Schach-WM: Carlsen schwächelt, Anand wird trotzdem kritisiert

Gegen den großen Magnus bin ich natürlich nur ein ganz kleiner Magnus.

Jedenfalls im Schach.

Der große ist Norweger und erst 22 und heißt Carlsen und will gerade Weltmeister werden.

Alle sind sich bislang einig, dass er, obschon zunächst von den meisten gegen den Titelverteidiger Anand als Favorit eingeschätzt (Carlsen ist Weltranglistenerster, Anand sechster), bei zweimal Weiß und einmal Schwarz bislang in der ersten Partie ohne rechten Biss gespielt hat, so dass sich früh ein Remis durch Zugwiederholung ergab, in der zweiten mit Schwarz (wiederum ein – nicht ganz so frühes – Remis durch Zugwiederholung) sehr beachtlich, heute, wiederum mit Weiß, aber (wie er selbst zugab) schon knapp an einer Niederlage vorbeischrammte.

Klariter schließe ich mich jenen Kritikern an, die die Beschränkung des Kampfes auf nur zwölf Partien bedauern. Die 24 fordern, oder aber ein bestimmte Anzahl an Gewinnpartien. Oder auch das schon gespielte Regularium, dass Weltmeister ist, wer zuerst 12 Punkte hat.

Recht offensichtlich führt die geringe Anzahl an Partien zu großer Vorsicht auf beiden Seiten, weil schon der erste Verlust einer Begegnung einen großen psychischen Druck erzeugen kann. Das schadet der Attraktivität des Wettkampfes und damit auch der Popularität des Spieles insgesamt. Viel leichter kann so schon ein Patzer entscheidend über die Vergabe der Krone des königlichen Spieles entscheiden. Schade.

Nun gut. Irgendwann wird etwas passieren – müssen.

Ich gönnte es meinem Namensvetter, einem so jungen Kerl, natürlich gerne, wenn er obsiegte.

Mit Absicht aber hat er heute bestimmt nicht so gespielt, wie er es tatsächlich (obschon die Fachwelt auch Anand, als dieser besser stand, einen Läuferzug als zu zaghaft ankreidet) wollte und sollte.

Egal. Es macht mir trotzdem wieder wirklich Spaß, die Partien nachzuspielen.

WM: Das kribbelt.

Die dritte und bislang spannendste Partie von heute fand ich übrigens hier sehr schön kommentiert:

http://www.sportal.de/schach-live-ticker/viswanathan-anand-magnus-carlsen-2013-11-12.html?affiliate=spox

 

 

 

 

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4 Antworten zu “Schach-WM: Carlsen schwächelt, Anand wird trotzdem kritisiert”

  1. Dude sagt:

    Pipapo.

    Seit KI’s besser als Menschen geworden sind, und die Trainings mit unzähligen Blitzpartien gegen KI’s vonstatten gehen ist der ganze Zirkus schon beinah so langweilig geworden wie die F1.

    Achja, das waren noch Zeiten vor zwanzig Jahren…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Dass die Elektrokästen inzwischen stärker sind als selbst die besten Spieler, ist selbstverständlich ein Ärgernis.
    Nun, was will man machen; das Spiel gefällt mir trotzdem noch, auch wenn ich es nur noch selten spiele.
    Ich habe auch mal das japanische Schach, Shogi, probiert, vor zwei Jahren, musste da (fast) bei Null anfangen, weil es ganz anders funktioniert, wurde entsprechend gnadenlos aufs Haupt geschlagen.
    Dazu sagte man mir (ich weiß nicht, ob das stimmt), dass die Rechner darin den Besten noch nicht beikämen. Was klariter fürs Shogi spricht.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich will Dir in einem Punkte noch widersprechen, von wegen Künstlicher Intelligenz (KI).
    Die besten aller Schachgroßmeister haben den Programmen nicht nur die Eröffnungen und die Partien geliefert, nein, auch noch viele derer jahrelang an den Programmen gefeilt.
    Dazu kam schließlich die gigantische Rechenleistung der Elektrokästen heutiger Tage, die Milliarden Varianten in Sekunden berechnen können.
    Da wird es logischerweise sehr eng für den Menschen.
    Wenn ich mir aber beispielsweise maschinell erstellte Übersetzungen anschaue, da graust es ja selbst bei relativ einfachen Sachtexten noch der Halbsau.
    Dass ein Rechner, nur weil er Thomas Mann und Kafka und Brecht gelesen, ihm tausend Philologen alles mühsam erklärt, schon einen anständigen Roman geschrieben hätte oder ein Drama, ist zumindest mir unbekannt.
    DAS wäre künstliche Intelligenz.
    Neues schaffen, wie als ob von feinster Menschenhand, außerhalb einer letztlich doch binär erfassbaren Sphäre wie beim Schach: Das wäre es.
    Wenn das passiert, kann es kritisch werden für uns. Dann stehen unsere selbsterschaffenen Aliens wirklich vor dem Zugriff.
    Ich sehe das aber noch recht gelassen.

  4. Dude sagt:

    “Die besten aller Schachgroßmeister haben den Programmen nicht nur die Eröffnungen und die Partien geliefert, nein, auch noch viele derer jahrelang an den Programmen gefeilt.”

    Was mir selbstverständlich klar war. Dennoch find ich es ein Trauerspiel wenn Menschen nicht gegen Menschen, sondern KI’s spielen. Das spielt im übrigen den Wahnsinns-Phantasien der Transhumanistenpsychos in die Hände…

    Ja, für Übersetzungen taugen die Dinger noch nicht. V.a. wenn der übersetzte Text in richtiger Sprache geschrieben, und nicht einfach wie geläufig dahergeschlunzt. ;-)

    Und wenn man sich die heutigen Schundbestseller so ansieht, bezweifle ich beinah, dass eine Maschine das nicht genauso “gut” hinbekommt. :-D

    Ps. Ich seh’s auch gelassen, denn – falls überhaupt je – werden die Maschinen das nie schaffen. Dazu fehlt ihnen das Bewusstsein.

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