Vom Strategeme der ständigen Enttäuschung (dem 43.)

Das Strategem der ständigen Enttäuschung ist fast immer mit einem nicht unerheblichen Aufwande verbunden.

Man wendet es an, wenn ein Gegner nicht einfach zu besiegen ist, man den Gegner nicht direkt fassen kann, nicht offen gegen ihn auftreten will.

So wird man z.B. jemandem ständig Aussichten auf geschäftliche Aufträge, auf Weiber, auf den von ihm angestrebten Durchbruch irgendeiner Art machen, um dann immer wieder am Schnürchen zu ziehen, immer wieder, bis zur Erschöpfung, Frustration, Lächerlichmachung des anderen zu enttäuschen.

Im Idealfalle wird der andere sein Vorhaben als sinnlos erachten, aufgeben, sich gar selbst dafür verachten, es je angesonnen zu haben.

Allerdings hat auch dieses Strategem, wie jedes, wenn es erkannt wird, seinen Haken: Erkennt es der Gegner, so wird er immerzu, oder meist, auf die Angebote eingehen, aber, die Sache durchschaut habend, nur noch einen minimalen Aufwand darauf geben, während der Strategemausübende ständig weitaus mehr Mühe daran zu setzen hat, also zumindest energetisch relativ verliert.

Zudem kann das “Opfer” des Strategems dabei immer klüger werden; klüger desbezüglich, weshalb es eigentlich mit solchem Aufwande belagert; klüger bezüglich der schwachen Punkte des Strategemausübenden; klüger bezüglich der Sache selbst.

Das Strategem Nr. 43 wird daher fast nur aus einer sich gefährdet fühlenden, noch ressourcenmäßig klar überlegenen Übermacht heraus ausgeführt. (Natürlich auch in Liebesdingen, den Begehrenden loszuwerden oder ihn zum Behufe einer Sache, dass er noch mehr sinnlos renne, weichzuklopfen.)

Im großen Stile organisiertermaßen wird dieses Strategem, es ist ziemlich hinlänglich erforscht, des Aufwandes halber nur selten angewandt. Dafür aber erst recht, wenn es um Dinge von großer Tragweite geht. Da ist es nicht selten das Strategem der Wahl.

Geschickt ausgeführt, gar so, dass selbst die Ausführenden nicht wissen, dass sie Teil des Plans, sich also gar nicht wirklich verraten können, ist dieses Strategem so mächtig, dass selbst der, welcher es in Ausübung erkennt, sich nicht völlig sicher sein kann, dass es angewendet, um wie viel weniger davon sprechen darf, dass er auch nur diesen Verdacht habe, weil er sich damit selbst ins Abseits, ins Lächerliche setzte, das Strategem alsomit perfekt aufginge.

Ist der Betroffene allerdings klug, so wird er unwissentlich eingespannte Kräfte zu Zweifeln führen; wissentlich eingespannte zur Frustration: also, dass er nicht nur ständig einen wenn auch nur kleinen Erkenntnisgewinn bezüglich der Verfasstheit des Gegners mitnimmt, sondern auch mindestens Teile, die mit ihm verbunden, schwächt oder gar gegen ihn richtet.

Der Arm des Opfers wächst, jener des Angreifers schrumpft.

Läuft es ganz dumm für den Angreifer, so werden seine Machenschften offenbar.

Das muss er deshalb unter allen Umständen vermeiden. Das kann ihn seine ganze Reputation, sein ganze Stellung kosten.

 

 

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