Von Leid und Freud mit Anonymussen im Netz

Gestern meinte einer, der sich “Armin der Jüngere” nennt und mich mit “Lieber Magnus” ansprach, er habe ein paar ernste Fragen an mich und freue sich sehr, wenn ich ihm diese beantworten könnte.

Es folgten – unter anderem – diese drei Fragen:

Was willst Du wirklich mit dieser Seite?

Was willst Du wirklich erreichen in Deinem Leben?

Du schimpfst gerne über Veganer und andere nicht Fleischfresser, äh … pardon -esser? Warum sollen Erstere schlechtere Menschen sein wie die Anderen?

In der ersten Frage, was ich mit dieser Seite wolle, fiel mir natürlich das “wirklich” sofort auf – der Text zeigt, dass da kein Depp schreibt, der seine Worte nicht zu wählen weiß – , welches insinuiert, ich triebe hier irgendein falsches Spiel.

Das zweite “wirklich” bezüglich dessen, was ich in meinem Leben erreichen wolle, unterstreicht das, dann aber eher in dem Sinne, dass ich gar nicht so recht wisse, was ich darin erreichen wolle.

Die dritte hier erwähnte Frage, weshalb Erstere, also Veganer, schlechtere Menschen sein sollten, trug im Vorspanne die unwahre Behauptung, ich schümpfe gerne über Veganer und andere “nicht Fleischfresser”.

Was will nun einer, der zuckersüß beginnt, anonym natürlich, wenn er derlei Fragen dergestalt stellt?

Selbstverständlich will er mich aufs Glatteise führen, mich dazu veranlassen, mich zu rechtfertigen. Zweimal Unterstellung, einmal Lüge, in bzw. vor drei Fragen: das reicht also bequem wie sofort für diesen Schluss.

Ich antwortete, keine der Fragen beantwortend, spontan etwas anders, hätte es vielleicht so tun sollen:

Wozu fragst Du hier wirklich nach dem Behufe dieser Seite? Wozu fragst Du hier wirklich nach meinem Lebensplane? Wieso unterfütterst Du die Frage bezüglich schlechterer Menschen mit einer Lüge? Was machst denn Du wirklich so? Kennt Dich wirklich einer? Wie heißt Du wirklich? Wie steht es wirklich mit Deinem Lebensplane?

Von der Konsequenz her wäre es wohl klüger gewesen, wenn überhaupt, so oder ähnlich zu antworten.

Andererseits hätte der andere, bequem anonym bleibend, eben doch erreicht gehabt, dass ich mich wie als womöglich eben doch durch seine Fragen getroffen geäußert hätte, damit sein Ziel wenigstens teilweise, nämlich mich als öffentliche Person in ein zweifelhaftes Licht zu rücken.

Derlei gilt es stets zu beachten, wenn man, selbst unter Klarnamen, im Netz von Anonymussen schräg angemacht wird bzw. diese versuchen, einen aus der Reserve zu locken. Deren Risiko, einen eigenrufschädigenden Fehler zu machen, liegt, da sie unkenntlich, letztlich bei Null, jenem mit dem Klarnamen kann hingegen jeder Fauxpas ewiglich zugeordnet und nachgetragen werden.

Was derlei Helden von der unsichtbaren Gestalt dabei aber regelmäßig übersehen, ist, so banal das zunächst klingen mag, dass ein Text immer ein Text ist.

Nicht immer, aber allermeist, nehmen sie sich, wenn sie solcherlei Manöver ansetzen, gerade ob ihrer Anonymität Dinge heraus, derer sie sich sonst entblödet hätten.

Wo sie sonsten – wofern ihnen die Mittel dafür zu Gebote stehen – mit dem Florett angetreten wären, greifen sie zur mehr oder weniger groben Schleuder.

Ein fast durchgängiges Phänomen.

Von sämtlichen schrägen Nummern, die ich hier in viereinhalb Jahren kommentarweis erlebt habe, stammten wohl fast ausnahmsweis alle (ich erinnere mich gerade zumindest keiner Ausnahme) von Anonymussen; und das Witzige daran ist, dass sie trotzdem recht schnell beleidigt zu sein pflegen, oft nie wieder auftauchen, wenn man ihnen daraufhin ein wenig heimleuchtet.

Selbstverständlich gibt es auch Anonymusse, die ihren (vermeintlichen) Vorteil nie dahingehend missbrauchen, sich so zu äußern, wie sie das unter ihrem echten Namen niemals täten; nicht wenige davon.

Vor diesen Leuten habe ich, gerade, weil sie ja sehen, wie andere ihre diesbezüglichen Möglichkeiten nutzen, wohl auch mal gegen sie, die Versuchung groß, hohen Respekt.

Jene Anonymusse aber, die ihre Anonymität für Streiche nutzen, die sie sich offen nicht auszuführen verwagten, merken allermeist nicht (bei echten Profis liegt das natürlich anders; aber die sind nicht gar so häufig), dass sie über ihr Schreiben, wenn es derart angelegt, ihr Denken und ihren Charakter korrumpieren, sich letztlich selbst beschädigen.

Dies geschieht allein schon dadurch, dass sie sich Fehler nicht in der unangenehmen Weise vorhalten lassen und letztlich vielleicht eingestehen müssen, wie dies den unter Klarnamen Auftretenden auf kurz oder lang unvermeidlich ereilt.

Sie sind eben – meinen sie, letztendlich ist das aber ein Trugschluss – für ihre Worte nicht wirklich verantwortlich.

Manchmal ärgere ich mich, zugegeben, noch ein bisschen, wenn so einer aufkreuzt, schelte mich dann aber einen Erzesel darob, denn das ist nutz- und sinnlos, gar blöde, weswegen ich daran arbeite, dies ganz abzuschaffen, allzumal ich ja dafür eher dankbar sein sollte, weil ich daran lerne und es mich stählt.

Fast könnte man sagen, dass derlei Anonymusse das textsemantische Salz in der Netzsuppe seien.

Nein: Das wäre dann doch übertrieben. Aber eine besondere Würze geben sie dieser unserer modernen Form der Kommunikation doch; und sie geben uns, recht betrachtet, immer wieder tiefe Einblicke in die menschliche Psyche, nicht selten sehr aufschlussreich.

 

 

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4 Antworten zu “Von Leid und Freud mit Anonymussen im Netz”

  1. Armin der Jüngere sagt:

    Gut, Du hast mir zwar nicht geantwortet aber doch kann ich eine Antwort erkennen. Wobei ich zugeben will, dass diese nicht in der Sachlichkeit ausviel, wie ich sie von Dir erwartet habe.

    Ich möchte ein paar Dinge klarstellen:

    Die Anrede ist Formsache. Damit will ich sagen, dass ich Dich, soweit das mir über diese Komunikationsart möglich ist, als Mensch schätze.

    Es war nicht, ist es nicht und wird es auch nie sein, meine Intension, Dich in Irgendeiner Form bloszustellen. Im Gegenteil, ich versuche ernsthaft herauszufinden, wer hinter diesem Magnus steht.

    Autentisch ist Mensch und Werk eins – und davon gehe ich aus – weil ich bin, wie ich bin! Daraus kann ich lernen, nur daraus.

    Aussagen von Menschen hängen immer direkt mit Ihnen zusammen. Also die selbe Aussage zweier Menschen kann durchaus jeweils etwas ganz anderes Bedeuten… ausser ein blender ist am Werk!

    Ausserdem steckt das Mistrauen in uns allen….

    Und fairerweise kanst Du es nicht nur für Dich reklamieren!

    Es wäre wohl besser einige Dinge bei einem guten Glase zu besprechen. Auch das würde ich gerne tun.

    Ausserdem glaube ich, dass wirklich Fruchtbares nur im direkten Kontakt entstehen kann – von Angesicht zu Angesicht und Mann zu Mann.

    Dann der Vorwurf, ich verberge mich hinter der Anonymität, ist haltlos. Du kenst meine E-Mailadresse die mich als Person einwandfrei identifiziert inkl. Wohnort und Adresse. www. ….
    inkl Handynummer etc.
    Ich bin also weniger Anonym denn Du!

    Wäre ich Anonymus würde ich eine g-mail oder mail oder weiss nicht was Adresse angegeben haben.

    “Selbstverständlich will er mich aufs Glatteise führen, mich dazu veranlassen, mich zu rechtfertigen. Zweimal Unterstellung, einmal Lüge, in bzw. vor drei Fragen: das reicht also bequem wie sofort für diesen Schluss.”

    Selbstverständlich will er mich aufs Glatteis führen…. glaubst Du wirklich, dass ich meine kostbare Zeit hier einsetze und ein kleines primitives Vergnügen, Erfölgchen haben zu können. Oder ist es nicht viel mehr so, dass ich mir Zeit nehme, weil Du es mir Wert zu sein scheinst!?

    Gerade eine Rechtfertigung will ich nicht. Ich will verstehen!
    Auf den zweiten Satz gehe ich nicht ein. Er ist weder Deiner noch meiner Würdig. Ja ich kann gar nicht, denn dann kommen wir nicht weiter und das weisst Du natürlich genau… oder ist es das, was Du willst?

    “Sie sind eben – meinen sie, letztendlich ist das aber ein Trugschluss – für ihre Worte nicht wirklich verantwortlich.”

    Ich bin selbst für meine Gedanken verantwortlich und ich wäge sehr gut ab, was ich sage oder gar schreibe.
    Und für mein Tun, Handeln bin ich und nur ich verantwortlich – auch für mein Nich – Tun!!!
    Gerade dahin gingen meine Gedanken bei dem vormaligen Schreiben.

  2. Anonymus sagt:

    Ich habe es gleich geschrieben, dass ich mich unter die Anonymusse einreihen will, aber nicht um mich “daneben” zu benehmen.

    Ich bin hier sowieso in einer “terra incognita” der Geisteswissenschaftler auch unter Klarnamen findet man mich nicht mit google (überprüfe ich regelmässig), so eine kleines Licht bin ich. Man sieht es an meinen Kommentaren oder Anmerkungen, schon von meinem Deutsch her, ich passe eigentlich nicht recht dazu, so schrecklich direkt.

    Nur wenn man in einer “Volkszählung” zwischen 1900 und 1930 (ich weiss nicht, wann eine stattgefunden hat) bei Religion angegeben hat: “Mosaisch” landete man nach 1942 in einem KZ und in diesem Land bleibe ich lieber anonym.

    Einmal hat Magnus mich davon abgehalten in ein Fettnäpfchen zu treten ich bin Ihm als Naiver* dankbar dafür.

    Wenn ich mich umgangssprachlich ausgedrückt “verpissen soll”, dann schreibe es bitte Magnus, ich hätte keinen Groll.

    *Ingenieur = In-Genieur, also ein Mensch ohne Genius, ein Naiver also

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Du bist allzeit willkommen; es ist ein reiner Zufall, sieh es bitte als einen lustigen, dass hier mancher Anonymusse gewürdigt ward.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin der Jüngere

    Ginge es etwas präziser?

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