Vom Strategeme Nr. 54 (dem Vielfrontenstrategeme, diesmal nicht redundant)

Ich weiß wiederum nicht, wie dies Strategem in vier oder gar drei chinesische Schriftzeichen zu fassen wäre.

“Viele Fronten: Reize noch mehr Widersacher.”

Dies Strategem hat dann Zeit und Ort, wenn man schon mehrfach, von verschiedener Seite her, in Schwierigkeiten.

Genau dann noch mit weiteren Kräften anzubinden, ist üblicherweise dumm; es kann andererseits aber genau das Gebot der Klugheit sein.

Nicht nur, dass mancher Widersacher sich ob solcher Frechheit verwundert die Augen reiben wird, womöglich falsche Schlüsse daraus ziehen, zum Beispiele den, da handele einer in letzter Verzweiflung, also, dass er jetzt leichthin vollends niederzuringen, so dass sein Stoßangriff fahrlässig angesetzt.

Ein anderer wird wähnen, man habe neue Verbündete gewonnen: daher rühre der Fürwitz.

Wieder einer wird meinen, diese Verbündeten habe man schon lange, bloß für den Ernstfall zurückgehalten.

Und noch einer wird sich sagen, dass jetzt doch ein anderer angreifen möge, sich am Letztreste des anderen verbluten, danach käme er und siegte bequem.

Noch andere mögen sich an der Front so drängeln, dass sie sich dabei gegenseitig, schon argwöhnisch, oder einfach so, im Wege stehen, sich wechselseitig behindern, gar beginnen, das Pferdefutter zu stehlen.

In der Zwischenzeit ist man schon ganz woanders. Alle reiten übereinander drein.

Je mehr Angreifer, um desto größer deren mögliche Wirrnis.

Man richtet seine Kräfte nie so aus, wie erwartet.

Die eigenen Gegner belauern einander, zersplittern ihre Kräfte.

Irgendwann wissen sie gar nicht mehr, wer eigentlich ihr Feind.

Dann sind sie zwar noch nicht alle besiegt, aber man hat es mindestens sehr weit zu einem Siegspatte hin gerichtet.

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