Diskrete Verhandlungen in Südschwitz (II)

Den Kiffern klarzumachen, dass sie es auf dem Adenauerplatz nicht schon tags übertreiben möchten, auch die Dunkelbütt’ (also die Kate der VSler) in ihrer Integrität einigermaßen zu achten sei, wie Hartholtz das von mir eher gefordert denn erbeten, war wirklich keine leichte Aufgabe.

Die Kiffer hier sind nämlich ein sehr stolzes und eigenwilliges Völkchen; nicht nur, dass sie, bezüglich des echten Inlandsproduktes, also abzüglich all der “Staatsaffen”, die aus Norddoof bezahlt, wohl zwei Drittel an der einheimischen Wirtschaftsleistung erbringen, davon nur einen marginalen Teil mittels Hanfprodukten, nein, sie sahen es zunächst gar nicht ein, weshalb man mittags zum zweiten Bier nicht dort, wo die meisten leichtgeschürzten, knackerten Mädels von Südschwitz einherstolzieren, zu diesem erhebenden Anblicke, denn auch mit denselben, sie eingeladen habend, ein ordentliches Ofenrohr mit bestem SSS (Südschwitzersuper) verrauchen dürfen solle, nur weil der Oberst mal wieder meckere und Norddoof dazu einen auf indigniert mache.

Meine Entgegenungen von wegen Contenance und Kompromiss und Diskretion im Sinne der Beförderung des Wohles aller stießen zunächst auf wenig empfängliche Ohren: Wer denn hier wohl den ganzen Laden eigentlich schmeiße? – außer dem Olli, wider den man damit ja nichts gesagt haben wolle, wie auch nicht gegen mich – , was wohl die ganzen Bundis sagten, ließe man sie allein Tabaks und Bieres? – und so nahm eine zunächst hitzige Debatte ihren Lauf.

Es dauerte.

Schließlich wusste ich eine südschwitzerische Lösung vorzuschlagen.

“Ihr kifft tags – jedenfalls nicht zu offensichtlich – nicht am Adenauerplatz, lasst die Dunkelbütt einigermaßen in Frieden, und ich sorge dafür, dass Hartholtz nach Norddoof meldet, die Verhältnisse in Punkto Hanf seien hier keineswegs prekärer als, etwa, beispielsweise, in Berlin. Es gebe also praktisch so gut wie keine Kiffer, weswegen man um die paar Wurzelstrunkhäcksler kein großes Geschieß’ machen müsse.”

Der “Kantenkurt” (es gibt hier kaum Kanten, aber er heißt trotzdem so), alswelcher hier in Hanffragen etwa das, was Olli in Bier- und ich in Bildungsfragen, meinte, nach einem extraliberalen Zuge aus seiner mobilen Erdpfeife, es sei doch insgesamt sinnig, auf mich zu hören, man möchte da und dort nachgeben, eben und auch und gerade um in Südschwitz, er spreche jetzt sehr ernsthaft als Gleichstellungsbeauftragter, dem Hanfe zu bierartigen Rechten zu verhelfen.

Darum gehe es ja letztlich allen. Er kenne keinen vernünftigen Südschwitzer, der das nicht anstrebe. Hartholtz handele unter Zwang. Geduld sei angesagt. Magnus spreche nicht aus Feig- sondern Klugheit. Klar, man müsse wachsam bleiben, dürfe weitere Einschränkungen nicht so ohne weiteres dulden. Jeder möge ihm melden, wenn er Grenzen übers Maß verletzt sehe, egal von wem, zumal Hartholtzens tarnfarbenen “Flachkiffern” (er sagte wirklich “Flachkiffern”).

Ich konnte Oberst Hartholtz hiemit in dem Sinne Vollzug melden, der Kantenkurt habe eine insgesamt versöhnliche Parole ausgegeben, alswelche Nachricht dieser gerne vernahm; und er sagte noch zu mir: “Meinen Sie etwa, Herr Göller, dass ich als der erste deutsche Offizier in die Geschichte eingehen möchte, der einen Graskrieg geführt hat?”

“Nein, Herr Oberst (ich weiß, dass es ihm gefällt, wenn ich ihn so anspreche), ich hätte kaum je in Anschlag gebracht, dass ein derart zweifelhaftes militärisches Abenteuer in ihre Lebensplanung fallen könne, sich hernach gar, wenn die Ahnentafel besprochen, unter ihren Nachfahren wenig rühmlich machen möchte.”

“Göller (jetzt ließ er sich nicht lumpen, indem er mir den ansprachsweisen Zivilistenbonus mal wieder entzog), Sie sind ein unerträglicher Schwätzer. Normalerweise wären Sie sofort zu füsilieren. Es läuft an der Front aber nicht immer alles, wie man sich das wünschte. Leider. Grüßen Sie Ihre Lebensgefährtin von mir. Und sagen sie Ihren Leuten, dass sie ihre Tüten austreten sollen, bevor der Busch brennt.”

Seitdem herrscht in der Hanfsache ein relativ unproblematischer Waffenstillstand, mit dem selbst der Kantenkurt sich arrangiert hat.

 

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