Man zensiert streng sachdienlich

Zensur scheint nun auch privat, auf Blogs, groß in Mode zu kommen.

Jetzt hörte ich mehrfach davon, dass das auch auf einem gefeierten “libertären” Blog der Fall.

Lustig ist, wie die Zensierenden sich zu tarnen trachten. (Wenn, wohlgemerkt, kein Rechtsverstoß vorliegt, niemand beleidigt wurde oder ähnliches.)

Man habe einfach keine Lust, sich jeden Müll reinzuziehen. Meinungsfreiheit sei gerne überall, aber nicht im eigenen Wohnzimmer. Dumme Arschlöcher (so sagt man’s natürlich nicht direkt) könnten einem nunmal gestohlen bleiben. Man habe hier das Hausrecht, müsse sich also vor niemandem rechtfertigen.

Na klar hat man das Hausrecht.

Klar, man kann nur die Kritik zulassen, die einem noch irgendwie nützlich erscheint.

Klar kann man alle seine Leser für entweder Gefolgsleute oder Idioten halten.

Klar kann man einen Zustand herbeiführen, da man nur noch im eigenen Sude kocht, sich selbst mit anderen zusammen beweihräuchert.

Klar ist aber auch, dass das irgendwann bemerkt wird.

Selbst Leute, die einem inhaltlich nahestehen, werden damit anfangen, gar keinen Einlass mehr in das Hohe Haus zu begehren.

Zunächst werden sie es nur Freunden sagen, was da läuft, später werden sie es öffentlich tun.

Das kann man dann natürlich weiterhin ignorieren. Was liegt an diesen dummen Arschlöchern.

Solange man über eine solide Masse an davon unbeirrt Gläubigen verfügt, macht das scheinbar nichts. Jedenfalls kurzfristig.

Daran, dass man so ein wichtiges Korrektiv verliert, muss man ja nicht denken. Wer die alleinseligmachende Wahrheit gepachtet hat, braucht schließlich kein Korrektiv.

Man könnte nun gleich über die Seite schreiben: “Dumme Kritik schalte ich frei, denn die mag ich. Intelligente, fundierte Kritik ist unerwünscht, denn die ist nicht sachdienlich.”

Aber so ehrlich wird man dann wohl weder gegenüber seinen Lesern noch sich selber sein.

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Eine Antwort zu “Man zensiert streng sachdienlich”

  1. Anonymus sagt:

    In irgend einem Block habe ich einen Ägypter gelesen in ganz leidlichem Deutsch, der sein Gefühl äusserte, bei uns bräuchte es keine Pressezensur, da die veröffentlichte Meinung sowieso nur Mainstream sei. Einen substanziellen Unterschied zwischen den Zeitungsartikeln unter Pressezensur in Ägypten und ohne Pressezensur in Deutschlnad sei für Ihn nicht zu erkennen…

    Ansonsten ist die Zensur bei SPON und Focus etc. vollkommen erratisch, ein und der selbe Post auf Text dem eigenen Computer abgespeichert kommt irgendwann nach 5 bis 36 Stunden dann doch durch, die reine Willkür und Launenhaftigkeit der Zensoren. Das Ganze erinnert mehr an ein Losverfahren denn an Zensur.

    Ansonsten, wenn man die Blogs mit dem Thema AfD vor der Bundestagswahl ansah, musste man zu dem Schluss kommen, dass die AfD wohl über 50% erhalten würde. Weit gefehlt, die Blogger dort sind absolut NICHT repräsentativ. Das lag aber wohl nicht an der Zensur, denn die veröffentlichte Meinung in den Käseblättchen versuchte die AfD zu ignorieren, tot zu schweigen und klein zu schreiben.

    In diesen Bloggs ist man mit Mehrheit auch der Meinung, dass Syriens Assad kein Lupenreiner Demokrat ist, aber von den Syrern mit Mehrheit gewünscht und der Krieg in Syrien eine US-Amerikanisch finanzierte und gesteuerte Aggression mit Al-Quaida & Co ist. Aber ob die Mehrheit unserer Bevölkerung das auch so sieht, halte ich nach dem (relativen) Desaster der AfD für mehr als fraglich.

    Wie schon der nachmalige Reichsminister für Propaganda und Volksaufklärung, ein gewisser Dr. Josef Goebbels feststellte, man muss eine Lüge nur oft genug wiederholen, irgendwann wird sie geglaubt.

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