Vom Strategeme des Schweigens (Nr. 49)

Zunächst kennt man die Giftvariante des Strategems: Geheimbünde, okkulte Gesellschaften, Mafia, Blutgeldler.

Das Strategem des Schweigens kann aber heilsamer eingesetzt werden als beim Betrügen. Und Sichwichtigmachen.

Es kann, wie bekannt, nicht nur direkt in einer Rede, sondern auch etwas länger eingesetzt den anderen mehr zum Nachdenken bringen denn noch mehr Rede.

Es ist auch ein Strategem zur selbstüberlistenden Selbstveränderung.

Viel genauer und zielgerichteter und in genau der richtigen Länge Schweigen.

Schon jede Tonpause ist ein kleines Schweigen. Schweigen ist elementarer Teil der Redekunst, wird in dieser selbst regelmäßig strategemisch eingesetzt.

Schweigen kann die vorangegangene Implikation enorm verstärken. Ebenso eine Emotion. Es kann alsowohl demütig ergriffen wie herrschaftlich selbstsicher wirken.

Schweigen ist natürlich auch dann als Strategem besonders gut angewendet, wenn ein Beschuldigter so lange an den richtigen Stellen schweigt, bis er endgültig heraus, was die anderen schon wissen, wenn weit über das hinaus, was sie ihm schon gesagt.

Dieser Schweiger wird eben nicht nur schweigen, aber an den richtigen Stellen doch, selbst wenn er beim Schweigen weiterredet.

Zum Schweigen als Strategem in Liebesdingen ist nicht viel zu sagen, das kennt jeder.

Wer das Strategem wirklich versteht, weiß, dass dies im tiefen Sinne ein Strategem der richtig gesetzten Pausen und damit Harmonie ist. Schweigen ist das angemessene Dazwischen.

Ein Strategem, das einem, bei genauerer Betrachtung, Schattenwelten ins Spiel bringt, aber auch den geübten Marktschreier mit den frischesten Würsten, der genau weiß, wann er luftzuholen und kurz zum Verkaufe hin zu Schweigen hat.

Im weiteren Sinne ist also Schweigen, auch auf nonverbalen Ebenen, die da oder dort hingemessene Zeit der jeweiligen Art der Zurückhaltung, ein rhythmisches Element ebenso wie Taktverkürzungen innerhalb eines Vortrags.

Wenn einer schweigt, weiß der andere nicht, was der jetzt gerade denkt, was der gerne gerade sagen wollte, womöglich nicht, ob der das überhaupt noch könnte.

Schweigen birgt ja sehr leicht eine Todesverdachtskomponente. Auf dieser Geige wurde schon millionenfach gespielt.

Zurück zum harmonisierenden Schweigen, im Sinne eines strategemischen Vorgehens: Es wird immer deutlicher, wann man wozu schweigt. Die Leute fragen sich, ob man denn mit ihnen über bestimmte Dinge nicht mehr rede. Nein, hier hat es keinen Sinn über bestimmte Dinge zu reden, hier schweige ich dazu.

Nein, Herr Kramer, ich werde Ihnen, da wir uns gerade kennengelernt, bestimmt nicht gleich sagen, was ich von für Sie, selbst wenn Sie davon gehört haben sollten, wohl eher unbestimmten Dingen halte, studieren Sie mal die Sprüche Churchills zum Zweiten Weltkrieg, wir sehen uns vielleicht mal wieder.

Nun aber erstmal genug zum Schweigen.

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3 Antworten zu “Vom Strategeme des Schweigens (Nr. 49)”

  1. Dude sagt:

    “Es kann, wie bekannt, nicht nur direkt in einer Rede, sondern auch etwas länger eingesetzt den anderen mehr zum Nachdenken bringen denn noch mehr Rede.”

    Genau! ;-)

    “Es wird immer deutlicher, wann man wozu schweigt.”

    Bingo! :-D

    Liebe Grüsse Dir und den Jungs

    Ps. Geniess den grandiosen Sommer wie ich – einfach etwas weiter nördlich (ich las mal was von Ostsee¿). :-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich sehe Sie schon, mein Kap.

    Jetzt noch viel an der Backe, worüber ich schweigen will, ab Samstag eine Woche Zelten mit drei Halbwüchsigen im Havelland, dann eine Freigang, wobei die See nicht schweigen möge, aber bitte keine Windstärken 4-6-8 ins Ohre blasen, bei Dauerregen und gefühltermaßen weniger als 17 Grad.

    Dann schweige ich mich da gleich gar nicht hin oder schleichschweige mich schnell wieder weg. Oder ich bleibe als einziger aus Trotz und als einziger.

    Immerhin hast Du jetzt wohl nicht mehr, vorläufig, mit der verdammten Bise zu kämpfen, die ich in ihrer Garstigkeit gar nicht kannte, denn die gibt es hier so nicht, jedenfalls nicht in der Form als wochenlanges halbfeuchtes anblastrübichtes Durchfrösteln.

    Dohanda en Schduegerd haben wir gerade tropische Nächte, unten im Kessel gibt es jedes Jahr deren einige, aber jetzt sind es schon Wochen, T-Hemd noch um Viere morgens auf der Gasse unzukühle.

    Meine verletzte rechte obere Körperhälfte macht derweil mittels einer Direkttherapie, selbsterfunden und arztseitig ungefragt appliziert, die Heilbehandlung pro Tag etwa 20 Eurocent an Materialkosten, große Fortschritte, aber ich werde dazu schweigen, wie die aussieht, nicht nur, da ich nicht jedem eine Anwendung empföhle, indem diese so wohl nicht breiter erprobt, nein, für zartere Naturen ist eine Applikation in der von mir hausmännisch-rustikal durchgeführten Art wohl ohnehin nichts.

    Ich habe da jedenfalls mal wieder den Eindruck, dass nicht nur die Axt im Hause den Zimmermann ersetzen könne, sondern Verstand gepaart mit Intuition, oder auch umgekehrt, sinnlose Qualen und Ärzte.

    Ich jammere, wie als ob ich ein alter Mann wäre. Dabei komme ich den jungen Frauen kaum noch davon.

    Gruezi i’d’ Schwyz!

  3. Dude sagt:

    Ja, das bisenfreie Backofenwetter macht sie ziemlich spitz… ;-)

    Höchste Genüsse des natürlich-urtümlichen Lebenserlebens in Havelland euch Dreien! Geniesst es in vollen Zügen mit allem drum und dran.

    Prosit! :-)

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