Magnus’ Kinderseite (II)

Hugindor singt und malt

Hugindor war ein rechter Wildfang. Er hüpfte und sang.

Das gefiel nicht allen.

Denn Hüpfen und Singen waren kein Schulfach. So tadelte ihn manchmal sogar sein Papa, er möge doch das tun, was die Lehrer von ihm wollten.

Endlich begann Hugindor, immer ernsthafter, zu malen. Er durfte das zwar nicht alleweil während des Unterrichts in seiner Schule, so wie seine verstorbene Mama das getan hatte, als es noch gute Schulen gab, aber immerhin bei Herrn Krummnagel, seinem Geschichtslehrer.

Herr Krummnagel war auch sowieso ein merkwürdiger Lehrer. Er sagte nämlich immer, dass man ihm kein Wort einfach so glauben solle, sondern immer selbst prüfen, nachlesen und denken.

Und man solle vor allem nicht einfach glauben, was in Büchern und im Weltnetz stehe.

Eines Tages malte Hugindor ein komisches Bild vom Krummnagel.

Der Lehrer hatte ein hellrotes Gesicht dabei, die Haare waren lila, das Hemd zitronengelb, und es ergoss sich eine Sprechblase aus seinem Munde: “Hier wird nicht geglaubt!”

Krummnagel entdeckte das Machwerk. Er stand stille. Er wusste nicht, was zu tun sei.

Nach der Stunde nahm er Hugindor beiseite und sagte zu ihm, freundlich: “Hugindor, solche Bilder darfst Du bei mir in der Stunde aber nicht malen!”

“Wieso denn nicht?”, meinte Hugindor verwundert. “Es will doch sowieso keiner meine Bilder sehen.”

Krummnagel seufzte. “Du bist zu direkt, Hugindor!”

“Aber Sie sagen doch, dass ich Ihnen nicht glauben soll!”, entgegnete Hugindor. “Und das habe ich nur hingemalt.”

“Ich sage es nur, Hugindor”, versetzte Krummnagel, “schreibe es aber nicht auch noch wohin.”

“Was soll denn so schlimm sein, wenn man etwas Gesagtes auch hinschreibt?”, frug Hugindor.

“Ab da ist es bewiesen, dass du es gesagt hast. Und außerdem hast du damit schon als Kind öffentlich gezweifelt. Es ist gut, wenn du zweifelst, aber es ist gefährlich, wenn du es hinschreibst. Es könnte einer lesen.”

“Kann ich dafür denn ins Gefängnis kommen?”, fragte Hugindor.

“Nein, natürlich noch nicht, aber wenn du groß bist, dann musst du wirklich aufpassen.”

Hugindor ging nach Hause, und sein Papa lobte ihn für das schöne Bild, sagte ihm aber auch, dass der Lehrer Krummnagel recht habe.

“Aber wieso Papa?”

“Das kann ich dir, wie der Herr Krummnagel auch, noch nicht im einzelnen erklären. Glaube mir, bitte, Hugindor, dass viele Erwachsene schon vor den Fragen von Kindern so viel Angst haben, dass es den Kindern, die sie stellen, unter Umständen nicht gut bekommt. Wir leben leider in einem Land, in dem es sogar verbotene Fragen gibt. Mehr sage ich dazu jetzt nicht.”

Hugindor war mit dieser Antwort seines Papas gar nicht zufrieden. Er war sogar stinksauer. Wieder gaben die Erwachsenen sich nur klug und allwissend. Das konnte er als Letztes ertragen.

 

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