Vom 55. Strategeme (Magiestrategem)

“Der andere glaubt, also gib’s ihm!”

Das Magiestrategem beruht auf dem Glauben und Aberglauben der Leute (nicht, dass ich die beiden Begriffe hier ernstlich scheiden wollte).

Besonders im Falle, dass ein Widersacher erstaunlich lange mit erstaunlich geringen Mitteln durchgehalten, wird jenes Gegner dafür potentiell anfällig.

Man suggeriert, schlicht und einfach, man habe irgendwie sowas wie “übernatürliche” Kräfte.

Angesichts mächtiger und ansonsten kluger Widersacher (sonst braucht man dies Strategem ohnehin nicht; es wäre geradezu schäbig, es andernfalls anzuwenden) wird man derlei selbstverständlich nicht offen proklamieren; man wird es nach und nach einsickern lassen.

Nicht davon reden, dass heutzutage schon ein noch halbwegs scharfer Verstand, gepaart mit einigermaßen trefflicher Rede, vielerorts als numinos gilt. Also klares Denken schon reichen mag, den gewünschten Verdacht zu erwecken.

Vor allem Leute, die in Geheimbünden zerzogen wurden, können sich teils irgendwann gar nicht mehr vorstellen, zurechtlegen, dass der andere bloß ein Denker oder gar ein Dichter sei.

Das passt nicht mehr in ihre Platte.

Und: Natürlich hat jeder Mensch “übernatürliche” Fähigkeiten.

Sie irren also nicht einmal darin, wenn sie vermuten, man habe solche. Sie irren dann aber, wenn das Strategem richtig angewandt, dessen, erstens, womöglich, welche der andere sich bereits bewusst erschlossen, zweitens darin, wenn, inwieweit er sie überhaupt wider sie anwende.

Dann fangen sie damit an, ihren Hofastrologen oder sonst einen Kasper zu Rate zu ziehen.

Der macht sie aber nur noch kränker.

Selber schuld.

Bei mir muss man in der Tat auch noch mit dem Magiestrategeme rechnen, wenn man mich ganz konventionell fertigmachen will.

Und wenn ich das hier sage, wird es dadurch erst recht nicht einfacher.

Wir sind erst bei Nummer 55.

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