Konstantin von Stuttgart gen Hamburg

Nachdem Konstantin mit Magnus noch ein angemessenes Frühstück, oder eher Spätstück, eingenommen hatte, also des Käses, der Fischcreme und der gekaperten Eier wie sodann des gewärmten Pferdsgulaschs nicht geschont worden war, also, dass die beiden Freunde wieder in einer Weise lustig standen, einen Abschied verkraften zu können, obschon Steinweins nicht hinzuzuführen ward, nicht einmal ein kleiner Chablis, eben nur ein robuster spanischer Magenausregler, zwei Stück Konfekt zum Nachkaffee, ein genüssliches Zigarettchen, andächtig, wissend, dass es wieder lang dauern möchte bis zu einer neuerlichen ziemlichem Zusammenkunft, indem Konstantin davor, endlich in Hamburg seiner Pflicht zu tun, Magnus, wie immer, zwischen Bergen von Schriften irgendein Obauf zu erkennen sich in die Lage zu setzen sich verstehen würde müssen, dieweil sein treuer Freund sich in allerlei noch fragwürdsame Fährnisse begeben werde, ward man etwas gefühlig, was sich, so hielten sie es nunmal, in Form einer umso unmittelbareren Ansprache äußerte.

“Wie gedenkst du es jetzt mit jener Gitte, Maulheld oder Maulhalt, zu halten?”, frug Magnus fast überarg trocken.

“Ich habe ihr geschrieben, dass ich zwar schon ein bisschen was von Hunden verstünde, aber wohl noch nicht viel von Pferden. Ich käme also gerne mal auf Papas Reiterhof, der Anfangsgründe dieses edlen, bislang versäumten Behufs etwas zu erlernen.”

“Und sonst? Was ist mit den Hamburgern?”

“Das mit den Hamburgern frisst schon etwas an mir; Hamburger sind keine Rottweiler; ich habe mich ja ein wenig kundig gemacht; die Hamburger sind mindestens so anmaßend wie die Münchener, eher gar noch mehr; klar ist aber, dass die Hamburger viel genauer aufpassen, als die Münchener, die in dieser Hinsicht an ihnen gemessen alswie ein Voralpensenn im Mittagsschlafe gegenüber einem Hafenmeister. Alle haben mir gesagt, dass die Hamburger weitaus wiefer seien als die Münchener, härter, beherrschter, kühler, berechnender.”

“Du hast doch nicht etwa Angst vor den Hamburgern?”, fragte Magnus, fast schon halb besorgt. “Oder sind es die Hamburgerinnen, die knackigen blonden Werbeagenturchefinnen in ihren Cabrios, vor denen Du Dir in die Hose machst?”

“Ach nein, mit den Weibern ist es jetzt erstmal genug.”

“Jaja.”

Sehr gemütlich ging man noch die halbe Stunde zum Hauptbahnhof. Magnus verdrückte heimlich eine Träne, indem Konstantin sich in den Zug an Elbe und Alster hinwegverbrachte.

Obschon es unangemessen schien, aber indem Magnus doch schon, achtzehn Jahr älter, hätte Konstantins Vater sein können, war ihm ein wenig, wie als ob er einen eigenen Sohn ins Ungewisse verabschiedet hätte.

Magnus merkte noch einmal, wie nahe ihm Konstantin war, wünschte ihm noch einmal viel Mut und viel Kraft.

 

 

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