Konstantin Volontär beim Hamburger Speichel

Nachdem wir nun also auf Konstantins Wunsch hin ausdrücklich nachschieben mussten, wie die Sekretärin des Magazins Der Speichel, Maike, mit ihm abgerechnet, da er noch kurz zuvor für eine Nacht das Bette mit ihr geteilt, ist’s auch Zeit, von seinen zwischenzeitlichen Bemühungen zu berichten.

Konstantin ist tatsächlich Volontär beim Speichel. Seit vier Wochen schon. Es war nicht ganz einfach. Er musste, Deibel aber auch, noch einmal ins Alte Watt, sich über allerlei Späße ein Vorstellungsgespräch erquatschen. Konstantin hatte noch keine Ahnung, mit welcher Qualifikation er auftrumpfen wolle. Er fand dann aber zwischen all dem wichtigtuerischen Ungemach, dass er sich, wenn er das nicht sagte, gewissermaßen gleichzeitig als eine Art Hofnarren und Mädchen vom Dienst, das nicht nur reden kann, sondern zur Not auch so schreibt, ja, wohl letzteres noch nicht gut genug, weshalb er es ja hier an solch heiliger Stätte besser lernen wolle, bewerben könne.

Die Sache war schnell geritzt. Er bekam einen 25-Stunden-Vertrag mit bescheidener Vergütung, wovon ihm ersteres gerade recht, schließlich hat Konstantin immer etwas zu tun, und schritt ans Werk.

Der einzige Tisch in der Kantine – wo er brav hingeht, obschon das Essen recht mäßig – , an dem er noch nicht saß, die Stimmung unter den neuen Kollegen etwas aufzulockern, ist jener, an dem Maike stets zu sitzen pflegt. Sie schaut ihn nur mit Eisaugen an. Wehe, ein Kollege, gar sein Vorgesetzter, bittet ihn, dummicht mit dem Plastiktablett noch unverhaftet, an “ihren” Tisch. Konstantin ist auf das Äußerste gefasst und vorbereitet.

Inzwischen kennt er natürlich sämtliche Redaktionsgerüchte, Eifersüchteleien, den Jargon, die Empfindlichkeiten, die Arbeitsweise, die Auffassungsgabe, die Sensationslust, den ganzen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Manchmal soll Maike nicht nur eisig, sondern gar grimmig blicken.

Nachdem Konstantin mit kleinen Botendiensten, Kaffeeholen und kleinen Recherchen, mal einer Textdurchsicht auch befasst, sprach es sich schnell herum, dass Konstantin nicht nur mündlich über ein feines Sprachgefühl verfüge, sondern sehr genau, ja selbst gefühlvoll zu lektorieren wusste, so dass passierte, was nicht ausbleiben konnte, nämlich, dass nicht nur Sekretärinnen, sondern auch gestandene Redakteurinnen zunehmend Gefallen an ihm fanden. Die Lage ist prekär wie nie. Wenn Maike platzt, ist alles vorbei.

Es begibt sich zu einer Mittagspause. Konstantin weiß, dass er wie als ob gezwungen an Maikes Tisch gelangen muss, bevor das Unheil einfach steuermannslos seinen Lauf nimmt. Er muss es aber so geschickt anstellen, dass er ihren Sinn für Humor überraschend genau trifft, oder so, dass es, Deibel aber auch, für sie alswie nicht geplant aussieht, sie sich jedenfalls dessen nicht hinreichend sicher.

Ein Kollege sitzt immer mit ihr am Tisch, und er macht ihr mächtig Avancen. Ein höheres Tier in der Wirtschaftsabteilung. Wenn ich den ansandele, so dass er mich nächstens zum Tische lädt, dreht Maike durch. So geht es nicht. Ich brauche eine feine List. Wenn ich am Nachbartisch sitze, fällt das schon lange nicht mehr auf, den habe ich jederzeit wie selbstverständlich. Ich darf sie selber nicht ansprechen, ausgeschlossen. ER muss mich ansprechen, ich so antworten, dass er sie fragt, was sie davon halte, womöglich insgesamt von diesem schrägen neuen Vogel? – ja, das ist es, so gehört es gemacht.

Also, ich finde heraus, auf was er in seinem Wirtschaftsdöns besonders empfindlich, reiße zum rechten Zeitpunkt ein paar Zoten dazu, so dass es entweder soherum läuft oder er mich gleich so eindringlich an seinen Tisch bittet, dass ich nicht nein sagen kann, oder dies ist wenigstens schon recht unverdächtig vorbereitet. Vielleicht sollte man die Einladung sogar einmal unter einem Vorwande ablehnen, um erst bei unschuldigster Wiedereinladung, gezwungenermaßen, ja sagen zu müssen. Mannomann. Die Nacht war schön, aber jetzt kostet’s.

Konstantin war also, trotz des Erreichten, sowohl gegenüber Maike noch nicht voll auf dem Damm, wie er auch noch nicht wusste, welcher Streich genau dem Speichel zu spielen sei. Es ging ihm aber schon eine Idee durch den Kopf. Wenn er Maike zur Vernunft brachte, so…

Er musste eine List der Verlockung anwenden. Während er den Damen gegenüber zwar freundlich und verbindlich bliebe, aber doch deutlich zurückhaltend. Dass er nicht vom anderen Ufer war, hatte er klargemacht, so dass von männlicher Seite her keine geschlechtlichen Verwicklungen dräuten. Er musste etwas gehört haben, nein, vielleicht besser zwei Sachen, die er selber nicht so recht glaube, worüber er sich aber wundere, da doch so manches nicht zusammenpasse, wovon dann die eine recht bald von ihm selbst als Fälschung entlarvt, die andere dafür aber umso mehr als immer stichhaltiger vorgetragen, was schließlich zu, na, zu irgendetwas führen, vielleicht schon eine große Gelegenheit ergeben werde.

Und die Rätselhaftigkeit seiner Person sollte ein übriges tun, indem er darauf achtete, sie nicht zu sehr ins Zentrum zu rücken oder rücken zu lassen, das Rätsel in dessen Wirkung zu verstärken.

Er würde das Rätsel so lange verstärken müssen, bis dass er genau zum richtigen Zeitpunkt mit rätselhafter Botschaft oder einfach so verschwände. So, wie ein Konstantin verschwindet, nämlich sehr schnell und so spurlos wie angesagt.

Ja, ein Rätsel war Konstantin noch, welches oder welche Rätsel er einsetzen solle.

—————————————————————————————-

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/08/07/konstantin-eulenspiegels-bisherige-fahrnisse/

 

 

— Anzeigen —


Tags:

Eine Antwort hinterlassen