Zeitreisen: Wie soll das funzen?

Ausgehend von einer Erörterung der Reinkarnationslehre mit dem ungläubigen Thomas Magnus hat mich Leserin Lisa mal wieder in ein neues Thema hineingestolpert. (Ich bitte darum, mir zu verzeihen, dass ich hier zunächst schon Gesagtes “wiederverwerte”. Das Thema ist aber einen eigenen Beitrag wert. Und so ist es einfacher.)

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/07/08/der-goller-glaubt-und-ein-reinkarnationist-weis/

Sie schrieb, indem wir auf das Thema Zeit gekommen waren:

‘Ja, tatsächlich gehe ich davon aus, dass es nur die Gegenwart gibt. Alles ist jetzt. Aber die menschliche Wahrnehmung ist (noch) zu träge, um diese Komplexität zu erfassen. Deshalb “schreiten” wir die Ereignisse ab und das generiert die Zeit. Eigentlich ist es eher ein Springen von Parallelrealität zu Parallelrealität, die jede für sich eine vollkommen neue Realität ist. Das erklärt auch, warum der Wahl eines anderen Glaubens auch eine andere Realität folgt. Und da alles in der Gegenwart ist, sind natürlich auch “Zeitreisen” möglich.’

Der letzte Satz dieser Passage ist wohl der wichtigste. (Ich sah es auch so, dass es nur eine Zeit gibt.)

Ich schrieb bislang dazu:

‘Eine interessante Schlussfolgerung. Ich kann sie allerdings aus irgendeinem mir noch nicht so recht klaren Grunde nicht gleich unterschreiben. Es haftet ihr jedenfalls etwas Paradoxes an.

Der “Reinkarnationist” ist übrigens auch von der Möglichkeit von Zeitreisen überzeugt. Ich werde ihn bei nächster Gelegenheit mal fragen, was er von Deiner diesbezüglichen Logik hält.

Ich selber kann es jedenfalls bislang nicht sortieren, wie der Kosmos physische Zeitreisen aushalten solle. Wenn es da keine Zeitreisepolizei gibt, wie viele meinen, dass die Sache, damit kein totales Chaos ausbricht, reguliert sein müsste, was nicht gerade ein erhebender Gedanke, weiß ich auch nicht, wie das funktionieren solle.

Man könnte natürlich auch postulieren, dass nur die Leute in der Lage sind, physische Zeitreisen anzutreten, die geistig so reif, dass sie keinen Unfug treiben.

Den Schuh zöge ich mir dann schon lieber an.’

In der Tat habe ich immer, wenn ich über das Thema nachdachte oder es mündlich diskutierte, meine Schwierigkeiten gehabt, egal, welches Modell einer verfocht, wie es da nicht den ganzen Laden auseinanderhauen möchte, es sei denn, man hätte nach jeder Zeitreise einen Gedächtnisverlust, was die Sache ja auch nicht sehr verlockend machte. Da war ich mal in der Zukunft, und dann weiß ich nichts mehr davon und denke, ich hätte die Zeit im Gartenstuhl verdöst.

Und was, wenn plötzlich 6,5 Milliarden Vollpfosten in die Steinzeit reisen, natürlich fast jeder sein Schmerzphon dabei, und da sind keine Funkmasten? Die drehen doch alle durch und finden ohne Google Earth den Nachhauseweg nicht mehr und schlagen sich bei der Nahrungsmittelknappheit alsbald die Köpfe ein. Andererseits: So könnte das Entvölkerungsprogramm der Georgia Guidestones hier reibungslos funktionieren. Man wäre das ganze Gesindel einfach los, ohne jede Sauerei.

Es riecht jedenfalls, wenn die Sache gut ausgehen soll, eben doch nach einer Art Kontingentierung. Was, wenn außer mir noch auch nur 200 Cervantesgetreue ins Spanien des frühen siebzehnten Jahrhunderts reisten, den armen Mann so zukästen, dass er gar nicht mehr dazu käme, seinen Quijote zu verfassen?

Dann gäbe es allerdings den Quijote nicht, was zwar sehr traurig wäre, womit aber kaum einer mehr Grund hätte, den Cervantes heimzusuchen, weswegen es ihn dann wiederum doch gäbe.

Die Katz beißt sich schon mächtig in den Schwanz.

Ich freute mich jedenfalls sehr, wenn mir da jemand geistig ein wenig auf die Sprünge helfen könnte.

Ich habe hier wirklich wie selten das Gefühl, dass ich nicht recht durchblicke.

Ich erflehe also Nachhilfe von Experten.

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Alles ging verdammt schnell. Ich habe zwar noch nicht alles begriffen, weiß jetzt aber immerhin, wie es vom Grunde her funktioniert. Nebenbei habe ich von Julius Cäsar auch aus erster Hand erfahren, wie er mit nur ein paar Legionen gegen eine gewaltige Übermacht Gallien eroberte. Er war auf seinen Zeitreisen einfach schneller.

Es gibt zwei Sorten Zeitreisemaschinen. Jene, die einen in die Vergangenheit bringen, sind eine Art Katapulte. Gewaltige Trümmer. Man landet dann mit einer Art Spezialfallschirm. Reisen in die Zukunft sind wesentlich aufwendiger. Hier bedarf es gigantischer Rammböcke, um das Tor der Zeit einzuschlagen. So einen Trick wie jener mit dem Trojanischen Pferd scheint noch keiner rauszuhaben. Die Rückreise kann man natürlich bequem per Katapult antreten. (Aus der Vergangenheit zurück in die Gegenwart funktionieren die Katapulte ebenso, aber eben nur bis dort. Es entsteht ein Katapultloch, durch das man sich zurückkatapultieren lassen kann, auch in jede andere, näher an der Gegenwart liegende Vergangenheit.)

Es ist natürlich von Vorteil, wenn man beim Katapultzeitreisen nicht allzusehr zum Schwindel neigt. Katapultreisetraumata kommen leider vor. Und es sind noch nicht in allen Epochen Spezialkliniken eingerichtet.

Die Katapulte treffen mit erstaunlicher Präzision. Es ist sehr selten, dass einer mehr als ein paar Monate daneben landet. Da dies aber schon einmal passieren kann, sollte man auf jedenfall lieber etwas mehr Kleider dabei haben. Es gab schon Leute, die statt im Juni im Februar in Sibirien landeten und sich Erfrierungen zuzogen.

Es ist wie sonst beim Reisen auch: wohl dem, der festes Schuhwerk anhat, einen anständigen Kittel und eine Hartwurst dabei. Und Sprachkenntnisse schaden, wenn man seinen Aufenthalt genießen will, selbstverständlich auch nicht.

Wer Lust hat, mal ein bisschen Sextourismus zu betreiben, wo ihn garantiert keiner kennt, hat gar keine Karten: Es funktioniert mit den Einheimischen nicht. Irgendwie soll es nicht funktonieren.

Alles in allem kann so eine Reise aber sehr vergnüglich sein (man kann, wer’s unbedingt braucht, aus der Gegenwart jemanden mitnehmen; dann geht es wie sonst auch).

Man sieht schon sehr merkwürdige Sachen.

Am besten hat es mir bei den Neandertalern gefallen. Sehr höfliche, aufgeschlossene, humorvolle Leute. Ich fühlte mich gleich wie zuhause.

Auch im von jetzt an gerechnet vierten Jahrhundert (das genaue Jahr verrate ich nicht, ich bin doch nicht blöd) der Zukunft gefiel es mir ausgezeichnet; man sahe nicht einen einzigen Seppel mit einem Handy herumrennen, denn man unterhielt sich telepathisch, und das Essen war auch abwechslungsreicher als bei den Neandertalern. Manche Köstlichkeit werde ich nachkochen. Außerdem musste keiner länger als drei Stunden am Tag arbeiten. Viele machten das freiwillig, aber das war ja nicht in dem Sinne Arbeit, sondern man malte und musizierte und forschte und trieb sonsten Schönes.

Da fahre ich mal wieder hin.

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9 Antworten zu “Zeitreisen: Wie soll das funzen?”

  1. Misanthor sagt:

    »Alles ist jetzt« ist als Aussage so wenig greifbar, weil schwammig. »Alles« als unbestimmtes Numeral und wie lange dauert ein »Jetzt« genau?

    »Alle Philosophie ist Sprachkritik« sagt Wittgenstein und fordert eine präzise Sprache, die jegliches Vertun, jegliches Missgeschick ausschließen möge.

    Natürlich sind Zeitreisen möglich. Aber nur vorwärts. Eben habe ich mich von einer Minute in die nächste bewegt und das auch noch menschlich wahrgenommen. Wenn ich auch noch eine Veränderung des Ortes hätte herbeiführen wollen, hätte ich aufstehen und den Raum verlassen müssen. Es ist trivial.

    Naturwissenschaftler beweisen im Allgemeinen ihre Aussagen. Das Zeit eine gerichtete Größe ist, steht völlig außer Zweifel. Damit lässt sich rechnen: Kilometer pro Stunde. Wenn ich in meinem Garten sitze, stelle ich auch fest, dass sich zeitlich alles in eine bestimmte Richtung bewegt. Aus dem Samen entwickelt sich eine Pflanze in einer gegebenen Zeit. Wer will mir da das Gegenteil beweisen?

    Wenn jetzt jemand sagt, ja, die Pflanze verändert sich ja ständig, ist das ein alter Hut. Heraklit wird dieser Gedanke zugeschrieben, wonach man nicht zweimal in den selben Fluss steigen kann. Ein alter Hut also. Und ein philosophischer Taschenspielertrick, weil man «gleich» und»dasselbe« in einen Topf schmeißt. Es gibt aber neben einer numerischen Gleichheit noch eine qualitative. Das jetzt hier zu belegen fehlt mir die Zeit.

    Ich würde, wenn ich die Wissenschaften verlasse, mich in den Bereich der Esoterik bewegen. Und hier ist jegliche sachliche Diskussion weder möglich noch nötig.

    Natürlich gibt es nur eine Gegenwart. Das ist das Wesen der Gegenwart. Die Vergangenheit war auch mal Gegenwart und auch der Zukunft kann niemand ersparen, einmal wenigstens die Gegenwart zu sein.

    Ob ich mich in diesem einen Universum befinde oder alle Millionstel Sekunde das Univerum wechsle – für mich ändert sich dank meiner trägen menschlichen Wahrnehmung überhaupt nichts. Mein Dank gilt der Evolution, daß sie es so und nicht anders eingerichtet hat.

    Ich mache jetzt einen Zeitsprung in meinen Schrebergarten und am Sonntag abend springe ich wieder zurück. Vielleicht nehm’ ich auch das Auto.

    Misanthor, an der Ostsee zu Hause :-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Misanthor

    ‘Natürlich gibt es nur eine Gegenwart. Das ist das Wesen der Gegenwart. Die Vergangenheit war auch mal Gegenwart und auch der Zukunft kann niemand ersparen, einmal wenigstens die Gegenwart zu sein.’

    Na, lieber Misanthor, da sind wir uns mit Lisa ja schon mal einig.

    Ich bin ab dem 17. 8. ein paar Tage an der Ostsee. (Werde zunächst in Warnemünde aufschlagen.)

    Wenn Du Lust hast, können wir uns bei der Gelegenheit ja vielleicht mal treffen und boshafte Witze miteinander reißen. Rufe mich desfalls einfach an. Die Nummer findest Du im Impressum oder auch über die Suchmaschine.

  3. lisa sagt:

    Beinahe hätte ich auf den Artikel nicht geantwortet, denn ich bin ja keine “Expertin”. Dann habe ich mich aber doch entschlossen, aufzuschreiben, warum mir Zeitreisen möglich erscheinen.

    Zuerst einmal muss ich mich korrigieren… Es gibt eigentlich zwei Zeiten, nämlich Vergangenheit und Zukunft. Die Gegenwart glänzt ja gerade durch die Abwesenheit von Zeit. Sie ist so etwas wie die Ewigkeit. Und Zeit ist gewissermaßen ein lokales Phänomen, ein Werkzeug, damit Wesen mit langsamer Auffassungsgabe genügend Gelegenheit haben, etwas zu verstehen. Jeder weiß im Prinzip, dass Zeit sehr lang oder sehr kurz sein kann. Besonders am Computer vergeht die Zeit wie im Nu und des Öfteren fehlt mir 1 Stunde, weil ich nicht gemerkt habe, wie die Zeit vergeht. Was ich vor kurzem von einem sehr genialen Wesen gehört habe ist, dass man entsprechend der wahrgenommenen Zeit altert, also spannend verbrachte Zeit hält jung, langweilig verbrachte Zeit macht alt. Möglich wär’s…

    Also – angenommen Alles existiert jetzt – alles was es je gab und was es je geben wird und das Individuum wählt, welche Ereignisse in welcher “Zeit” es erfahren will. Gewöhnlich wird diese Hauptwahl der Epoche vor der Inkarnation geschehen und es ist bis heute für Menschen sehr schwer, daran etwas zu verändern. Die sogenannten Naturgesetze sind so etwas wie die Basisparameter dieser Realität und es gibt wenige Menschen, welche diese ändern können. Aber das Wichtige ist, sie sind veränderbar, weil es keine Gesetze sind, sondern “nur” Glaubenssätze.

    Ich sehe schon, dass ich ausschweifend werde. Ich mache also lieber eine Art Liste…

    1. Alles ist Jetzt
    2. Es gibt unendlich viele Parallelrealitäten
    3. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Realität

    Wenn also ein Mensch eine “Zeitreise” unternimmt, dann bleibt er in seinen eigenen Realitäten. Welche Epoche und wen er dort trifft bestimmt er selber. Es gibt keinen Kollektivismus im Bewusstsein. Jeder Mensch ist ALLES. Wahrscheinlich brauchen Menschen ein technisches Gerät, zumindest anfangs, um Zeitreisen zu unternehmen. Die technischen Geräte erleichtern jetzt ja auch das Leben… oder sollten es erleichtern. In der Serie “Stargate” wurde so ein technisches Gerät ganz gut dargestellt. Man programmiert die Frequenz des Ortes, an den man gehen will und schon ist man dort. Die Frequenz findet man übrigens per Imagination und Intuition. Ganz wie an der Ostsee…

    @ Misanthor

    “Alles” ist einfach alles, was existiert und aus der menschlichen Perspektive je existiert hat und existieren wird und jetzt dauert jetzt, jetzt, jetzt, jetzt…..

    PS: Materie ist übrigens ebenfalls ein Phänomen einer langsamen Wahrnehmung. Bei höheren Frequenzen ist das mit dem Physischen kein Problem. Es ist eben alles eine Frage der Frequenz, in der man tickt…

  4. Thomas sagt:

    Wir sollten die Basics geraderichten: Es gibt keine Zeit – nur Bewegung.

    Zeit ist eine von Menschen für Menschen erfundene Krücke, die wir zum Leben mehr oder weniger brauchen. Nicht umsonst hat der gute Herr Einstein festgestellt, dass Zeit relativ ist. Sie gibt es in dem Sinne gar nicht und ist auch keine feste Größe. Es gibt nur Bewegung im Raum.

    Damit wird die Diskussion immens schwieriger aber auch richtiger.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ lisa

    Ich kam jetzt erst dazu, nach kurzem Durchsehen auf der Durchreise vorhin, Freigabe, weil offenkundig kein Staatsanwalt dawider so leicht etwas haben könne, Deinen obigen Beitrag in Ruhe zu lesen.
    Ich hätte diesen Kommentar gerne als Gastbeitrag, von mir eingangs unkommentiert, hernach nicht vor dem fünften Kommentar, unter einem Titel Deiner Wahl hier.
    Teile mir Konditionen mit, wenn Du zustimmst.
    Ich gehe desfalls auch von meinem Grundsatze ab, dass wenigstens ich den Klarnamen des Gastes wissen müsse.
    Das ist eine Sache für sich.
    Es ist jetzt kurz vor zwei. Das sehe ich aber noch.
    Wenn Du in dem Sinne noch weniger damit zu tun haben willst, gewähre mir bitte einfach durch ein Ja, dass ich diesen Kommentar ganz wiederverwenden darf, denn jetzt oder später in Vollständigkeit damit etwas anzufangen, ginge, wenn ungefragt, meines Erachtens möglicherweise, obzwar hier schon zur Gänze eingestellt, über das Zitierrecht hinaus, weshalb ich frage.
    Also, auf Deutsch: Zitieren darf ich sowieso, darf ich den indes auch ganz, nur hier, auf dieser Seite, ohne weitere Rechte anderwo, mit Punkt und Komma, nach oben als Gastbeitrag zur Diskussion stellen?

  6. lisa sagt:

    “Zitieren darf ich sowieso, darf ich den indes auch ganz, nur hier, auf dieser Seite, ohne weitere Rechte anderwo, mit Punkt und Komma, nach oben als Gastbeitrag zur Diskussion stellen?” MG

    Ja, gerne. Titel könnte sein “Warum es Zeitreisen gibt” oder “Warum Zeitreisen möglich sind” oder einen anderen, von Dir gewählten.

    Der Einwand von Thomas ist richtig. Zeit ist nicht wahr, aber wirklich. Der Begriff “Bewegung” ist einer dieser deutschen beschreibenden Begriffe über die es sich lohnt, nachzudenken…

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ lisa

    Wie Du siehst, habe ich Deinen Gastbeitrag eben eingestellt. Ich danke Dir herzlich für die Erlaubnis. Sollte irgendetwas nicht passen, so teile es mir mit, und ich ändere es.

    LG

    Magnus

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas & Lisa

    Wenn ich den Begriff der Bewegung heranziehe, so ist da außer dem Weg und dem “ung”, alswelches auf ein Geschehen hindeutet, das “Be”, welches auf ein “Bei”, “Bi”, zahlenmäßig die Zwei, weist.

    Was Einstein anlangt, so halte ich bekanntlich nicht viel von der Lichtgeschwindigkeit als höchste Geschwindigkeit, welche so anzusetzen ja gerade unter der Annahme, dass es Zeit eigentlich gar nicht gebe, ein Unsinn sein muss.
    Und: Wenn die Zeit relativ ist, wieso sollten dann nur schlappe 300 000 unserer Kilometer in unseren Sonnenjahressekunden drinsein?
    Kein Wunder, dass die Epigonen Einsteins immer neue Quarks ausbrüten, zerbraten und zu noch kleineren zerschießen.

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