Konstantin in Leiptsch schon engagiert

Nachdem Konstantin so gut geschlafen hatte wie seit Wochen nicht mehr, einem kleinen kräftigenden Spaziergange durch Leipzig, begab er sich zu einem Isswasundsovielduwillstfrühstück.

Das tat, trotz des ausgezeichneten Gänsebratens am Abend zuvor, noch einmal not.

“Wirklich merkwürdig”, dachte er bei sich, “dass ich nach so einem Abendessen anderntags nochmal einen Hunger habe alswie ein Wolf. Die Hamburger und der Speichel haben mir wirklich hart zugesetzt.”

Also folgete Schinken- auf Käsbrötchen, nicht Ei noch Butter noch Senf noch sonst ein Vorhandenes ward geschont, bis dass der Ranzen endlich wieder wirklich feist spannete.

Nun besahe Konstantin Leipzig sich bei Tage. Auch eine Stadt, der schwere Wunden geschlagen worden waren, die aber ganz fidel schien, zumal die Sächsinnen.

Gegen Viere, nach einem ersten Biere, einfach auf dem Bänkchen in die Luft genossen, beschloss Konstantin, die Zeit nicht länger verstreichen zu lassen, endlich seinen letztabendlichen Zechgenoss, den Berthold, anzurufen.

Dessen wohl um achtzehnjährige Tochter war am Apparat. Leicht schnippisch frug sie nach Konstantins Berechtigung, ihren Herrn Papa fernmündlich anzugehen.

Konstantin, nicht faul, entgegnete, dass der Berthold gestern Abend sehr wohl noch einen rechnungsfähigen Eindruck gemacht habe, indem er diesen Anruf geladen, die junge Dame möchte ihre Torwächterfunktion deshalb als richtig angesetzt aber gleichwohl zügig beendet begreifen, ihren Alten, wo möglich, in Bälde beiziehen.

Daraufhin spurte Elli Rüb. Der Papa kam.

“Rüb, guten Tag.”

“Hallo Berthold, hier ist der Konstantin. Wie geht’s? Ich plauderte, einladungsgemäß, gerne mal mit dir über dein Theater, was sonst so in Leipzig.”

“Ach, der Konstantin. Lass’ mich mal überlegen. Ich habe heute noch einiges an der Backe. Aber heute Abend um acht, da könnten wir uns im Kreuzkeller treffen, da gibt’s prima rustikales Essen, und der Wein stimmt auch. Findest du das?”

“Na klar. Es wird ja wohl selbst in Leipzig keine drei Kreuzkeller geben.”

“So ist es. Also bis dann.”

“Bis dann.”

Konstantin war etwas überpünktlich, kam also schon viertel vor acht, der Keller war ein echter Keller, bürgerliches Publikum. Er bat darum, erst bestellen zu dürfen, wenn sein Genoss käme.

Berthold traf auch zum Zeitpunkte ein, man gab sich die Hand, lachte erstmal, bestellte auf des ersteren Empfehlung hin zunächst den weißen Hauswein.

“Was esse ich hier denn am besten?”, frug Konstantin, indem der Wein gekommen.

Na, wenn du’s fleischig willst, mal kalt, dann die Wurst- und Schinkenplatte. Ansonsten die Käseplatte. Auch nicht zu verachten. Warm empföhle ich den Rinderbraten in Starkbier-Pfeffersauce. Da hat noch keiner gemeckert, der einen Arsch in der Hose hatte.”

“Was nimmst du?”

“Ich nehme die Käseplatte. Fleisch gab’s schon zu Mittag.”

“Ja, dem schließe ich mich an.”

Nach ein wenig Geplauder und einigen vertilgten Happen und indem der zweite Schoppen gerufen worden war, sagte Rüb ohne Umschweife: “Wenn du Lust hast, machst du bei mir am Theater was.”

“Was könnte ich denn da können?”, frug Konstantin, etwas zweiflig. “Ich habe keinerlei Ausbildung in der Richtung.”

Rüb lachte schallend und stieß erstmal mit Konstantin an.

“Trinken wir erstmal einen Schluck auf den guten Käse, das schöne Lokal, den beginnenden Abend, die schönen Frauen, und, nicht zuletzt, auf uns!”

Konstantin freute sich, denn der Berthold war wirklich ein jovialer Kerl, witzig und gebildet allzumal, der in keiner Weise einen schrägen Eindruck machte.

“Ja, und?”

“Hast du schonmal was von ‘Open Stage’ und ‘Slam Poetry’ gehört?”

“Ja, klar, das bin ich schon länger, als es die engsächsischen Begriffe dafür gibt.”

“Na also, dann blickst du da doch durch.”

“Und?”

“Mann, du Flachtüte, ich brauche einen, der diese Veranstaltungen ansagt und moderiert, der die Leute nicht zum Schlafen bringt, selber einen Plan hat, im Zweifel spontan eingrätscht, der es sichtbar selber kann, die Sache richtig abzieht. Du kannst das.”

Noch ein Schluck Weins.

“Ok, ich probier’s.”

Die weiteren Vorverhandlungen zwischen Konstantin und Berthold verliefen ziemlich unkompliziert, denn man war sich schnell einig, dass man die Sache einfach ausprobieren müsse und nähere finanzielle Konditionen unter Ehrenmännern jetzt nicht auszukaspern seien, man besser noch ordentlich einen trinken gehe und dabei lieber der zu bedenkenden Umstände und Sachen halber rede und entwickele.

Mittelschwer beladen und fröhlich alswie ein freier Dachs kam Konstantin gegen halb zwei ins Quartier, und er fühlte sich wahrlich gut zu Leipzig.

 

 

 

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