Leugner als Beruf

Kann man Leugner eigentlich schon als Beruf erlernen?

Kann man vom Leugnen leben?

Die zweite Frage war fast so dumm wie die erste.

Es gibt keine mir bekannten offiziellen Ausbildungsgänge zum Leugner, was nun aber nicht sonderlich verwunderlich.

Und, ja, man kann trotzdem prächtig vom Leugnen leben.

Man muss natürlich, wie in jedem Beruf, ein bisschen aufpassen, was man leugnet.

Selbst als professioneller Leugner darf man nicht so einfach daherleugnen, was man gerade möchte.

Leugnet man das Falsche, so mag das ins Gefängnis führen oder gar zum Tode.

Gibt man aber ein wenig acht, weiß man, was gerade zu leugnen ist, was hingegen nicht, so hat man als guter Leugner ein recht bequemes Auskommen.

Gute Leugner sind nämlich sehr gefragt. In Ministerien, allenthalben. Es ist schließlich nicht so einfach, das zu leugnen, konsequent, was womöglich gar offenkundig.

Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich dazu keine konkreten Beispiele nenne. Ich will nunmal nicht, dass einer wegen meiner losen Reden auf der Straße landet.

Immerhin müssen Leugner ja so einiges ertragen; das gilt selbst dann, wenn sie eine Sache mal zurecht leugnen. Achwas, das macht es oft noch schlimmer. Denn dann verfolgt man sie als Lügner.

Es ist sowieso ziemlich fies, und daran sieht man schon, dass auch dieser Beruf kein reines Honigschlecken, dass Leugner sprachlich so nahe an Lügner liegt. Dadurch, und durch die Dummheit der Menschen insgesamt, werden beide Begriffe so gerne verwechselt.

Das liegt natürlich auch an böswilligen Kollegen, die sich das zunutze machen. Leugnet man eine Sache, die gerade nicht geleugnet werden soll, so ist man als Leugner schnell ein Lügner. Und wer als Leugner den Lügner nicht mehr loswird, der ist bald erledigt.

Am besten natürlich, man kann sowohl gut leugnen als auch gut lügen. Dann stehen zumal die Geheimgesellschaften schnell bei dem also Begabten Schlange. Man muss dann nur noch dahingehend verlässlich sein, was man leugnet und wozu man lügt.

Ich habe für den Beruf leider nicht so recht getaugt. Ich dachte immer, dass ich löge, leugnete ich etwas von mir als wahr Erkanntes. Immer wieder sagte man mir, dass ich die Sache völlig falsch auffasse, und ich begriff es doch nicht so recht.

Immer kam mir dabei dieses verdammte Deutsch in die Quere. In dieser meiner – vermaledeiten! – Muttersprache haben nämlich Leugnen und Lügen zwar eine nicht zu leugnende Verwandtschaft, bedeuten aber doch Grundverschiedenes. Daran scheiterte ich ein ums andere Mal.

Aber gut. Ich will nicht jammern. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hänschen halt nimmermehr.

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11 Antworten zu “Leugner als Beruf”

  1. Anonymus sagt:

    Also, wenn schon…denn schon wäre Leugner genau so wie Lügner kein Lehrberuf, sondern ein Studienfach!

    Dabei geht es weniger um eine bestimmte Technik, als mehr, die Nase in den Wind zu halten und dann das “Richtig Falsche” zu leugnen oder zu lügen.

    Die Sache selber besteht aus einem Paradoxon, einerseits gilt es den eigenen Verstand abzuschalten, um nicht zu wissen, dass man nun Falsches von sich gibt, andererseits muss der eigene Verstand voll benutzt werden um scharfsinnige Argumente für das Falsche zu finden.

    Irgendwo habe ich mal einen Kommentar zu Karl-Eduard von Schnitzler (liebevoll-respektlos als Suddel-Ede berühmt geworden) gelesen, seine Propaganda MÜSSE so dämlich sein, damit sicher gestellt ist, dass auch der Dümmste Sie noch als reine Lügen erkennen kann und nur wer dann trotzdem darauf beharrt, das sei die Wahrheit und richtig so, ist wirklich ein linientreuer, zuverlässiger Genosse!

    Menschen, die dieses zweifelhafte Spiel relativ gut beherrschen findet man unter Juristen und den Offizieren der ehemaligen NVA. Beide Gruppen machen deshalb relativ leicht Karriere in Grosskonzernen und der Politik mit den entsprechenden katastrophalen wirtschaftlichen Ergebnissen….

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Das dachte ich mir schon, als ich dies schrieb – ehrlich! – , dass Du das noch auf ein Studienfach rausreiten (oder reinreiten) werdest.
    Deshalb gleich gelacht. Danke!

  3. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    Du bist in meinem Leben nicht der Erste, der meine Reaktionen richtig voraussieht und meine “Entscheidungen nachvollziehbar” findet. Geniert mich überhaupt gar nicht, ist mir lieber als unberechenbar und launig zu gelten. Wer mich deshalb als einfach gestrickten Simpel ansieht kann das gerne machen….

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Ich finde erfrischend, was Du bringst. Muss auch wieder mal mehr Lustiges machen. Man wird ja noch selber blöd, wenn man sich dauerndzu, egal wie wohlmeinend und rührend, nur um Rufmörderstifte kümmert, die höchstens im zweiten Lehrjahr. Das Thema Studium, Magister und Doktor des Baggerfahr- oder Stubenreinigungshandwerks bietet sich dafür geradezu an.

  5. Jochen sagt:

    Es geht um die obere am Ende eines jeden Artikels gesetzte Einladung (oder die Forderung ?): Eine Antwort (zu) hinterlassen”.

    Eigentlich kenne ich niemanden, der wenn er ging, je eine wirkliche Antwort hinterlassen hätte.

    ‘Der zweite Satz meines Kommentars’ – Er wurde von mir gestrichen – Das war jetzt nur der Ersatz!
    Jesus ging und noch heute zerbrechen sich sehr viele Leute darüber ihre Köpfe, was er denn nun mit dem was er sagte wirklich gemeint hat. Viele erwarten sich Antwort von ihm, wenn er wiederkommt. Ob er wiederkommt, das ist DIE Frage (unter Gläubigen), aber keine Antwort.
    Sein Vater soll die Erde und alles und uns Menschen geschaffen haben. Davon soll auch Jesus Kunde gegeben haben. Doch die Frage nach dem WARUM bleibt bis heute offen. Also hat auch Eure Herrlichkeit keine wahre Antwort hinterlassen.
    Die Wissenschaft geht, was unsere Existenz und die aller Dinge angeht, vom Urknall aus. Diese Leute versuchen der Welt Antworten in Form von abstrakten Denkmodellen zu hinterlassen, die sie mit möglichst verifizierbaren Experimenten und Berechnungen zu untermauern versuchen. Trotzdem sind bisher alle ihre Versuche gescheitert, der Existenz der Dinge aus dem Nichts einen Sinn zu geben.
    Papst Benedikt, der II. Größenwahnsinnige, einer der letzten neuzeitlichen Pharaonen, ging, eine wirkliche Antwort dazu bekam die Welt nicht.
    Die Antworten, die vermeintlich als solche hinterlassen werden, sind nichts weiter als Geplapper, meine eingeschlossen. Auch mit Artikeln hinterläßt man keine wahren Antworten, geschweige denn DIE Antwort. Denn sonst würde ja kein Artikel darauf ausgerichtet werden, vom Leser zu verlangen, eine Antwort zu hinterlassen. Unkommentierbare Artikel, wo der Kommantarbereich von vornherein geschlossen worden ist, verlangen von sich selbst Antwort. Mit jedem weiteren Artikel wird dann aber nur versucht, sich selbst eine Antwort auf die Fragen zu geben, die man selbst mit dem letzten Artikel hinterlassen hat. Das kann ja nur in die Irre führen.
    Gut, man hat mal eben Lust und Zeit eine Antwort zu hinterlassen. Man hat etwas gesagt, das stimmt, aber bringt uns das auch nur um einen winzigen Deut weiter in der Richtung, daß wir DER Antwort auf Alles auch nur um ein Fitzelchen näher gekommen wären?
    Von Jesus heißt es, er wäre der Weg, die Wahrheit und das Leben (gewesen). Auch sein Leben barg den Tod in sich, ihm zu folgen führt ins Nichts oder gleich in den Wahnsinn; und wenn jemand sagt, er wäre DIE Wahrheit, warum hat schon Pontius Pilatus diese Wahrheit nicht als solche erkannt? Kann man DIE Wahrheit ans Holz heften, sie in Bücher oder auch nur in ein einzelnes Buch aufschreiben? Die einzige Wahrheit ist, daß der Welt noch niemand je eine wirkliche Antwort hinterlassen hat.
    Es gibt Leute, für die ist Geld die Antwort auf alles. Tja, und danach sieht unsere Welt derzeit ja auch aus.
    Die Reichen hinterlassen ihren Nachkommen ihr Geld, was sie den Armen während ihres Lebens weggenommen haben. Zeit ihres Lebens versuchen die Armen eine Antwort darauf zu finden, wie dieser Prozeß zu stoppen ist. Trotz aller bisherigen Revolutionen und anderer Versuche läßt die Antwort doch auf sich warten. Denn für die Armen hat Jesus die Antwort darauf mitgenommen (sofern er sie denn selbst überhaupt gewußt hat, was fraglich ist) und deren ganzer Reichtum, ist sein Versprechen eines Tages wieder zu kommen. Ne wirklich, eine Antwort zu hinterlassen kommt dem Versprechen gefährlich nahe, die Erlösung zu bringen. Wer also demnächst noch irgendwo eine Antwort hinterläßt, der sollte wissen, was er damit anrichten kann. Wer nicht nur eine, sondern der Welt DIE Antwort hinterläßt, der kann nur der Erlöser sein. D.h. also, wo nicht DIE Antwort gegeben wird, von da kann auch keine Erlösung kommen. Warum also eine Antwort hinterlassen, wenn sie doch nicht dazu fähig ist, die Erlösung zu bringen? Ja, warum schrieb ich das jetzt alles überhaupt – ZEITVERGEUDUNG!
    Das Leben ist voller Fragen.
    Jesus kann nicht der Erlöser gewesen sein, denn sonst hätte er sich den Beinamen geben müssen: Ich bin der Weg, die Wahrheit und die Antwort.
    Es gibt nur EINE Antwort auf alles, die Frage ist, wer sie der Welt hinterlassen wird. Bis dahin sollte sich der Rest besser in Schweigen hüllen, ja besser gar darin versinken. Total! So bin ich denn nun auch ganz still. Und ihr hier besser auch.

  6. Dude sagt:

    @Jochen

    DIE Antwort ist leicht.

    Der Untergang.

    Während der Aufgang bereits in den Startlöchern steht, damit der Irrsinn von vorne losgehen kann.

    Lustig, ne?

  7. Anonymus sagt:

    @ Jochen

    Was von dem, was wir angeblich/tatsächlich über Jesus wissen ist authentisch, was nachträglich von den sogenannten “grossen” Kirchenlehrern frei dazu gedichtet?

    Mir selber stellt sich dieser Jesus ziemlich einfach dar. Ein jüdischer Zimmermann, der, wie man heute sagen würde, in seinem vierten Lebensjahrzehnt einen Rappel kriegt und sein Judentum, seinen jüdischen Glauben für die Allgemeinheit öffnet. Das geht ein paar Jahre gut, dann kreuzigen die Römer Ihn als Aufrührer Punkt. Alles Andere ist mehr als vage…

    Nur zu diesem Zeitpunkt war die jüdische Glaubenslehre schon rund 3000 Jahre alt, von zig Generationen hatten die Intelligentesten darüber nachgedacht und so nach und nach diese Religion geschaffen, das war das geschlossenste, logischste Gedankengebäude an Religion zu dieser Zeit. Alle und alles Andere weit hinter sich lassend.

    Deshalb und durch ein paar Zufälle begünstigt (z.B. Sonnenfinsternis am Hinrichtungstag des Religionsstifteres) hat dieser reformierte jüdische Glaube so weite Verbreitung gefunden.

    Mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen des 19. und 20 Jahrhunderts ist nun die Erkenntnis gewachsen, ganz so wörtlich wie es in der Bibel steht kann es nicht sein. Aber das steht ja schon in der Präabel der Bibel, wenn wir an der Erkenntnis naschen, werden wir aus dem Paradies (des Glaubens) vertrieben. Genau so ist es gekommen.

    Ist vielen Menschen zu hoch, zu kompliziert, zu wenig tröstlich…..

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Jochen

    Besser still sein hier? Ich etwa auch? Dass ich mich daran gewöhne, kann ich nicht versprechen.

  9. Anonymus sagt:

    @ Magnus

    vollkommen orthogonal zu dem Disput mit Jochen hier noch eine Story von mir (vollkommen unpolitisch, vollkommen Un-weltanschaulich, vollkommen Un-religiös): Stichwort : Barnards Pfeilstern!

    Worum geht es ? Hier der Auszug aus WIkipedia:

    Im Jahre 1938 begann man am Sproul-Observatorium eine Serie von Photoplatten des Sterns zu erstellen, um seine Parallaxe und säkulare Beschleunigung genauer zu messen sowie nach potenziellen Begleitern des Sterns zu suchen. Von 1963 an akzeptierte eine große Zahl von Astronomen für viele Jahre die Behauptung von Peter van de Kamp, dass er eine Störung in der Eigenbewegung des Pfeilsterns entdeckt habe, aus der Folge, dass der Stern von einem oder zwei Planeten mit einer dem Jupiter vergleichbaren Masse umkreist werde.

    G. Gatewood konnte den oder die Planeten bei Messungen am Allegheny Observatory (bis 1973) jedoch nicht nachweisen. Trotzdem hielt sich die Theorie von Planeten um Barnards Pfeilstern noch bis in die 1980er Jahre, bis van de Kamps Behauptung allgemein als fehlerhaft angesehen wurde. Der Grund für die Fehlerhaftigkeit der Ergebnisse van de Kamps waren zunächst unerkannte Fehler am benutzten Messinstrument.

    Was WIKIPEDIA nicht schreibt ist, das es nie gelang, die Zick-Zack-Bewegung des Sterns nachzuweisen als Beweis für das Vorhandensein eines Planeten. Ein Doctorand hat als Letztes das Sproul-Observatorium aufgesucht und die original Photoplatten untersucht, die der “Entdeckung” zugrunde lagen. Es stellte sich heraus, dass die angebliche/tatsächliche Bewegung knapp 1/1000 mm war, also das Auflösungsvermögen, welches beste Mikroskope im sichtbaren Licht erreichen. Ich habe das mal mündlich in einem astronomischen Vortrag gehört. Der “Entdecker” hat ein angenehmes Leben davon gehabt und ist den Rest seines Lebens um die Welt gereist und hat hochdotierte Vorträge zum Thema gehalten….

    Nun ist das beileibe kein Einzelfall… ich habe Physik studiert und dazu gehören Praktika. Die Praktikumsaufgaben waren bei meinem Studium zum alles überwiegenden Teil das Nachmessen irgend eines Experimentes, welches einer Diplomarbeit zu Grunde lag. Nun bin ich ein Nestbeschmutzer, mehr als die Hälfte dieser Diplomarbeiten/Praktikumsaufgaben waren schlicht “getürkt” bzw. Nonsens! (wie gut, dass ich anonym bleiben kann). Ein Versuch davon stammte von dem Professor, wo ich letztlich meine eigene Abschlussarbeit gemacht habe. Ich habe mich dann mal vorsichtig erkundigt, was man aus dem Versuch gemacht habe, den ich verrissen hatte…Antwort des Dienstältesten Doctoranten: Das weisst Du doch, der ist gestrichen!

    Meine eigene Diplomarbeit (die im Übrigen von dem Institut verlegt und veröffentlicht wurde) darf jeder einsehen, nichts Nobelpreisverdächtiges, aber auch nichts, wofür ich mich schämen müsste, hält jeder Prüfung und Begutachtung auf Fälschungen und Plagiate stand, nur das habe ich damals schon gesagt, dass das mein Ziel ist, etwas abzugeben, was mich nie in Verlegenheit bringen wird….

  10. Tutti Frutti sagt:

    Der Oberleugner:

    “JAMES BOND AND ALEISTER CROWLEY

    Approximately four hundred years later, Ian Fleming, future author of James Bond (007) who was in the employee of British Intelligence at the time, and Aleister Crowley were summoned by Winston Churchill to formulate a magickal strategy against Hitler and Germany. According to a March 4, 2008 article in the British newspaper, “The Telegraph”, Crowley decided to construct an occult ceremonial ritual in the Ashdown forests. This necessitated clearing a circle along with a path of trees leading to the circle. Ritual ceremonies were conducted designed to lure Rudolph Hess to England by leaking word of these ceremonies to the Romanian Embassy, and thence to Germany.

    The purpose of these ceremonies were designed to convince Hess that there was a genuine Peace Party in Britain, led by the Duke of Hamilton, reputed leader of the Cliveden Set, a loose assemblage of upper class nobility supposedly sympathetic to an alliance between England and Germany. It was into this strange milieu that Hess launched his solo peace mission. The result of this subterfuge was that England was able to flush out her Nazi sympathizers and neutralize them, while parading a captured Hess, the Number Two man of the Nazi Machine, as a military captive. According to the article: “The propitiousness of the 11th of May as a day for Hess to travel was carefully rehearsed into the rituals and Crowley made a genuine attempt to use them to ensnare their quarry by magic.”

    Apparently, the was not the first time that Aleister Crowley had been asked to contribute his unique talents to the English war effort. According to author Gerald Suster, in his book, “The Legacy of the Beast”, Crowley was invited to meet the director of British Naval Intelligence at the very beginning of WWII. Suster states: “Crowley claimed that he advocated the use of two magickal signs which were to boost British morale and which were frequently used by Winston Churchill: the ‘V’ sign, which in magickal terms is the counter to the Swastika, and the ‘Thumbs Up’, the sign of the phallus and Victory, which was published in a pamphlet of Crowley poetry during the most desperate days of 1940 and whose use spread throughout the Nation.”

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tutti Frutti

    Crowley war eine ganze Menge. Er war aber auch ein Großmaul. Er hat nie das Format eines Nietzsche oder eines Konfuzius erreicht. Auch wenn er in der Lage zu sehr scharfen Beobachtungen war.
    Ich gehe davon aus, dass er sogar – intelligent war er zweifellos – genau wusste, wem er nicht das Wasser reichen konnte. Also inszenierte er sich umso eifriger, mit einigem Witz und Geschick.
    Letztlich blieb er aber immer, Kabbalah hin, Kabbalah her, auch was die Erklärungen zum “Book of The Law” anlangt, den Rest der “gechannelten” Schriften, doch nur an der Oberfläche. Verbreitete ein Sammelsurium an bereits vorhandenen Lehren, geschickt, ja, aber doch alten Wein in neuen Schläuchen.
    “Die haben noch nicht einmal ihren Crowley verdaut” (die Engländer meinend), sagte mir mal einer, der sich gut mit der Materie auskannte. Ein “Magier”.
    Nein, ich will ihn nicht kleinreden. Eine bedeutende Figur des 20. Jahrhunderts, keine Frage. Ein echter, großer Philosoph war er aber nicht. Viel zu gefangen, befangen.
    In “Little Essays toward Truth” blitzt einiges auf; durch die systematische Anbindung jedoch kann auch diese kleine, lesenswerte Schrift nicht leisten, was bei Nietzsche schon in der Geburt der Tragödie zu finden.
    Ob er nun Rudolf Hess zu verhexen in der Lage war?
    Ich weiß es nicht.
    Die ganzen “Class-A”-Texte (also jene, von denen er selbst meinte, dass sie nicht von ihm stammten, ihm durchgegeben worden seien), für die interessiert sich kaum eine Sau mehr; ich auch kaum noch; poetologisch sind sie spannend, aber auch nicht auf ewig. Da hat sich am Ende wohl eine diskarnierte Wesenheit mit der Menschheit verkalkuliert.
    Die meisten Leute kennen seinen Namen nicht einmal. Und wenn, dann wissen sie nicht, was er alles gemacht hat.
    Dabei hat er so viel Radau gemacht, dass dies anders sein sollte.
    Ja, robusten jungen Männern empföhle ich durchaus, sich damit einmal zu befassen. Harte Übung schadet nicht.
    Unterm Strich hat er, bei allem Können, bei allem Humor, ziemlich viel Übles in der Welt und in die Welt perpetuiert.
    Eigentlich log er immer.

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