Goethe

Diesen Goethe verteidigen die Leute, selbst sonst ernstzunehmende, ich hatte es grade wieder, wie als ob er ihr letztes Hemd wäre. Sie erfinden sich alles dafür, seinen Lügereien und Betrügereien noch eine Entschuldigung zu ertun, zu erklären, dass er es vielleicht ganz anders gemeint habe, als er es gesagt hat. Hirnwäsche.

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4 Antworten zu “Goethe”

  1. Misanthor sagt:

    »Die Leute« verteidigen auch Gott und die Bibel. Die nehme ich auch sonst nicht ernst, denn wer an Wahnvorstellungen leidet, Stimmen hört und glaubt(!), irgendwer da draußen im Weltraum überwacht jeden ihrer Schritte – soll ich die etwa ernst nehmen?

    Dann gibt es »Die Leute«, die glauben, etwas von dem Ruhm – zweifelhaft, oder nicht – zu erheischen, wenn sie nur nahe genug an ihrem »Idol« selbst sind, oder wenigstens an einem Platz verweilen, an dem ihr »Idol« gefurzt hat.

    Massenpsychose. Geboren in einer Stadt, die sich als »Goethestadt« bezeichnet, mit Religionsunterricht an einem »Goethegymnasium« gequält, ausgegrenzt, weil ich den Titel »Geheimrat« als nichtakademisch genau so widerlich und dekadent finde wie die des Adels.

    Blendwerk braucht Anbetung. Sonst fällt es in sich zusammen. Es ist die perfekte Symbiose: Blendwerk und Denkfaulheit.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Misanthor

    Mir geht es nicht darum, Goethe zu “schlachten”.

    Man findet bei ihm viele gute Gedanken, aber eben auch eine Menge Blendwerk, weswegen ich das auch benenne.

    Manchmal fast erschreckend finde ich in der Tat, in welcher Weise letzteres noch mittels der seltsamsten Tricks verteidigt wird. Regelhaft habe man ihn doch wahrscheinlich, womöglich, irgendwie nicht richtig verstanden, und das, selbst wenn der Unfug so graus wie im Wilhelm Meister. Da werde ich dranbleiben.

  3. Misanthor sagt:

    Mir geht es darum, »Die Leute« zu schlachten. Erzählt man ihnen, das etwas gut und von hohem kulturellen Wert sei, dann glauben sie es. Dann wird Gekleckse zu Malerei und Kakophonie zu Musik. Jeder Rülpser wird beklatscht.

    Wenn Goethe etwas meint, warum sagt er es dann nicht, oder lässt es Faust sagen? Ist das Feigheit oder gewährt er dem Publikum absichtlich die Freiheit der Interpretation? Auf die Gretchenfrage hätte Nietzsche geantwortet: »Gott ist tot!« So einfach ist das. Und um diese Grundsatzfrage des menschlichen Daseins dichtet er eine so banale Handlung, welche selbst das Libretto einer Zauberflöte meisterlich erscheinen lässt. Oder ein Fix und Foxi – Heft.

    Vor diesem Hintergrund nenne ich Goethe einen Populisten. Er schreibt Degeto. Er ist Degeto. Er würde – lebte er heute – dreimal die Woche in Talkshows sitzen und reden, aber nichts zu sagen haben.

    Und jetzt kommen »Die Leute« und bezeichnen sich als Volk der Dichter und Denker und nennen meinen Geburtsort eine Goethestadt. Hallo? Was erlauben Struuunz? Nicht, das es nicht wahrhaftige deutschsprachige Genies gäbe. Einen Gauß etwa. Den kennt aber kaum jemand und seit Wegfall des 10-Mark-Scheins ist auch sein Konterfei nicht mehr geläufig. Aber was hat das Schaffen einzelner mit dem Rest der Bevölkerung zu tun? Sind »Die Leute« so klein und mickrig, dass sie sich in das Licht eines Goethe stellen müssen, damit man auch sie wahrnimmt?

    Es wird nicht differenziert. Goethe ist Goethe und Wagner ist Wagner. Letzterer hat zauberhafte Ouvertüren geschaffen, aber wer mag sich das stundenlange Geknödel des Rings antun? Und so ist es mit Goethe. Etwas Licht und viel Schatten.

    Mir geht es auch nicht darum, Goethe zu schlachten. Ist auch nicht nötig. Wer liest denn noch Goethe?

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Misanthor

    ‘Sind »Die Leute« so klein und mickrig, dass sie sich in das Licht eines Goethe stellen müssen, damit man auch sie wahrnimmt?’

    Das ist genau mein Verdacht. Jedenfalls habe ich die Begeisterung der Leute schon oft kaum anders zu interpretieren gewusst (Lisa nehme ich da mal aus). Und in der Tat, so ähnlich sagte ich es an anderem Orte ja auch schon: Die Handlung des Faust ist banal.
    Man hat den Leuten so lange erzählt, dass nur ein Banause vor Goethe nicht auf den Knien herumrutsche, dass sie es selber tun oder wenigstens keine oder kaum Kritik wagen.
    Ich habe auch nicht nur einen viertelsgebildeten Freimaurer getroffen, der auf kritisches Hinterfragen seiner Geheimkongregation einer Sprechpuppe gleich meinte, Goethe sei doch auch Freimaurer gewesen, weshalb daran nichts Schlechtes sein könne und gewissermaßen als Ausweis, dass da lauter gescheite, edle, hilfreiche und gute Leute dabeiseien. Wie geimpft.

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