Von Unerbittlichen

Gestern habe ich – gewissermaßen – eine Botschaft aus dem Jenseits erhalten.

Ich erfuhr beim Biere von einem Bekannten, dass mein vor einem Jahr verstorbener Freund J. mir einen Spitz- bzw. Beinamen zugedacht hatte, den er wohl vor anderen im Munde geführt, was mir aber bislang keiner gesteckt hatte.

Magnus, der Unerbittliche.

Das hat mich sehr berührt.

Durchaus wohlwollend habe er diesen verwendet, halb spaßhaft, halb boshaft, halb anerkennend, wohl mit seinem typischen sarkastischen Lächeln bis Grinsen.

Der mir das hinterbrachte meinte noch, dies habe sich darauf bezogen, wie sehr ich mich in ein Thema, eine Sache verbeißen könne, eben unerbittlich.

Das Urteil hat für mich besonderes Gewicht, weil J. von nicht wenigen gefürchtet war, man könnte, wollte man den Grund in einem Worte benennen, durchaus sagen, das habe an seiner Art der Unerbittlichkeit gelegen.

Diese barg weniger an Geschwätzigkeit wie die meine, war, obschon J. gerne redete und erzählte, gegenüber manchen ab einem gewissen Punkte recht wortkarg.

Dabei war J. durchaus leutselig. Sein Beruf als Alleshändler zwischen Kabul, Goa, Islamabad, Teheran und Ostberlin und Weißichwo hatte ihn gelehrt, wo notwendig jede Sorte Schwätzer eine Weile schwatzen zu lassen und zu unterhalten.

So hatte er denn auch jede Contenance, gestählt von Myriaden indischer Bettler und orientalischer Händler, ertrug, als wir im Weinhause saßen, selbst noch das dümmste verbale Döns von backenaufblasenden sechzigjährigen gestopften Stuttgarter Halbhöhenlagenschranzen, ganz gelassen, mich hernach veräppelnd, indem ich darauf teilweise eingestiegen war.

Eine Stuttgarter gestopfte Halbhöhenlagenschranze am Tische im Weinhause kann ganz schön nerven, schon eine; wenn es zweie oder dreie werden, mag sich der Rebensaft im Glase nachsäuern, also, wie drei Alis, die einem falsche Teppiche verkaufen wollen oder ganz ans Leder, das kaum zu bewirken vermöchten. Eine Drachin ist nunmal mehr als elf Strolche.

Zumal eine unerbittliche Drachin, die außer sich selbst allenfalls einer anderen Drachin zuhorcht.

Gut, hätten die Drachinnen versucht, J. geschäftlich den Beutel zu schneiden, was sie zu aller Glücke weder nötig hatten noch zu unternehmen ins Auge fassten, so hätte ich sicherlich einiges dazulernen können.

Man sollte aber, gleichwohl, zu Frommen und Nutzen aller Seiten, wenn da unten in Muselstan mal wieder was schiefgeht, denen statt Soldaten Stuttgarter Halbhöhenlagenschranzen schicken, samt grünem Parteibuch, und alle Frechheiten nähmen ein abruptes Ende. Die zahlten noch dafür, sie wieder gen Heimat loszuwerden, so dass sich nebenher gar noch ein ordentlicher Gewinst machen ließe.

Da kann und sollte man bei den Preisverhandlungen unerbittlich sein.

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