Vom Schottischen Weihnachtswhisky

Ach, nachdem mein eher offiziöser Weihnachtsgruß doch etwas politik- und deibelsdurchholzt war, erzähle ich jetzt noch vom Schottischen Weihnachtswhisky.

Der ist nach englischem Recht ein klein bisschen illegal, aber das interessiert den Schotten an Weihnachten erst recht nicht.

Im September oder Oktober, manchmal mag es auch schon der August sein, spreußen jene Pilze im Geländ’, alswelche man vorsorglich in die Flasche bringt. Manche zählen sie ab, wegen der Magie.

Am Heiligabendmorgen, so ließ ich mir’s beibringen, nehme man dann einen davon, einen Doppelten, nach einem guten Frühstück, und damit werde schon aus dem Tage ein farbig-gefühlvolles Fest.

Nein, ich werde der Schotten speziellen Weihnachtstrunk hier nicht anpreisen; denn er mag manchem zu stark ausfallen.

Ich sahe selbst schon einen Schotten, der ihn schon vor Weihnachten gerade noch so vertrug.

Spitzkegelige Kahlköpfe heißen die Wohl- oder auch Übeltäter zu Deutsch, Psilocybe semilanceata nennet sie, erinnere ich’s recht, der Botaniker, der Lateiner.

Das wird dem Schotten nun aber schon seit Jahrtausenden egal sein, schon seit weit vor der Erfindung des Whiskys, jenes Lebens- und Sterbenswassers, das die Aufnahme des Pilzwirkstoffes aber alleweil nicht nur genehmer, sondern gleich auch noch zügiger und dabei nationalgetränkt alkoholunterstützt macht.

Mit 75 lasse ich mich vielleicht mal auf so ein Weihnachten einladen. Dann kommt es, wenn ich den Schotten trauen kann, dass sie mich vor den Engländern insoweit schützen, dass die mich nicht an immer noch vorhandene wilde Amerikaner ausliefern, nicht mehr sonderlich darauf an, ob ich an Heiligabend etwas zu viel sinnigen Unfugs rede.

Der Schotte redete von ganz besonderen Zuständen, die zumindest der Schotte da bekäme. Man hörte Musik und erkennte sogar der Frauen genauer. Prächtig, was er erzählte.

Vielleicht warte ich auch lieber bis achtzig, so dass mich die Sause entweder gar nicht mehr aus der Bahn hauen kann oder gleich ganz glücklich aus derselben haut. Na, ich denke nochmal darüber nach.

Ja, und wenn ich neunzehn gewesen, wie damals unter den ganzen Amerikanern, den netten, wie in den argen Slums, hier aber weihnachtlich in Schottland, Straßenstreichergefahren absent, wie hätte ich weiland einen schottischen Weihnachtswhisky, auch bei selbstverständlich anständiger Vorwarnung, unhöflicherweise zu verweisen gewusst?

Ohja. Die Abenteuerlust. Der Jungmännerstolz. Ich vertrage alles. Jetzt gilt es erst recht. Bin ich ein Unterschotte? Selbstbeherrschung ist alles, Magnus. Nein, das darfst du dir nicht entgehen lassen. Zumal wirst du jetzt nicht kneifen. Außerdem: Ein einmaliges Angebot, das kriegst du so leicht nicht wieder. Einen doppelten Whisky verträgst du auf jeden Fall, und bei der anderen Droge soll es keine lethale Überdosis geben. Jedenfalls nicht so leicht. Also. Nicht in die Hose gemacht. Weshalb erst dann ein Abenteuer, wenn du dich vorsichtig alt und dumm gelebt hast?

Inalsoweit der Theoreme bezüglich fachmännisch bereiteten und ebenso eingenommenen Schottischen Weihnachtswhiswkys. Ich weiß, dass ich semi-arkanes Wissen verraten habe, aber eben nur semi-arkanes.

Von daher dürfte die zu erwartende Höchststrafe dafür darin bestehen, dass ich mich noch nicht einmal zum Neunzigsten zu einem echten Schottischen Weihnachtswhisky eingeladen werden sehen möchte.

 

— Anzeigen —


Tags:

Eine Antwort zu “Vom Schottischen Weihnachtswhisky”

  1. Dude sagt:

    Mir ist der Single Malt leider ausgegangen, aber dafür gab’s einen anderen hübschen Trunk, den ich gerade verköstige. Eine 10 Jahre im Kastanienfass gereifte Alte Zwetschge. :-)

    Und was den semilanceata betrifft: Immer wieder gut, wobei der Cubensis auch nicht zu verachten… ;-)

    Und apropos Substanzen und Ingredienzien… ich nehme an ihr wisst, welches das erste offiziell gültige Betäubungsmittelgesetz war, oder?

    Na?

    Ich gebe einen Tip. Gibt’s seit 1516 und wurde der Legende nach von den Bayern erfunden. :-D

Eine Antwort hinterlassen