Halbkaiserwetter am Nichtwahlsonntag: ein Zeichen?

Was für ein Sonnenscheinmacher war da am Werke?

Wie viele UFOs brauchte der?

Waren es Schiffe von Reptilischen oder von Reichsdeutschen oder von Mantiden?

Spottet der unser, oder ist das eine Belohnung?

Eine Belohnung für wen und für was?

Sollten wir lediglich begreifen, dass es die Sonne nicht kratzt, wenn unter ihr ein Trauerspiel veranstaltet wird?

In all den Schleierwolken, die uns Sols Licht zu verschatten trachteten, sahe ich magische Zeichen und Weltformeln, alles war kosmischer Code.

Ogott. Ojessas. Da schwoben Timur Lenk und Nebukadnezar in einem Nachen, versuchten mir mit verzweifelten Ruderbewegungen und unter Zurufversuchen, die vom Äther in einem pulsenden Sirren verschluckt, näherzukommen, was ihnen aber offenkundig jener gestrenge giftgrüne Engel verwehrte, das kleine Gefährt schaukelnd, unter Gelächter, alswie’s ihm beliebte.

Doch, Schemhamphorasch und Heilandsack aber auch!

Eine unsichtbare Stimme erhob sich – sie klang ein wenig nach Kastrat, aber das können die atmosphärischen Verhältnisse oder Interferenzen durch die vielen Tachyonenantriebe gewesen sein – und schnitt durch das ganze Getümmel, da oben, das ja noch erst in Ansätzen beschrieben: “Magnus, wir sind alle nur Projektionen deiner Seele auf das Innere deines Schädels! Glaube nicht, was du siehst und hörst.”

“Pah”, antwortete ich, “das kann ja jeder sagen. Scharlatane wie dich kenne ich gleich raus. Mag aber auch sein, dass du vor allem neidisch bist, mir diese ganze höhere Schau nicht gönnst. Spaßverderber gibt es immer ein paar. Das wird bei euch nicht anders sein.”

Es folgte nur noch ein erst lautes, dann schnell verlöschendes Zischen als Antwort.

Derweil erscholl etwa von Nordnordost her ein mächtiges Getöse und Gebrüll: Gewaltige Ritter auf siebenbeinigen Rossen prallten widereinander, Schwerter, Hellebarden, Morgensterne, Steitäxte, ja selbst Riesenhämmer aus Titanit fuhren zu wildesten Streichen, mancher wankte auch mal nach höllischem Hiebe, doch, sapperlot, diese Jungs vertrugen wirklich eine Menge, so dass keiner fiel.

Woher diese Kampfeskraft rühren mochte? Oh, siehe da, etwas schemenhaft im Hintergrunde reckte sich eine Tribüne, woselbst die – na, nennen wir sie mal Damen – sich in ihren Logen amüsierten, wohl dessen wartend, was von den tapferen Degen für sie übrigbliebe. An Gemmen, Diademen und golddurchwirkten Kleidern fehlte es ihnen immerhin jetzt schon nicht.

‘Heilandsbimbam!’, dachte ich bei mir, ‘die hauen sich doch tatsächlich wegen ein paar Edelnutten auf die Rübe, dass der Saft rausläuft, was machen diese Idioten, wenn einer das Schießgewehr erfindet?’

Dem brodelnden Getümmel und Getreibs und Gewürm aber, das nun auf einmal im Nordwesten ertobte, wichen auch schon jene geistig Minderbemittelten: In einem Rausche, der Himmel und Hölle eins werden ließ, brauste und stob und barst und zerhob, gischtete und külchte und schlang und platzte es in allen Farben und Formen und Tönen und jetzt selbst Gerüchen.

Zum Glück war es nur der Nordwesten. Also vielleicht noch nicht die ganze Apokalypse. Es erschien angezeigt, mal gen Süden zu blicken.

Da saß er. Verdammt nochmal, Südosten, da saß er. Er sah aus wie ein echter Pharao, Stab, Thron, den ganzen Hofstaat mit Beamten und masse Gesinde drumrum.

‘Jetzt kommt der Freimaurer’, schoss es mir durch den Kopf, indem der Gottkönig sich dazu herabließ, Deutsch mit mir zu sprechen.

“Herr Göller” (der Kerl siezte mich tatsächlich und nannte mich Herr!), “wer hat Ihnen erlaubt, gen Südosten zu blicken?”

Ich hatte mir ja gleich gedacht, dass er mich wohl kaum aus Respekt siezen werde, versetzte also: “Wenn der Herr sich namentlich vorstellen möchten, vorstellen lassen möchten, mein Name scheint ihm ja schon bekannt, so will ich ihm seine Frage gerne beantworten.”

Eine Stichflamme – ja, ich schwöre, nur eine kleine Stichflamme! – , und der Fake-Pharaoh war samt Hof, Beamten und Gesinde verschwunden.

‘Hoppla, das ist ja lustig hier, etwas Redegeschick, etwas Frechheit, etwas Grundkenntnisse in praktischer Magie, und man kann in dieser Schädlkastlvision, wie jener Flachkopf diesen geistigen Allraum herabbenennen zu wollen sich nicht entblödete, mit all diesen wundersamen Gesichten und Gestalten, eine äußerst vergnügliche Abenteuerfahrt unternehmen.’

Ich sah mich erneut um, und ich gewahrte nur noch den Stuttgarter Himmel. Ganz normale Schleierwolken und Chemtrails. Kaum hat man die Magie begriffen, so ist sie auch schon weg.

So einen Spaß tue ich mir trotzdem ganz sicher mal wieder an.

 

 

 

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2 Antworten zu “Halbkaiserwetter am Nichtwahlsonntag: ein Zeichen?”

  1. Dude sagt:

    In Zürich herrschte heute Chemtrails-Geschlirrge mit haufenweise unnatürlichen Regenbögen… vom Lichte des Sonnengottes drang also nicht allzu viel – zumindest nicht annähernd so viel wie natürlicherweise vorgehesen – zur Erdoberfläche vor… aber man gewöhnt sich dran, wenn man das dauernde Geschlirrge am Himmel schon seit Jahren vielen Jahren immer wieder mit eigenen Augen beobachtet…

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