Geistiger Raum

Gestern Abend kam im freundschaftlichen Gespräche mal wieder das Thema “morphische Felder” auf.

Ich wisse für bestimmte Phänomene einfach keinen besseren Begriff, meinte ich.

Dawider: Der sei doch einerseits geläufig etabliert, nicht unzutreffend, allenfalls liege es vielleicht an, einen deutschen zu finden. (Der weiß genau, wie man mich reizt.)

“Gestaltfelder”? – Klingt ein bisschen behindert, wie die Jugend politisch unkorrekt wohl dazu sagte.

“Gestaltende Felder” gefällt mir schon etwas besser, aber zufrieden bin ich damit auch nicht.

Gehen wir endlich in den Singular; das allein hilft mitunter.

Womöglich ist schon das Wort “Feld” hier zu überdenken.

Schließlich stellt der Mensch sich ein Feld typischerweise zumindest erstmal recht flach vor.

Und flach ist das, wovon ich rede, nunmal gar nicht.

“Raum” wäre da schon besser.

“Geistiger Raum”?

Da sehe ich, man muss heutzutage ja gucken, dass Hugo von Hoffmannsthal diesen Begriff bereits aufbrachte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schrifttum_als_geistiger_Raum_der_Nation

Gut so.

Was für ein wunderbarer “Zufall”. (Ich habe wirklich nicht zuerst gespickt.)

Nicht selten sucht man einen Begriff, und er ist einfach schon da.

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6 Antworten zu “Geistiger Raum”

  1. Anonymus sagt:

    Da gibt es doch viel schönere Sachen:

    gr. μορφή morphé „Gestalt“, „Form“

    amorph ist demnach “formlos”

    Nun sehe mal nach, was eine anamorphotische Abbildung ist!

    (sozusagen “endomorph”)

    Die Optiker machen das gerne:

    stigma = der Punkt

    astigmatismus = (Brenn-)Punktlosigkeit

    ein Anastigmatisches System vermeidet die (Brenn-)Punktlosigkeit

  2. Holzschnitt sagt:

    @Anonymus
    Diese anamorphotischen Abbildungen sind grosse Kunst, leider so aus der Mode gekommen dass es heute keiner mehr schafft.
    Schön das stigma Punkt bedeutet. Muss also nicht weiter darüber nachdenken dass ich als Geisteskranker stigmatisiert wurde, ist ja nur ein Punkt bzw. ein Fleck.

  3. Anonymus sagt:

    @ Holzschnitt

    Erst mal ist das wirklich nicht mehr als ein Punkt! Ob nun bei einer InderIN auf der Stirn oder (Zitat WIKIPEDIA:)

    Therese Neumann, genannt Resl von Konnersreuth (* 8., 9., 10. oder 11. April 1898 in Konnersreuth; † 18. September 1962 ebendort), war eine Bauernmagd. Bekannt wurde sie durch angebliche Stigmata, die sich ab 1926 bei ihr zeigten.

    Die Punkte zeigten sich an den gleichen Stellen, wo der christliche Religionsstifter am Kreuz festgenagelt wurde.

    Dass die Menschen auch bei optisch unsichtbaren Punkten wie Geisteskrankheit, Homosexuell etc. von Stigmata spricht, macht auch nicht mehr als Punkte daraus, mit dem der/die entsprechende gekennzeichnet ist.

    Das mit dem “Geisteskrank” ist ja auch ein seeeehr dehnbarer Begriff. Vorhandenes Asperger Syndrom ist heute angeblich schon ein Einstellungskriterium für/in der Computerbranche. Mathematische-Technische Hochbegabung wird auch als Autismus abgetan, alles nichts für die Anstalt….

    Die Anarmorphotische Abbildung ist vor allem durch das Cinemascope-Verfahren bekannt geworden, mit der man Breitwandkino auf das übliche 1:1,5 Filmformat brachte. Wie früher immer auf Filmplakaten im Kleingedruckten stand: Cinemascope Superpanorama auf Eastman Technicolor ! (bitte selber googlen was Technicolor und Kodachrome mit den 23 Entwicklungsbädern ist)

  4. Anonymus sagt:

    Abbildungen sind so eine Sache. In der Mathematik gibt es das viel, man transformiert eine Funktion in einen anderen Raum. Gottchen ist das theoretisch-unverständlich.

    Ein ganz einfacher Vorgang, man knipst eine Glühbirne an und es wird hell. Nicht ganz schlagartig, eine stinknormale Glühbirne braucht ungefähr 0,1 Sekunde dafür. Diese Funktion des hell-werden X-Achse Zeit und Y-Achse die Helligkeit kann man Fourier-transformieren und bekommt dann auf der X-Achse Frequenzen und auf der Y-Achse die Amplituden zu der jeweiligen Frequenz. Wenn man der unendlich vielen Frequenzen mit Ihrer Amplitude über der zeit aufträgt und zusammen addiert, bekommt man wieder die ursprüngliche Zeit-Helligkeitsfunktion.

    …und was soll der Quatsch? Nun, manchmal ist es einfacher in so einem transformierten Raum zu rechnen, zum Beispiel in der Regelungstechnik im Laplace-Raum. Anschliessend transformiert man die Funktion wieder in den ursprünglichen Zeit-Raum zurück und weiss dann, was passiert. Wenn das Ergebnis am Ende der Rechnung wieder im ursprünglichen Raum (Helligkeit über der Zeit) ist, ist die Berechnung eine endomorphe Abbildung.

    Bei den anarmorphotischen Abbildungen hatte ich ausdrücklich dazu geschrieben, endomorph, also in der gleichen Morphologie, also bei Cinemascope zweidimensional, die Realität auf den Film anamorph verbogen und dann wider vom Film auf die Leinwand noch mal anamorph verbogen. Das trifft für die Zylinder- und Kegelspiegelabbildungen zu, man sieht auf den Photos beide Darstellungen sogar nebeneinander auf dem gleichen Film. Das gilt auch für Fisheye-Objektive, aber nicht für die dreidimensionalen Täuschungen des zweiten Beispieles, die bei Menschen mit 2 Augen in der Praxis schon nicht funktionieren, nur als Photographie (mit dem einen Auge der Kamera). Ausserdem ist das keine endomorphe Abbildung, sondern das dreidimensionale Objekt wird auf ein zweidimensionales Bild abgebildet, darauf beruht der Effekt.

  5. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    Bis anhin waren mir nur geistige Landschaften geläufig, wie Ekkehard Stärks Campi Elysii in den brennenden Feldern.

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