Von gesindelsüchtigen Weibern

Gestern geriet ich im Wirtshause nacheinander an zwei generisch doch hinreichend bemerkenswerte Frauen, die eine vielleicht dreißig, die andere nicht weit darüber.

Jene war schwarzhaarig, diese blond, welche von beiden, wo die Schöpfung schon überaus großzügig war, die Schönere, mögen geübtere Augen als meine entscheiden.

Beide waren überdies ziemlich gebildet und sehr beredt.

Und dann erwiesen sie sich als Heuchlerinnen vor dem Herrn: um nicht zu sagen billigste Hofschranzen.

Da fragt sich der Denker dann doch: Warum?

Ausgerechnet Frauen, die noch in der Hölle binnen fünf Minuten einen tapferen Buhl fänden (oder vielleicht eben doch nicht?), der sie vor den schlimmeren Argsamkeiten des Teufels bis zur Selbstaufgabe schützte, schienen es nötig zu haben, dem dümmsten und frechsten Gesindel gut zu sein. (Da fällt mir ein: Da waren noch zwei, nicht ganz so schön, aber immer noch sehr beachtlich, bei denen war’s nicht anders, nur dass ich deren wohl etwas geringere Intelligenz und Bildung nicht länger gesprächsweis zu prüfen in Laune oder Lage war.)

Was treibt solche losen Weiber?

Wieso derart wenig echte Selbstachtung?

Nur, weil es so schön, auch noch den letzten Deppen um den Finger zu wickeln und nach Belieben im Vierecke herumspringen zu lassen?

Oder haben die etwa Angst davor, am Ende womöglich doch entdeckt zu werden, sobald sie auf Männer stoßen, die Frauen nicht nur zwischen den Schenkeln zu betrachten und zu achten trachten?

Immerhin ist diese Lösung des Rätsels naheliegend, was natürlich nicht heißt, dass sie richtig oder auch nur teilrichtig sein muss.

Schopenhauer hätte dazu womöglich gesagt, dass das eben dabei herauskomme, wenn man dem Weibe anstatt Stricknadeln Bücher in die Hand gibt. Der aber verstand sich wohl eher auf Pudel denn auf Weiber.

Gesindelsüchtig. Also geltungssüchtig, dass gar noch die Gesindelsucht ausbricht.

Nein. Heute kein Mitleidensanfall.

Mögen sie selbst sehen, wie sie auf Dauer damit zurecht kommen.

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Nachtrag

Zweiter Lösungsansatz. Vielleicht wissen sie tief unten, dass sie auf Dauer keinen Mann von wirklichem Mute und Formate zu binden werden wissen. (Ich fühlte mich nicht zurückgewiesen, hatte eine echte Angrabe noch nicht einmal probiert.) Dass es also am klügsten, sich immerzu so viel Gesindel warmzuhalten, auf Vorrat sozusagen, wie nur immer möglich, nicht nur zur Selbstbeweihräucherung, sondern als eine Art Schutz.

In der Tat: Ist ein Aufrechter nicht Bruce Lee oder Jet Li oder Dietrich von Bern, so mag er sich zumindest körperlich vor zehn bis zwanzig Stück Gesindel im Zweifel doch in Acht nehmen müssen.

Es mag wohl darum gehen, dass man sich einen ganzen Stall Dobermänner hält.

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Nachtrag II

Es ist etwas anderes, Hunde zu halten, als Menschen.

Man wird nicht zum Hund, nur weil man viel mit Hunden spielt, diese abrichtet.

Ist man aber ständig auf Du und Du mit dem Gesindel, so färbt das ab.

Das ist der zu zahlende Preis, mindestens, meine Damen.

 

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