Sadisten, Schwindel, Lernfähigkeit

Wenn er einen gerade nur ein bisschen demütigen, schikanieren, misshandeln darf, kann es geradezu interessant und gar belustigend sein, auf einen Sadisten zu stoßen.

Oh wie er enttäuscht ist, wenn man sich ungerührt umdreht, ohne auch nur ein Widerwort, seine Bosheit keine Wirkung zeigt!

“Was habe ich falsch gemacht? Wieso hat der sich nicht einmal geärgert? ICH bin doch ICH!”

Also wird der Sadist sich danach selber quälen, sich fragen, wieso seine gewohnte Macht nicht im gewünschten Sinne zog.

Er wird gar wütend werden. Vielleicht gar die angreifen, an die er sich bisher nie heranwagte, besser gar nicht heranwagen sollte.

Leider wird er möglicherweise als Kompensation aber auch die noch mehr quälen, die ihm unterworfen. Dann aber wiederum vielleicht so unmäßig, dass es ihm selbst unversehens übel ergeht.

Ich glaube übrigens nicht an die Mär, dass alle Sadisten selber einst Opfer gewesen seien oder noch seien und darüber so wurden, wie sie sind.

Es gibt wohl Menschen, denen es einfach Spaß macht, zu quälen. Es ist ihr entarteter Wille zur Macht.

Ich mag dazu auch erst recht keine Geschichten von vergangenen Leben hören. Man kann sich zu allem und jedem ein feile Ausrede erfinden.

Keiner muss bösartig werden. Kein “kosmisches” oder sonstiges Gesetz sieht das vor.

Dass, wer immerzu gequält, endlich in seiner Wut über jedes Maß ausschlagen kann, ist ein anderes. Aber auch da ist es nur ein Kann, kein Muss.

Ich glaube auch keinem Elter, der behauptet, nie unmäßig gegenüber seinen Kindern gewesen zu sein. Vielleicht gab es mal einen, aber glauben tue ich es erstmal keinem.

In der Erziehung stets das richtige Maß zwischen Milde und Strenge halten zu können: das wäre des Übermenschen. Wer weiß auch nur um die jeweilige Härte seiner Worte?

Ich weiß, weshalb ich mich als einen liberalen Konservativen sehe oder, umgekehrt, einen konservativen Liberalen. Irgendwo dazwischen liegt das, was ich zu sein versuche.

Meine Kinder dürfen so gut wie alles. Wenn aber der Klodeckel zum dritten Male vollgeseicht ist und die Apfelbutzen im Bette liegen, ist auch bei mir irgendwann der Zacken ab. Ich bin nämlich weder als Putzsklave auf die Welt gekommen, noch dass ich Fliegen und Schimmel schätzte.

Zurück zu den Sadisten. Das sind Menschen, für die Gegenseitigkeit letztlich keine Rolle spielt.

Manche von ihnen, ja, das meine ich in der Tat, müssen wohl erst auf den Falschen stoßen, um sich vielleicht zu besinnen.

Als typisches Beispiel meine ich einen Zweimeterbüffel einer Motorradgang, der schon zig Leute verprügelt hat, dann aber dummerweise auf einen kleinen Jet Li stößt, der ihm, nach zehn Bitten, keinen Händel anzufangen, endlich dermaßen ein paar einschenkt, einschenken muss, dass das Untier doch wieder zu Verstand kommt, sich bedankt, dass ihm nicht alle Knochen gebrochen wurden. Und ab da nicht nur deshalb nicht mehr auf viel Kleinere losgeht, weil er ihnen doch nicht gewachsen sein könnte.

Der Mensch ist lernfähig.

Potentiell selbst ein eingefleischter Sadist.

Ob ein Henry Kissinger noch lernfähig ist, weiß ich nicht.

Er hatte noch keinen Privatunterricht bei mir.

 

 

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