aber bitte: Molecche Morbide ripieno (weiche kleine Krebse gefüllt)! Also, die Molecche häuten sich zwei mal im Jahr, im Februar und im Oktober und sind dann „morbide“ bis der neue Panzer sich verhärtet. In diesem Zustand werden die lebend (!) auf dem Rialto-Fischmarkt angeboten. In der Küche wirft man die dann in eine Schüssel mit Pfannekuchenteig, oben ein Sieb drüber, damit keiner fliehen kann. Die fressen den Teig dann innerhalb einer halben Stunde auf, das ist die Henkersmalzeit! Dann werden die noch in Mehl paniert/bestäubt und dann gibt es ein warmes Ölbad in der Fritteuse. So kommen die auf den Tisch und werden im Ganzen gegessen. Ich habe das in der entsprechenden Jahreszeit einmal geschafft, allerdings nicht in Venezia selber, sondern an der Riviera del Brenda (eines der Filetstücke Italiens), ich weiss nicht mehr ob in Dolo oder Gamberare di Mira, liesse sich aber ermitteln. Erinnert etwas an den Film Mondo Cane, hat aber trotzdem geschmeckt (mir jedenfalls).

    A pro pos, bis Du mit dem Video-Clip zum Tarantismo klar gekommen?

  16. Holzschnitt sagt:

    @Anonymus
    Holzschnitt ist ein ganz klein wenig irritiert und glaubt mitteilen zu müssen dass er und M.W. Göller nicht dieselbe Person sind. Dies könnte M.W.G., der mich persönlich kennt, bestätigen. Er weiss auch warum ich hier den “Grobi” mache. Wenn Holzschnitt will ist er durchaus zu altmeisterlichen Radierungen fähig….und darauf einen Dujardin.

  17. Holzschnitt sagt:

    @Magnus
    BMI = Body Mass Index. Körperlänge in Relation zum Gewicht. Heisst nicht, wie ich schon hörte “bissle mollige Ische”. Den feinen Diskurs über Brände hier finde ich zunehmend unterhaltender. Heute ging ich mit dem “Star” durch die Stuttgarter Markthalle. Er interessierte sich für die “Grüne Fee”. Ich sagte ihm dass man heutzutage Absinth in Deutschland vergessen könne. Aber es stand ein interessantes Fläschlein da welches mit “77,7″ ettikettiert war und 29,90 Euronen kostete. Vielleicht hole ich mir sie doch noch, weil 77,7% Umdrehungen schon zu einem Experiment locken. Mir fällt da noch der legendäre Friesengeist ein. Ein Pfefferminzlikör mit fast 60%. Ein Killer…..

  18. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Das Video funzte nur bis Sekunde 29 und ergab schon bis dort wenig mir erschließbaren Sinn.

  19. Holzschnitt sagt:

    Gerade fällt mir zu dem Thema noch etwas ein und es ist wahrlich keine Behauptung. Die genauen Daten habe ich im Archiv. Ich glaube dass ich es über die Recherche nach dem “Friesengeist” fand. Eine norddeutsche Firma vertreibt einen holländischen Likör dessen Aroma dem des Coca-Blattes entsprechen soll. Deutlich wird übrigens auf der Website erklärt dass in Amsterdam den angelieferten Cocablättern “unter wissenschaftlicher Aufsich” dass Kokain restlos herausgefiltert würde, die Geschmacksstoffe aber noch vollständig vorhanden wären. Ein Schelm lächelt hier.

  20. Anonymus sagt:

    Mea Culpa, mea maxima culpa!

    Dass sich Holzschnitt dazwischen gedrängelt hat, sehe ich erst jetzt.
    Ich war aber garantiert stocknüchtern dabei ! Sorry.

    Das Tarantismo-Video legt erst ab 68 Sekunden so richtig los (funktioniert mit dem Link oben auch hier und heute Abend). Ansonsten ist das nichts Neues, dass ich Clips sehen kann von der Schweiz aus, die man von Deutschland aus nicht sehen kann, zensiert, gesperrt. Dabei muss es sich weder um Politik noch um Sex handeln, Oft nicht erkennbar, warum.

    Anyway, Kommentar dazu:

    Weiberfastnacht, der schmoozige Dunschdi, ist keine christliche Erfindung! In der Antike gab es schon ein Fest der Bacchantinnen, jedenfalls in der Magna Graecia, zu der das knochentrockene Apulien gehört. Irgendwann durch die Christianisierung wurde das Fest verboten. Nun kam der Tag heran… plötzlich berichtete eine Frau, Sie sei von einer Tarantel gebissen worden und führte die wildesten Veitstänze auf.. (wie gehabt mit anderer Begründung). Das Gebissen worden sein entwickelte sich bei den Frauen an diesem Tag zu einer alljährlichen Massenepedemie, dem „Tarantismo“. Folco Quilici hat das in den 60er Jahren in einem Film, gesponsert von der Esso Italia, festgehalten. Er zeigt die lebenden Donne Apuliae und die marmornen antiken Bacchantinnen in seinem Film. Offensichtlich hat sich die RAI Italia inzwischen des Films bemächtigt…..

  21. Holzschnitt sagt:

    @Anonymus
    Also bei der von mir gerade gelesenen Schilderung deines Menü hat es mich doch leicht geschaudert und tut es auch jetzt noch. Ich habe es noch nie übers Herz gebracht Krebs zu essen obwohl ich mir vorstellen kann wie schmackofatz das munden könnte. Ich bin nun wahrlich auch ein in der Wolle gefärbter Zyniker geworden aber eine Ausdrucksweise in dem Zusammenhang des Tötens eines fühlenden Wesens in richtig heissem Fett wie “dass keiner fliehen kann” oder “Henkersmahlzeit” oder “warmes Ölbad” finde ich schon etwas grenzwertig. Ich möchte jetze auch nicht hören dass die ja eventuell gar nix fühlen würden oder dass ich überlesen hätte dass die ja in dem Moment ein weiches Aussenskelett hätten und es deshalben schnell erledigt wäre! Hast du denn keine Empathie mit Tieren? Als Physiker kennst du doch sicher Einsteins Spruch darob wie relativ lange die Zeit mit dem Hintern auf einer heissen Herdplatte werden kann.

  22. Magnus Wolf Göller sagt:

    Was ein bisschen literarische Schwärmerei und der Gedanke, dass es kluge Frauen geben könne, nicht so alles anschwemmt.

    Vermouth, Absinth, Strohrum, allerlei vermutlich bessere Schnäpse, Kokainisten, Tiermörder, gesperrte Videos, Fettindizes, alles wohl, weil der Ausgangsartikel schon so randständig war.

    Welche andere Erklärung wäre logisch?

    Nun, immerhin noch diese, zwar nicht ganz andere, dass da Zweie es lieber mit den scharfen Schnäpsen halten, auch weicheren Getränken mal, denn mit dem vergleichsweise verlogenen Liebreize schöner, überdies gebildeter, adretter, kluger, bereits reifer junger Weiber.

    Sagt das was?

    Ich sage jetzt aber, da wir schon so weit sind, auch nochmal was.

    Es heißt nicht bei Schnaps, Weib und Gesang: Es heißt bei Wein, Weib und Gesang.

    Das hat nicht nur physiologische Gründe.

  23. Anonymus sagt:

    @ Holzschnitt

    Ich habe mal eine wahre Geschichte gelesen, wo ein Doktorand seine Dissertation über Stahlkochen machte (ich glaube bei Klöckner in Bremen)…

    Da wurde also die LD-Birne mit flüssigem Stahl aus dem Hochofen gefüllt, fuhr weiter, fasste noch ordentlich Schrott ab, zusammengequetschte Autos etc. und dann weiter in die Ausblasposition. Unten wird reiner Sauerstoff eingeblasen in Sekundenschnelle schmilz ALLES und alles was nicht Stahl ist wird ebenso ausgeblasen wie Eisenoxid, der Stahl kocht anschliessend im wörtlichen Sinne (ca. 3000 °C), weissglühend! Die Birne fährt weiter zu dem Doktoranden, der auf einem Gestell mit einem Messgerät wartet. Statt nun den Messkopf in die LD Birne herunter zu lassen, fällt er selber oben in die LD-Birne rein zum Entsetzen des Anlagenfahrers, der das sieht…..

    (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ee/Ld-tiegel_von_1952_im_technischen_museum_wien.jpg)

    Was meintest Du mit Krebsen und Ölbad? (http://www.filippin.it/casar/images/big/moeche.jpg) Das ist doch harmlos gegen Krabben und Garnelen abkochen, das geht viel schneller in 180°C heissem Öl. Ich bekenne es, ich gehöre zur Spezies der mit Abstand gefährlichsten Raubtiere überhaupt, ich bin ein Mensch!

  24. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    Der Begriff Schnaps kommt nach Frau Professor Illa Andreae (der Mutter vom Archäologieprofesser und Buchschreiber Bernard Andreae) in Ihrem Buch “Alle Schnäpse dieser Welt” (es gab einen von Ihrem Sohn umgestalteten, aber nicht aktualisierten Nachdruck, Drioli für Maraschino wird nach wie vor aufgeführt) von “schnappen”, man schnappt also nach Schaps, was kleine Portionen impliziert. Die 6 Riedelschen Gläser sind also schon reichlich gross.

    Worauf kann MANN bei Wein, Weib und Gesang am ehesten verzichten? Auf Gesang! …und dann?….. Das kommt auf den Jahrgang an!

    Zu Deiner Beruhigung Magnus, dumme Gänse gehen mir gewaltig auf den Keks!

  25. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Ich ertrage kein Jahr ohne einen guten Gänsebraten.

  26. Anonymus sagt:

    @ Holzschnitt

    Für Pfefferminzlikör verweise ich auf die Quelle bei Pancalieri ( N44.83566, E7.57846 ) Essenziale Menta Liquore (hat aber weniger %)
    Ich weiss, hier in der Schweiz wird inzwischen auch sauteuer höchstprozentiger Absinthe, meist klar angeboten, in meinen Augen alles Quatsch. Der Hunnimus (Apothekerbuch) empfiehlt als Einzeldosis gegen Magenbeschwerden Dosen zwischen 250 und 350 mg Thujon bzw. Absinthin. Im heutigen Absinth dürfen maximal 35 mg im Liter sein, das ist allenfalls ein schlecht gereinigter Pernot und entspricht etwa 7gr Wermutpflanze auf den Liter (!). Nun kann man zwar offenbar in jedem Reformhaus Wermut-Tee kaufen, nur von dem Thujon geht in Wasser fast nichts in Lösung, in/mit Alkohol alles, nur die Bitterstoffe machen den Alkoholauszug ungeniessbar. Bei der anschliessenden Destillation bleiben die Bitterstoffe wohl zurück, vielleicht muss man auch erst Tee machen und die von Bitterstoffen ausgelaugten Wermutbestandteile dann mit Alkohol mazerisieren und dann abdestillieren, ich weiss es nicht! Ich habe hier mal ein Gläschen schwarz gebrannten Absinth zu kosten bekommen, aus dem Gedächtnis konnte ich keinen Unterschied zum Pernot feststellen, das Zeug hatte auch die selbe Farbe.
    Unterhaltsam ist der „Absinthskandal“ mit dem franz. Staatspräsidenten Mitterand Anfang der 80er Jahre in der Schweiz. Ansonsten kann ich mich noch an die sonntägliche ZDF-Matinée Le Haute Route erinnern Mit OlympiateilnehmerInnen. Als eines der Olympiamädchen am Morgen über Magenprobleme klagt, kramt der Schweizer Führer aus dem Valais eine Schnapsflasche hervor und kredenzt Ihr ein Stamperl mit Absinth vor laufender Kamera, obwohl damals noch strengstens verboten war…

  27. Holzschnitt sagt:

    @Anonymus

    Ja, schön dass ich bemerkt wurde, danke dir.

    Zunächst wusste ich nicht was eine LD-Birne ist, impulsartig dachte ich dass ich sowas auf den Schultern tragen würde – bis ich das Foto sah. Aua kann ich da nur sagen und hoffen dass der arme kopfüber hineingefallen ist. Sicherlich ist man da allerdings desintegriert bevor das Gehirn das richtig schnappt. Wahrscheinlich bekommst du nach dem Fallbeil noch mehr mit…

    Schön deine Erklärung des Wortes “Schnaps”. Genau so hatte ich es immer schon im Hinterkopf. “Frage er nicht lange sonder schnappe er es sich !”

    Was die Taranteln betrifft bin ich mir nicht sicher aber ich denke dass deren Biss u.U. psychoaktive Wirkung entfalten kann und gibt es nicht in Süditalien einen Tanz namens “Tarantella” der genau aufgrund der von dir genannten Begebenheit entstanden worden sein soll?

  28. Holzschnitt sagt:

    http://www.friesengeist.de/
    Mein Browser spielt gerade nicht so mit, aber unten rechts auf dem Etikett kann man 56,5 % erkennen.

    http://www.absinth-oase.de/cannabis-wodka-thc-likoer/agwa-coca.html

  29. Anonymus sagt:

    Ich will Euch diesen typisch Schweizer “Skandal” um den Absinth nicht vorenthalten. Am 31.10.1984 erschien in der Zeitung (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der FAZ) folgender Artikel:

    —————————————————————————

    Wie ein Souffle zum Ärgernis wurde

    WALTER H. RUEB, Neuenburg

    Schweizer und Franzosen schmunzeln zur Zeit über eine alte Geschichte, deren Brisanz die Bürger der beiden Länder aber sicher noch einige Zeit in Atem halten wird.

    Die ersten Schlagzeilen gab es 1983 nach dem Besuch des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand im Nachbarland. Die Vorliebe des Publikums, nicht nur über den Austausch verbaler Liebenswürdigkeiten, sondern auch über den Genuß kulinarischer Köstlichkeiten zu lesen, hat man mit vielen Zeilen befriedigt: Melone mit Rohschinken gab es, sodann pochierte Forelle mit Sauce Mousseline und Salzkartoffeln, Schafskäse und zum Abschluß Soufflé de la Fée.

    Kenner schnalzten bei der Lektüre mit der Zunge, Gesetzeskundige aber bleckten die Zähne: Das Souffle de la Feé, ein Traum aus Eiern, Zucker und Schlagsahne, enthält nämlich Anis- Likör, ein in der Schweiz seit Jahrzehnten verbotenes Teufelszeug, das nach Meinung der Eidgenossen und ihrer größten Wochenzeitung „ein böses Getränk ist, das süchtig macht und nervenkrank und impotent dazu”.

    Polizei, Staatsanwalt und schließlich das Gericht nahmen sich des Falles an. Zwar forderte niemand die Todesstrafe für den smarten Pächter des Neuenburger Luxuslokals „Palais du Peyrou”, doch dem Sünder einen Denkzettel zu verpassen, hielten Helvetias Medien, Politiker und Staatsschützer für angebracht.

    Daniel Aimone sah sich in die Enge getrieben, wehrte sich und legte ein Geständnis ab: Er habe seiner Eierspeise in Wahrheit keinen Tropfen Absinth beigemengt. Damit kam er jedoch schlecht an: Kein Absinth im Souffle — und dennoch wagte der Schurke auf der gedruckten Speisekarte von der Feé zu reden?
    Der Polizeirichter verdonnerte den Pechvogel wegen Betrugs zu vier Tagen Gefängnis und 500 Franken Geldstrafe. Aimone wehrte sich erneut, das Kassationsgericht befaßte sich mit der süßen Angelegenheit und hob das Urteil auf. Der phantasiereiche Gastronom aber ist noch nicht am Ende seiner Leiden angekommen. Jetzt bekommt er es mit der eidgenössischen Lebensmittelverordnung zu tun. Diese schreibt vor, Angaben auf Speisekarten peinlich genau zu formulieren, verbietet andererseits unklare oder gar irreführende Angaben. Der nächste Prozeß ist damit schon programmiert.

    In der Pause zwischen zweitem und drittem Gerichts-Akt amüsiert sich das Publikum über weitere Enthüllungen des Neuenburger Gastronomen: Vor vier Jahren bedankte sich der Präsident der Neuenburger Kantonsrichter brieflich bei Aimone „für Küchentalent und perfekten Service”. Ein Essen mit sechs Gängen war die Krönung einer Feierlichkeit der Kantonsrichter im Hause des schlagzeilenträchtigen Restaurants gewesen. Zwei Jahre später labte sich auch die Spitze der Schweizer Polizeikommandanten an der Tafel von Daniel Aimone. Beide Essen wurden beschlossen durch ein früher berühmtes, inzwischen verfemtes Dessert: Souffle de la Feé.

    Jetzt fragte Aimone in Paris schriftlich an, ob der Präsident sich betrogen vorkomme. Die Antwort läßt auf sich warten — auf der Speisekarte im „Palais du Peyrou” in Neuehatel aber steht noch heute ein Souffle. Von der „Feé” ist allerdings nicht mehr die Rede, nur vom „Souffle selon ses desirs” — was soviel heißt wie „Eierspeise nach Ihren Wünschen”.

    ————————————————————————–

    Ich habe hier in der Schweiz Jahre später Anspielungen auf den “Skandal” gelesen, es ist also eine wahre Geschichte. Ich selber habe mal vor 3 Jahren Vormittags unter der Woche am geschlossenen „Palais du Peyrou” ( N46.993454 E6.934133 ) gestanden, das scheint immer noch “in Betrieb” zu sein dem Augenschein auf Geschirr und Tische durch die Fenster nach zu urteilen. Eine Bekannte war da mal vor Jahren zu einem Event eingeladen, Frage und wie war das Essen? Antwort: Ganz ausgezeichnet, aber wohl ohne das Souffle Scadaleuse!

  30. Anonymus sagt:

    @ Holzschnitt

    Alles gar kein Problem mit dem Friesengeist : 56%

    http://www.behn.de/behn-download/friesengeist/friesengeist_07.JPG

    Die Firma Behn ist seit Jahren am serbeln, wenn ich das richtig mitbekommen habe und versucht mit immer neuen Gesöffen (Küstennebel etc.) doch noch wieder ins Geschäft zu kommen.

    Ansonsten ist das mit dem Alkohol gar kein Problem, in Italien kann man die 1 Liter-Flasche 95 % Trinkalkohol im Supermarkt für um die 14 Euro abfassen. Nur 95 %, weil der Alkohol wegen des azeotropen Punkts mit Destillation nicht weiter auf zu konzentrieren ist.

    Da finde ich andere Dimensionen der Geisteswissenschaften viel interessanter als den Alkoholgehalt in %. Die Elsässer mit einem absoluten Schwerpunkt in Obernai zum Beispiel brennen Alles und Jedes was Feld und Wald hergeben, von Vogelbeeren bis hin zu Tannenspitzen (Sapin) (Schmeckt wie Urinalstein im Pissoir riecht).

    Wenn man die Augen offen hält, lässt sich auch in Italien so manches finden, vom Feigenkaktusbrand in Sicilia über Calabresischen Bergamotten Likör ( die Bergamotte ist Hautduftgeber des Kölnisch Wasser, der Likör schmeckt aber nicht als wenn man Kölnisch Wasser trinken würde) über Cedri (die Cedri ist auch eine Zitrusfrucht und soll nach jüdischem Ritus der Apfel gewesen sein, wegen dem Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden) über Liköre aus der Süssholzwurzel (Lakritz) Abzufassen zum Beispiel in Castrovillari bei Valentini (Negozio: N39.80397, E16.23719 ) bis hin zur „Mutter aller Liköre“, dem Rosoglio (per ogni occasione) im Piemonte. Man muss aber etwas suchen, bis man einen brauchbaren Klein-Hersteller gefunden hat. Aktuell habe ich einen Grappa, der im strengen Sinne keiner ist und runterläuft wie Öl, auf der Einkaufsliste, aber noch keine Flasche…

  31. Anonymus sagt:

    Schade und ich dachte, dass man hier vielleicht einen Nebenschauplatz oder erweiterte Frontlinie nach dem Motto : “Dummheit frisst, Intelligenzia säuft” zu den flüssigen Geisteswissenschaften eröffnen könnte und nun ist der Faden offenbar abgerissen…….

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