Absoluter Doppelsprech (IV)

Wer die ersten drei Teile aufmerksam liest, wird dies unschwer erkennen: Der absolute Doppelsprech lebt von zwei sich ergänzenden Faktoren; vorgeblichen Opfern, die ihn sich, wenn sie in dieser Hinsicht zu agieren gewünscht, gerne, willfährig, zu ihrem Vorteile (der allerdings auch schnell zum Nachteil werden kann, wenn oben neue Beschlüsse gefasst werden, oder aber, weil es allzuvielen Leuten dann doch reicht) zueigen machen, und der sprachlichen Definitionsmacht derjenigen, die die Medien lenken.

Er lebt zudem von seiner Absolutheit, seiner beinahe Unantastbarkeit.

Auch von der Feigheit der Leute, jeder Art Verleumdung natürlich.

Und überdies, neben den direkten oder indirekten Profiteuren, davon, dass ein Großteil der Mitläufer gar nicht merkt, nicht merken will, in welchem Maße er von ihm gefangen ihn mitbetreibt.

Einerseits Vergleiche über jedes statthafte Maß ziehend, andererseits sich eigentlich aufdrängende Vergleiche tabuisierend, zieht er seine brutale, blutige Spur.

Ein Hauptbehuf dabei ist es, nicht nur logische Rede auszuschalten, sondern das Denken der Massen so vollständig als möglich zu korrumpieren, auch schon vom Grunde her deren bewusste Wahrnehmungsfähigkeit.

Und er arbeitet mit einem in letzter Zeit besonders auffällig gewordenen Strategem, nämlich mit der Behauptung von Alternativlosigkeit und Unumkehrbarkeit, indem er für jede nur denkbare Alternative oder Umkehr totale Schreckensszenarien als unausweichlich zeichnet.

Ganz besonders vorzüglich gerne bedient er sich dabei solcher Figuren wie jenes Joschka Fischer, die, vorgeblich von ihrem Gewissen schwerstbeladen, in Wirklichkeit skrupellose Heuchler, Opportunisten, Karrieristen, ganze Bevölkerungsgruppen vom Pazifismus in den Bellizismus, von der Kapitalismuskritik in die notwendige Akzeptanz des Turbokapitalismus, von der Forderung nach Gleichberechtigung in die je erwünschten Formen gnadenloser neuer oder alter Diskriminierung führen.

Derlei Gestalten feiert der Doppelsprech als “Aufrechte”, “Geläuterte”, “Helden des Gewissens” usw. alswie Säulenheilige. Alswie Saulusse zu Paulussen.

Gestern noch ein Palästinesertuch ums Genack, heute skrupelloser Agent des Zionismus, gestern noch beim KB Nord, heute Totalverscherbler des Volksvermögens, Wasserprivatisierer, Klimaschwindelgroßprofiteur.

Gestern noch gegen Rüstungsfirmen demonstriert, die Nato, alle Soldaten als Mörder erklärt, heute die besten Kumpels der Drohnenmörder und Terroristenunterstützer, Foltergefängnisbetreiber.

Nein, Sie müssen sich nicht die Augen reiben: Alles, was ich da sage, ist nachweisbar, findet genau so statt.

So läuft das mit dem absoluten Doppelsprech.

 

 

 

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3 Antworten zu “Absoluter Doppelsprech (IV)”

  1. Armin sagt:

    @Magnus
    ” Wirklichkeit skrupellose Heuchler, Opportunisten, Karrieristen, ganze Bevölkerungsgruppen vom Pazifismus in den Bellizismus, von der Kapitalismuskritik in die notwendige Akzeptanz des Turbokapitalismus, von der Forderung nach Gleichberechtigung in die je erwünschten Formen gnadenloser neuer oder alter Diskriminierung führen”
    Sehr schöner Artikel mit der zentralen Doppelsprech Aussage, die ich auch für einen sehr elementaren Teil der Lüge halte, eine sehr peinliche Haltung dieser Doppelsprech. So doppelspricht man sich zur hässlichen Fratze.

  2. Dude sagt:

    Wirklich ein sackstarker Vierteiler!

    Um dies, bezüglich der Macht der Massenmedien, noch etwas zu ergänzen, folgende Empfehlung: https://dudeweblog.wordpress.com/2013/03/12/hypnotisierte-massen-manipulierte-menschen/

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Mir ist natürlich klar, dass vieles vom Gesagten hier wie anderwo schon ähnlich vorgebracht wurde; meines Erachtens gehört die “Fratze” aber immer wieder aufs Neue beleuchtet bzw. abgerissen. Ist das Geschriebene in sich stimmig und nicht bloß mau abgekupfert, so mag schon ein einziger wichtiger neuer Blickwinkel hinreichen, eine weitere Veröffentlichung zum Thema zu rechtfertigen.
    Außerdem mag sich mancher noch gar nicht genauer damit befasst haben, oder eben erst manche neue Formulierung, mancher so noch nicht gezogene Vergleich, jemanden ansprechen, der die Dinge bislang verdrängte, überlas, was ihm dargelegt.

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