Der Michel ist kein Deutscher (III)

Der Michel, so wie wir ihn als Sinnbild des Deutschen kennen, baut nicht einmal ein Baugerüst bis zum zweiten Stock.

Das einzige Gebiet und Gebot, das er halbwegs zu überschauen vermag, ist sein Bett. Vielleicht findet er auch noch seine Bierflasche, ohne dass er dafür angelsächsischer Nachhilfe bedarf.

Der Michel ist immer von der “German angst” geplagt. Er könnte ja seine Schlafmütze verlegt haben, seine Pantoffeln nicht finden.

Kurzum: Er ist eine übele Witzfigur.

Es gibt genug böse Karikaturen, nicht nur aus Kriegszeiten, wider uns dazu.

Eigentlich lümmelt er nur herum und lallt in seiner unverständlichen Sprache etwas vor sich hin, wird dann aber manchmal auch sinnlos aufsässig, woraufhin er einfach mal wieder mächtig eine aufs Maul zu kriegen hat.

Mehr ist er nicht, hat er nicht.

Er ist höchstens mal dummfrech. Dann brät man ihm wieder eins über, und gut ist wieder für eine Weile.

So rätselt er denn in seinem Schrumpfhirn vor sich hin, weshalb er sich immer über die aus seiner Sicht falsch gelagerten Dinge wundert.

Er versteht das einfach nicht, weshalb aus Geld immer Geld wächst, er immer verliert, wenn er was Wirkliches tut.

In seiner verquasten Welt, ja, in der täte sich Arbeit lohnen.

Nicht nur des Geldes halber, das ihm gar nicht so wichtig, sondern freute ihn sowohl, dass gut Geschaffenem Achtung entgegengebracht würde, allein schon des Ansporns halber für andere, auch der Gerechtigkeit halber, und, ob der vielleicht darob erweiterten Möglichkeiten und Mittel, noch Besseres zu schaffen.

Dabei immerhin nicht zu darben.

Nein, der Michel, für den ich gerade schreibe, heißt nicht Michel.

Er mag Rainer heißen oder Rudolf oder Randolf.

Oder Friedrich oder Hermann oder Heinrich.

Selbst noch Wilhelm mag er heißen.

Michel aber heißt er nicht.

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4 Antworten zu “Der Michel ist kein Deutscher (III)”

  1. Jochen sagt:

    “Der Michel ist immer von der “German angst” geplagt.”

    Denn es könnte ja sein, daß er nackt ist. Drum versteckt er sich gerne hinter Bäumen oder heruntergezogenen Rolläden. Daß ihn ja der Gewaltmonopolinhaber nicht fände. Leider bemerkt der Trottel dabei nicht, daß er nicht nur nackt ist, sondern langsam od. auch schneller immer durchsichtiger wird. Und er es immer schon mehr oder weniger war, weil sein Name Michel ist und seinen Nachnamen den Gewaltmonopolinhaber nie wirklich interessiert hat. Denn was ein richtiger Michel ist, der ist eine No-Name-Figur aus finsterem Walde, da wo die Schoschonen schön wohnen tun. Ja, man hat schon sein Kreuz mit ihm. Und wenn ihm das weh tut, dann geht er ins Krankenhaus und holt sich von der Kranken…äh, Gesundheitskasse Rabatt, damit er schön flach zu liegen kommt bei Regelleistung. Denn die Wahl-Leistung hat er ja nicht. Deus ex machina. Alles nur Theater, und dem Michel gefällt’s. Auf, auf zum Mich(a)elsberg, und dann runterplumpsen, das macht Spaß.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Jochen

    Plumps in Pumps.

  3. Jochen sagt:

    @ Magnus

    Sancho Pansa sah sich auch in Gefahr mit dem Knecht des Ritters vom Walde plumpsacken zu müssen. Doch dann kam ihm und seinem Herrn der Zufall zu Hilfe – Der Feind paßte eben mal nicht auf und diesen Moment der Unachtsamkeit, den wußte Don Quichote für sich zu nutzen, obwohl es ihm gar nicht richtig bewußt war, ganz so, als hätte er plötzlich Hilfe “von oben” bekommen. Da wollte einfach jemand nicht, daß die Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt schon zu Ende gingen; und nebenbei fiel dem Knecht des Ritters vom Walde seine Nase ab, sozusagen, denn sie war aus Pappe. Anders könnte man sagen, der Feind wurde demaskiert, mit Hilfe des freiheitlich gesinnten Geistes und des Zufalls. Aber klar, es war gar kein Zufall, denn Cervantes Geist erdachte sich ja diese Situation. Gute Menschen, denn Don Quichote und sein Knecht, das sind von grundauf ganz normale und liebevolle Gestalten, solche müssen im Leben zwar viele Prügel einstecken, sie verteilen auch viele, aber zuletzt ist der Sieg immer ihrer. Denn sie sind keine Michel, sondern machen sich Gedanken über alles, u.a. daß die Welt auch ganz anders aussehen könnte, als wie wir sie mit unseren Augen sehen. So kommt man in die Welt des Dichters und sich in deren Welten hinein zu denken, das können nur jene, wenn sie auch Dichter und Denker sind. Der stupide Michel guckt lieber fern und trinkt Bier bis zum Umfallen. Welches Leben mag wohl das interessantere sein? Man sollte für sich die richtige Wahl treffen. Und das gelingt keinesfalls dadurch, daß man alle paar Jahre mal ein Kreuzchen irgendwo macht. Denn dann wählen andere für uns aus, wie Menschen zu leben haben. Und deren erdachte Welten sind weiß Geist, überhaupt nicht ergötzlich. Sondern diese verleiten Menschen aus Frust nur zum Komasaufen u.ä. Auch wenn der Michel kein Deutscher ist, aber er ist trotzdem sehr zu bedauern.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Jochen

    Sehr schön, wie Du es beschreibst.

    Du hast den Quijote erfasst.

    Erinnertest mich daran, dass ich dazu schon lange wieder einmal was sagen wollte.

    Jetzt lasse ich aber erstmal einfach so stehen, was Du geschrieben hast.

    Die Nacht fiel schon lange.

    Danke dafür.

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