USA & Cie: Décadents unter sich

Ob wir in der Weltpolitik bereits mit einem Paradigmenwechsel zu tun haben, indem den USA möglicherweise eine zurückhaltendere Gangart mehr oder weniger durch verschiedene Kontrollverluste sowie ihre Gegner angezwungen?

Die Verluste im Kampf um die öffentliche Meinung sind jedenfalls erheblich, um nicht zu sagen katastrophal.

Jeder weiß inzwischen, selbst der es anlässlich Libyens immer noch nicht wissen wollte, dass die USA über die türkische und die Saudi-Qatar-Connection und auch unmittelbar mit radikalmoslemischen Terroristen kooperieren, diese ausbilden, ihnen Rückzugsräume bieten, Waffen, Logistik, was sie brauchen. Übelste Schlächter und Banditen, die demonstrativen Spaß am Massakrieren von wem auch immer haben, in Richtung Gottesstaat.

Man stelle sich nur vor, die verfolgten und gemeuchelten Christen (Alawiten und andere) wären Juden. Da stiege längst der Teufel selbst aus der Hölle.

Dass es den Amerikanern – und Franzosen, die Brits sind keineswegs ganz raus – nicht darum geht, Syrien zu befreien, hat inzwischen selbst manch mittlerer Flachkopf begriffen.

“Das großartigste Militär der Welt aller Zeiten”, wie es jetzt wieder aus Präsidentenmunde hieß, findet zwar noch genügend Banditen und Schlächter als Mitmilizionäre, aber immer weniger wirkliche Verbündete, als propagandistisches Feigenblatt wie ernsthaft im Felde.

Selbst wenn es gelänge, alle alten (und ganz neuen) Verbündeten noch einmal zusammenzutrommeln, brächten die doch kaum allzuschnell mehr als 50 000 bis 100 000 Bodentruppen da hin, wo sie gebraucht sein könnten. Das ist nicht viel. Eine Zwergenarmee. Schon im Alten China kämften kleinere Reiche mit solchen Truppenstärken gegeneinander.

In Afghanistan bot man zeitweise offiziell insgesamt 150 000 Mann auf, dazu kamen aber jede Menge “Private” und örtlich bezahlte Kräfte, man war wohl auch ohne diese zeitweise bei 200 000 bis 250 000 Mann. Nur in Afghanistan. Und jetzt zieht man nach über zehn Jahren als Verlierer ab.

Will heißen: Schon die Kriege in Afghanistan und dem Irak haben das US-Landheer, das ja nur wenige jederzeit einsatzfähige 100 000 Soldaten umfasst, schwer in Anspruch genommen. Selbst die Wirtschaftskrise ist nicht geeignet, immer mehr immer bessere Bewerber aufzutreiben, man muss längst jedes Gesindel aus den Knästen holen oder Illegalen die Staatsbürgerschaft versprechen, damit sie einrücken.

Jaja, man hat, abgesehen von allem (anderen) aus der Luft, allerlei legendäre Spezialkräfte. Diese geben, nach allem, was ich weiß, schon immer wieder in bestimmten Situationen den Ausschlag, zumal, wenn es um einen kurzen, entscheidenden Streich geht. Sie schlagen zu und hauen wieder ab. Leute von ihnen sind natürlich möglichst schon vor Ort, koordinieren, bilden auch aus.

Man hat aber, bei näherem Hinsehen, nur wenige von den Jungs (Frauen nehmen hier in der Regel wohl immer noch nicht teil). Der legendäre britische SAS kann kaum seine Mannstärke von ein paar hundert Soldaten halten. Die französische Fremdenlegion hat 7 600 Mann, wohl jeden Funker und LKW-Monteur eingerechnet. Von den Navy Seals lese ich gerade, sie umfassten etwa 2400 Soldaten.

Man hat natürlich die Kontrakteure. Professionelle Söldnertrupps, die militärisch auf der Höhe sind. Putzgruppen und Sicherheitsleute, aber keine Armee, die eine Großstadt besetzen könnte, in der tausende eingegrabene Heckenschützen mit panzerbrechenden Waffen, leichten Granatwerfern, Mörsern, Sprengfallen, häuserkampfgeübt, auf den Gegner warten. Und da will man auch seine eigenen Superstars nicht vergeuden, nicht nur wegen des Rufs und der Hollywoodfilme, sondern weil man gar nicht so viele von ihnen hat und einem schwanen möchte, dass man die noch brauchen könnte.

Also ist man dazu übergegangen, das loseste Gesindel des Planeten anzuheuern, hat einen Gutteil des Anheuerns den Saudis überlassen.

Aus rein literarischer Sicht, dürften wir schon dessen Historie schreiben, hat diese Konstellation schon etwas sagenhaft Groteskes.

In dem, man muss schon sagen, Wahne, erster Teil, dass man Europa dann einfach den Scherbenhaufen überlassen könne, was ja zunächst sein mag, worüber man aber auch seine Steuerungsmöglichkeiten weitgehend verlieren könnte, während, Wahn zweiter Teil, der Iran überrannt und ein sunnitischer Stoßkeil von unten in den Bauch Russlands gerammt werde, China von Westen her destabilisiert, also, dass diese beiden Mächte, gar arglos, sich keiner angesetzten Drohung bewusst, in sich zusammenbrächen, bevor die Golfmonarchien perdu und der 1-Dollarschein mit der schönen Pyramide endgültig für den Abtritt.

Man mordet, stiehlt, droht, erpresst, bombardiert, jeden Tag, man überwacht alle, allein, es bringt einen nicht mehr recht voran.

Das flickt alles zuhause kein Schlagloch, keine Stromleitung, keiner Zeltsiedlung lecke Dächer.

Dies Imperium ist so oder so am Fallen.

Man möchte mir vorwerfen, dass das Wunschdenken sei.

Aber: Da die USA industriell und in ihrer Infrastruktur immer weiter zurückfallen, stützt sich ihre Macht wesentlich nur noch auf drei Pfeiler.

Das Militär (einschließlich Geheimdienste), den Dollar und Informationskontrolle (Medien und Überwachung durch Netzanbieter und die NSA).

Einigermaßen intakt ist dabei nur noch die Überwachung. Damit kann man weltweit wichtige Leute erpressen und Blaupausen klauen. Beides bringt sicherlich Vorteile. Nur: Weshalb profitiert dann die produzierende Industrie der USA und Britanniens nicht so gewaltig davon, wie zu erwarten wäre?

Schön, wenn man Informationen hat. Was aber, wenn man kaum noch Leute hat, die etwas damit anfangen können, außer Werbestrategien, neue “Spins” daraus entwerfen und Leute erpressen?

Krieg, Erpressung, Industriespionage, Finanzmanipulationen, Totalüberwachung, Propaganda, Geld aus Geld aus Geld: Wie lange reicht das zum Erhalt eines Imperiums?

Man raubt und stiehlt und bombt und raubt und stiehlt und mordet und erpresst, und dabei werden die eigenen Territorien doch immer maroder, während andere gewaltig aufholen. O wenn man nur alle immerzu total ausrauben könnte!

Das Ende ist nah.

 

 

 

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