Beiholz, Kernstämme, Durchbrennäste

Ich war grade daran, einen Beitrag über Jürgen Trittin, die Grünen, die Nato, Kinderschänder und legalisierte Geschlechtsteilverstümmelung und noch mehr Kulturbereicherung im freiesten Deutschland aller Zeiten zu schreiben: da hatte ich plötzlich einfach keinen Bock mehr.

Eine Art Gelassenheit überfiel mich.

Lieber davon schreiben, wie man, in tiefer, befreiter Anschauung und Übung, noch in dem zu erweiterter Meisterschaft gelangt, was man schon wie im Schlafe zu beherrschen wähnte.

In meinen diesjährigen Nächten als sommerlicher Solitär an fernem Meere lernte ich bei verschiedensten Wind- und Holzverhältnissen tatsächlich, beim Weine, in der Brise, literarischen Phantasien derweil hold, noch in der Lagerfeuerkunde hinzu, in welcher ich mich schon lange als höchstgewitzigt ansah, aber erst jetzt bemerkte, wie manchmal noch meine Ungeduld dem besten Ergebnis im Wege gestanden war.

Unter freiem Himmel einen je bestmöglichen Abbrand zu erzielen, zum Kochen, zum Dauerfeuer, bis hin zur letzten Fußwärmung an ausglühenden Kohlen, ja, daran lernte ich noch etwas.

Der Mensch wird mit der Beherrschung des Feuers erstdefiniert. Das mag passen. Die erste Kunst. Kenaz, runisch.

Ein Feuer selbst bei starkem Wind und schwierigem, begrenzt verfügbarem Holze die Nacht hindurch klein und gleichmäßig am Brennen halten: Man wird, späterhin, nur alle paar Minuten einen kleinen Handgriff tun, im Geiste dabei aber immer auch genau beim Stande der Glut und Flamme, des noch verfügbaren Holzes, der sich verändernden Windrichtung, mit der Wärme, mit dem Lichte, in einem sein.

Dass das hierzulande derzeit keiner mehr haushaltsmäßig braucht, ist mir völlig egal. Ich sehe die Gesichter drumrum, wenn ein Feuer richtig in Lohe, auf einen sauberen Abbrand hin betreut wird. Sehr versonnen werden da viele Gesichter, und sie sind der Harmonie in der sich in sich verzehrenden Dynamis froh.

Ja, wenn andere dabei waren, da vermochte ich denen auch noch Freude zu bereiten, allein, indem das Feuerchen genau so lustig brannte, alswie es richtig und gefiel.

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Eine Antwort zu “Beiholz, Kernstämme, Durchbrennäste”

  1. Dude sagt:

    “da hatte ich plötzlich einfach keinen Bock mehr.”

    Kommt mir bekannt vor:

    Anlässlich von Hinweisen sehe ich mich leider gezwungen, hier erneut zur kommenden Abstimmungsvorlage zu berichten, unabhängig davon, dass ich (und da geht es wohl nicht nur mir so) von diesem kräftezehrenden Abstimmungskampf langsam aber sicher den Kanal gestrichen voll habe.
    [...]

    https://dudeweblog.wordpress.com/2013/09/18/nein-zum-uberarbeiteten-epidemiegesetz/

    ;-)

    Und was die lichtgleissende Glanzglut des Feuers angeht, empfehle ich mein Bild des Monats (Selbst eingeheizt, und das Bild selber geschossen). Aber solch schöne Feuerchen sind von einem Feuermeister auch zu erwarten… :-)

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