Von Händeln und von Ratgebern

Es ist immer wieder interessant, zu erleben, wie Leute, die bezüglich gewisser Dinge, zumal offener Schmähung halber, selbst sehr empfindlich reagieren, einem, wo das dem anderen widerfahren, aber Vorhaltungen dessenthalben machen, er hätte darauf besonnener, geduldiger reagieren sollen, nicht noch durch irgendwann einigermaßen deutliche Riposten noch Öl ins Feuer gießen, gleichzeitig aber nicht zu sagen wissen, wie das hätte aussehen sollen, auf Admonition dessen schließlich damit antworten: “Woher soll ich das wissen? Ich bin doch nicht du!”

Dies alles, um dann nicht nur damit fortzusetzen, man habe es nicht nur an souveräner Gelassenheit fehlen lassen, an feinerer Rede, sondern, als besonders vergiftete Form des Lobes, auch mit Sicherheit, wie in der Vergangenheit durchaus mehrfach bewiesen, über die Mittel verfügt, die Dinge besser zu steuern, alswomit es nur der Unwille gewesen sei, den anderen, der nunmal bekanntermaßen ein Heißsporn, deshalb gewissermaßen exkulpiert, pfleglicher zu behandeln, man hiemit letztlich der Hauptendschuldige an der stattgefunden habenden Eskalation der Auseinandersetzung.

Dies recht eigentlich ein ärgerlich’ Ding, so muss ich dann doch darüber lachen, sobald ich mir vorstelle, wie jener Weltweise selber wohl reagiert hätte, in analoger Lage. Und, merkwürdigerweise, da fällt mir so manches Putzige ein.

Die Sache, jetzt wieder erlebt, ist mir jedenfalls in dem Sinne eine Warnung, dass ich niemandem Vorhaltungen machen sollte, er hätte diplomatischer und klüger agieren können, ohne sich dadurch zu beschädigen, wenn ich dem anderen endlich nur meine Kritik weiß, aber keinen konkreten Vorschlag, wie er möglicherweise, was ja ex post ohnehin spekulativ bleibt, besser durch die aufgewühlten Wasser gesegelt wäre.

Nur darauf hinzuweisen, was wohl besser zu unterlassen gewesen wäre, mag angehen, wenn die Sache eklatant, man also beispielsweise den anderen als “hinterfotzigen Drecksack” oder “Erzarschnase” zurückbeschimpft hätte, indem der mit ähnlichem begonnen, sich das aber trotzdem wohlweislich hätte sparen können und sollen.

Wenn eine Sache schiefging, ist hinterher nicht nur leicht sagen, dass sie schiefging, sondern auch behaupten, weshalb; mögliche Alternativen sind, selbst wenn überhaupt vorgebracht, wohlfeil, da der Wirklichkeit nicht ausgesetzt.

Auch hier wird oft nicht bedacht, dass die Sache nicht nur besser, sondern gar noch schlimmer hätte ausgehen können; ebensowenig, dass die Härte des gefochtenen Straußes durchaus eine gesunde gewesen sein könnte, was sich unter Umständen erst viel später erzeigen möchte, oder eben nie, wenigstens als gewiss.

Und: Weshalb sollte man einem, der unbedingt streiten will, wenn nichts Ernstliches für einen selber oder andere darausher dräut, seinen Willen darin nicht lassen?

Wird er vielleicht nicht eher zur Besinnung kommen (wofern es im positiven Sinne eine wäre), wenn man ihn sich austoben lässt, seine Streitsucht nicht durch immerzu gute Worte unterläuft, ihn zu besänftigen?

Hinzu kommt dabei natürlich auch noch die Frage der indirekt beteiligten Parteien.

Steht der Widersacher allein für sich, oder verrichtet er seine Sache für eine ganze Gruppe, im Auftrage derselben? Wie viel an Rang, Ansehen, Vorteil, Zwang, Getriebenheit steht dahinter?

So pflege ich denn einen, der nur für sich gegen mich schimpft, doch unter Umständen länger unimpediert schimpfen zu lassen, denn wenn klar erkennbar, dass er, sozusagen, als verbaler Rädelsführer für eine ganze Bande steht, die mich in Unbill zu setzen trachtet. In diesem Falle nämlich kann es, bei gleicher Wortwahl des anderen, durchaus angezeigt sein, sich gleich gar nicht allzuviel bieten zu lassen, da jede Sanftmut sogleich als Schwäche gedeutet werden mag, die Gegenseite nur ermutigen und bestätigen, Dritte den Kopf über diesen Weichling schütteln werden, der sich hilflos weiters in Diplomatie versucht, entweder feige, oder nicht ganz bei Verstand oder beides, wo sich klariter zur Wehr zu setzen unabdingbar.

Letztlich, noch, kommt der Faktor Zeit dazu.

Der Angegriffene muss sich womöglich sofort oder sehr zeitnah entscheiden, ob und wie er reagieren solle; der kluge Ratgeber kann sich derweil den ganzen Händel in Ruhe betrachten, auch vom Ergebnis her, ganz entspannt im Hier und Jetzt und Nachher.

Trotzdem sollte man sich durchaus nicht einfach wegdrehen, denn man macht, zweifellos, Fehler, und manchesmal mag einen selbst eine falsch angesetzte Kritik auf den Pfad dahin führen, wo wahrscheinlich wirklich einer stak.

 

 

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