Von alten und von neuen Schülern

Immer wieder große Freude bereitet es mir, mit aufgeweckten 16-18-Jährigen über das Allzumenschliche zu reden, über Psychologie im Alltag.

In diesem Alter haben die jungen Leute bereits eigene Beobachtungen zu den regelhaften Merkwürdsamkeiten ihrer Mitmenschen gemacht und sich einige interessante Gedanken dazu.

Nicht nur dass derlei Gespräche oft sehr lustig ausfallen; sie nehmen weiterführende Beispiele, erläuternde Schwänke und Anekdoten mit großer Verständnisbereitschaft, mitunter fast begierig, schnell dazu ermutigt, eigene Geschichten einzubringen, auf.

Manchmal ist es, wie als ob da ein fruchtbares Feld, auf dem schon manche Blume erblüht, mancher Same schon gequollen, mancher Keimling nur noch etwas gegossen und gedüngt werden wollte, um zu voller gesunder Pracht hin gedeihen zu können.

Es ist dies Alter, in dem ich mir wünschte, umfässlicher, als ich das bislang in und nach einem Deutsch- oder Englischunterricht zwischendrein darf, entsprechend Interessierte und Begabte in kleinen Gruppen interdisziplinär auf den Gebieten Sprachwissenschaft, Psychologie und Philosophie unter meine Fittiche nehmen zu dürfen: Hier kann man Grundsteine legen, in einer Weise Anregungen zur Selbstfindung und allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung geben, wie dies bei Jüngeren aus dem einen Grunde, bei Älteren aus dem anderen, oft noch nicht, später schon wieder nicht mehr so leicht möglich.

Gleichaltrige sind meist nicht in der Lage oder nicht willens, entsprechend mitzugehen, so dass der jugendliche Erwachsene da ziemlich alleingestellt; Ältere sehen die Möglichkeiten dieser jungen Menschen nicht, halten sie für zu unreif, oder finden keinen echten Draht zu ihnen, nicht die richtige Ansprache.

Mögen die Götter mir gewogen sein und also Schüler zuführen, mit denen nicht stets auf die nächste Klausurnote zu schielen ist, deren Eltern mich gerne dafür bezahlen, dass ich ihren Sprösslingen bei der allgemeinen Erweiterung ihres Horizonts helfen darf!

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