Traumatolohalo

Ich mag das ganze traumatologische Konzept nicht leiden. Es ist nicht logisch.

Denn keiner weiß, was ein – psychologisches – Trauma eigentlich ist.

Sehr oft, wenn von Traumata die Rede, frage ich mich, ob der traumatische Moment nicht nur einer besonderer Art der plötzlichen Aufmerksamkeit gewesen sei, ein falscher Anker, wenn man so will, da das Traumatische eigentlich viel früher, anderweitig stattfand, vielleicht auch nur von da an befürchtet wurde.

Letztlich geht es nur ums Lernen und Verzeihen und Lebensfreude.

Primitiv, wie ich nunmal bin, gesagt: Wer gut isst und trinkt und das Bett gut warm hat, vergisst seine Traumata von selber. Sie lösen sich im berühmten Wohlgefallen auf.

Alle anderen Heilmittel halte ich für vergleichsweise zweifelhaft.

Mag eine Droge, eine Therapie wohl eine zeitlang das Gefühl vermitteln, die Dinge wendeten sich zum Besseren. Vielleicht wendet die so evozierte Euphorie die Dinge sogar zum Besseren. Manchmal scheint das sogar dauerhaft zu klappen.

Scheint es aber nur. Meist.

Evozierte Euphorie wider ein Trauma endet nämlich fast immer – wenn nicht immer – in einer Illusion. So füllen sich die Kirchen und die Klöster.

Aus naheliegenden Gründen will ich hier über meine diversen Traumata (oder so ähnlich) nicht sprechen. Ich kann dazu aber ganz klar sagen, dass es einem einfach besser geht, wenn es einem besser geht. Klingt zu unkompliziert, ich weiß. Oben schon erwähnte ich meiner Primitivität.

Nicht von der Hand zu weisen als böse existent und auch nicht durch gutes Essen und eine liebe Frau aufzulösen sind allerdings Traumata, die in die Kollektivseele gebrannt, so dass der Einzelne in der Gruppe mitgebannt.

Man sieht das am einfachsten, wenn ein Deutscher (und nicht nur ein Deutscher) das Wort “Nazi” hört. Sofort mischen sich Angstschweiß und Jagdinstinkt und perverse Geilheit. Die Lampe ist an. Beziehungsweise aus.

Insofern gibt es natürlich massenhaft induzierte Traumata. Man spricht die überindividuellen aber nur dann an, wenn und so wie es einem ins Konzept passt.

Ich jedenfalls, der Primitivling, spüre keinen Stecken Traumata, wenn es mir gut geht. Und wenn es mir nicht so gut geht, dann habe ich immerhin mehrere eigene davon, die ich gegeneinander abwägen kann, brauche die kollektiv eingesenkten erst recht nicht.

Letztere habe ich nämlich abgelegt, denn meine eigenen reichen mir, wann immer es mir nicht gut geht, satt.

Immerhin heiße ich nicht Kevin, Clark oder Kimberley. Da haben meine Eltern schonmal nichts falsch gemacht mit mir. Und da sie mich einfach schreien ließen, beschalle ich auch heute noch ohne Mikro locker Säle.

Selbstverständlich gibt es Schwerstirre, denen auch kein gutes Leben zu helfen vermag. Aber das sind die wenigsten.

Am Rest fummelt man in der Regel nur sinnlos herum.

Und selbst wenn einer an Reinkarnation und Rückführung und Karma undsoweiter glaubt: Was hilft es Madame, wenn sie meint zu wissen, dass sie deshalb immer Kopfweh habe, weil sie als Gräfin von Piemont mal einen Pagen auf die Rübe gehauen, ohne ersichtlichen Grund, wohl aus einem Vortrauma herrührend?

Bestimmte Mechanismen, von der Dummheit, der Uneinsicht bestimmte, kann man natürlich herausfinden und so gut als möglich abstellen. Das geht sogar bei Schülern. Ich bin Zeuge. Das beeidete ich sogar.

Ansonsten empfehle ich gegen Traumata nicht nur gute Lehrer, sondern auch echte Meinungsfreiheit, erbauliche Kunst, frohes Schaffen, liebevolle Frauen und gutes Essen und Trinken.

Wenn das nicht reicht, reicht noch mehr auch nicht.

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“Spende nie an eine Organisation, die in einem größeren Haus wohnt, als du selber.” (A.C.)

Wir drei leben auf 81 Quadrat – wegen des Unterrichtsraumes eigentlich neun weniger.

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Magnus Göller – Volksbank Stuttgart – BLZ 600 901 00 – Kto. 580 280 13

 

 

 

 

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4 Antworten zu “Traumatolohalo”

  1. Marianne sagt:

    @ Magnus

    “Wer gut isst und trinkt und das Bett gut warm hat, vergisst seine Traumata von selber.”

    Da dir persönlich anscheinend jedwedes traumatische Erlebnis erspart geblieben ist, aus welchem Grund auch immer, ist das schön für dich und ich freue mich deswegen mit dir darüber. Aber wer kein Traumata hat, der kann auch nicht begreifen, was es für einen Menschen bedeutet, der so etwas mit sich herumträgt.

    Mit gut essen und trinken und es im Bett gut warm zu haben, ist es leider doch nicht getan, um es verschwinden zu lassen. Ein Traumata alleine reicht schon aus, um einem Menschen innerlich das Leben zur Hölle zu machen. Es kann durch verschiedene Umstände ausgelöst werden, z.B. auch durch einen Unfall. Wenn jedoch Menschen daran schuld sind, dass andere Menschen danach zeit ihres restlichen Lebens mit einem Traumata im wahrsten Sinne zu kämpfen haben, dann wünsche ich den Tätern hiermit die Pest an den Hals.

    “Ansonsten empfehle ich gegen Traumata nicht nur gute Lehrer, sondern auch echte Meinungsfreiheit, erbauliche Kunst, frohes Schaffen, liebevolle Frauen und gutes Essen und Trinken.

    Wenn das nicht reicht, reicht noch mehr auch nicht.”

    So ist es! Es gibt leider kein Allheilmittel gegen Traumata. Im günstigsten Fall darf es es gar nicht dazu kommen.

    “Man sieht das am einfachsten, wenn ein Deutscher (und nicht nur ein Deutscher) das Wort “Nazi” hört.”

    Dieses Trauma scheint mir erspart geblieben zu sein. Wohl deshalb, weil ein Deutscher nicht gleich ein Deutscher ist und ich scheinbar eine Deutsche bin, die eher altgermanisches Blut in den Adern hat.

    Außerdem bringt das Wort “Nazi” nur die halbe Wahrheit hervor. Eigentlich müsste es Narrzisst heißen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Marianne

    Ich habe keineswegs gesagt, dass mir jedes traumatische Erlebnis erspart geblieben sei. (Das wäre, bei meinem verunfallten Gesicht und als einer der mit 42 plötzlich als Witwer mit zwei kleinen Kindern dastand, ja auch reichlich unglaubwürdig.)

    “…denn meine eigenen (Traumata) reichen mir, wann immer es mir nicht gut geht, satt.”

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Marianne

    ‘Außerdem bringt das Wort “Nazi” nur die halbe Wahrheit hervor. Eigentlich müsste es Narrzisst heißen.’

    Den habe ich nicht verstanden. Als ganze Wahrheit zumal. Es fehlt mir wohl an geeigneten Glaubenssätzen dafür.

  4. Marianne sagt:

    @ Magnus

    “Es fehlt mir wohl an geeigneten Glaubenssätzen dafür.”

    Derer habe ich auch keine Geeigneten! Höchstens habe ich ein paar Ungeignete.

    “Den habe ich nicht verstanden.”

    Macht nichts!

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