Deutsch-Südschwitz: Oberst Hartholtz löst das Problem mit der Stabsfeld

Hartholtz ist wirklich der härteste von drei Glocken. Frau Stabsfeldwebel Nagel, die im Auftrage von MAD-Sonderführer Rüb (sein tatsächlicher Rang ist, wie gesagt, unbekannt) unseren Bundeswehrstandort direkt über den Kommandanten auf unziemliche Lebenslust ausspähen sollte – besonders auf Bier, Hanf und Sex mit Frau Obergefreiter im Dienst – , eine echte Brünhilde aus Cloppenburg, fast einsachtzig, dabei bestblonder Kurven, “boshaft wie Kriemhild am Hofe König Etzels” (O-Ton Hartholtz noch vor kurzem), hat sich derormaßen in den Obersten verknallt, dass seine Landser drumb schon gelästert und respektlos herumgegrinst, was das Zeug hält.

Hartholtz schwor mir, dass er ihr, guter Vorgesetzter, nie näher gekommen sei als zwanzig Zentimeter, und ich glaube ihm.

Verzückten Blickes dackelte sie hinter ihrem Chef her, wofür er sie auch einmal ein Weißbier im Dienst trinken ließ, dieser gewiefte Stratege. Wie Hartholtz, dem man zutrauen möchte, dass er in der Ardennenoffensive nochmal das Ruder herumgerissen hätte, das binnen zwei Wochen geschafft hat, weiß wahrscheinlich außer ihm nur Amor selbst.

Auch aufgrund der losen Sprüche, die im Goldenen Ochsen diesbezüglich nun schon seit Tagen gingen, ward ihr eigentlicher Vorgesetzter Rüb schließlich äußerst molto frusto, manche sagten, er sei sogar eifersüchtig, obwohl sich alle ziemlich sicher, dass er eine Truppenschwuchtel.

Ein besonders pfiffiger Oberfeld, Horst Bär aus Hünxe, ein von Hartholtz geschätztes Organisationstalent mit den Fähigkeiten eines Trickbetrügers, oberster Possenreißer wann immer der Standortkommandierende Skat spielt, man also auch auf Posten gemäßigt einen reinlassen darf, der Rest die Sau rauslassen, hat den Rüb jetzt richtig reingelegt.

“Ob der Rüb wohl den Trauzeugen macht, bei der ersten Hochzeit am Standort?”, meinte er hinreichend laut hörbar am Soldatenstammtisch, wie als ob unbedacht, beim fünften Bier, “Damit der kleine Sascha Hartholtz-Nagel ehrenhaft geboren werden kann? Ich wette, der Junge kommt schon mit einem Barett auf die Welt, wenigstens als Stufz.”

“Wie kommst du darauf, dass es ein Junge wird?”, mischte sich sein bester Kumpel, Harry Rötel, Hauptgefreiter aus Mannheim, darein, “meinst du etwa, Militärs machen immer Jungs? Du bist ja von gestern, ein richtiger altmodischer Macho. Wo sollen denn da all die knackigen Frauen Stabsfeld herkommen?”

Rüb platzte. “Sie amüsiert das wohl noch, wenn bei der Bundeswehr Vorgesetzte mit Untergebenen Unzucht treiben, was? Sie…”

“Wieso Unzucht?”, versetzte Bär, “das ist doch eher vorbildliche Zucht. Wenn der kleine Sascha später beim MAD anheuert, lässt der sich bestimmt nichts mehr vormachen.”

“Sie, Sie…!”, schnaubte Rüb noch, warf ein paar Münzen auf den Tisch und verließ hochroten Kopfes den Goldenen Ochsen.

Gestern folgte die militärisch notwendige Konsequenz. Stabsfeld Nagel wurde nach Norddoof abkommandiert. Plötzlich war sie einfach weg.

“Es tut mir ja leid um das Mädel”, meinte Hartholtz zu mir, “am Ende gefiel sie mir gar nicht schlecht, aber ich kann ja nicht wegen einer hübschen und zunehmend vernünftigen Stabsfeld die ganze Truppe aus der Ordnung bringen.” Dabei grinste er merkwürdig schelmisch.

“Aber Sie können was?”, frug ich ihn: ich kenne ihn gut genug.

“Naja, Herr Göller (immerhin fehlte das “Herr” nicht), ich habe bald Heimaturlaub, und Frau Nagel trägt sich inzwischen mit dem Gedanken – ihr Vertrag läuft in Kürze aus – , demnächst bei einem privaten Sicherheitsdienst anzuheuern, der zum Schutz von Geschäftsleuten eine Dépendance in Südschwitz aufzumachen gedenkt, mit ihr, aufgrund ihrer Fronterfahrung, als Abteilungsleiterin der Filiale.”

“Sie haben doch…”, versuchte ich einzuwenden, worauf der Herr Gestreng mir aber den angefangenen Satz abwürgte.

“Göller (da war es wieder, dieses “Göller”), halten Sie Ihr Schandmaul. Halten Sie mich für einen Amateur? Es kann allerdings sehr wohl sein, dass ich werden werde, aber ganz zivil. Nur weil Sie notorisch chronische Probleme mit der Selbstdisziplin haben, gilt das noch lange nicht für mich. Wenn Sie jetzt das Maul halten, gebe ich Ihnen noch einen aus.”

Ich hielt das Maul, wenigstens hiezu, und wir besprachen bester Laune noch einige für Südschwitz wichtige Dinge, indem Hartholtz den besten Pinot Noir aus Ollis Spezialkeller hatte kommen lassen.

 

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