Freiheit ist Überwinden der Angst

Es gibt Menschen, die ermessen können, was es bedeutet, wenn einem die Mitte aus dem Leibe gerissen wurde.

Nein, dies ist kein Jammerblog. Das weiß jeder, der lesen kann und hier liest.

Es gilt aber auch einmal, über Verlust zu sprechen.

Und da sind einmal jene zu erwähnen, die verstehen.

Sie sind von völlig verschiedenem “Stande”: Die Handwerker sind mir meist die liebsten.

Es war ein Handwerker, ja, zugegeben, ein Steinmetzmeister und Bildhauer, der mir nach dem Verlust meiner Frau nicht Trost spendete, sondern, indem ich mit zwei kleinen Kindern allein dastand, den folgenden Spruch mit auf den Weg gab, ein wirklicher Mann, mit klarer, voller, harter Stimme: “Dann wünsche ich Ihnen, Herr Göller, viel Mut und viel Kraft!”

Nie je hat mir einer Besseres gesagt.

Ich war mit meiner Frau noch mit ihm auf seinem Hof im Nieselregen gesessen; wir hatten uns über Kunst und Ästhetik unterhalten.

Ich danke Ihnen, Herr K., jetzt öffentlich für diese Worte.

Sie haben mir den Weg zum Wiederfinden der Mitte gezeigt.

Und wenn ich sie noch nicht gefunden habe: Sie wiesen den Weg.

Ich habe lange gezögert, hierüber zu schreiben. Ich verbot es mir lange.

Da es aber andere gibt, denen in ähnlicher Lage nicht derlei Worte zuteil werden, mache ich es jetzt.

Das Ärgste infolge solcher Lage, jedenfalls habe ich es so erfahren, ist der Mangel an Entschlusskraft und Konsequenz im Schaffen und Handeln; die gebrochene Aura; man zweifelt, wo man sonst sicher war; selbst dümmste Menschen spüren die Unsicherheit instinktiv; man traut sich selber nicht mehr, dem, was man anpackt.

Zumal Frauen spüren das, und sie werden sich derlag meist erst recht nicht dem ernsthaft zuwenden, der kein Mitleiden will. Überdies offenkundig am Ende eben doch keinen dummen Notersatz.

Ich habe mich, im Rückblicke, in über sieben Jahren, eigentlich nur für eine Frau interessiert; eine mit viel Mut und viel Kraft.

Ich selbst habe zweifellos immer noch mehr Mut als Kraft; den Mut habe ich von klein an schon aus meinem Trotze; der war mir nicht zu nehmen; an der Kraft indes hat es oft gefehlt.

Ich meine aber inzwischen, dass man, wo es um die Kraftlosigkeit geht, nicht zu viel von sich selbst fordern solle. Das zieht nur noch mehr Kraft weg.

Mehr Kraft entsteht durch beharrliches Schaffen; Philosophie, recht verstanden, gerade jene der Stoiker, Nietzsches, auch Montaignes, des Cervantes, mag helfen; dazu der Blick aufs Schöne, das Fließenlassen des Blutes in einen einst lahmgeschmetterten Arm.

Als Kind schwerstverbrannt, bin ich nur noch ein bisschen hässlich (naja, vielleicht mehr als ein bisschen), meine Frau störte es nicht, ich habe schon viele Jahre keinerlei Beschwerden mit meinen Narben mehr.

Ja, ich glaube an das Lernen, die Kunst und die Freude. Vielleicht auch noch an etwas anderes, aber das ist mir grade egal.

Auch, da die NSA es ohnehin weiß, soll gerechterweise die ganze Welt hierdurch davon wissen, wie, weshalb ein scheinbar Gebrochener wohin und wozu steht.

Wir müssen uns insgesamt hinstellen, so, wie wir sind.

Das ist der Weg zur Freiheit. Das ist Freiheit.

Freiheit ist Überwindung der Angst.

Wer sich ohnehin schon offenbart hat, muss keine Angst mehr davor haben, entdeckt zu werden. Konfuzius, der lange weinte, Nietzsche, der von sich nicht hinterm Berg hielt, neuerdings Montaigne, der offen von sich sprach, sind mir darin Vorbilder.

Was sollte es zu verbergen gelten?

Bin ich ein mieser kleiner Verschwörer?

Was gibt es an der eigenen Wahrheit zu verlieren?

Umgekehrt: Die Kabalentümer der Bilderberger undsoweiter haben vor nichts mehr Angst, als dass allzuviele keine Angst mehr vor ihnen hätten.

Insofern steht dies hier nicht nur für mich, meine Erleichterung, sondern für alle.

 

 

 

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