Vom neuen – weiblichen – Esoteren (II)

Das Telefon steht seit gestern nicht mehr still.

Ich soll den neuen Eso-Apps Namen geben, verkaufsfördernde Slogans dazu raushauen, gnadenlos.

Besonders gefragt ist, man wundert sich nur auf den ersten Blick, die “Yoni-App”, die die Kanzlerin höchstselbst inspiriert hat.

Ich musste zwar selbst manchen Nichtinder darüber aufklären, dass die magische Symbolik der “Yoni-App” einerseits durchaus als eine freimaurerische angesehen werden kann, andererseits eine runische.

Und, nein, es ist wohl eher nicht die Odalsrune, auch als AIDS-Schleife missbraucht, sowie zum Soldatenkeulen (die Odalsrune ist übrigens in politischen Zusammenhängen fallweise ein “verfassungsfeindliches” Symbol, lediglich als Rangabzeichen vom Hauptfeldwebel bis zum Oberstabsfeldwebel nicht), sondern, wenn schon, die Laien noch weniger bekannte Ing-Rune, eine auf der Spitze stehende Raute.

Sie steht, profan verkürzt, für Konzentration. Eine Interpretation dieser Rune als Yoni ist mir nicht bekannt. Egal. Immerhin Kanzlerin und Konzentration.

Den meisten Kunden habe ich aber davon gar nichts erzählt. Die müssen ebensowenig wie ihre Kundinnen wissen, was sie verkaufen bzw. kaufen. Beide werden es auch kaum wissen wollen.

Manche kennen es aber leider auch als Lesbenzeichen – man gebe den Begriff nur mal in die Suchmaschine und schaue sich die Handbilder an – , weshalb ich riet, lieber zur Wunjo-Rune zu greifen. Diese wurde meines Wissens noch nie als speziell rechtsradikal qualifiziert, ist als WWW (Geheimcode: Wonne, Weib, Weltherrschaft) überall unauffällig zu verstecken und zur Macht zu bringen.

So wird jedes Eintauchen ins Worldwide Web zur magischen Handlung. Außerdem ist WWW MMM, also Männer mit Mut, auf dem Kopfe. Damit wird die Wirkung potenziert.

Aber, wie gesagt, von solchen Détails für Fachleute wollen die App-Entwickler meist gar nicht viel wissen. Ich habe selten Leute getroffen, denen es so schnurzegal war, was sie verkaufen. “As long as ‘e bitches bite, I ain’t givin’ a damned chicken’s shit why!”, fasste ein US-Kunde die branchenbeherrschende Haltung bündig zusammen.

Mit solch unkomplizierten Leuten kann man natürlich gute Geschäfte machen. Sie interessieren sich nicht die Bohne für ihr Produkt, kümmern sich nur um dessen Vermarktung. Keiner dieser Eso-Amateure labert viel dazwischen.

Endlich mal ein Markt, der so funktioniert, wie ein anständiger Markt das sollte.

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