“Nichtwähler sind Arschlöcher!”

Schamlos, intellektuell, politikverachtend, jung, arm, träge, frustriert, arrogant, prominent, ungebildet, kranke Witzfiguren: So schaden wir gefährlichen Nichtwähler, ist zu lesen und zu sehen, der armen Demokratie. Die wir, warnt der Pfaffe dazu, ja schon einmal verspielt hätten.

Nein, ich werde mir keinen Spiegel kaufen, um dessen dieswöchige Titelgeschichte wider die bösen, dummen, unerträglichen Nichtwähler zu lesen. Neues wird da nicht drinstehen. (Sollte ein Leser doch etwas finden, auch und zumal Erheiterndes, so freue ich mich auf einen entsprechenden Hinweis.)

Mit Vergnügen sehe ich, wie das Establishment das Fracksausen gekriegt hat.

Wir sind also alle ungezogene, verwirrte, dabei gefährliche Dumpfbacken und Hackfressen, ein übles Gesindel schleicht da in Massen durch die Republik, und bei manchem, der nicht gleich wie eine Dumpfbacke oder Hackfresse aussieht, kommt einem der Verdacht, das könne auch so ein getarnter Nichtwähler sein.

Immerhin: Wer seinen Wahlschein gar nicht einlöst, könnte schonmal vorsorglich registriert werden.

Ob der ganze Zinnober etwas bringen wird, nach dem Motto, es wollen ja doch viele, selbst heimlich, nicht als Teil jenes immer erschröcklicheren Bodensatzes der Gesellschaft dastehen, werden also jetzt doch irgendwas wählen, egal was?

Nur in diese Richtung kann die Kampagne ja vernünftigerweise abzielen.

“Nichtwähler sind Arschlöcher!”

So hätte ich getitelt.

Immerhin hat man es ja mit viel Subprekariat zu tun, das sich so womöglich veranlasst sieht, sich mit den missratenen Figuren auf dem Spiegel-Titel zu solidarisieren, identifizieren, gar nicht so recht mitbekommt, dass die Gestalten, die da prangen, die Dummen und die Bösen sein sollen.

Träge, frustriert, arrogant. Ein schon selten gewordenes altes deutsches Wort und zwei Fremdwörter: Es scheint also doch etwas Elitäres an diesen Nichtwählern zu sein, vielleicht sind ja das die echten Checker.

Ja: So sehen Checker aus!

Danke, Spiegel!

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