Es reicht mit dem “Toll!”

Ich will die Leute von meinem Lieblingsradiosender nicht schon wieder nerven, weshalb ich nicht sage, wie er heißt.

Eine Botschaft sende ich aber doch nochmal in den Äther.

Ich kann das Wort “toll” nicht mehr hören.

Differenzierte, gut vorbereitete, humorvolle, oft feinsinnige Moderation, und dann immer wieder und nochmal: “ein tolles Stück”, “eine tolle Band”, “ein tolles Konzert” usw.

Mein Geist! (Ja, Jochen, ich sage jetzt lieber nicht “Mein Gott!”)

Bemerkenswert, ausgezeichnet, hervorragend, sagenhaft, außergewöhnlich, spitzenmäßig, satte, klasse, unvergleichlich, super, eins-A, chefmäßig, abgefahren, unvergesslich, abgedreht, sackstark, durchglühend, himmlisch, großartig, einmalig, saugeil, wasweißichnoch: warum immer nur “toll”?

Seid Ihr toll?

Gut, “toll” kennt jeder, und es hat einen harten, klaren Anlaut, und es bedarf nur einer Silbe.

Das alles spricht sehr für toll.

Auch die heutige Nebenbedeutung, die eigentlich die Erstbedeutung. Nichts dawider einzuwenden.

Auf den Sack geht es mir aber trotzdem, wenn ich immer wieder nur “toll” hören muss.

Gut, muss ich ja nicht. Kann ja abschalten.

Toll.

Indem ich dies schreibe, fällt mir auf, dass ich weder heute noch gestern so oft wie sonst oder überhaupt das Wort “toll” dort gehört habe.

Vielleicht gab es doch eine geistig-morphogenetisch von mir inspirierte Redaktionskonferenz, auf der man sich bewusst zu enttollen entschloss.

 

 

 

 

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14 Antworten zu “Es reicht mit dem “Toll!””

  1. Dude sagt:

    Die haben wahrscheinlich zu viel dem Eckhart zugehört – da wickelt sich die Tolle… ;-)

  2. bl sagt:

    Das ist wie beim Essen. Da heißt es auch nur noch “lecker”.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ bl

    Bei der Literatur heißt es immerhin originell, spannend, brilliant und witzig. Auch wenn es der letzte Schund ist.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    Und in der bildenden Kunst ist ja seit Beuys jeder ein Künstler, so dass selbst ranzige Fettecken einfach nur lecker schmecken.

  5. bl sagt:

    A propos Beuys… Ich stimme der Aussage zu, dass “jeder ein Künstler” ist. Nicht, weil man ebenfalls “ranziges Fett” als Kunst deklariert, sondern weil jeder Mensch sich selbst, seine Welt und alles, was er erfährt, selbst erschafft. Das ist eigentlich große Kunst, die leider so wenig verstanden wird, dass, bis jetzt jedenfalls, überwiegend Hässliches und Verängstigstes ausgedrückt wird. Aber mit den selben Mitteln könnte man auch den Himmel auf Erden erschaffen…

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ bl

    Jeder Mensch kann manchmal, oft gar unbewusst, Künstlerisches vollbringen.

    Deshalb ist aber noch lange nicht jeder Mensch ein Künstler.

    Beuys war ein Scharlatan.

    Er war höchstens mal ein passabler Zeichner.

    Immerhin. Ansonsten hat er Schrott abgeliefert, künstlerisch wie weltanschaulich.

    Goethe war auch ein arger Kerl; wenigstens ab er konnte er weitaus mehr als dieser Hutsimpel.

  7. bl sagt:

    Ich meinte, die große Kunst ist das Leben selbst…

  8. bl sagt:

    Off-Topic – Dieser Link ist für Dude, der, glaube ich, ein Bewunderer von Jean Ziegler ist: http://www.karl-weiss-journalismus.de/?p=1908

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ bl

    Leben kann jedes Kriechtier. Selbst ein gestrandeter Wal lebt erst noch. Vielleicht hat David Icke recht, und Kunst wird inzwischen von Reptiloiden definiert.

  10. Dude sagt:

    @bl

    Hatte ich zu-fällig bei NNE entdeckt und auch sogleich einen Kommentar eingestellt. Falls er zensiert wird, gibt’s nen Artikel draus. Danke dennoch für den Hinweis.

    @Magnus

    *lol* http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/12/03/fuckem/comment-page-1/#comment-253235
    Scheisssynchronizitäten! :-D

  11. Dude sagt:

    So, der Kommentar wurde freigeschalten, es gab eine Antwort, und auf diese habe ich soeben eine Riposte abgeschickt.

  12. Dude sagt:

    Da der Kommentar nachträglich zurückgewiesen wurde, fühlte ich mich nun zu folgendem verpflichtet:

    https://dudeweblog.wordpress.com/2013/12/04/jean-ziegler-ist-kein-lobbyist-der-roholmafia/

  13. bl sagt:

    Jean Ziegler ist mir suspekt. Aber das basiert mehr auf einem Gefühl als auf Tatsachen. Ich denke einfach, dass jemand, der sein Leben lang für die UNO arbeitet und anscheinend bei der Hungerbekämpfung so gar nichts erreicht hat, es nicht ganz ernst nimmt, wenn er Empathie mimt.

    A propos Leben als Kunst. Ich sehe die Tatsache, dass man lebt, als etwas sehr Außergewöhnliches an. Dieses Leben dann noch kunstvoll zu gestalten ist eine große Herausforderung, auch wenn man mal strandet, wie der Wal…

  14. Dude sagt:

    @bl

    “dass jemand, der sein Leben lang für die UNO arbeitet”

    Offenbar bist Du über Jean überhaupt nicht im Bilde… er z.B. war viele Jahre im Schweizer Parlament.. ;-)

    “bei der Hungerbekämpfung so gar nichts erreicht hat”

    Kein Wunder! Siehe https://dudeweblog.wordpress.com/2013/11/24/uber-das-konsumgebaren-das-unterhaltungstreiben-und-die-plappermentalitat-der-schuldgeldknechtschaftssklaven-dreckskapitalismus-teil-ii/

    Ps. Im übrigens wettert er zuweilen auch über die UNO-Klüngelmeute. Hätte ich gern noch im Artikel eingebaut, hab aber den Clip nicht mehr gefunden… fiel wahrscheinlich den Utube-Zensoren zum Opfer… ;-)

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