Krabbelikrabbela: Der liebe Magnus ist da!

Ich dächte zuviel, sagte mir vorgestern beim Biere eine gute Bekannte, ich möchte das lassen, stattdessen mehr fühlen. Abgesehen davon zu dieser Anweisung erstmal die Klappe halten. Ich hielt sie, devot, so gut als möglich.

Das war lustig. (Es war auch sonst lustig. Ich durfte später, es war nicht nur ein Bier, auch noch ein bisschen was sagen.)

Ja, genau: Ich werde mir schonmal meine unnötigen Traktate hier nicht mehr erdenken, sondern einfach erfühlen. Klappt bestimmt obersander. Krabbelikrabbela: Der liebe Magnus ist da.

Meine Kinder konnte ich mir jedenfalls nicht einfach erfühlen, so wie all die Oberfühlanderen ohne, auch nicht erdenken, indem ich sie machte, allerdings sehr wohl mit Gefühl, und, ja, zudem gemeinsam beschlossen vorsätzlich, also mit Bedacht.

Neulich nahm mich sogar irgendjemand darin ernst, dass ich gar keine Gefühle hätte, diese tunlichst unterdrückte, um von diesen ungestört denken zu können, auf dass meine Bosheiten besser gedeihen mögen, indem ich dahingehend für jeden Denkfähigen nur gescherzt hatte.

So sehe ich es denn auch als – nicht bei jener sehr Liebevollen, mit der ich begann – als das spezielle Plaisir jener an, die vor dem Denken Angst haben, Denkern, zumal wenn sie deren Denken erschreckt oder sie es nicht verstehen wollen oder können, was oft eins, deren vorgebliche Gefühllosigkeit vorzuwerfen.

Jene haben die traurige Angewohnheit, das Fühlen wider das Denken zu setzen, und umgekehrt; und selbst noch wenn sie weder Kinder haben noch je einen guten Vers gesetzt, vermeinen sie sich daran großzumachen, dass sie besser fühlten, indem es ihnen lediglich am Denken fehlt.

WAS wissen solche Toren von meinen Tränen, von meinem Lachen? Und davon, wie tief sie gehen, wenn geweint, von meinem Lachen, wenn es gelacht?

Bei aller “Kopflastigkeit”, die man mir vorwerfen mag (das Fühlen findet nicht nur im Bauche statt): Solche Naturen scheinen meist Angst vor dem Denken zu haben, weil es ihr Fühlen übers für sie erträgliche Maß durcheinanderbringen möchte, setzen von daher derlei eigene Erhabenheit und Angriffe.

Wer literarisch schreibt, der wird nunmal auch seine Gefühle, soweit dies möglich und statthaft, er dies will, gedanklich zugänglich machen: über das erstmal rein buchstabene Wort.

Tirilidudeldiundsuleika.

 

 

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2 Antworten zu “Krabbelikrabbela: Der liebe Magnus ist da!”

  1. Lisa sagt:

    “… vermeinen sie sich daran großzumachen, dass sie besser fühlten, indem es ihnen lediglich am Denken fehlt.” MWG

    Ja, das ist oft der Fall. Zudem verwechseln sie Gefühle mit Sentimentalität und Sentimentalität würde ich als eine Art “Kitsch-Gefühl” definieren, als sehr oberflächliche und verzerrte Wahrnehmung einer inneren Bewegung. (Diese Definition ist nicht endgültig…)

    Die Rolle der Gefühle wird sowieso verkannt, auch von Menschen, die nicht zu Sentimentalitäten neigen. Gefühle sind einfach eine Kommunikation über die innere Bewegung und in diesem Sinn ein sehr effektives Mittel der Erkenntnis, denn sie ermöglichen den eigenen Standpunkt festzustellen, was man wirklich glaubt, tut und wohin die Reise geht…

    Und ja, selbstverständlich schließen sich Denken und Fühlen nicht aus. Schon wieder ist das Gegenteil der Fall. Sie ergänzen sich!

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    Es kommt bei mir ständig vor, dass ein unmittelbares Gefühl direkt zum Gedanken, zur weiterführenden Assoziation führt, und ein Gedanke, eine Assoziation, zu einem unmittelbaren Gefühl.
    Ich halte das für völlig natürlich und mich dessenthalben keineswegs für meschugge.
    Im Gegenteil: Dieses Hinundherspiel ist des Menschen.
    Der Kopf höre auf den Bauch; das Gefühl stelle sich dem Verstande.

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