Schmerzphonzombies

Wahrscheinlich werden wohlweislich keine Statistiken darüber geführt.

Nachdem ein Spezi es vor Monaten schon erlebt hatte, wie ein vielleicht Achtzehnjähriges, schmerzphongesteuert, zu ihrem Glücke gerade noch mit der Matschrübe gegen einen Laternenmasten statt unter die Straba lief, hatte ich am Donnerstag, nachdem ich abends um sechs noch auf einen Unterrricht ausgerückt war, schon jede Menge dieser Zombies gesehen, wie sie zum Feierabende mit ihren infernalischen Maschinen durch die Stadt torkelten, über die Straße, egal woherum, auf der Heimfahrt mit dem Radl ein entsprechendes Erlebnis.

Leicht bergab, also mit vielleicht 30 Kmh, bei bester Vorderbeleuchtung, war es nur einer zackigen Vollbremsung und meinen guten Bremsen zu danken, dass ich nicht in eine vielleicht Fünfunddreißigjährige hineinbrezelte, die mit ihrem Schmerzphon an der Back’ einfach, ohne irgendwo hinzublicken, plötzlich eilig die Fahrbahn querte.

Totgefahren hätte ich sie wohl nicht; aber für etwas Krankenhaus, zumal für die Adrette, ich bin hart im Nehmen und will da nicht hin, hätte es leicht gereicht.

Ich plärrte sie noch an, wie lange sie das wohl zu überleben gedenke, diesen Wahn.

In ihrem leichten Schock, noch kaum erwacht, goschte sie noch Halbunverständliches zurück, noch völlig ohne Einsicht.

Ich bin weiland über 25 Jahre unfallfrei Auto gefahren. In jeder alten Stinkemistkarre, bei jeder Witterung, übermüdet, versiffte Brille, bei jeder Halbsicht.

Aber auch mir ist es passiert, dass ich einen Fehler machte; ich habe auch schon einmal eine rote Ampel überfahren.

Diese Schmerzphonidioten, ich sehe es täglich, gucken an der Ampel gerade mal kurz auf, ob es Grün geworden, latschen dann, ohne auch nur noch im geringsten darauf zu achten, ob doch nicht nur ein Radler komme, den sie wohl noch überlebten, über die Hardcorekreuzung.

Die laufen unter einen Bus, einfach so, merken erst, dass sie noch lebten, wenn sie tot sind. Vielleicht.

Die jungen Männer scheinen noch etwas vitaler, instinktsicherer. Aber das kann täuschen. Es ist nur mein ungefährer Eindruck.

Nun gut. Sollte das stimmen, so haben wir wenigstens einen Überhang an kinderlosem männlichen Kanonenfutter für den nächsten verlorenen Krieg. Aber da schickt man heute ja auch schon am liebsten Frauen hin, wegen der Gleichberechtigung undsoweiter. Also wäre das sogar etwas diskriminös.

Ja, ich war schonmal betrunken. Aber dauerbesoffen war ich nie. Und insgesamt wusste ich, wenn ich einen im Kahn hatte, wenigstens, dass ich einen drinhatte und deshalb besonders aufpassen müsse, wenn eine Straße zu queren sei. Deshalb lebe ich noch.

Die merken nicht einmal mehr, viele jedenfalls, dass sie nur noch unter bester Vorsicht halbwegs gehverkehrsfähig.

Die halten sich für sturznüchtern, für endcool.

Wenn ich nur einmal sehe, wie eines meiner Kinder so über die Straße schlurt wie diese Endfanten, hört man meinen Schrei bis weit hinter Rottweil.

Leck mich fett aber auch.

 

 

 

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3 Antworten zu “Schmerzphonzombies”

  1. Jochen sagt:

    Ohne Handy scheint nix mehr zu gehen.
    Ist das Handy aus, dann bleibt alles stehen.
    Timeout hieße das;
    Eine Zeitreise in die Vergangenheit.
    Kein Draht zu nix;
    Herr Jesus bitte komme fix.
    Leider hat Er den Anschluß verpaßt;
    Holz leitet nicht, auch nicht über Kreuz.
    Bald!
    Bald weihnachtet es wieder sehr;
    spätestens dann muß ein neues Handy her.
    Handy Herr,
    Handy Herr,
    Handy Herr
    oder ich fall um.
    Nein, Zomies sind nicht dumm;
    Zombies sind vernetzt;
    Bis zuletzt.
    Ende and out.
    Ende and out?

    Immer nur mit Handy?
    Es geht auch ohne;
    Ich habe keins.
    Kain hatte auch keins;
    dem Abel schenkte Kain seins.

  2. Dude sagt:

    “Immer nur mit Handy?
    Es geht auch ohne;
    Ich habe keins.”

    Genau. Dito.
    Was das gehen betrifft… naja. Einige Leute (ehemals Freunde) begreiffen auch nach dem 10. Hinweis auf diesen Artikel noch nicht, dass – bzw. warum – ich kein so ein Scheissteil mehr benütze.
    https://dudeweblog.wordpress.com/2013/03/19/elektrosmog-und-handystrahlung-als-zerstorer-des-lebens/

    Egal. Können mir in die Kappe scheissen.

    Ich bin übrigens kurz davor bei mir zuhause ein radikales Handyverbot zu erlassen. Wer rein will, kann das Ding im Briefkasten deponieren.

    Ps. http://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2013/07/19/das-betreten-meiner-wohnung-mit-einem-aktiven-mobilfunktelefon-ist-ab-heute-untersagt/

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Gute Idee, das mit dem radikalen Handyverbot.

    Ich werde sie mir allerdings kaum leisten können, da ich auch zuhause unterrichte.

    Aber mir fiel gerade schon etwas ein.

    Schreibe gleich was drüber.

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