Der Michel ist kein Deutscher (II)

Ich will hier nicht länger über die verschiedenen Funktionen des Erzengels Michael, wie sie ihm vom Judentum, vom Christentum und vom Islam zugeteilt wurden, räsonnieren.

Wenigstens die meisten davon haben mit dem deutschen Nationalcharakter, wofern es einen gibt, von außen gesehen wenigstens ist es statthaft, einen zu sehen, von innen immerhin einen negativen, wenig bis nichts zu tun.

Man schaue sich lieber mal Redewendungen an, die Volkssprache.

“Ich mache doch nicht den Michel!”

“Willst du mich zu deinem Michel machen?”

“Suche dir einen anderen, der dir den Michel macht!”

Der Michel ist also ein gutmütiger Depp, einer der sich maßlos ausnützen lässt, ein lustvoll getriezter Knecht oder Sklave.

Schlafmützig, immer etwas verwirrt, hilflos, dumm.

Hörig, selbst denkunfähig.

Na gut: Sei dies Bild bis heute eingesenkt.

Es ist auch nicht insgesamt unzutreffend. Teilaspekte sind statthaft.

Aber da zeigen sich nur die negativen Aspekte.

Nicht nur der Erfindergeist fehlt, auch das Freiheitsstreben, die Schaffenslust, die Philosophie, der Mut und die Tapferkeit. Das Aufbrechende, das Wägende wie das Wagende. Und noch mehr.

Deshalb werde ich auch dieses Bild zerbrechen.

Ich weiß noch nicht genau wie, entlang welches Namens.

Vielleicht werden es drei Namen, oder aber es wird gar keiner, anstatt Michel.

Wer weiterhin micheln will, der soll das tun.

Bei mir hat es sich ausgemichelt.

Sowieso schon lange, jetzt aber auch nochmal ganz anders.

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Ich weiß natürlich, dass so ein Bild nicht über Nacht bricht.

Jedenfalls üblicherweise: wenn nicht ganz Außergewöhnliches geschieht.

Irgendwo da draußen aber ist einer, sind vielleicht gar welche, die verstehen, was ich ansetze, weshalb ich es ansetze.

Und wenn erstmal nicht, so mache ich einfach allein weiter.

Moment: Jochen scheint mich schon im Erstartikel wenigstens in erheblichem Maße verstanden zu haben.

 

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