Dem Nachwuchse – und nicht nur

Wenn ausdauernd intensive Bildung dahin führt, dass Empfindungs- und Assoziationsformen regelmäßig, wie von selbst, an einen herantreten, wo sie früher allenfalls sporadisch waren oder so ohnkannt, ergibt sich eine mental sehr schwierige Umstellungsphase.

Die neuen Antennen und Werkzeuge sind noch nicht eingeübt; gleich einem Lehrbuben weiß man noch nicht immer recht, wie damit umzugehen, der psychische Kräfteverschleiß kann, da das sonstige Leben in seinen Anforderungen ja nicht nachlässt, enorm sein.

Auch die Möglichkeiten der Transformation und adäquaten Mitteilung, im Sinne von Ort und Zeit und Umfang und Gliederung und Darstellungsweise sind noch nicht erprobt noch gar ermittelt; auch dies Problem wühlt die Seele.

Man merkt bald, dass sich nur seltenst etwas erzwingen lässt. Sollte also zur Gelassenheit. Aber wiederum auch nicht. Denn jetzt lassen sich immer wieder enorme Fortschritte erzielen, wenn man einerseits beharrlich, andererseits aber der Emotion bis hin zur Wut auch manchmal ihren Lauf lässt.

Manches gehört in den Kühlschrank, die Speis, manches gehört gerührt, anderes geschmiedet, manchem singe man. Man übe der Selbstbeobachtung, aber mit nicht zu viel Obacht.

Schließlich streiten hier auch – teils – überkommene Auffassungsschichten mit konkurrierenden neuen; die Veränderung des Erkenntnisprozesses baut nicht nur die Organisation des Gehirns materiell um, eine komplexe, teils in Schüben, teils schleichend, teils mit “Rückschlägen” behaftete Entwicklung des Geistes fordert.

Manches Neue tritt auch nur blitzartig bis schemenhaft in bestimmten Situationen auf, eine Weile, zunächst ephemer, zeitweise abgeschwächt, dann plötzlich klar konturiert hervortretend, irgendwann vielleicht, gar nicht mehr auffällig, gewohnhaft.

Es gibt hier keine brauchbaren Schablonen. Man bedenke, nochmal, dass sich das ganze Hirn eines oft bereits schon lange Erwachsenen neu versynapst, dort neue Zellen einrichtet, wo ihm dies sein soll.

Dieser ganze Prozess mag nun auch, neben den anstrengenden Aufgaben, an sich das ganze physische System belasten, wenigstens zunächst, allzumal, wenn es an körperlichem Bewegungsausgleich und angemessener Hirn- wie Leibeskraftnahrungsaufnahme mangelt. Man denke an eine hinreichende Aufnahme zumal von Mineralstoffen. Besonders, wenn Alkohol und Nikotin und Koffein in mehr als geringen Maßen zugeführt werden sollten. Aber auch dafür gibt es keine Regel. Manche trinken Bier wie ein Altfranke, zittern nach zwei Tassen Kaffee wie Espenlaub.

Es mag sein, weiß ich’s, dass schon Leute einen erweiterten Geist geschenkt bekamen, einfach so, von einem anderen Stern oder einem Lieb, wobei ich letzteres noch für wahrscheinlicher halte, doch meine ich, dass das zumindest in einem umfässlicheren Sinne wohl kaum die Regel.

Geist will erschlossen werden; manches rostige Schloss quietschet zunächst und will sich nicht öffenen lassen.

 

 

 

 

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