Schach-WM: Von Magnus Carlsens bemerkenswerter Rede danach

Der neue Schachweltmeister Magnus Carlsen hat auf der Schlusspressekonferenz in Chennai in Indien einiges Bemerkenswerte gesagt.

In den ersten drei Partien sei er sehr nervös gewesen, habe immer gedacht, er müsse, da es um die Krone gehe, etwas Besonderes machen.

Dann habe er sich besonnen und sich gesagt, er solle doch einfach nur machen, was er sonst auch immer mache.

Ab dann sei es gelaufen.

Eine durchaus übertragbare Weisheit.

Sich ob der Bedeutung, der Größe der Aufgabe nicht beirren lassen, einfach ungerührt alles abrufen, was man gelernt, man kann.

Carlsen sagte auch noch, dahingehend befragt, dass, wenn es irgendwo eine Art von kleinem Psychokrieg gegeben habe, er zumindest nichts davon mitgekriegt habe (ich weiß nicht mehr, ob dabei ein kleines Lächeln um seinen Mund spielte, aber das ist auch egal).

Und, auch lustig, zumal hoch interessant, er wurde noch gefragt, was er denn jetzt nach der Pressekonferenz zu tun gedenke.

Gleich zweimal gefragt, sagte er, nein, das wisse er nicht, das werde man dann schon sehen.

Wenn wir mal davon ausgehen, dass Carlsen nicht geschwindelt hat – es sah keineswegs so aus, denn er zögerte jeweils kurz so, wie einer, der nachdenkt –  , so hatte er sich tatsächlich nicht einmal an dem Tage, da sein Sieg schon mittels eines Remis’ mit Weiß sicher war, auch nur einen Gedanken darüber gemacht, was er nach der Pressekonferenz am Abend tun wolle.

Er hatte also kein bisschen Siegsfeier im Kopfe, irgendeine Ausschweifung, einen kleinen Empfang, irgendwas.

Und damit keine unnötige Ablenkung.

So wird man Weltmeister.

Dieser junge Mann weiß vielleicht noch gar nicht, oder auch doch, wie geistig abgeklärt er mit 22 bereits ist.

Ich denke, dass das nur teilweise mit seinen Erfahrungen als Schachgroßmeister zu tun hat.

Ich weiß dabei, wie oben angedeutet, nicht, inwieweit da gesunder Instinkt, kaum reflektiert, zum Ausdruck kommt, oder doch schon Weisheit.

Ich tippe, zumindest zu erheblichen Teilen, auf letztere.

Der ist, möglicherweise, wie ein Emmanuel Lasker (der selbst in hohem Alter, als er klamm war, die Weltschachelite nochmal das Fürchten lehrte), noch zu ganz anderen Dingen fähig, als “nur” Schachspielen.

Halten wir es nochmal fest: Bei selbst der bislang schwierigsten Aufgabe seines Lebens einfach machen, was man kann, und nicht an das Danach denken.

Das könnte von Konfuzius stammen.

Ja, lieber Herr Carlsen, das kannte ich zwar vom Prinzip her schon, aber Sie haben mir es nochmal veranschaulicht deutlich gemacht.

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Mir fällt da noch ein, dass die Haltung Magnus Carlsens völlig quer zu dem steht, was in esoterischen Zirkeln Gang und Gäbe. Fast ein Dogma.

Dort wird in der Regel gelehrt, es sei förderlich, sich den Zustand nach dem Erringen eines Erfolges schon im vorhinein zu imaginieren. Das stärke das Kraftfeld, das Selbstvertrauen, die Energie.

Ich habe mich dagegen immer gewehrt. Klar, ich habe mir auch schonmal ein kühles Blondes oder noch Erhebenderes nach einer guten Leistung vorgestellt. Aber doch immer sehr damit gehaushaltet.

Carlsen ist nicht nur Weltmeister geworden, weil er so gut im Schach ist, sondern weil er sich, er gab es ja zu, endlich unter Kontrolle bekam. Im besten Sinne.

Kein Möchten, kein Herbeiimaginieren, sondern einfach machen.

Sollen andere in die Klöster und die Logen und die Betzirkel und andere “magische” Schulen.

Um, wie Nietzsche es formulierte, dann lediglich gelernt zu haben, im Glauben Berge dort hinzusetzen, wo keine sind.

 

 

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