Deutsch-Südschwitz: MAD erbarmungslos zurückgeschlagen

Sieg für Südschwitz auf der ganzen Linie.

Nachdem er, gerade noch hinreichend kommunikationsfähig, Frau Stabsfeldwebel Ariane Nagel, die vermutlich nicht mehr zuverlässige vermutliche heimliche Liebschaft des Obersten Hartholtz, notgezwungen am Freiberger Flughafen (es ist der Flughafen der Bundeswehr, der auch zivil genutzt wird) verabschiedet hatte, meinte MAD-Sonderführer Rüb, er müsse sich auch einmal was gönnen dürfen und ward prompt von der eigenen Truppe – vermutlich – in einen Hinterhalt gelockt.

So ließ er sich tatsächlich, meinend, er könne jetzt die Gelegenheit zur Aushorchung der Soldaten unverdächtig-geschickt nutzen, von diesen zu nicht nur einem Biere einladen, gab sich, nach Dienstschluss versteht sich, ungemein gesellig.

So wurden schließlich Soldatenlieder angestimmt, Lili Marleen ließ grüßen. Endlich trat Olli, der Zivilist, auf, meinte, er wisse da auch noch eins zum besten zu geben. Und stimmte, wie er meinte, das Anti-Horst-Wessel-Lied an. Nur dessen Melodie, und die auch noch absichtlich falsch, zur doppelten Abschreckung vor unziemlich militaristischen Umtrieben.

Und was tat Rüb?

Er trällerte, gackernd vor Lachen gleich einem bürzelgekitzelten jungen Horn, die ersten beiden Zeilen des Originals dawider, drei Mal, jene, die hier, wie der Rest des Kanziones, nicht wiedergegeben werden dürfen. Weiter kannte er das Stück wohl auch nicht.

Aber das reichte.

Es reichte dafür, dass Rüb anderntags dem Standort Freiberg “beispielhafte Disziplin und Pflichterfüllung sowie vorbildliche militärische Bereitschaft und Führung auf allen Ebenen” gen Norddoof bescheinigte, empfahl, “keine weiteren unnötig eingesetzten Ressourcen des MAD auf den Standort zu verschwenden”, gemahnte, die Mission Südschwitz unverzüglich als voll befriedigend abgeschlossen zu beenden.

Ich weiß nicht, inwieweit das ausgeheckt war. Den Jungs von Hartholtz ist einiges zuzutrauen. Und dass Olli eine sich bietende Gelegenheit beim Schopfe zu fassen versteht, weiß in Südschwitz jede Kamelmistmade. Ein bisschen fies war das schon. Wenn man bedenkt, was auf dem Spiel stand, mag man es aber als im Rahmen erachten. Immerhin darf dieser unerträgliche Rüb Major bleiben, wird nicht unehrenhaft entlassen. Er darf jetzt Landser nördlich von Oberstdorf ärgern und kommt sicherlich nicht zurück.

Ja, das gebe ich schon zu: Ich habe auch gelacht, dass es so ausging. Ich war ja dabei. Nur dass ich nicht sang. Mag Soldatenlieder nicht sonderlich.

Als ich Hartholtz fragte, was er meine, dass das Kernproblem von Leuten wie Rüb sei, meinte er nur: “Er versteht nichts vom Militär.”

“Wie meinen Sie das?”

“Er denkt nur vom Auftrag her, ignoriert die Bedingungen, unter denen die Landser zu bestehen haben. Ein Versager.”

“Aha.”

Eine Weile Schweigen.

“Und das mit dem Lied?”

“Ein guter Soldat singt, zumal, wenn er’s nicht richtig kann, nur wenn er’s auch darf.”

“Aha.”

“Tja, Göller, da haben Sie mal wieder was für Ihren Masochistenkasten.”

“Masochistenkasten?”

“Ihren Schreibtisch, Sie Zivilist.”

“Und Sie haben etwas, das Ihre amourösen Landesverteidigungsmemoiren dereinst feinst würzen könnte, jedenfalls, wofern Sie meine Formulierungskünste einfließen zu lassen aus praktischer geschäftlicher Vernunft sich dereinst nicht nur anheischig machen sollten.”

“Göller: Sie sind und bleiben ein unerträglicher Schwätzer.”

“Aber wenigstens kein Soldat. Wo ist sie eigentlich, Ihre Ariane?”

“Wegtreten!!!”

“Jawoll, Herr Oberst! – Äh…”

“Quatschen Sie nicht! Was gibt es noch?”

“Bei Olli gibt es heute einen Edelumtrunk, maximal sechs bis acht Gäste.”

“Und was soll mir das? Damen?”

“Ja, wohl auch Damen.”

“Ich komme.”

 

 

 

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