Maike rechnet mit Konstantin ab

Konstantin hat mich recht ungehalten aus Hamburg angerufen und meinte, dass ich, wenn ich den Leser schon mit seinen versehentlichen amourösen Abenteuern anfütterte, diesen nicht also auf die Folter spannen könne, wie ich das zum Schlusse des letzten Kapitels getan, indem ich ankündigte, von der Beicht- und Wutszene mit der Maike, des Morgens nach der Liebesnacht, erst zu berichten, wenn er mit Hamburg “durch” sei.

Konstantin redet mir selten in meine Chronik hinein, und wenn er es tut, hat er seine Gründe, die ich nicht zu hinterfragen berufen, es sei denn, ich sähe sein Ansinnen als so bedenklich, dass ich ihm als Freund dawider raten müsste.

Es begab sich also, dass Maike und Konstantin am Frühstückstische saßen und Konstantin klarward, dass er zwar als ein ziemlicher Spitzbube dastehen möchte, ein schlimmes Gewitter über ihn hereinbrechen, er aber doch nicht umhin konnte, dahingehend die Wahrheit zu sagen, mit welcher Absicht er ins Alte Watt gekommen, nämlich jener, der Hamburger Journaille, speziell jener des Speichels, auf den Pelz zu rücken, also keineswegs, um sie flachzulegen, was nun aber in all jener schwülichten Tristesse an jenem Orte fast wie zwangsläufig geschehen sei, ja, er habe sich bald nur noch für sie interessiert, mit jedem Biere mehr, und umgekehrt habe es ebenso geschienen: Kurzum, er habe die Nacht nicht mit ihr verbracht  w e i l sie beim Speichel Sekretärin sei, sondern, gewissermaßen, trotzdem, seine Urabsicht opfernd, was er aber nicht bereue, lediglich, dass er ihr nicht schon gestern Abend gesagt habe, auf welcher Mission er unterwegs sei. Er habe aber befürchtet…

Ganz norddeutsch hörte sich Maike seinen ganzen Sermon ruhig an, lediglich ihre hübschen kleinen Nasenflügelchen zitterten zwischenzeitlich ein wenig.

Als Konstantin geendigt hatte, nahm sie seelenruhig ihre lauwarme Riesentasse Milchkaffee, stand auf, als wolle sie damit in Gedanken irgendwohin, und, gieß, ganz langsam lief die ganze Brühe Konstantin über Kalotte und Wams.

“Magst Du noch einen Nachguss? Bei uns zuhause hätte ich jetzt gleich eine Mistgabel zur Hand oder wenigstens einen Ochsenziemer: ich dengle Deinen Intrigantenschädel aber auch gerne damit nach alter Dithmarscher Sitte”, meinte sie ungerührt und nahm eine gußeiserne Bratpfanne vom Wandhaken.

“Bitte Maike, bitte, hau mir nicht die Rübe ein!”, winselte Konstantin, “du willst doch nicht wegen eines derartigen Tagdiebes und Heuchlers und armseligen Vagabunden wie mir für Jahre ins Gefängnis. Wenn man mich hier so findet, und es gibt nicht mal Kratzspuren oder blaue Flecke auf Deiner Seite, kriegst Du Totschlag. Den hätte ich vielleicht verdient, aber ich sehe den Deibel nicht ein, dass Du eines im Geiste wie im Fleische so schwachen Wurms und Versagers, so eines schwatzsüchtigen häßlichen Kröterichs halber selber zehn Jahre im Loch verbringen musst.”

Maike wog die Bratpfanne noch ein wenig in ihrer tennisgestählten Linken, hung sie zurück an den Haken und fing plötzlich an zu kichern. Erleichtert begann Konstantin sich mit der Serviette einstweilen wenigstens mal das Gesichte notzureinigen bzw. zu trocknen.

“Du bist mir aber ein schönes Arschloch. Du quatscht ja noch dem Gaul beim Anschirren die Hufe dusselig. Du kannst noch duschen, und dann raus. Und wenn Du beim Speichel irgendetwas erzählst oder auch nur in meine Nähe kommst, greife ich nur noch einmal zur Pfanne. Haben wir uns verstanden?”

Konstantin war froh, so glimpflich davongekommen zu sein. Er wusch sich und machte sich mit demütigem Gesichte zur Türe, und als er Maike zum Abschiede ein Tschüss entbot, erwiderte sie ebenso, und ihr Ton hatte dabei doch schon wieder etwas Freundliches.

 

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