Vom Herbste und der Kunst des kalten Schmiedens

Es ist mir selten so aufgefallen, wie dieses Jahr.

Von vorgestern auf gestern so viele Blätter auf der Straße.

Zeit, als Motorradfahrer nicht zu hart in die Kurve hineinzubremsen.

Selbst die hübsche Sahra von den Linken sahe ich, schon etwas verkrumpelt, gestern, da, wo in Stuttgart der zauberhafte Westen anfängt, in einer städtischen Blumenrabatte liegen, gar armselig.

Den ESM-Rabatt sozusagen.

Vielleicht gar einen Verfassungslosigkeitsrabatt?

Da mag man doch ein wenig an unseren Till denken, der bergauf ein Liedchen pfeift, im Herbste sozusagen, während er bergab, des Lenzes gewahrend, eher verdrießlich dreinguckt.

Andere, ich kannte einen Studenten, der darauf schwor, er verliebe sich immer im Herbste (ein Oberpfälzer, der dies merkwürdigerweise nicht auf die jahreszeitlich bessere oder schlechtere Qualität des Bieres gründete), treibt die Freude am Aufstiege wohl etwas weniger philosophisch, als sie denken. Er jedenfalls hatte keine Erklärung dafür, weshalb das bei ihm so verlässlich so sei.

An dem sich ein Beispiel zu nehmen rate ich nun aber nicht nur deshalb keinem.

Klar, schenkt einem eine beim Lidl im April ein Lächeln, so mag das wirkungsschwächer sein als in der anbrechenden zweiten Hälfte des Oktobers. Wo die Hormone schon schwächeln, wird das Hirn – auch das, welches dem Bauche – zum Ausgleiche umso eifriger.

Sich gegen die dräuende Schwarzgalligkeit einfach anverlieben. An sich ja keine grunddumme Idee. Lediglich eine saublöde.

Das Pech einfach mit dem Schwefel austreiben. Dem alten Eisen nochmal zeigen, dass es eben doch einst nicht nur zum Herumliegen und wenig Bescheids zu wissen allein geschmiedet ward.

Ja, jetzt wäre von der sich entwickelt habenden Geschichte her wieder einmal die Zeit, etwas von singenden Eisen zu erzählen. Von Eisen, die sich daran erinnern, wer sie schon einmal waren. Die erst werden, was sie immer sein wollten. Die ganze Geschichte vom Schmieden.

Das mit den singenden Eisen begriffe in diesem Zusammenhang aber wohl erst recht noch dreimal kaum einer, der nicht Schmied noch Steinmetz allzumal, also, dass diese Betrachtung von Schwingungsverhältnissen, eingängiger angestellt, vielleicht bis auf einen Vollmond nach der Wintersonnwende vertagt werden muss.

Kalt schmiedet man nunmal am besten bei guter Kälte.

 

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2 Antworten zu “Vom Herbste und der Kunst des kalten Schmiedens”

  1. electrocat7 sagt:

    Die vielen Blätter sind mir am 16. auch aufgefallen. Ich dachte schon, ich habe vorher stressbedingt einfach keinen Blick für sie gehabt… Beruhigend zu wissen, dass das ein Irrtum war. Über die Umschreibung “singende Eisen” könnte ich mich übrigens zu Tode amüsieren… Also ich für mein Teil lasse i. d. R. freiwillig nur noch das -augenscheinlich- Umschriebene an meine Ohren, schon aus ästhetischen Gründen. Und gut für die Bildung ist es auch.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ elektrocat7

    Das mit den Blättern war zweifellos sehr auffällig, denn es hatte keinen Sturm gegeben. Und das mit den “singenden” Eisen gibt es wirklich. Ich beschreibe es, wie gesagt, nochmal näher. Vielleicht schon vor dem ersten Vollmond des neuen Jahres.

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