Konstantin schlägt in Leipzig auf

Nachdem Konstantin sich beim Bierchen, bei seinem Zigarettchen und seinem Liedchen erholt hatte, das Gefühl ihn durchströmete, wieder ganz der Alte zu sein, stromerte er, es war erst kurz vor Mittag, noch ein wenig durch Hamburg, aß eine Kleinigkeit, packte sein Gezeugs in der Pension, machte sich, indem er seinen Scheck eingelöst, zum Hauptbahnhof, besahe die Tafel, löste einen Fahrschein gen Leipzig, denn allda, insgesamt bei den Sachsen, hatte er noch wenig zu tun gehabt.

Im Zuge schrieb er Maike noch einen Brief.

Wer weiß, vielleicht verziehe sie ihm irgendwann.

Er war da ja auch nur reingerutscht, hatte es nie böse gemeint.

Immerhin, gutes Zehrgeld war aus dem Zerzeugshaus des Speichels am Ende herausgesprungen.

Und etwas sinnfällige Zersetzung war auch gelungen. Mal sehen, was der nächste Titel brächte. Zum ersten Male, es war ein Freitag, war Konstantin gespannt aufs kommende Heft.

Nach einem kleinen Schläfchen gar glücklich in Leipzig angekommen, ersuchte er sich ein einfaches Quartier, nicht zu weit von der Innenstadt, denn er gedachte heute Nacht vielleicht mal wieder richtig einen draufzumachen. Gut trinken und gut frei durchatmen.

Und, zumal, erst einmal gescheit essen. Hamburg hatte ihn ausgezehrt.

Und, siehe da, eine Gastwirtschaft fand sich, die traditionellen deutschen Gänsebraten mit hausgemachten Klößen und Blaukraut erbot. Das las er gerne. Vornab die Gemüsesuppe, zum Abgang Vanilleeis mit Brombeerrumtopf, sowie einen Courvoisier und unterwegs zunächst einen Weißen von der Unstrut, hernach einen Roten vom Kaiserstuhle. Kurzum: Er fühlte sich wieder wie ein ganzer Mann.

Die vergleichsweise unprätentiöse Art der Leipzigerinnen war ihm schon aufgefallen. Auch das eine Erholung gegenüber Hamburg. Auch wenn nicht weit von Hamburg und nicht gar so unhamburgerisch noch die Gitte durch seine Sinne spukte…

“Nein, bis dass du in Leiptsch Zoten anzettelst, wirst du dich zunächst zwei oder drei Tage erholen. Hamburg war hart. Das will erst verdaut sein.”

So schlurfte er nach seinem Mahle noch einige Stunden durch die Stadt, bis dass ihn der Nachdurst noch in ein Gasthaus führte, allwo des Weines zwar nicht billig, aber bestens.

Dorten, es war nunmehr schon nach Mitternacht, ging es gesittetermaßen hoch her. Nicht wenig lose Weiber warfen Konstantin ermunternde Blicke zu.

So ergab es sich schließlich auch an seinem Tische, dass er des Woher und des Wohins gefragt.

Konstantin, doch sehr gelöst ob des Verlaufs des Tages, gab ein paar Sprüche zum besten, zeigte sich von seiner erquicklichsten Seite.

Berthold, der Interessanteste und offensichtlich Trinkfesteste an der Tafel, gab ihm schließlich, indem er seine Gattin entführte, noch seine Karte, Konstantin möchte sich bei ihm melden, wofern er Interesse an einer pässlichen Tätigkeit oder auch nur einem also vergnüglichen Samstagabende habe.

Konstantin bedankte sich artig, man verabschiedete sich, und Konstantin war nun doch nach Bette und Schlummer.

Auf dem Heimwege besahe er sich aber noch die Karte: “Berthold Rüb – Centraltheater Leipzig – Intendant”.

“Mein lieber Schwan”, dachte sich Konstantin, “die Einladung werde ich sicher nicht verstreichen lassen.”

Und also ging er fröhlich zu Bette.

 

 

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